Читать книгу Die Mulgacamper Romane Band 9 und 10 - Elda Drake - Страница 4
ОглавлениеKapitel 1
Hetty schauderte. Sie hatte das Gefühl als wäre, genau in diesem Augenblick, ein Engel über ihr Grab gegangen.
Der Grund für ihr Unbehagen war allerdings keineswegs in der hochgiftigen King Brown Schlange zu suchen, die sie soeben vorsichtig in ihr neues Reich, ein schönes, großes Terrarium, gleiten ließ. Sie liebte das Reptil von ganzem Herzen, denn es hatte ihr vor zwei Jahren, wenn auch unabsichtlich, das Leben gerettet und war danach zu einer Art besonderem Haustier in ihrem Camper geworden. Seufzend wandte sie sich an ihre Freunde, die neben ihr standen und zusahen, wie die Mulga dort, wo sie von ihr platziert worden war, in aller Ruhe liegen blieb und nun mit einem interessierten, aber unaufgeregtem, Züngeln die neue Umgebung erkundete.
»Irgendwie ist mir gar nicht wohl, wenn ich Sssissi nicht dabeihabe.«
Steven tätschelte ihr tröstend die Schulter. »Kim und ich werden gut auf sie aufpassen und in acht Wochen bist du sowieso wieder da. Schau mal, sie fühlt sich richtig wohl und gleich kriegt sie noch eine Maus, das hilft ihr über den Trennungsschmerz.«
Hetty lächelte ihn an. »Kriege ich auch eine Maus?«
»Nein, nur ein großes Steak und ein Glas Rotwein, das muss genügen.« Kim knuffte sie und zog Hetty am Ärmel. »Jetzt komm mit raus und hör auf Trübsal zu blasen. Erzähl uns doch lieber von deiner neuen Mitreisenden.«
Allzu viel wusste Hetty jedoch auch noch nicht über die Frau zu berichten, die in den nächsten Wochen mit ihr im Camper durch die Gegend fahren würde. »Sie heißt Britney, ist einundvierzig Jahre alt und nach ihrer Aussage furchtbar gestresst vom Beruf. Also nicht mein übliches Klientel. Eine Freundin hat ihr erzählt, dass ich Touren mit meinem Camper mache und da hat sie sich gedacht, so eine Art Urlaub könnte sie dazu benutzen, um einmal richtig abzuschalten. Denn sie braucht vor allem eine Auszeit vom hektischen Leben und dem allgemeinen Trubel.
Also haben wir uns darauf geeinigt nach Westaustralien zu fahren, da ist bei weitem nicht soviel los wie an der Ostküste und da kann sie die Ruhe finden, die sie haben will. Schließlich sind dort die meisten Gegenden nur dünn besiedelt und dadurch noch genügend unberührte Natur und Raum zum Relaxen vorhanden.«
Kim nickte zustimmend. Westaustralien war der größte Bundesstaat des Kontinents und konnte knappe zweieinhalb Millionen Einwohner verbuchen, von denen die meisten in der Hauptstadt Perth und an der kleinen Südspitze lebten. Noch weniger Einwohner pro Quadratkilometer gab es nur noch hier im Northern Territory, wo sie wohnten.
Hetty war erst vor zwei Tagen bei ihren Freunden in Alice Springs eingetroffen, um ihren Camper zu übernehmen. Paul, Stevens Cousin und Spezialist für Camperumbauten, hatte ihn von seinem letzten Standort in Darwin abgeholt und ihn bis zu ihrer Ankunft in seiner Werkstatt untergebracht.
Übermorgen würde sie sich mit Britney in Port Augusta treffen und dort dann die eigentliche Reise beginnen. Die Route führte durch die Nullarbor über Esperance nach Albany, dann die Westküste hoch bis Exmouth und von dort weiter nach Broome. Hier war dann die gemeinsame Fahrt zu Ende. Britney konnte praktischerweise in das Flugzeug steigen und Richtung Heimat fliegen. Für Hetty standen dann allerdings noch zwei Tagesetappen an, die sie auf dem Highway Nummer Eins quer durch den oberen Norden fahren musste, um bei Katherine wieder auf den Stuart Highway zu treffen. Von da aus waren es nur noch läppische zwölfhundert Kilometer und sie war wieder zurück an ihrem Ausgangspunkt.
Da Hetty seit Ewigkeiten nicht mehr in diesem Bereich Australiens gewesen war, kam ihr der Reisewunsch von ihrer Kundin eigentlich sehr gelegen. Die meisten ihrer Mitfahrerinnen waren auf die Ostküste fixiert und konnten gerade noch der Südküste oder dem Outback mit dem Ayers Rock etwas abgewinnen. Auch für den Kakadu Nationalpark und Darwin waren sie noch zu haben, allerdings nur außerhalb der Regenzeit und die dauerte dann doch im Extremfall sechs Monate.
