Читать книгу Die Mulgacamper Romane Band 9 und 10 - Elda Drake - Страница 8
ОглавлениеKapitel 5
Die Zivilisation hatte sie wieder! Am späten Nachmittag erreichten sie Esperance, das malerisch in einer Bucht lag und einen Anblick bot, der zum Träumen einlud. Zumindest, wenn man nur drei Viertel der Stadt betrachtete und die großen Tanks und Hafenanlagen für die Verschiffung von Erz und Weizen am anderen Ende ignorierte.
Die kleine Stadt war inzwischen zu einem äußerst beliebten Touristenmagnet mutiert, da in ihrer Umgebung wunderbare Nationalparks lagen und die meisten Australier im Sommer die kühleren Temperaturen an der Südküste bevorzugten. Am Meer führte eine bald vier Kilometer lange Promenade entlang, die von Norfolk Pinien eingesäumt wurde und zum Spazierengehen einlud. Außerdem hatte Esperance zahlreiche Supermärkte, Läden und kleine Restaurants vorzuweisen und eine Reihe von Stränden mit feinem weißen Sand.
Nachdem sie auf einem netten Vier-Sterne-Platz ihren Stellplatz eingerichtet hatten, fuhren sie in den Supermarkt um die Vorräte zu erneuern. Als Britney nach ihrer Rückkehr auf den Campground verkündete sie würde jetzt schlafen gehen, rief das bei Hetty nur ein gemäßigtes Schulterzucken hervor. Auch gut, sie hatte schließlich einen wichtigen Anruf zu tätigen.
Kai hörte sich in aller Ruhe ihren genervten Bericht über den bisherigen Reiseverlauf an. »Das hast du dir selber zuzuschreiben, Prinzessin. Du wolltest ja nicht bei mir bleiben. Jetzt musst du da durch!«
Hetty ahnte, dass hier kein Mitleid zu ernten war. Ihr Gejammer spielte Kai nur in die Hände, der von Anfang an gegen diese Fahrt gewesen war. »Ich vermisse dich!«
Sie seufzte in ihr Telefon und war sich dabei absolut sicher, dass der eigentlich so ernste Kai nunmehr übers ganze Gesicht grinsend in seinem Büro saß.
Dann hörte sie im Hintergrund Telefonläuten. »Du, ich muss ran, also bis bald Prinzessin« und gerade als sie meinte, er würde einfach so auflegen kam ein »Ich vermisse dich auch!« und dann hörte sie nur noch das Freizeichen.
Blödsinnig ihr Handy anlächelnd, saß sie noch eine Weile da und schwelgte in Erinnerungen an die letzten Wochen mit Kai. Sie würde nie den Augenblick vergessen, als er ihr gesagt hatte, dass er sie liebte. Nach fast zwei Jahren Flucht vor ihren eigenen Empfindungen, hatte sie in diesem Moment endlich geglaubt, was sie immer nur ganz im geheimen gehofft hatte. Denn Kai konnte sehr überzeugend sein. Sie schloss die Augen. Sehr, sehr überzeugend!
»Krieg dich wieder ein, Britney wartet.« Ihr Verstand schaltete sich ein und riss sie aus ihren Gedanken.
Warum sie zum Telefonieren den Campingplatz verlassen und sich eine einsame Parkbank gesucht hatte, konnte sie nicht sagen. Aber irgendwie wollte sie ihren Kai für sich alleine haben, deshalb hatte sie auf Anfragen von Britney auch behauptet, sie wäre Single. Es war absolut unüblich für Hetty zu lügen, aber Britney hatte sich für sie noch nicht zu jemandem entwickelt, mit dem sie engere Gefühlsbeziehungen diskutieren wollte. Und ihre Beziehung zu Kai war kompliziert genug. Da brauchte sie niemanden, der noch seinen Senf dazu gab.
Da Britney keinen Stress mochte, gingen sie die nächsten Tage sehr gemütlich an. Viel zu gemütlich für Hettys Vorstellung, aber was sollte sie machen.
Als erstes Häppchen stand also am folgenden Morgen die Fahrt zum Le Grand Nationalpark an. Die einfache Strecke maß sechzig Kilometer, das war für australische Verhältnisse ein kurzer Hüpfer und nicht weiter erwähnenswert. Die Teerstraße wechselte auf dem letzten Stück von zweispurig auf einspurig und vorsichtiges Weiterfahren war angesagt, denn bei Gegenverkehr musste man auf das Bankett ausweichen und bei dem Gewicht ihres Campers, war das nicht das Ungefährlichste, was man machen konnte. Etwas zu viel Geschwindigkeit und Hetty konnte die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren.
