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Dekolonisationskriege in Afrika und Asien
ОглавлениеDie Entstehung eines globalen Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts, die Dekolonisation mit einer großen Zahl neuer Staaten in Afrika, Asien und dem Nahen und Mittleren Osten sowie die Spaltung zwischen der Sowjetunion und China führten zu einer Vielzahl von regionalen Konflikten, die äußerst komplex waren: Ungeklärte Territorialfragen, die zum Teil mit überlappenden Volkszugehörigkeiten zusammenfielen, vermischten sich mit regionalen Ordnungsfragen, so im Nahen Osten, am Horn von Afrika und im südlichen Afrika. Der Wettbewerb der globalen HegemonienHegemonien USA und Sowjetunion und ab 1963 zum Teil auch Chinas um die innerstaatliche politische Ausrichtung der neuen Staaten verlängerte oftmals die Kriege. Deshalb beobachten wir zum Teil lang andauernde Konflikte mit sehr hohen Opferzahlen.
Wo | Ereignis | Wann |
Asien | Unabhängigkeitskrieg Indonesiens von den Niederlanden | 1945–1949 |
Asien | Indochinakrieg Frankreichs | 1946–1954 |
Asien | Erster Indisch-Pakistanischer Krieg | 1947/1948 |
Naher Osten | Erster Nahostkrieg | 1948–1949 |
Asien | Koreakrieg | 1950–1953 |
Afrika | Unabhängigkeitskrieg Algeriens von Frankreich | 1954–1962 |
Afrika | Nationalisierung des Suezkanals (Suez-Krise + Zweiter Nahostkrieg) | 1956 |
Afrika | Bürgerkrieg im Kongo | 1960–1965 |
Asien | Vietnamkrieg | 1961/1964–1975 |
Naher Osten | Dritter Nahostkrieg (Sechs-Tage-Krieg) | 1967 |
Zentralamerika | Fußballkrieg | 1969 |
Asien | Bürgerkrieg in Kambodscha | 1964–1975 |
Afrika, Südostasien | Unabhängigkeitskriege von Portugal(Angola, Mosambik, Osttimor etc.) | 1962– z.T. 1994 |
Afrika | Unabhängigkeitskrieg Biafras von Nigeria | 1967–1970 |
Europa | Zypernkrieg | 1974 |
Naher Osten | Vierter Nahostkrieg (Jom-Kippur-Krieg) | 1973 |
Naher Osten | Bürgerkrieg im Libanon | 1975–1992 |
Afrika | Ogadenkrieg (Äthiopien, Somalia) | 1977/1978 |
Mittlerer Osten | Sowjetische Invasion in Afghanistan | 1978 |
Mittlerer Osten | Erster Golfkrieg | 1980–1988 |
Afrika | Tschadkrieg (Bürgerkrieg) | 1982 |
Ausgewählte regionale Konflikte seit 1945
Koloniale Unternehmens- und SiedlerinteressenViele regionale Konflikte waren dabei eindeutig assoziiert mit dem Ende kolonialer Herrschaft. Trotz des Images, das insbesondere Afrika als Kontinent anhaftet, auf dem der Krieg nicht endet, sind die Konflikte bei genauerem Hinsehen überraschend begrenzt. Die schwersten Konflikte beobachten wir im Zusammenhang mit dem Dekolonisationsprozess von Frankreich und Portugal. Hier vollzog sich der Übergang von der Fremdherrschaft zur Souveränität unter hohen Opfern und zum Teil sehr lange. Das hatte unterschiedliche UrsachenUrsachen schwerer Dekolonisationskriege. Eine davon war die Stärke von kolonialen Unternehmens- und Siedlerinteressen. In Algerien, im Kongo, in Angola und in Mosambik gestaltete sich der Ablösungsprozess sehr schwierig, weil er gegen die Interessen von internationalen Unternehmen der Kolonialmächte und europäischen Siedlern ausgefochten werden musste. Im Kongo, das nach Zeitzeugen über einen „skandalösen Reichtum“ (zitiert nach Eckert 2006: 72) an Bodenschätzen verfügte (wie Kupfer, Gold und Diamanten), hatte die Kolonialverwaltung großzügige Konzessionen auch an internationale Firmen vergeben (Eckert 2006: 72). Diese unterstützten nach der Unabhängigkeitserklärung Kongos aktiv die Ablösung eines Teils des Territoriums. In Algerien, in Angola und in Mosambik kam es zu schweren „Bürgerkriegen“, die sich im Fall von Angola und Mosambik als sehr langlebig erwiesen.
Ein zweiter Faktor, der mit dem ersten zusammenhängt, ist die jeweilige Reaktion der Kolonialmacht auf Unabhängigkeitsbestrebungen. In Angola und in Mosambik dauerte der Krieg unter anderem deshalb so lange, weil Portugal als Kolonialmacht bis 1974 zögerte, die Staaten in die Unabhängigkeit zu entlassen. Unabhängigkeitsbewegungen in diesen beiden Staaten waren aber bereits in den 1960er Jahren, unter anderem angespornt durch den Vorbildcharakter der Unabhängigkeit der umliegenden Staaten, entstanden. Ein dritter Einflussfaktor besteht in der Einmischung der USA oder der Sowjetunion in den Konflikt durch die militärische Unterstützung einer oder mehrerer Kriegsparteien, so dass die Kriege auch als StellvertreterkriegeStellvertreterkriege bezeichnet werden. Je länger Kriege dauerten, desto wahrscheinlicher war die Einmischung durch einen der beiden oder beide Staaten. Dabei gab es eine starke InterdependenzInterdependenz zwischen diesen Konflikten und der Konkurrenz der Weltmächte untereinander. Die stärkere Assoziation eines Staates mit einer der beiden Mächte hatte oft den Effekt, dass benachbarte Staaten sich stärker mit der anderen Macht assoziierten. Einen extremen Fall stellt in dieser Hinsicht der Angola-Krieg und die Interdependenz dieses Kriegs mit dem Krieg im südlichen Afrika dar.