Читать книгу Die Mulgacamper Romane Band 9 und 10 - Elda Drake - Страница 5

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Kapitel 2

Nach einer ausgiebigen Umarmung und dem ehrlich gemeinten Versprechen, die beiden mit Kai einmal zu besuchen, startete sie am Morgen mit frischem Mut.

Als sie am Miniflughafen von Port Augusta an der Landebahn stand, hatte sich die ungute Stimmung verflüchtigt und einer gespannten Erwartung auf Britney Platz gemacht. Die wirkte auf den ersten Blick, wie ein frisch vom Himmel gefallener Engel – weißblonde lange Haare, weiße Hose, weiße Bluse, weiße Schuhe, weiße Tasche – fehlten nur noch die Flügel. Im Schlepptau hatte sie einen der jungen Flughafenangestellten, der willig die drei gut gefüllten Reisetaschen schleppte, die sie anscheinend benötigte, um einen mehrwöchigen Camperurlaub zu überstehen.

Sie als gutaussehend zu bezeichnen, wäre stark untertrieben gewesen – sie war mit Sicherheit eine der bestaussehensten Frauen, die Hetty jemals gesehen hatte. Sämtliche Vertreter des männlichen Geschlechts, die momentan auf dem Parkplatz vorhanden waren, hätten ihr wohl vorbehaltlos zugestimmt, denn die meisten hielten sich nicht vornehm zurück und starrten Britney schamlos an, als sie an ihnen vorbeiging.

Ob sie die Blicke überhaupt bemerkte, war ihrer Miene nicht zu entnehmen. Freundlich lächelnd kam sie auf Hetty zu und stellte sich vor. Nach der Begrüßung seufzte sie kurz auf und meinte. »Ehrlich gesagt, hätte ich jetzt einen starken Kaffee nötig.«

Da auch Hetty nie einem Cappuccino abgeneigt war, fuhren sie, nachdem sie ihr Gepäck im Camper verstaut hatten, zuerst das nächstgelegene Cafe an.

»Ich bin koffeinsüchtig, musst du wissen«, erklärte ihr Britney, nachdem sie sich ihren zweiten Espresso bestellt hatte. »Ohne Kaffee bin ich nur ein halber Mensch.«

»Na, dann werden wir gleich im nächsten Woolworth für genügend Nachschub sorgen, eine gute Kaffeemaschine habe ich an Bord.« Hetty sah sie fragend an. »Was magst du denn sonst noch gerne, vor allem zum Frühstück?«

»Also Frühstück brauchst du mir keines zu machen, da esse ich nur ein Stückchen Obst. Ich bin keine großartige Fleischesserin, am liebsten sind mir Salate und Rohkost.«

Na, das konnte ja heiter werden! Hetty seufzte innerlich auf. Sie selbst war alles andere als eine Kostverächterin und stand eigentlich nur mit Grünzeug auf Kriegsfuß – eben dem so gern gegessenen Salat von Britney. Das würde also heißen, sie musste doppelt kochen – einmal ihre übliche Fleischkost und dann noch den Schlangenfraß für Britney. Glücklicherweise gab es ja überall den schon fertig geschnittenen Salat und entsprechende Dressings zu kaufen. Viel Arbeit würde ihr das also nicht machen.

Bisher hatte sie immer Leute an Bord gehabt, die auch über einen gesunden Appetit verfügten und sich nur Gedanken darüber machen müssen, dass die Portionen ausreichten. Das hier, würde nun eine ganz neue Erfahrung werden und zwar eine, auf die sie ganz gerne verzichtet hätte. Grünzeug – Pfui Teufel! Hoffentlich störte sich Britney nicht an ihrem Fleischgenuß und hielt ihr bei jedem Steak einen Vortrag darüber, dass man dafür die armen Tiere töten musste.

Hetty hatte den Menschen dieser Gesinnung bisher immer lapidar geantwortet. »Es wäre auch grausam, sie lebend zu grillen!«

»Nein, nein, ich bin keine Vegetarierin!« Britney beruhigte sie, als sie vorsichtig diese Frage anbrachte. »Ich muss nur sehr auf meine Figur achten, denn ich nehme sofort zu, wenn ich auch nur ein bisschen mehr, als üblich, esse. Deshalb das ganze Gemüse!«

Hetty war beruhigt. Wenn sie unbedingt meinte, sie müsste Diät halten und das bei so einer Superfigur, dann war das ihr Problem.

Nachdem sie im Kaufhaus noch alles Nötige für die nächsten Tage gebunkert hatten, starteten sie los. Schließlich wollten sie beide, so schnell wie möglich, die eigentliche Reise beginnen und dazu mussten zuerst etliche Kilometer Zwischenraum bewältigt werden.

Während der Fahrt nach Ceduna stellte Hetty zu ihrem Bedauern fest, dass sie und Britney in einem weiteren Punkt nicht sonderlich übereinstimmten. Sie selbst war alles andere als schweigsam veranlagt und redete gerne. Das war ja unter anderem der Grund dafür, dass sie Leute im Camper mitnahm. Nur war es auf die Dauer wenig inspirierend, wenn keine bis wenig Antworten vom Beifahrer kamen. Schließlich wollte sie einen Dialog führen und keinen Monolog halten.

Doch Britney gehörte anscheinend nicht gerade zur Fraktion der Sprechbedürftigen. Normalerweise wurde ihr nachgesagt, dass sie jeden zum Reden bekam und seitdem sie auch Kai auf ihrer Liste hatte, war das ein allgemein akzeptierter theoretischer Ansatz, aber hier war jegliche Liebesmüh umsonst. Nachdem Hetty eine Weile, mit allen möglichen Tricks, versucht hatte, mehr als ja- und nein-Antworten heraus zu kitzeln, gab sie schließlich auf. Dann eben nicht!

Einziger Lichtblick war dann, dass Britney einen Teil ihrer CDs für recht annehmbar hielt und so herrschte wenigstens nicht völlige Stille im Fahrzeug. Hetty hatte eine etwas flottere Musik ausgewählt, denn wenn sie schon nicht durch eine Unterhaltung aus der Monotonie der Fahrt gerissen wurde, brauchte sie auf alle Fälle etwas anderes zum Aufputschen. Trotzdem war sie reichlich müde, als sie auf dem Campingplatz in Ceduna ankamen und nach dem Abendessen war sie sich mit ihrer neuen Mitreisenden einig, dass nichts gegen ein frühes Zu-Bett-Gehen sprach.

Die Mulgacamper Romane Band 9 und 10

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