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BlockbildungBlockbildung (1948–1963)

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Blockbildung

Blockbildung bezeichnet die institutionalisierte Integration der ost- und westeuropäischen Staaten nach 1947 in zwei unterschiedliche wirtschaftliche, politische und ideologisch ausgerichtete Systeme. In beiden Fällen vollzieht sich diese Integration unter der Dominanz eines Hegemons, im Fall des westlichen Blocks der USA, im Fall des östlichen Blocks der Sowjetunion. Sie wird durchbrochen durch die Bildung der BlockfreienbewegungBlockfreienbewegung im Zuge der Dekolonisation ab 1947.

In Westeuropa war es Großbritannien, das damit begann, eine Allianz als Gegengewicht zur sowjetischen Einflusssphäre zu organisierenWesteuropa: Blockbildung unter Führung Großbritanniens. Der Bündnis- und Beistandsvertrag von Dünkirchen (1947) zwischen Großbritannien und Frankreich war zwar primär gegen Deutschland gerichtet, stellte jedoch zugleich den Kristallisationskern für eine westeuropäische Zusammenarbeit im Kontext des sich verschärfenden Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts dar. Dieser Vertrag wurde 1948 – wiederum auf Initiative Großbritanniens – um Belgien, Luxemburg und die Niederlande (Brüsseler Fünf-Mächte-Pakt) zu einem Pakt zur kollektiven Verteidigung und zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenarbeit erweitert.

Die USA hatten 1947 damit begonnen, den wirtschaftlichen Aufbau Westeuropas durch den Marshall-Plan zu unterstützen. 1948 gründeten sie die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC), zur Koordination der europäischen Volkswirtschaften mit Kanada und den westeuropäischen Staaten. Die Berlin-Blockade im Juni 1948 führte zu Verhandlungen über einen Atlantischen Vertrag und zur Gründung der NATONATO 1949 durch die USA, Kanada und zehn westeuropäische Staaten. Die NATO war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine integrative Militärorganisation mit gemeinsamen militärischen Einheiten und einem Oberkommando, sondern definierte sich selbst als kollektives Sicherheitssystem.

Die Transformation der NATONATO in eine Integrierte Allianz vollzog sich erst 1950: Sie wurde mit dem „Verlust“ Chinas (1949) für den Westen, unter dem Eindruck der Explosion der ersten sowjetischen Atombombe (September 1949) und insbesondere durch den Ausbruch des Korea-Kriegs (Juni 1950) gefördert. 1950 fiel die Entscheidung, die Bundesrepublik wieder aufzurüsten und in die NATO zu integrieren, bei gleichzeitiger Verstärkung der Bodentruppen in Europa und der Entsendung eines US-amerikanischen NATO-Oberbefehlshabers nach Brüssel. Mit der Integration Griechenlands (1952) sowie Deutschlands und der Türkei (beide 1955) war die Beitritt Deutschlands zur NATO 1955Bildung der NATO vollendet. Sie sollte in dieser Form bis nach dem Ende des Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts bestehen bleiben.

US-EinflussbereichSowjetischer Einflussbereich
Europa
Vertrag von Dünkirchen 1947 (Führung: GB)bilaterale Bündnis- und Beistandsverträge (1943–1948)
Koordination der Volkswirtschaften: Organization for European Economic Cooperation (OEEC, 1948)Koordination der Volkswirtschaften: Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW, 1949)
NATO (1949, 1952 Griechenland, Türkei, 1955 Beitritt Westdeutschland)Warschauer Pakt (1955, Beitritt DDR)
Welt
Rio Pakt (1947)OAS (1948)SEATO (1954)ANZUS-Pakt (1951)CENTO (1955)Bilaterale VerträgeNordkorea (1955)Kuba (1960)Vietnam (1975)
Innerstaatliche Interventionen
Guatemala (1954)Kuba (1962)Brasilien (1964)Chile (1970–1973)El Salvador (1981)Grenada (1983)Britisch Guayana (1963)Dominik. Republik (1965)El Salvador (1981)Panama (1989)DDR (1953)Ungarn (1956)Tschechoslowakei (1968)Afghanistan (1979)
Ideologische Rechtfertigung
Truman-Doktrin (1947)Breschnew-Doktrin der eingeschränkten Souveränität sozialistischer Staaten (1968)
Ausscheren Frankreichs (1966)Abspaltung Chinas (1963)