Aber die Vorstellung, am Beginn der Reise, zuerst langweilige zweitausend Kilometer durchs Nirgendwo fahren zu müssen, schreckte die meisten davon ab, Westaustralien in Angriff zu nehmen. Das, was Hetty in diesem Land am Schönsten fand, nämlich durch diese großen leeren Weiten zu fahren, war für die meisten Reisenden ein guter Grund sich in ein Flugzeug zu setzen, dort ein oder zwei Drinks zu bestellen und nach ein paar Stunden Flug auf der anderen Seite des Kontinents, gut erholt und völlig entspannt, auszusteigen.
Einziger Wermutstropfen bei der jetzigen Reise war, dass Britney eine Schlangenphobie hatte und Hetty deshalb Sssissi, ihren Schutzengel in Schlangenform, für diese Fahrt aus dem im Camper eingebauten Terrarium entfernen musste.
Kim und Steven hatten sich sofort bereit erklärt, Sssissi Asyl zu gewähren und Steven hatte daraufhin ein riesiges Terrarium zusammengezimmert. Das war ja eigentlich ziemlicher Quatsch, da Sssissi durch ihre Verwundung, die sie vor langer Zeit bei Hettys Rettung davongetragen hatte, in ihrer Vorwärtsbewegung stark eingeschränkt war und mit Sicherheit, wie gewöhnlich, einfach nur faul und zufrieden daliegen und auf die nächste Maus warten würde.
Aber Steven war nicht zu bremsen gewesen und hatte ein Behältnis geschaffen, in dem problemlos eine brasilianische Anakonda mit fünfzehn Metern Länge Platz gehabt hätte und zwar sogar nachdem sie ein Wasserschwein gefressen hatte. Damit sein Werk auch optisch ein Highlight wurde, hatte er noch schöne flache Felsstücke gesucht und sorgfältig mit Sand und ein paar Ästen in seinen Schlangenlaufstall integriert.
Hetty hatte auch vergeblich versucht, ihm zu erklären, dass eine Maus alle zwei Wochen als Futter vollauf reichen würde. Nein, Steven ging auf Nummer sicher und hatte gleich noch einen kleinen Mäusekäfig mit zehn Mäusen gekauft. Und so, wie einige der Tiere aussahen, waren das hochschwangere Weibchen, also würde es über kurz oder lang in Mäusekäfig äußerst beengt zugehen.
Kim, seine Frau, verdrehte die Augen. »Der spinnt mit deiner Schlange rum, das ist fast nicht mehr zum aushalten. Wenn die Queen zu Besuch käme, würde er nicht so einen Aufstand machen!«
Hetty lachte. »Die würde wohl auch staunen, wenn sie zum Dinner eine Maus serviert bekommen würde.«
Als sie am nächsten Morgen, nach einem ausgedehnten Frühstück und ein paar herzlichen Umarmungen, losfuhr, führte ihr erster Weg noch einmal zu Pauls Werkstatt.
Im Büro fand sie Silvie, seine zukünftige Frau, die mit einer leicht verzweifelten Miene aufschaute und ihre Augen verdrehte. »Dieser Mann treibt mich zur Verzweiflung! Seit einer Woche bin ich dabei diese Unterlagen zu sortieren und das ganze Zeug, das er seit Jahren hortet, in einem nachvollziehbaren System abzulegen. Hier herrscht das blanke Chaos. Am liebsten würde ich einfach alles verbrennen!«
Ihre strahlenden Augen verrieten allerdings, dass sie nach wie vor im siebten Himmel der Glückseligkeit schwebte und sich nichts Schöneres vorstellen konnte, als hier bei ihrem Paul zu sein und Papiere zu ordnen. Was natürlich auch kein Wunder war, denn ihr neuer Lebenspartner war ein bemerkenswert gutaussehender, blonder Hüne, der mit seinen Muskeln auch einem Arnold Schwarzenegger Konkurrenz gemacht hätte.
Auch Hetty hatte bei ihrem ersten Zusammentreffen, zu Beginn ihres Australienaufenthalts, eine kurze Phase gehabt, in der sie etwas für Paul geschwärmt hatte. Doch bei näherem Kennenlernen hatte sie dann festgestellt, dass er zwar furchtbar nett und wirklich sehr sympathisch war, aber eben auch einer von der braven Sorte, den man nicht mit einem One-Night-Stand abspeisen konnte. Und da sie ihm nicht weh tun wollte und nicht das geringste Interesse an einer festen Beziehung mit ihm hatte, war Hetty auf Abstand geblieben. So waren sie nur gute Freunde geworden und nicht mehr, was im Endeffekt mehr als wunderbar gepasst hatte, denn nun hatte er in Silvie die Liebe seines Lebens gefunden.
