Читать книгу Die Welt wird sich ändern - Chris Cenatti - Страница 12
ОглавлениеSozialistische Ideen in der Krise
Wo der Neokapitalismus regiert, haben sozialistische Ideen ausgedient, noch dazu, da es in der Vergangenheit nie einen funktionierenden Sozialismus gab. Alles eine schöne Utopie. Jeder Mensch sollte gleichviel Anteil am Reichtum einer Gesellschaft haben, jeder sollte seinen vollen Einsatz für die Volksgemeinschaft einbringen. Es lebe die solidarische, selbstbestimmte, sozialistische Gesellschaft! Leider hat es nie richtig geklappt mit der Solidarität der Sozialisten. Auch die sogenannten Kommunisten mussten im letzten Jahrhundert ihren Traum von der Herrschaft der Arbeiterklassen wieder begraben. Einige wenige unverbesserliche Ideologen tummeln sich heute noch in Studentencafés oder auf Demos. Was bleibt ist Ernüchterung. Keine dieser Ideologien hat eine Lösung für die Probleme unserer Zeit.
Im real existierenden Kommunismus bzw. Sozialismus waren die Politkader an die Stelle der Kapitalisten getreten. Sie haben das Volk teilweise noch schlimmer ausgebeutet als es die freie Marktwirtschaft jemals konnte. Stalin und Mao Zedong hatten ebenso viel Blut an den Händen wie der „Nationalsozialist“ Hitler. Der praktizierte „Sozialismus“ kostete Millionen Menschen das Leben oder nahm ihnen ihre Freiheit und ihre Menschenwürde. Die Menschen funktionierten nicht so, wie sie es nach den Vorstellungen der Ideologen sollten. Viele ruhten sich auch auf den Schultern der anderen aus. Außerdem waren die Systeme darauf angelegt, Sündenböcke zu suchen. Nicht den Politkader und die Fehler der Planwirtschaft hat man für wirtschaftliche Fehlentwicklungen und Missernten verantwortlich gemacht, sondern Menschen, die angeblich nicht zur sozialistischen Gemeinschaft gehörten. Sie wurden dem Volk als „Volksschädlinge“ vorgeführt, verfolgt, eingesperrt und getötet. Alles zum Wohlergehen der „gesunden Volksgemeinschaft“.
In Russland und China waren die Schuldigen Konterrevolutionäre und Anhänger westlicher Ideologien, bei den Nationalsozialisten waren es die Juden, die slawischen Völker und andere fremdartige Menschengruppen, die bekämpft wurden. Die Nazis wollten dem eigenen Volk mehr Macht und Stärke geben, indem sie dazu aufriefen, die Juden zu unterdrücken und auszurotten. Wie viel der Nationalsozialismus und Kommunismus den einzelnen Menschen letztendlich gebracht hat, zeigt uns die Geschichte. Millionen von Menschen-leben wurden diesen sozialistischen Ideologien geopfert.
Trauriger Höhepunkt war der zweite Weltkrieg. Hier kam es dann zur großen Völkerschlacht und nach dem Krieg zum bitteren Erwachen. Danach hatte die deutsche Bevölkerung genug vom großen Führer und von der Eroberung anderer Länder. In der Nachkriegszeit wollte jeder zunächst nur leben und für sich und seine Familie ein wenig Wohlstand schaffen. Dies war verständlich nach all der Not und den mageren Jahren. Dann allerdings wendete sich das Blatt. Den Menschen ging es wieder gut. In Deutschland sorgte ein Wirtschaftswunder für Wohlstand und für die Hoffnung, dass es bald allen besser geht. Zufriedenheit stellte sich ein und die Bürger waren froh, so wenig wie möglich von der Politik zu hören. Man zog sich ins Privatleben zurück und pflegte seine Hobbies und Vereine.
In den sechziger und siebziger Jahren spürten junge Menschen, gerade die Studenten, dass der Grundsatz: „Hauptsache uns geht´s gut!“ nicht befriedigend ist. Sie sehnten sich nach Freiheit, nach individueller Lebensgestaltung ohne Zwang, nach einem menschlichen Miteinander. Die Mehrheit der Gesellschaft tat diese Jugendbewegung als Schwärmerei und Spinnerei ab. Der Meinung der Mehrheit nach musste sich die Wohlstandsgesellschaft den Geboten der freien Marktwirtschaft beugen, sonst wird sie nicht überleben. Die Studentenbewegung der 60er Jahre machte Schluss mit dem bürgerlichen Kleingeist. Ihre Anhänger forderten individuelle und gesellschaftliche Freiheit. Aber so mancher Altsechziger wurde im Laufe der Jahre selbst ein Verfechter der staatlichen Ordnung und der freien Marktwirtschaft. Sie machten Karriere und vergaßen bei ihrem sozialen Aufstieg schnell die alten Ideale.
