Читать книгу Das magische Buch 1 - Verzwickte Liebespuppen - Anne-Marie Donslund - Страница 11
Komm schnell!
Оглавление„Komm schnell !!! Komm schnell !!! Komm schnell !!!“, steht auf meinem Handy. Das ist die vierte SMS von Julie.
Wir haben abgesprochen, Helena soll ihr Vor-Geburtstagsgeschenk schon heute bekommen. Das T-Shirt. Hauptsache, Julie gibt es ihr nicht schon, bevor ich da bin. Manchmal kann sie einfach nicht damit warten, Geheimnisse oder Überraschungen zu verraten. Auf einer Art und Weise ist das ja auch ganz Zucker, aber ich hoffe, sie hat sich im Griff; selbst wenn es schwer ist, Helenas Druck nicht nachzugeben. Irgendwie muss ich ja auch ein Stück von dem T-Shirt für meine eigene Puppe hamstern.
„Ich muss auf Malthe aufpassen, bis mein Vater nach Hause kommt. Meine Mutter ist beim Ladies Circle“, schreibe ich zurück.
Manchmal stelle ich mir vor, der Circle ist eine coole Underground Organisation, die nachts in den Straßen aufräumt, Diebe fängt, Banden aufspürt und den kriminellen Abschaum der Stadt beseitigt. Aber dann fällt mir wieder ein, dass ja meine Mutter ein Teil des Ganzen ist; die, die beim Sozialamt der Gemeinde arbeitet und sich Leberwurstbrote einpackt, weil sie findet, es wäre das Geld nicht wert, in der Kantine zu essen.
Ich habe übrigens die anderen Frauen vom Circle auch schon manchmal gesehen. Sie veranstalten einmal im Jahr einen großen Flohmarkt. Auf dem Marktplatz vorm Rathaus natürlich. Der Erlös wird in der Vorweihnachtszeit an die Armen in der Gemeinde verteilt. Am Tag des Flohmarkts stehen dann alle Circle-Frauen da und reden viel zu laut miteinander, kichern komisch und spielen „Was das wohl wert ist?“, obwohl sie nicht die leiseste Ahnung von alten Sachen haben.
Ich hab’ einmal mitgeholfen und das mache ich nie wieder. Helena und Julie und ein Haufen anderer aus der Klasse kamen zum „Hallo sagen“ vorbei. Während wir also dastanden und uns unterhielten, musste meine Mutter Klamotten aus einem schwarzen Sack geangelt haben, den irgendwer mitgebracht hatte. Dann kam sie nämlich über den Marktplatz gestöckelt, mit wehendem Haar und Lippenstift an den Zähnen.
„Schatz, Guck mal, was Joan mitgebracht hat! Das sind die Sachen ihrer Tochter. Sie ist jetzt in London und hat uns das alles für den Flohmarkt gegeben. Guck mal, wie schön die Sachen sind. Genau dein Stil, was? Du bekommst das garantiert sehr günstig, wenn du gleich zuschlägst.“
Dann zwinkerte sie mir zu, wie ein Marktschreier und piekte mir mit ihren Ellenbogen in die Seite. Extrem peinlich und äusserst merkwürdig; so ist sie sonst überhaupt nicht. Ich werde da nie wieder hin gehen.
„Beeil dich!“, schreibt Julie.
Malthe liebt Bolognese und hat diese so ziemlich im ganzen Gesicht verteilt, obwohl er gerade mal ein Viertel seiner Portion weg hat. Ich lache ihn an. Er lacht zurück und verziert die Tischdecke mit dem Inhalt seiner offenen Futterluke.
Endlich höre ich Papas Schlüssel im Schloss. Perfekt! Dann komme ich auch drum herum, dem kleinen Monster nachzuwischen.
„Ich bin wieder Zuhauseeee“, singt Papa im Flur. Malthe lässt das Besteck fallen und flitzt ihm entgegen.
Noch eine neue SMS auf meinem Handy. Von Julie. Surprise, surprise. „Komm schnell!!!”