Die war inzwischen aufgestanden und mit langsamen, konzentrierten Schritten auf sie zugegangen. Mit ausgebreiteten Armen meinte Silvie. »Komm, lass dich nochmal von mir knuddeln, bevor du fährst!«
Inzwischen sahen nur noch Eingeweihte, dass sie noch vor einem Vierteljahr im Rollstuhl gesessen hatte. Da sie zur damaligen Zeit auch noch äußerst depressiv war und im Prinzip nichts mehr vom Leben erwartete, hatte ihr Cousin Kai, auf seine ganz eigene Art und Weise dafür gesorgt, dass sie wieder auf die Füße kam. Im ersten Moment hatte Hetty gedacht er wäre vollkommen verrückt geworden, als er sagte, sie sollte Silvie im Camper mitnehmen. Doch schließlich hatte er seinen Willen durchgesetzt und siehe da, Hettys eigenwilliges Rehaprogramm hatte mehr bewirkt, als alle gehofft hatten.
Ganz nebenbei war Silvie dabei auch noch ihren verbrecherischen Ehemann losgeworden und hatte ihre neue Liebe gefunden. Nun war sie nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer Privatklinik in Brisbane, endgültig als geheilt entlassen worden. Molly, eine gemeinsame Freundin und äußerst fähige und engagierte Krankengymnastin, hatte dort Silvies zurückgekehrten Fähigkeiten noch den letzten Schliff gegeben und sich dann freudestrahlend von ihr verabschiedet. Denn nichts liebte Molly mehr, als wenn ein an und für sich hoffnungsloser Fall, doch noch richtig gut ausging.
Aber nicht nur bei Silvie hatte es Änderungen im Leben gegeben und natürlich wollte die nun noch erfahren, warum Hetty jetzt tatsächlich wieder auf Reisen ging.
Denn sie und Paul waren sehr verblüfft gewesen, als der Anruf gekommen war, dass der Camper geholt und bereit gemacht werden sollte. »Was sagt eigentlich Kai dazu, dass du diese Tour machst?«
Ihr Cousin war eigentlich nicht dafür bekannt, dass er jemanden seinen Willen ließ und sie und Paul hatten schon darüber geulkt, dass er jetzt anscheinend seinen Meister in Sachen Durchsetzungsvermögen gefunden hatte. Und sie wollte dann doch zu gerne wissen, warum er Hetty hatte fahren lassen. Das passte überhaupt nicht zu seinem sonstigen Verhalten, wobei eigentlich gar nichts in den letzten Wochen, zu seiner üblichen Vorgehensweise gepasst hatte.
Keiner der ihn kannte, wäre nur im Traum auf die Idee gekommen, dass er jemals soviel für eine Frau empfinden würde, dass er sein Singleleben aufgab. Und niemand von ihnen hatte gewusst, dass er und Hetty sich bereits bei ihrer ersten Begegnung, vor zwei Jahren, ineinander verliebt hatten. Die beiden waren sehr gut darin gewesen, ihre Gefühle voreinander und vor jedem anderen zu verbergen.
Als überzeugte Singles hatten sie ihre Probleme damit gehabt, sich auch selbst einzugestehen, dass es da jemanden gab, der einem wichtig genug war, um das Risiko einer Beziehung einzugehen. Doch über die Jahre war es jedem von ihnen immer offensichtlicher geworden, dass er ohne den anderen eigentlich nicht leben wollte.
Sobald Kai herausgefunden hatte, dass seine Empfindungen sehr wohl von Hetty geteilt wurden, hatte er auch nicht mehr lange gezögert. Er fand, dass es Zeit war, endlich Klarheit in ihre Beziehung zu bringen und bei der Abschiedsfeier, die Silvie am Schluss ihrer gemeinsamen Reise veranstaltet hatte, waren er und Hetty zusammengekommen. Und urplötzlich war es auch allen anwesenden Gästen vollkommen klar gewesen, dass sich hier das ideale Paar gefunden hatte. Allerdings hatten ihnen die zwei keine Gelegenheit mehr gegeben, sich noch dazu zu äußern, denn sie hatten sich auf gut französisch verabschiedet und das einzige was man noch als Lebenszeichen mitbekam, war ein Anruf von Kai an seinen Mitarbeiter George, dass er die nächste Zeit mit etwas Besserem, als Arbeiten, beschäftigt sein würde.
Hetty überlegte, was sie Silvie auf ihre Frage antworten sollte. Sie hatte sich immer noch nicht richtig daran gewöhnt, dass Kai jetzt tatsächlich fester Bestandteil ihres Lebens war und sozusagen ein Mitspracherecht bei ihrer Lebensführung hatte. Seit dem Moment, als er sie das erste Mal geküsst hatte, hatte sie wie in einem Traum gelebt und jeden Morgen, wenn sie die Augen aufschlug, mit erneuter Verwunderung festgestellt, dass da tatsächlich der Traumprinz neben ihr im Bett lag.