Organisation der Bündnissysteme in Ost und West

Spiegelbildlich zur Integration des westlichen Verteidigungsbündnisses und diesem auf dem Fuß folgend, verlief die Integration des östlichen Verteidigungsbündnisses.Spiegelbildliche Integration des östlichen zum westlichen Bündnis Im Januar 1949 wurde auf Initiative der Sowjetunion der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGWRat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW)) zwischen Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien gegründet. Die DDR wurde 1950 Mitglied. Der RGW koordinierte die Volkswirtschaften der Volksdemokratien, ähnlich wie die OEEC dies für Westeuropa tat. Mit dem Warschauer Pakt über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand bildete die Sowjetunion 1955 mit Albanien (1962/68 ausgeschieden), Bulgarien, der DDR, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei und Ungarn einen militärischen Beistandspakt. Ähnlich zur NATO ab 1955 integrierte der Warschauer Pakt die Streitkräfte seiner Mitglieder unter einem Vereinten Oberkommando unter sowjetischem Oberbefehl.

Die USA und die Sowjetunion entwickelten eine Interventionspraxis in ihre jeweiligen „Vorhöfe“. Die Sowjetunion intervenierte offen in der DDR und in Ungarn sowie beim Prager Frühling 1968. Die offizielle Rechtfertigung dafür lieferte später die sogenannte Doktrin der eingeschränkten Souveränität der sozialistischen Staaten (Breschnew-Doktrin). Die USA entwickelten aufgrund der Sensibilität der lateinamerikanischen Staaten für ihre Souveränität die Praxis der Intervention ohne zu interventieren. Dabei handelte es sich um mehr oder weniger verdeckte Interventionen, bei denen missliebige Präsidenten gestürzt wurden. Sie wurden mit der Truman-DoktrinTruman-Doktrin gerechtfertigt. Internationale Aufmerksamkeit erlangte in diesem Zusammenhang die Kuba-Krise (1962).

Entwicklung
Rechtsgerichteter Präsident General Batista flieht in die Dominikanische Republik 1959
Fidel Castro übernimmt Regierung in Kuba
Sowjetunion und Kuba etablieren diplomatische Kontakte (1960)
Staatliche Enteignung von US-Eigentum in Kuba
Versuche Castro zu stürzen (Invasion in der Schweinebucht) oder zu ermorden (Operation Mongoose) scheitern 1961
Kuba-Krise
Kuba stationiert sowjetische Atomwaffen auf seinem Territorium 1962
USA verhängen Seeblockade über Kuba
Konfrontation auf See zwischen USA und Sowjetunion
Abzug des sowjetischen Nukleararsenals, Bestandsgarantie für Kuba, Kuba entwickelt unabhängige Außenpolitik

Verlauf der Kuba-KriseKuba-Krise

Die USA versuchten zunächst auch außerhalb Europas, Staaten durch eine Vielzahl von multilateralen und bilateralen Verträgen einzubinden und dadurch die Sowjetunion einzudämmen (vgl. Tabelle 2.7). In Asien und im Nahen und Mittleren Osten entstanden ähnliche Verteidigungsorganisationen wie NATO und Rio-Pakt, die sich jedoch wieder auflösten.

RegionMitgliederStatus
Rio-Pakt (1947)LateinamerikaKanada, USA, alle Staaten Lateinamerikasin Charta der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) überführt
NATONATO (1949/55)EuropaBelgien, Dänemark, Westdeutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal, Türkei, USAaktiv
SEATO (1955)AsienUSA, Frankreich, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Pakistan, Philippinen, Südvietnamaufgelöst (1977)Auslöser: Ende des Vietnamkriegs
ANZUS (1951)AsienAustralien, Neuseeland, USAinaktiv
CENTO (1955)Mittlerer OstenUSA, Großbritannien, Irak, Iran, Türkei; Pakistanaufgelöst (1979)Austritte: Irak 1959, Pakistan 1979, Türkei 1979

Von den USA nach dem Zweiten Weltkrieg initiierte Militärbündnisse

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