Читать книгу "Gemeinsam wachsen" - der Elternratgeber ADHS - Armin Born - Страница 19
2.4 Auswertung der »Strichliste«
ОглавлениеVersuchen Sie sich, wenn möglich, wieder über diese Aufgaben auszutauschen. Aber auch wenn Sie allein sind, macht es Sinn, sich Zeit zu nehmen und noch einmal bewusst über die gemachten Erfahrungen nachzudenken.
Kommen wir nun zu Ihrer ersten Aufgabe, dem Zählen der positiven und negativen Rückmeldungen, Ihrer täglichen »Strichliste« ( Kap. 1.2.1).
Wie sehen Ihre Kurven aus? Wie geht es Ihnen, wenn Sie sich Ihre beiden Kurven anschauen? Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, falls die Kurve mit dem negativen Zuwenden deutlich über der Kurve mit dem positiven Zuwenden liegt?
Vielleicht sind Sie auch erstaunt, wenn Sie feststellen, dass die Kurve mit den positiven Rückmeldungen »besser« ausfällt als die mit den negativen Rückmeldungen. Vielleicht nehmen Sie auch eine Veränderung der Kurven von der ersten zur zweiten Woche wahr. Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie in der ersten Woche deutlich mehr negative Striche gemacht haben als in der zweiten Woche.
Im Folgenden möchten wir Ihnen wiedergeben, wie die Erfahrungen mit dieser Hausaufgabe, der Strichliste, in den Elterntrainingsgruppen waren. In der folgenden Äußerung einer Mutter spiegelt sich ein Bewusstwerdungsprozess wider, der mit dieser Beobachtungsaufgabe auch angestrebt war. »Ich habe genau gewusst, was sie wollten, obwohl sie es nicht gesagt haben. Mit der Aufgabe zielten Sie auf die Selbstkontrolle ab. Ich habe mich dann auch mehr zurückgehalten. Meine Tochter hat daraufhin gemeint: »Mama, du bist ja gar nicht mehr meine Mama« (im positiven Sinne: »Du schimpfst ja nicht mehr so viel.«).
Eine andere Mutter berichtete: »Ich achtete bewusster auf positive Äußerungen – ich wollte mir mehr positive Striche geben können. Von meinem Kind habe ich das Positive dann auch wieder zurückbekommen – es lief deutlich besser.«
Wiederum eine andere Mutter erzählte: »Ich fühle mich jetzt entlastet. Ich habe festgestellt, dass ich mich ja gar nicht so häufig negativ äußere, das Positive überwiegt, aber in meiner Erinnerung bleibt häufig nur das Negative hängen«.
Ein Vater sagte: »Ich war darüber erschrocken, wie häufig negative Äußerungen von mir kamen.«
Im Folgenden seien noch ein paar weitere Zitate wiedergegeben:
• »Die Strichliste hat mich wach gerüttelt, man denkt mehr über das eigene Verhalten nach. Man lobt bewusster. Kleinigkeiten würdigt man jetzt eher. Wenn ich mich positiver verhalte, kommen auch positive Reaktionen vom Kind zurück.«
• »Es läuft besser, wenn man sich selbst mehr Zeit nimmt. Die Augen werden einem geöffnet, man reflektiert, man nimmt mehr die positiven Seiten des Kindes wahr, man wägt mehr ab, man meckert weniger. Man denkt mehr darüber nach, wie sehr sich ja auch die Kinder bemühen.«
• »Man ist aber auch von der eigenen Stimmung abhängig. Mir ist bewusst geworden, dass ich mehr schimpfe, wenn ich selbst unter Stress stehe oder belastet bin oder eine schlechte Stimmung habe.«
• »Dass das Kind miterlebt hat, dass ich für mich eine Strichliste geführt habe, war auch ein Ansporn für es selbst.«
• »Wenn ich mit dem Kind alleine bin, sind die positiven Striche mehr.«
• »Wenn der Vater mit dabei ist, nehmen die negativen Äußerungen zu. Innerlich fühle ich mich dann auch deutlich angespannter, als wenn ich alleine mit dem Kind bin. Wenn der Vater dabei ist, spüre ich seine Erwartungen und denke, das Kind muss sich dann in einer bestimmten Weise verhalten. Wenn ich alleine mit dem Kind bin, kann ich mehr zulassen, ohne dass dies unangemessen wäre.«