Und er hatte sich auch bei innigerem Kennenlernen nicht in einen Frosch verwandelt, sondern war nach wie vor der Mann geblieben, auf den sie Zeit ihres Lebens gewartet hatte. Im Stillen musste sie sich sogar eingestehen, dass er ihre Erwartungen sogar noch übertroffen hatte, allerdings hatte sie diese Erkenntnis wohlweislich für sich behalten. Kai war sowieso das Selbstbewusstsein in Person und ihm auch noch zu sagen, dass sie ihn mehr als großartig fand, hätte nur dafür gesorgt, dass er sich allmächtig vorgekommen wäre.
Sie dachte mit einem leisen Lächeln an die Wochen in der teuren Lodge in Darwin zurück, die für diese Zeit ein vorübergehendes exklusives Heim geworden war, in dem sie tun und lassen konnten, was sie wollten, ohne mit alltäglichen Dingen konfrontiert zu werden. Ein Paradies auf Erden und es war äußerst vorteilhaft, dass sie beide Atheisten waren und somit kein Problem damit hatten, in jeden verführerischen Apfel zu beißen, der aufzufinden war.
Hetty schmunzelte. Kais Bemerkung, dass sie viel nachzuholen hätten, hatte sie am Anfang noch, mehr oder weniger, als Scherz aufgefasst. Nachdem die ersten Tage vergangen waren, ohne dass sie auch nur einmal geschafft hatte, eine Runde im Pool zu drehen, hatte sie ihm mit einem leisen Lachen ins Ohr geflüstert. »Ich weiß ja, du willst deinem Ruf als Graf Dracula alle Ehre machen, aber dürfte ich zumindest jeden Tag eine Stunde in den Sonnenschein?«
Den äußerst passenden Spitznamen hatte ihm Hetty kurz nach ihrer ersten Begegnung verpasst, denn mit seinem relativ blassen Teint, seiner immer schwarzen Kleidung und der Fähigkeit sich einem geräuschlos zu nähern, erinnerte er doch sehr stark an ein Geisterwesen.
Kai hatte gelacht und gemeint. »Das kommt davon, wenn man sich mit dem Fürst der Finsternis einlässt!«
Dann hatte er sie geküsst und sie hatte zugegebenermaßen erneut völlig vergessen, dass auch noch eine Außenwelt existierte, bis schlussendlich auch Kai fand, der Zimmerservice sollte Zeit bekommen, endlich die Bude wieder mal auf Vordermann zu bringen. Ab dann gehörten zum Tagesablauf romantische Strandspaziergänge und Ausflüge ins Hinterland. Abends setzten sie sich, nach einem ausgedehnten Dinner, mit einer guten Flasche Rotwein und zwei Gläsern auf die Terrasse und redeten.
Sie hatten viele gemeinsame Interessen und sich immer schon nächtelang unterhalten können, aber als Erstes wollte nun jeder vom anderen wissen, was er denn wirklich in diesen vergangen Jahren so zusammengedacht hatte. Und da hatte es genügend Vorfälle gegeben, die dafür sorgten dass sogar der so ernste und allgemein als niemals die Miene verziehende bekannte Kai, in herzhaftes Lachen ausbrach. Hetty schüttelte den Kopf. Tja, wenn man bedachte, wie oft sie sich beide genau dasselbe gewünscht hatten und jeder meinte, der andere hätte kein Interesse.
Ihr neuer Lebensgefährte zog aus diesen Gesprächen grundsätzlich das Fazit, dass es wieder Zeit wurde in ihre Gemächer zu verschwinden und seine strahlend blauen Augen funkelten immer äußerst diabolisch, wenn er dabei auf eine der Episoden anspielte und fragte. »Was war das doch gleich wieder, was du dir gewünscht hast?«
Tja, man konnte ihm Vieles nachsagen, aber sicher nicht, dass er einem keine Wünsche erfüllte.
Hetty seufzte. Doch so schön diese Zeit gewesen war, sie wussten beide, dass irgendwann Kais Firma wieder seinen Beistand brauchte und schließlich wurde seine Anwesenheit tatsächlich äußerst dringend benötigt. Auch wenn sein Mitarbeiter George, der schon seit längeren als seine rechte Hand fungierte, zwischenzeitlich die Leitung der Firma übernommen hatte, so gab es doch in der Sicherheitsfirma bestimmte Aufträge, für die Kai alleine zuständig war. Denn der hatte Verbindungen in die obersten Kreise und hin und wieder kam eben von dort ein Anruf, woraufhin er sozusagen seine Koffer packte und mit unbekannten Ziel verschwand, um einen Spezialauftrag zu erledigen. Was er in dieser Zeit trieb, erfuhr niemand, aber hinterher traf immer eine große Menge Geld auf dem sowieso schon sehr gut gefülltem Bankkonto ein und es gab wieder ein paar Leute mehr, die ihm verpflichtet waren.