Ihre Beifahrerin hatte erst nur genickt, als sie ihr das erklärt hatte und sich schließlich überwunden einen ganzen Satz hinzuzufügen. »Bei deiner Fahrweise fühle ich mich absolut sicher, man merkt, dass du schon sehr viele Kilometer in diesem Land absolviert hast.«
Hetty freute sich über das unverhoffte Kompliment und dachte sich. »Wird schon!«
Kurz darauf parkten sie neben dem schneeweißen Sandstrand der Bay des Le Grand und stiegen aus, um einen ersten Blick auf die langgezogene Bucht zu werfen, die auf der linken Seite von einem kleinen Berg eingegrenzt wurde. Von hier aus konnte man mit dem Geländewagen kilometerlang in den auslaufenden Meereswellen dahinfahren und es gab genügend Leute die fanden, dies wäre ein angebrachtes Freizeitvergnügen. Hetty fand es mehr als pervers, im klimatisierten Auto zu sitzen und wie blöd durch das Wasser dahin zu brettern. Sie zog einen gemütlichen Spaziergang vor. Die Schuhe in der Hand und die Zehen von den auslaufenden Wellen umspielt. So stellte sie sich Strandleben vor.
Nach einem Kilometer machte Britney schlapp. »Du kannst ruhig noch weitergehen, aber mir wird das zu viel.«
Also händigte ihr Hetty den Schlüssel für den Camper aus und setzte ihren Weg alleine fort. Eine gute Gelegenheit wieder mal an Kai zu denken.
»Das ich nicht lache! Wieder mal! Ha, Ha, Ha! Du denkst doch die ganze Zeit an nichts anderes!« Ihre Sarkasmusabteilung ließ sich nicht von einem überflüssigen Kommentar abhalten.
Doch Hetty sah, statt Sandstrand, nur strahlend blaue Augen und ließ sich in ihrem Denken nicht beeinflussen.
Zurück beim Camper fand sie eine schlafende Britney vor, die erhebende Landschaft um sie herum hinterließ anscheinend keinerlei aufmunternde Wirkung bei ihr, wie Hetty kopfschüttelnd feststellte. Allerdings war sie nun ausgeruht und bereit auch noch den Thistle Rock, einen Felsen, der an eine aufrechtstehende, innen abgeflachte Bohne erinnerte, zu besichtigen.
Hetty hatte bei ihrem ersten Besuch die Tafel mit der Bezeichnung des Felsens schlampig gelesen und mit Twistlerock also „Pfeiffelsen“ übersetzt. Dann hatte sie nachdenklich vor dem Ding gestanden und sich zusammengereimt, dass der wohl, wenn der Wind um ihn herumstrich, irgendwie pfeifen oder heulen würde. Bei nochmaliger Begutachtung des Hinweises entdeckte sie dann, dass ein „Mister Thistle“, also nicht Twistle, einst in grauer Vorzeit hier in dieser Bucht mit seinem Segelschiff angelegt hatte und der Felsen deshalb so hieß. Leicht enttäuscht war sie anschließend von dannen geschlichen – die andere Story hätte ihr besser gefallen.
Die Erzählung ihres Irrtums nahm Britney mit einem höflichen Nicken zur Kenntnis, ohne in das normalerweise übliche Lachen auszubrechen, das diese Geschichte bei anderen Leuten auslöste. Hetty stöhnte innerlich auf – mit der Frau kam sie irgendwie nicht klar. Sie lagen einfach nicht auf der kleinen Wellenlänge.
»Wir befinden uns noch nicht mal auf dem gleichen Planeten.« Da musste sie ihrem Verstand recht geben.
Doch die kurze Fahrt zu der Lucky Bay und der Rotary Bay ließ Britney klaglos über sich ergehen und gab sich interessiert. Beide waren ganz nett anzusehen, nur Hetty hatte wieder mal ihr altes Problem – für sie war nach den ersten ein, zwei Buchten mit dem Entzücken über die fantastische Landschaft Schluss. Es war eben immer das Gleiche: Schneeweißer Sand, dazu grünes – türkises – blaues – dunkelblaues Meer. Die Wellen brachen mit einem knallenden Rauschen an den menschenleeren Strand. Hin und wieder lockerten ein paar runde Überbleibsel ehemaliger Felsen den Anblick auf und wirkten wie schlafende Elefanten oder Seehunde. Wunderschön! Doch wenn man nicht ein absoluter Sandstrandfetischist war, dann wurde das Ganze auf die Dauer etwas langweilig.
Sie brauchte etwas anderes – den genauen Gegensatz. Auf dem Rückweg stoppten sie am Frenchman Peak, einem kleineren Berg, der auf der ganzen Fahrt durch den Le Grand Nationalpark immer wieder ins Blickfeld kam. Er fiel einem vor allem durch seine seltsame Kuppelform auf – in der Mitte des Gipfels war nämlich ein ausgeprägtes Loch zu sehen. Hetty ahnte schon im Voraus, was Britney zu ihrem Vorschlag sagen würde, auf dieses Teil zu klettern.