Heute hat man die Ideen für Freiheit dem Wohlstand geopfert. Wir leben in einer Konsumgesellschaft und viele haben Gefallen daran. Es geht den Bewohnern der reichen Industrienationen in materialistischer Hinsicht so gut wie noch nie. Arbeitsstunden wurden schon in den 80er Jahren durch eine starke Gewerkschaft reduziert, Löhne wurden angeglichen. Dieser Prozess währte aber nicht lange. Heute werden diese Zugeständnisse an die Arbeitnehmerschaft mit Blick auf die internationale Konkurrenz und auf die globalen Märkte nach und nach wieder zurückgenommen. Der Mensch hat zu funktionieren, er soll mobil und rund um die Uhr verfügbar sein. Die ständige Erreichbarkeit und der enorme Stress, der in der modernen Arbeitswelt herrscht, sollen von materiellen Anreizen, die geboten werden, ausgeglichen werden.
Das funktioniert nicht immer. Die schönste Wohnung, das tollste Auto, die exklusivsten Reisen, können dem Menschen nicht die innere Leere nehmen, die zwangsläufig dann auftaucht, wenn er keine Zeit mehr für sich und andere hat. Der Mensch ist keine Maschine. Er ist ein soziales Wesen. Er lebt nicht vom Brot allein, er lebt von Ideen, von Begeisterung und von Hoffnung. Ich habe einmal den Satz gelesen: „Die meisten Menschen sterben nicht an irgendeiner Krankheit, sie sterben an gebrochenen Herzen.“ Sie sterben mitten in unserer lauten Spaßgesellschaft an Einsamkeit und Sinnlosigkeit.
Wer ist der größte Feind des Menschen? Das ist er selbst. Da er sich jeden Tag neu versklavt in unserer getakteten Arbeitswelt. Den Takt macht er nicht selbst. Er wird vorgegeben durch Maschinen und Auftragszahlen. Aber warum wehrt er sich nicht, dieser Mensch? Warum verzichtet er nicht einfach auf das ein oder andere Konsumgut in Hinblick auf eine humanere Arbeitswelt und auf ein besseres Leben? Die Antwort ist sehr einfach. Weil er nicht gefragt wird, was er gerne hätte.
Es ist nicht die Gier jedes Einzelnen in der Gesellschaft, es ist vielmehr die Gier von wenigen, die Millionen Menschen ein schreckliches Leben beschert. Ganz oben stehen die Wirtschaftsbosse und die Politiker, die dafür sorgen, dass immer nur an den Symptomen herumgedoktert wird. Die Ursachen für die schlechte Lebensqualität der Menschen werden erst gar nicht untersucht. Wir sind auf dem Weg in eine sich selbst betäubende Gesellschaft. Es ist fast schon ein Witz. Zuerst lassen wir uns von nur am Profit orientierten Arbeitgebern bis zum psychischen oder physischen Zusammenbruch ausbeuten, dann werden wir von der Pharmaindustrie mit Aufputschmitteln und Muntermachern wieder fit gemacht, oder mit Beruhigungs- und Schlafmitteln ruhig gestellt. Verdient wird allemal.
Jetzt ist es höchste Zeit, dass wir uns solidarisch zeigen und unsere Rechte als Arbeitnehmer auf eine menschliche Arbeitswelt geltend machen. Setzen wir uns nicht der Profitsucht von Wenigen aus! Lassen wir uns nicht kaputt optimieren bis zur Rente! Legen wir Wert auf familiengerechte Arbeitszeiten und eine „Work-Life-Balance“! Es muss wieder Raum geschaffen werden für Gefühle, für das Grundbedürfnis der Menschen nach Liebe und nach einem Sinn im Leben.
Wir hatten als Individuum noch nie so viele Möglichkeiten wie heute. Aber wir hatten auch noch nie so starke und überlegene Gegner. Ausgestattet mit allen Raffinessen der Technik und den Verführungen des Luxuslebens sollen wir blind gemacht werden für das, was man mit uns vorhat. Denn man hätte uns gerne als kontrollierbare Konsumidioten, deren Wünsche von den Agitatoren des modernen Internets bestimmt werden. Die dazu nötige Gehirnwäsche laden wir uns selbst vom Internet herunter. Um dazu zu gehören, verleugnen wir uns selbst. Wir sind nur noch Statisten in einem Spiel, das andere für uns spielen. Nehmen wir unser Leben wieder selbst in die Hand und wehren wir uns gegen die, die angetreten sind, unser Leben, unsere Freiheit und den gesamten Planten Erde zu vernichten. Was können wir tun? Da gibt es mehr, als man uns glauben machen will.