Nun war der Alltag also wieder präsent und die Pseudoflitterwochen waren endgültig zu Ende. Denn, wie in den meisten Punkten, waren sie sich auch darin einig gewesen, dass sie es nicht nötig hatten, ihre Liebe mit einem Gang zum Traualtar zu besiegeln. Der einzige logische Grund für eine Hochzeit wäre die anschließende Kinderzeugung gewesen und abgesehen von Hettys Alter wäre eine Schwangerschaft sowieso ein medizinisches Wunder gewesen. Denn nicht nur Hetty hatte sich vor Urzeiten sterilisieren lassen, sondern auch Kai. Der hatte zu keiner Zeit seines Lebens die Lust auf Nachkommenschaft verspürt und war ebenfalls auf Nummer Sicher gegangen, was bei seinem lockeren Lebenswandel nicht die dümmste Idee gewesen war. Und der war bei seinem blendendem Aussehen auch nicht verwunderlich, schließlich hatte sie einen Mann an der Seite, dem die meisten Frauen in Australien äußerst interessierte und begehrliche Blicke zuwarfen.
Mit seinen knappen 1.90 Metern und athletischer Figur, schmalen Hüften und breiten Schultern, war er alleine vom Körperbau her schon sehenswert. Die pechschwarzen, halblangen Haare, die das feingeschnittene Gesicht umrahmten und dazu die blauesten Augen die Hetty jemals gesehen hatte, machten ihn geradezu einmalig. Das konnte auch die feine Narbe über der linken Wange nicht verhindern, denn die beeinträchtigte sein Aussehen nicht im Geringsten, nein, sie gab ihm noch den leisen Touch von Verwegenheit. Dazu noch ein überwältigendes Selbstbewusstsein, eine charismatische Ausstrahlung und der Traumprinz war vollkommen.
Und trotzdem hatte er sich für sie entschieden und nicht für eine seiner zahlreich vorhandenen gutaussehenden Bettgefährtinnen, was sie jedes Mal, wenn sie daran dachte, erneut verwunderte.
Hetty kam wieder in die Realität zurück und bemerkte, dass Silvie sie mit einem äußerst süffisanten Grinsen musterte.
Die hielt sich auch nicht lange zurück und meinte. »So wie du jetzt abgedriftet bist, gehe ich davon aus, dass die Geschichten, die über meinen Cousin im Umlauf sind, wohl doch wahr sein müssen.«
Mit einem tiefen Seufzer gab Hetty zu. »Ich weiß nicht, was du gehört hast, aber es stimmt sicher.«
Dann verzog sie den Mund. »Aber du hast gefragt, warum ich nochmal durch die Gegend fahre? Kai hat einen dringenden Auftrag und hat die nächste Zeit sehr viel in der Firma zu tun. Und ich hatte nicht die geringste Lust, irgendwo rumzusitzen und darauf zu warten, dass der gnädige Herr heimkommt, schließlich bin ich zu vielem geboren, aber nicht zum braven Hausmütterchen.«
Silvie nickte. Ganz abgesehen davon, dass ihr Cousin soviel Geld hatte, dass er es sich problemlos leisten konnte, für notwendige Hausarbeiten Personal einzustellen.
Hetty fuhr fort. »Wir sind uns auch noch nicht ganz klar darüber, wo wir eigentlich wohnen werden. Sein Haus in Brisbane benutzt er selbst eigentlich nie, denn die früher so gute Wohnlage hat sich durch Neubauten stark verändert. Er will es verkaufen, aber etwas anderes direkt in Brisbane ist auch nicht optimal, denn ich bin nun mal kein Großstadtmensch und brauche freien Raum um mich. Der Landsitz von seinen verstorbenen Eltern ist zu weit entfernt von seiner Firma und so überlegen wir noch, was wir tun sollen.
Fritz hat uns angeboten, wir könnten doch zu ihm, Chrissie und Patrick ziehen. Auf der Farm ist genügend Platz für alle und er wäre überglücklich, wenn er seinen Ziehsohn dauernd um sich hätte. Schließlich hat sich Kai die letzte Zeit sowieso meistens dort draußen aufgehalten und eigentlich ist das sein Zuhause. Der Vorteil wäre unter anderem, dass ein großer Pool vorhanden ist und du weißt ja, wie gerne wir beide schwimmen. Und es gibt den Hubschrauberlandeplatz, also könnte Kai mit dem Helikopter problemlos in einer halben Stunde in seiner Firma sein. Aber wir wären eben nicht für uns alleine und müssten uns in das Leben dort draußen integrieren. Das sind momentan ganz schön viel Veränderungen auf einmal, mit denen wir konfrontiert werden.«
Hetty zuckte mit den Schultern. »Nachdem wir einige Zeit erfolglos diskutiert haben, habe ich schlussendlich gesagt, ich nehme mir nochmal eine Auszeit. Dann können wir beide in Ruhe überlegen und uns darüber klar werden, wie unser Leben in Zukunft ablaufen soll.«
Silvie nickte zustimmend. Auf der einen Seite sicherlich nicht die schlechteste Idee. Schließlich mussten sich die beiden Dauersingles erst einmal daran gewöhnen, dass sie jetzt fest gebunden waren.
