Читать книгу Das magische Buch 1 - Verzwickte Liebespuppen - Anne-Marie Donslund - Страница 15

Der Geruch von Kasper

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06:30 Uhr und ich habe seit 04:25 Uhr kein Auge zugetan. Ich weiß auch nicht so genau warum, aber ich wachte plötzlich hellwach auf. In Kaspers T-Shirt. Anstelle von meinem Snoopy-Nachthemd, in dem ich sonst am liebsten schlafe.

Jetzt habe ich zwei Stunden mit der Nase in dem grünen Trikotstoff wach gelegen. Mir ist ganz schwindelig, aber auf gute Art und Weise.

Wenn er hier nur in Wirklichkeit liegen würde. Mit geschlossenen Augen kann ich es mir fast vorstellen. Wie es wohl wäre, ihn zu küssen? Wer weiß, wie es sich überhaupt anfühlt, richtig zu küssen?

Helena hat in den Sommerferien einen französischen Jungen in Paris kennengelernt. Es war der Sohn von den Freunden ihrer Eltern, die sie da besucht haben. In seinem Zimmer hat er dann ihre Hand genommen. Und dann plötzlich versucht, sie zu küssen. Aber das wollte sie nicht und hat ihn weggeschupst. Er war total eingeschnappt und sagte ganz viel auf französisch. Helena verstand ihn nicht, sie kannte nur ein einziges französisches Wort und das war „Merde“. Es bedeutet Scheiße und das hatte er auch benutzt. Er war 15 und sollte Helena eigentlich nur ein bisschen Französisch beibringen. So ein Vollidiot.

Helena hat erzählt, wie er versucht hat, seine Zunge in ihren Mund zu stecken und dass es das Ekligste sei, was sie je erlebt hat. Igittigitt!

Aber ich glaube, es wäre etwas anderes für sie, wenn es Kasper wäre. Ich fände es nicht so schlimm, glaube ich. Hach, Kasper. Er ist so hübsch.

Wie sich wohl seine Haare anfühlen? Vielleicht sogar etwas fettig, er hat ja immer Haarwachs drin. Aber nach dem Waschen ist es bestimmt ganz weich.

Und seine Augen? Wie die wohl so von ganz dicht aussehen? Wenn meine Nase seine berührt und wir nur ganz still beieinander liegen und uns ansehen bei Kerzenlicht, dann würde ich auch seinen Atem spüren. Und seine Lippen. Und es würde im ganzen Zimmer so schön nach ihm riechen. Herrje, ich bin ja so verliebt in ihn. Wenn er hier liegen würde, wäre die Welt perfekt, aber wenigstens in seinem T-Shirt hier zu liegen, ist auch schon unbeschreiblich gut.

Unglaublich, dass Helena das T-Shirt nicht für sich behalten hat. Unglaublich, dass sie es mir mitgegeben hat. Ich Glückspilz!

Aber ich kann es ja doch nicht behalten.

Ich habe versprochen, es zurückzulegen. Ich hab’ nur keine Lust. Zum einen, weil ich extremen Schiss habe, entdeckt zu werden und zum anderen, weil es toll, beinahe magisch ist, es hier zu haben. Ein kleines Stück von Kasper und es riecht so unwiderstehlich gut. Wenn mir eine richtig gute Ausrede einfällt, warum ich es nicht zurücklegen konnte, kann ich es vielleicht behalten. Ich würde den anderen dann nur sagen, ich hätte es beiseite geschafft und sie müssten sich keinen Kopf mehr drum machen. Es bliebe einfach ein Geheimnis zwischen uns Dreien.

Aber wenn ich Helena davon überzeugen will, das T-Shirt doch nicht irgendwo zu lassen, wo Kasper es wiederfindet, brauche ich wirklich einen guten Grund.

„Weeeer wohnt in einer Ananas ganz tief im Meer? Spongebob schwammkopf!“

Malthe ist wach. Das Kind ist schon morgens so fit und fröhlich, dass man glauben sollte, er sei als Baby in einen Kessel mit Red Bull gefallen.

„Guten Mooorgeeeeenn“, ruft er und reißt die Tür zu meinem Zimmer auf, sodass sie gegen die Wand knallt. Das Loch, das der Türgriff in der Wand hinterlassen hat, wird jedes Mal, wenn er so reinstürmt, ein bisschen größer.

„Guck mal was ich ausgeschnitten habe!“, sagt er ganz stolz und hält sich ein Stück orange Pappe mit zwei Löchern vors Gesicht.

„Das ist eine Indianermaske“, erklärt er und guckt durch das eine Loch. Durch das andere kann ich ein Stück von seiner Wange sehen.

„Die ist wirklich schön Malthe“, sage ich und guck rüber zur Wand, von der ein bisschen grauer Putz bröckelt. Es ist nicht leicht irgendetwas für sich zu haben, mit einem fünfjährigen kleinen Bruder. Auf jeden Fall sollte man die Dinge, die einem wichtig sind, gut verstecken.

„Ugh, ugh, ugh, ugh.“ Der Indianer hüpft auf meiner Decker rum, immer noch mit der Schere in der Hand.

„Halt, halt, Häuptling“, sage ich und versuche ihn einzufangen. „Pass mal lieber auf mit deiner Waffe!“

„Ich bin ein gefährlicher Indianer“, schreit er und hält die Schere hoch über dem Kopf.

Ich habe plötzlich einen Einfall. Eine unfassbar grandiose Idee leuchtet in meinem genialen Hirn auf. Yes! Ich wusste, es gäbe eine Lösung. Ich hätte nur nicht erwartet, sie komme ganz von allein zu mir. Mein ganzes großes Kackproblem ist gleich wie weggeblasen, also wenn ich das hier richtig anstelle.

Das magische Buch 1 - Verzwickte Liebespuppen

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