Читать книгу Das magische Buch 1 - Verzwickte Liebespuppen - Anne-Marie Donslund - Страница 16
Die Schere
Оглавление„Malthe, du weißt doch, man darf nicht auf Betten hüpfen und schon gar nicht mit einer Schere in der Hand.“, sage ich.
„Ugh, ugh, uuuuuugh“, brüllt der Indianer nur.
„Malthe! Ich sage das nicht noch einmal.“ Ich setzte mich im Bett auf und warte, dass er seinen kleinen Arm mit Babyspeck ein bisschen runter nimmt.
„Aber ich bin doch ein gefährlicher Indianer auf dem Kriechpfad!“
Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen.
„Kriegspfad, du kleiner Spinner. Nicht Kriechpfad.“
Aber Malthe ist es ganz egal auf welchem Pfad er ist, er hüpft einfach weiter. Ich richte meinen Oberkörper etwas nach vorne, so, dass er genau vor seiner bewaffneten Hand ist, lehne mich noch ein Stück vor und greife ihn mitten in seinem Sprung.
Ratsch!
Die Schere schneidet durch das T-Shirt in meine Haut und das Geräusch von zerreißendem Stoff lässt Malthe erstarren.
„Aaaau! Aua, verdammt“, quietsche ich. Das ist perfekt! Malthe stöhnt entsetzt auf. Ich lockere meinen Griff um ihn und er lehnt sich zurück, um zu sehen, was passiert ist. Die Indianermaske fällt mit dicken Kullertränen auf die Decke.
Malthe weint lautlos. Ich merke jetzt einen brennenden Schmerz etwas über dem, was vielleicht mal zu meiner rechten Brust wird. Es ist ein langer Ratscher.
„Ich habe ja gesagt, du sollst nicht mit der Schere im Bett hüpfen, Malthe“, sage ich mit ernstem Gesicht. Aber dann lächle ich ihn schnell an.
„Ach, was soll´s. Es war nur ein altes T-Shirt.“
Er hört auf zu weinen, sieht aber immer noch ganz schön mitgenommen aus.
„Versprichst du mir, dass du das nächste Mal besser aufpasst?“
Er beißt sich auf die Unterlippe und nickt. Ich Küsse ihn auf die Stirn, aber er macht sich los und läuft aus dem Zimmer.
Ich schmeisse das T-Shirt aufs Bett. Der Riss geht quer über die Brust. Ungefähr 15cm ist er wohl.
Noch vor einem Moment dachte ich, es wäre der perfekte Plan, Malthe ein Loch in das T-Shirt machen zu lassen, aber jetzt hab’ ich doch etwas Bammel.
Also, ich würde sagen, es wäre Malthe, der das Loch gemacht hätte - aus Versehen - und ich würde total schockiert tun und vielleicht ein bisschen rumheulen, wenn ich kann, und dann würde ich Helena sicher leid tun. Sie würde dann sagen, ich solle das Shirt einfach, so schnell es geht, entsorgen. Und Julie wäre es sicher ganz egal.
Es war ja überhaupt nie ihre Absicht, es zurück zu geben.
Ich lächle mir selbst im Spiegel entgegen. Genauso würde ich es erklären. Manchmal ist es ganz praktisch ein kleines Chaos-Monster zum Bruder zu haben. Julie und Helena wissen ja selbst, wie wild er sein kann.
Heute Abend werde ich dann unten an der Kante ein Stück abschneiden und in meine Puppe tun und im Rest werde ich schlafen. Juhu!
Ich nehme ein langes Bad. Wir müssen heute erst um 10:00 Uhr in der Schule sein, weil die ersten beiden Stunden ausfallen. Ich habe also ausreichend Zeit. Ich glaube, ich versuche mich heute mal extra hübsch zu machen. Vielleicht schminke ich mich auch ein bisschen.
Mama und Malthe sind schon weg, wenn ich los muss, das heißt, dann kann ich sogar etwas Mascara auftragen. Ich kann mir vorstellen, Kasper gefällt das. Solange es nicht zu viel ist. Das würde er bestimmt nicht mögen. Es muss natürlich aussehen.
Ich mache Musik an, während ich mir Klamotten raussuche. Schön, einmal nicht in Eile zu sein. Gerade im Bad. Wenn wir alle um 8:00 Uhr da sein müssen, ist das ein ganz schönes Gedränge.
Ich ziehe eine Bluse an, die ich sonst nur zu bestimmten Anlässen trage. Sie sitzt gut. Aber natürlich nicht so gut, wie sie bei Julie oder Helena sitzen würde. Die haben beide schon Oberweite. Bei mir sieht alles so aus wie schon immer, naja fast. Vielleicht kommt da nie wirklich was. Einige Mädchen haben halt nicht wirklich Brust. Was Kasper wohl mag? Große oder Kleine? Er findet mit Sicherheit Helenas perfekt. Das finde ich auch.
Ich ziehe die Bluse also wieder aus. Fuck! Was habe ich denn sonst noch? Ich will gut aussehen, heute. Schöner als sonst. Ich schnüffle noch mal an Kaspers T-Shirt. Mmh.
Dann drehe ich die Musik laut auf und stecke mein Glätteisen in die Steckdose. Ich mag meine Locken nicht.
Ich betrachte mich im Spiegel. Ich sehe ganz anders aus als sonst, wenn ich in die Schule gehe. Glatte Haare, Mascara, die einzige perfekt sitzende Jeans die ich habe und dann die Bluse. Ich habe sie doch angezogen. Sie war das Beste, was ich hatte und ich kann ja nicht wirklich was machen, wegen meinen Brüsten. Ich bin vielleicht nicht so hübsch wie Helena, aber ich sehe auf jeden Fall gut aus heute. Ich finde, die glatten Haare stehen mir. Vielleicht sollte ich morgens einfach früher aufstehen, dann hätte ich genug Zeit, jeden Tag so auszusehen. Wie lange hat es gedauert?
Oh shit!
Zehn Minuten nach Zehn! Wie ist das passiert? Mein Zeitgefühl ist einfach verschwunden! So ein Mist aber auch. Ich mache die Anlage aus und schlüpfe schnell in meine Schuhe.
Biiip biiiip. Eine SMS von Helena.
„Fuck, C!! Wo steckst du? Ks Mutter ist hier!!! Megasauer. Das T-S war ein Geschenk von einem USA Starspieler. Nicht zu ersetzen. Bring das jetzt her! Schreib, sobald du da bist.“