Hetty erriet ihre Gedanken. »Ich war schließlich darauf eingestellt, bis zu meinem Lebensende mit meinem Camper durch Australien zu kurven und muss mich erst damit anfreunden, nur noch an einem Ort zu leben. Ab jetzt heißt es Kompromisse machen und da habe ich noch zu beißen. Und Kai geht es mit Sicherheit genauso, der war bisher auch nur sich selbst verantwortlich.«
Sie zuckte mit den Schultern. »Er ist natürlich nicht gerade begeistert gewesen. Ich habe ihm versprochen, dies ist meine letzte Fahrt und dann werde ich auch meinem Camperleben nicht mehr nachweinen. Wobei es mir gar nicht so schwer fällt, schließlich bin ich jetzt seit Jahren kreuz und quer durch den Kontinent gefahren und der Reiz des Neuen kommt nur noch selten zum Vorschein. Das hat ihm gereicht und er hat meiner Reise zugestimmt.«
Sie lächelte. »Allerdings hat er gemeint, er hätte jetzt einen Kompromiss Vorsprung und damit hätte er mich in der Hand.«
Silvie schmunzelte. »Ich habe doch gewusst, dass er nie etwas ohne Hintergedanken macht. Also bist du ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, wenn du zurückkommst. Oh, je – ich an deiner Stelle würde nicht mehr ruhig schlafen können!«
Hetty grinste. »Ehrlich gesagt, kann ich erst seit ein paar Tagen wieder mal ruhig schlafen!«
Nachdem sie eine Weile in Silvies Gelächter eingestimmt hatte, wurde sie wieder ernst. »Es wird Zeit, dass ich endlich losfahre, schließlich habe ich noch eine gute Strecke zu bewältigen.«
Wobei sie nicht hinzufügte, dass sie nicht die geringste Lust dazu hatte. Jeder Kilometer würde sie noch weiter von Kai wegführen und sie hatte jetzt schon solche Sehnsucht nach ihm. Seit vier langen Tagen hatte sie ihn nicht mehr gesehen und er fehlte ihr schrecklich. Inzwischen bereute sie bereits ihren Entschluss. Tja, das war das eben, wenn man verliebt war. Ohne den anderen fühlte man sich einfach nicht wohl und was half es, durch Australien zu fahren, wenn das Herz in Brisbane war. Und sie würde ihn erst in acht Wochen wiedersehen. Eine halbe Ewigkeit.
Welcher Teufel hatte sie nur geritten, dass sie hierher geflogen war? Wie konnte sie nur so dumm sein und ihren Traumprinzen alleine lassen, den es nicht im geringsten störte, dass sie um etliches älter war, absolut durchschnittlich aussah und ihrer Meinung nach auch sonst keine großartigen Qualitäten besaß. Nein, das war ihm alles egal, er liebte sie, Aus, Basta – Amen! Das hatte er ihr wohl tausend Mal gesagt und schließlich musste sie es zwangsgedrungen glauben. Und nun trat sie ihr Glück mit Füßen, nur um ihre Selbstständigkeit zu beweisen.
Silvie kannte sie inzwischen gut genug, um zu merken, dass etwas nicht ganz stimmte. »Sage die Fahrt doch ab und flieg zurück«, war ihre Lösung.
Hetty schüttelte den Kopf. »Jetzt habe ich schon zugesagt, also muss ich da auch durch.«
Sie verzog den Mund. »Abgesehen davon, kriege ich, wenn ich jetzt klein beigebe, in Zukunft nie wieder einen Fuß auf den Boden, wenn ich bei ihm etwas durchsetzen will. Denn wenn er mitbekommt, dass ich ihm zuliebe von meinen Prinzipien abweiche, dann nutzt er das gnadenlos aus. Du kennst ihn doch, er merkt sich jede Schwäche, die man zeigt.«
Silvie grinste. »Na, dann versuche mal mit deinem eigenwilligen Erziehungsprogramm bei ihm durchzukommen. Ich bin schon gespannt, ob du Graf Dracula wirklich zähmen kannst.«
Hetty lachte und umarmte Silvie nochmal zum Abschied. Dann ging sie zu Paul in die Werkstatt, um auch hier noch Lebewohl zu sagen. Er hatte ihren Camper in den letzten Wochen durchgecheckt und wieder richtig auf Vordermann gebracht.
»Wenn du irgendwelche Probleme bekommst, ruf sofort bei mir an, wie du weißt, kommt die Kiste mittlerweile langsam in ein Alter, wo öfters etwas aussetzen kann.« Paul wirkte irgendwie besorgt. »Du hast jetzt das Satellitenhandy, also kannst du mich jederzeit erreichen.«
Hetty zuckte mit den Schultern. Kai hatte darauf bestanden dass sie so eines mitnahm und sie hatte ihm seinen Willen gelassen. Natürlich hatte er sie auch ermahnt, das Ding endlich auch in ihrer Handtasche bei sich zu tragen und nicht immer im Camper liegen zu lassen, damit das Handy auch seinen Sinn und Zweck erfüllen konnte, ihr im Notfall zu helfen.
