Читать книгу Das magische Buch 1 - Verzwickte Liebespuppen - Anne-Marie Donslund - Страница 6
Kult
Оглавление„Geht ihr heute mein Geschenk kaufen?“, fragt Helena ganz unschuldig und zeigt ihr schönstes Lächeln mit glänzend weißen Zähnen. Sie ist immer unglaublich neugierig.
„Hm, vielleicht“, antwortet Julie geheimnistuerisch.
„Dann gebe ich euch besser meinen Wunschzettel mit.“ Helena kramt ein Stück Papier aus ihrer Federtasche und wedelt es dann dicht vor meiner Nase hin und her. Es riecht nach einem teuren neuen Parfüm. Ganz was anderes, als die uncoolen Parfüms, die ich im Supermarkt kaufe, wenn sie im Angebot sind. Ich unterbreche sie; plötzlich habe ich keine Lust mehr, ihren Wunschzettel zu sehen. Ich weiß eh, was drauf steht, es ist ja immer das Gleiche.
Ich schuppse ihre Hand weg. „Den brauchen wir gar nicht!“ Julie und Helena starren mich verwundert an. Wir geben einander immer Wunschzettel und gewöhnlich bin ich nie so selbstsicher.
„Du möchtest doch bestimmt etwas ganz Besonderes haben, oder?“ Ich blinzele Julie zu, die mich immer noch fassungslos ansieht.
„Ähm, schon, aber wir geben uns doch immer…“
„Julie und ich haben uns etwas ganz tolles ausgedacht“, lüge ich. „Du wirst dich total darüber freuen, du weißt es nur noch nicht.“
Es sind viele aus der Schule im „Central“, dem großen Einkaufszentrum der Stadt, unterwegs, aber wir sind die einzigen im Kult.
„Und was hast du dir jetzt ausgedacht?“, fragt Julie. Sie ist mir einfach wie ein Hund nachgedackelt. Jetzt steht sie da und spielt an den Pendeln rum. Die Wahrheit ist: ich habe keine Ahnung.
„Nichts.“ Plötzlich ist meine Stimme sehr unsicher. Aber nicht Julies, ihre ist messerscharf.
„Was? Wieso hast du es dann gesagt?“
„Ich weiß nicht.“
„ Also ganz ehrlich! Dann hätten wir doch ihren Wunschzettel nehmen sollen!“
„Wir finden etwas, hier im Kult. Das ist doch viel besser als diese dämlichen Marken-Tops, die sie sich ständig und andauernd wünscht.“
Ich kann Julie ansehen, dass sie mir recht gibt, aber sie sagt nichts. Sie steht weiterhin an den Pendeln und gibt einem so einen dollen Schubs, dass es wie wild hin- und herschwingt.
„Da gibt´s aber ein kleines Problem, an das du nicht gedacht hast: Alles, was sie sich von hier wünscht, hat sie sich schon gekauft.“
Julie hat recht. Helena bekommt so viel Taschengeld, sie kann sich immer das kaufen, worauf sie gerade Lust hat. Daran hatte ich nicht gedacht. Ich war nur der Wunschzettel des Mädchens, das alles hat und alles bekommt, leid.
„Was ist mit dem Tuch hier?“ Ich habe ein wirklich hübsches lilanes, mit schwarzem Muster gefunden. Es ist das einzige dieser Art unter den vielen anderen am Ständer. Ob es Kasper gefallen würde?
„Auf keinen Fall! Du hättest es vielleicht selbst gerne.“ Julie lacht und schüttelt den Kopf. „Helena zieht doch keine Sachen aus diesem Laden an.“
Ich antworte nicht, aber sie hat wieder recht. Helena würde nie etwas ohne Markenzeichen tragen. Alles, was sie hat, ist besonders schön oder teuer und irgendwie setzt mich das ganz schön unter Druck. Überhaupt läuft es nicht so super, seitdem sie das mit Kasper gesagt hat. Jetzt ist es so, als ob nur sie in seiner Nähe sein darf. Wenn ich mich gerade mit ihm unterhalte (was auch gar nicht so furchtbar oft passiert) kann es vorkommen, dass sie sich einfach einmischt und mich fast schon wegschuppst.
„Was ist denn, wenn wir ein Geschenk für sie zusammenstellen, so mit Räucherstäbchen, Steinen und so?“ Ich höre selbst schon, dass es ist nicht die beste Idee ist.
„Im Ernst, Cecilie. Du hast ihr gesagt, sie bekommt etwas ganz besonderes. Da geht es doch nicht mit einem albernen Sammelsurium an Kleinkram, den sie eh schon hat. Sie will mit Sicherheit lieber ein großes, ein richtiges Geschenk haben. Du weißt doch, wie sie ist. Diesen Schnickschnack hier würde sie hassen.“
„Kann ich euch Mädchen heute vielleicht irgendwie behilflich sein?“
Die Inhaberin vom Kult steht plötzlich hinter mir. Ich habe sie überhaupt nicht kommen hören. Manchmal kommt es mir so vor, als würde sie uns beobachten. Sie hat dunkle Augen und schwarzes Haar und trägt immer irgendwelche Strickjacken.
„Wir suchen ein großes und fantastisches Geburtstagsgeschenk für unsere Freundin“, sagt Julie. „Die, die sonst auch immer hier mit ist.“
„Ah, ja“, sagt die Frau, „dachte ich’s mir schon, dass sie ist Zwilling ist.“
Julie und ich starren die Frau an, als wäre sie gerade vom Mond gefallen. Wie in aller Welt konnte sie wissen, dass Helena Zwilling ist?
„Woher wussten Sie das?“ fragt Julie und ihre Stimme klingt ganz sonderbar.
„Hm, ein fantastisches Geburtstagsgeschenk“, sagt die Frau, ohne auf Julies Frage einzugehen.
Aber na klar, jetzt verstehe ich es. Wenn sie weiß, wie alle Sternzeichen im Jahr verteilt sind, ist es nicht mehr schwer, das auszurechnen. Wir haben es ja gerade gesagt; wir suchen ein Geburtstagsgeschenk.
„Kommt mal mit“, sagt die Frau. Wir folgen ihr zum Kassentresen.
„Wartet hier.“ Sie verschwindet im Hinterzimmer.