»Was soll denn schon groß passieren? Ich mache eine kleine Tour in den Westen und rufe an, wenn wir in Broome ankommen sind. Da finde ich dann hoffentlich jemanden, der mit nach Alice will, damit ich die lange Strecke nicht alleine fahren muss und in zwei Monaten bin ich wieder da.«
Sie drehte sich um und ging aus der Halle zu ihrem Fahrzeug. Langsam wurden ihr diese dauernden Ermahnungen zu viel. Paul folgte ihr und hielt sie am Arm fest, als sie einsteigen wollte.
Mit gerunzelter Stirn musterte er ihre gleichgültige Miene. »Ich habe ein Scheißgefühl diesmal, pass bloß auf!«
Als Hetty eine Stunde später mit ihrem Fahrzeug auf dem Highway Richtung Süden unterwegs war, verspürte sie zum ersten Mal in ihrem Leben nicht die Euphorie, die bei ihr immer entstand, wenn sie auf große Fahrt ging. Nachdenklich starrte sie durch die Windschutzscheibe auf die schnurgerade Straße, die von dem roten Sand, der links und rechts das Bankett bildete, eingefasst wurde. Daneben erstreckte sich, soweit das Auge reichte, eine Buschlandschaft mit niedrigen Eukalypten und gelbgrünem Spinifexgras, über die auf einem blauen Himmel weiße Wolken zogen. Normalerweise genügte das, um sie wunschlos glücklich zu machen.
Bis vor kurzem hatte es für sie nichts Schöneres gegeben, als mitten durch das Outback zu fahren. Doch heute kam einfach kein Hochgefühl auf. Irgendwie hatte sich alles geändert. Dazu noch das ganze Getue der Leute – alle betütelten sie, als ob sie das erste Mal in diesem Land unterwegs wäre. Sonst hatte es nie großartige Abschiedsszenen gegeben, doch dieses Mal hatten sie sich aufgeführt, als wenn sie nicht mehr zurückkommen würde. Das hatte nicht gerade dazu beigetragen, dass ihr ungutes Gefühl verschwand.
Hetty hatte sich schon immer auf ihre Eingebungen verlassen und versuchte zu verstehen, warum sie so unruhig war. Aber sie konnte sich beim besten Willen keinen Grund zusammenreimen, was schief gehen konnte.
Seitdem sie vor zwei Jahren von Deutschland nach Australien gekommen war, hatte sie sich mit ihrem Camper schon mehr als einige Male um und durch den ganzen Kontinent bewegt. Und war dabei manchmal in Dinge verwickelt worden, die man normalerweise nur auf den Titelseiten von Boulevardzeitungen las. Eine Entführung, Mordszenarien, und dazu noch einige kleinere Schwierigkeiten, hatten ihr bewusst gemacht, dass Australien nicht unbedingt ein harmloses Pflaster war. Zumindest hatte sie, aus welchen Gründen auch immer, die wenigen Kriminellen, die hier unterwegs waren, wie ein Magnet angezogen. Aber es war, meist dank Kais Hilfe, jedes Mal alles gut ausgegangen. Und die jetzige Tour war nur eine harmlose Fahrt durch Westaustralien, das noch dazu ein nahezu leerer Landstrich war. Damit war dann die Wahrscheinlichkeit, in irgendwelche Schwierigkeiten verwickelt zu werden, auch entsprechend geringer.
Abgesehen davon, würde sie dieses Mal sofort Kai Bescheid sagen, wenn etwas Ungewöhnliches passierte. Selbst wenn sie nur eine Fliege schräg anschaute, oder jemand beschloss ihr den Parkplatz wegzunehmen, würde sie sich bei ihm melden und Alarm geben. Das hatte sie ihm fest versprochen und sie gedachte es auch einzuhalten. Denn nun hatte sie zum ersten Mal in ihrem Leben etwas Wichtiges zu verlieren: Nämlich ihr zukünftiges Leben mit Kai.
Also, was sollten diese ganzen Grübeleien. Sie schüttelte den Kopf, das war bloß, weil Sssissi nicht dabei war. Aber der ging es gut und sie musste jetzt wirklich konzentrierter auf die Straße aufpassen und sich nicht durch belanglose Hirngespinste ablenken. Schließlich fuhr sie mit flotten hundertdreißig Stundenkilometern dahin, welche im Northern Territory die erlaubte Höchstgeschwindigkeit waren, um möglichst schnell voran zu kommen.
Die Sonne begann gerade damit, sich merklich zu senken, als die ersten weißen Maulwurfshaufen in Sicht kamen, die anzeigten, dass Cooper Pedy nahte. Die Opalgräberstadt hatte knappe tausendfünfhundert Einwohner, von denen die meisten damit beschäftigt waren in ausgeschachteten Gruben, mehr oder weniger gut ausgerüstet, nach den wertvollen Steinen zu schürfen. Der Rest machte sich die Arbeit leichter und sorgte dafür, dass die Touristen möglichst viel Geld für Schmuck, Höhlentouren und Kneipenbier ausgaben.
Hettys Anlaufstelle waren Millie und Fred, ein altes Ehepaar, die eine kleine Kneipe im Außenbezirk der Kleinstadt betrieben. Für Durchreisende standen auch noch vier Gästezimmer als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung. Natürlich waren diese Räume, wie die meisten in Cooper Pedy, aus dem Berg heraus gefräst worden und die Schlafräume befanden sich tief im Höhleninneren.
Außerhalb der Anlage war für Hetty ein genügend großer Stellplatz vorhanden, den sie sich nur mit ein paar urigen Jeeps, die den Fahrzeugen aus den Mad Max Filmen ähnelten und einem Haufen undefinierbaren metallenen Schrotts teilen musste.
Dafür konnte sie dann bei Millie, die genauso wie sie aus Deutschland stammte, auf der großen Terrasse vor der Höhle, die Spezialität des Hauses essen und das waren Lammkoteletts mit Krautsalat und richtigem Schwarzbrot.
Fred strahlte über sein ganzes faltiges Gesicht, als er sah, wer da bei ihnen vorfuhr. »Millie komm sofort raus, Hetty ist gekommen.«
Bis seine Frau da war, nutzte er die Gelegenheit sie selbst zu umarmen und ihr durch sein Bartgestrüpp einen ausgiebigen Schmatz zu verpassen. Trotz seines Alters ließ er keine Gelegenheit aus, um einen Kuss von einer Frau zu ergattern und war wie immer hocherfreut, als er auch einen retour bekam. Seine weißen Haare wucherten nicht nur auf dem Kopf ungehemmt und wie schon öfter fühlte sich Hetty ein kleines bisschen an Catweazle erinnert, nur dass der üppige Bart dann eher an einen biblischen Vater Abraham denken ließ.
Was ihr Mann dünn war, glich Millie mit Körperfülle aus und die hatte sie nicht von ungefähr, schließlich war sie, weit und breit, als beste aller Köchinnen bekannt.
Nachdem sie Hetty an sich gedrückt hatte, fragte sie. »Und wohin bist du dieses Mal unterwegs? Komm setz dich und erzähle!«
Die zwei gehörten zu den ersten Menschen, die Hetty bei Beginn ihrer Fahrten kennengelernt hatte und über die Jahre war so etwas wie eine Freundschaft entstanden. Und natürlich musste sie grundsätzlich auch jede noch so unwichtige Kleinigkeit berichten, wenn sie bei ihnen vorbeikam. Nicht umsonst hatte Millie ihr bei ihrer ersten Begegnung erzählt, dass sie die Gästezimmer vor allem deswegen hatte, um wenigstens hin und wieder etwas Neues zu erfahren.
Jetzt hörten sie interessiert zu, als Hetty von ihrer jetzigen Tourenplanung berichtete. Das Wichtigste hatte sie sich zum Schluss aufgehoben. »Und übrigens, ich habe jetzt einen festen Freund!«
Die beiden starrten sie erst prüfend an, um zu sehen, ob sie nicht gerade einen Spaß gemacht hatte und dann beugte sich Millie mit vergnügt funkelnden Augen vor und sagte. »Ich will alles wissen, aber wirklich alles!«
Am Ende gab sie sich dann aber doch mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Dinge zufrieden und bestand darauf, dass Hetty mit Kai unbedingt bald bei ihnen vorbeikommen musste.
Als Hetty spät nach Mitternacht ins Bett ging, wurde ihr bewusst, dass dies vermutlich ihr letzter Abstecher nach Cooper Pedy gewesen war. Denn ihre Reisen würden nun für immer vorbei sein und in diese Richtung kam nur, wer den Stuart Highway fuhr, der von Norden nach Süden durch die Landesmitte lief. Tja, und Brisbane lag nun mal an der Ostküste, also gute zweittausend Kilometer entfernt und zwar Luftlinie. Eine geteerte Verbindungsstraße auf diese Seite des Kontinents gab es nur eintausendfünfhundert Kilometer oberhalb und tausend Kilometer unterhalb von Cooper Pedy. Also war, sogar für australische Verhältnisse, kein Kurzbesuch möglich.
Dann dachte sie an Kai und schlief beruhigt ein. Wenn sie Ihrem Traumprinz sagte, sie wolle hierher, würde er vermutlich nur mit den Schultern zucken, die Kreditkarte zücken und sagen. »Nimm einen Flieger und komm bald zurück.«