»Also ehrlich gesagt, ich verfahre nach dem Prinzip „Sport ist Mord“ und da hinauf! Um Gottes Willen! Ich bin nicht schwindelfrei und das ist mir viel zu anstrengend. Aber weißt du was? Ich schlage vor, du kommst morgen nochmal alleine hierher und ich mache dafür einen gemütlichen Bummel auf der Promenade. Da habe ich ein nettes Lokal gesehen, da kann ich mir einen schönen Tag machen. Was hältst du davon?«
Was Hetty davon hielt, am nächsten Tag noch einmal dieselben hundertzwanzig Kilometer zu fahren, behielt sie lieber für sich. Aber es war ihr auch vollkommen bewusst, dass Britney wohl kein Verständnis dafür aufbringen würde, wenn sie jetzt sagte, sie sollte die nächsten drei Stunden hier im Camper auf einem öden Parkplatz auf sie warten. Sie verbiss sich ein genervtes Auflachen – geschlafen hatte sie nun anscheinend genug – jetzt war sie wach und wollte zurück in die Zivilisation. Was für diese Frau bedeutete, eines der Lokale zum schnellen Abendessen aufzusuchen und dann früh ins Bett zu gehen.
Hetty starrte die Decke ihres Campers an und versuchte zu schlafen. Aber da sie nicht ausgelastet war, war sie auch nicht müde. Von was sollte sie denn müde werden? Sie war ein Mensch, der sich ganz gern bewegte und ein Strandspaziergang war ihr einfach zu wenig. Abgesehen davon, dass sie normalerweise nicht vor Mitternacht schlafen ging und jetzt schon um zehn Uhr in den Federn lag. Das musste anders werden!
Also fuhr sie am nächsten Tag alleine in den Nationalpark, stellte ihren Camper beim Parkplatz an dem Berg ab, zog die Wanderschuhe an, schnappte sich ihren kleinen Rucksack, verstaute darin ihre Wasserflasche und ging los. Die Warntafel am Beginn des Tracks machte sie darauf aufmerksam, dass man nicht alleine gehen sollte.
»Wir sind doch immer zu zweit! Für was sind wir persönlichkeitsgespalten?« Ihr Verstand kicherte. Schizo war schizo – da halfen keine Pillen!
Tja, da konnte man nichts machen, sie war halt alleine, aber das war sie oft genug gewesen und wenn man aufpasste, wohin man die Füße setzte, konnte einen gebürtigen Bayern ein australischer Wandertrack nicht sonderlich herausfordern. Den Zusatz, dass man auch noch auf Bienen achten sollte, die wären hier gefährlich, ignorierte sie komplett. Hetty war glücklicherweise keine Bienengiftallergikerin und die Teile würden ja wohl nicht in Schwärmen über sie herfallen, wenn sie ihnen nichts tat. Aber in der Hinsicht waren die Aussies übervorsichtig und zumindest konnte den Tourismusverein dann hinterher keiner verklagen. Die gingen da, wie die Amis, auf Nummer sicher, denn man konnte nie wissen, welche Touristentrottel durch die Gegend liefen.
Hetty grinste – sie hatten sich natürlich auch nicht den Hinweis auf die Kopfbedeckung, Sonnencreme, das Schuhwerk und ausreichende Getränke gespart. Spätestens wenn mal ein Asthmakranker röchelnd auf dem Pfad zusammenbrach, würde wohl auch die Warnung hinzugefügt, dass man einen Gesundheitscheck machen sollte, bevor man hier entlangging.
Der Weg führte anfänglich über Boardwalks eben dahin, äußerst einfach zu gehen und wenn nicht so wunderschöne Blumen links und rechts zu sehen gewesen wären, auch äußerst langweilig. Doch dann kam eine Kehre, die zum blanken Felsgestein abbog und nun ging es richtig steil bergauf. Hetty japste. Seit dem Training mit Pat – einer Mitarbeiterin von Kai, die sie auf einer Fahrt begleitet hatte um sie fit zu machen – war sie mehr als geübt ihm Berggehen. Denn die hatte sie damals an der Ostküste jeden Buckel hochgejagt, der zu finden gewesen war. Aber das hier war trotzdem sehr heftig und vor allem ganz schön anstrengend.
Doch als sie schlussendlich, eine gute halbe Stunde später, auf der Kuppe um die Ecke bog, blieb sie mit einem laut geäußerten »Der absolute Wahnsinn!« stehen und klopfte sich gedanklich auf die Schulter.
Dieser Ausblick war den Aufstieg wirklich wert gewesen und der Berg würde bei ihr in die Liste mit den Ausflügen eingereiht werden, die man immer wieder machen konnte. Fasziniert schaute sie sich auf dem kleinem felsigen Plateau um. Sie stand direkt vor dem Loch in dem Gipfel, das man von der Straße aus erkennen konnte. Doch von dort wirkte es nur einfach wie eine, nicht sonderlich aufregende, Lücke im Gestein. Von wegen. Vor ihr lag eine große, schroff gezackte Höhle und durch diese konnte man bis zu dem weißen Strand von Le Grand hinunter sehen. Es war wohl eines der besten Fotomotive, die ihr je vor die, bereits gezückte, Kamera gekommen waren. Nachdem sie enthusiastisch zahllose Bilder gemacht hatte, setzte sie sich auf einen der Felsen und genoss die Aussicht.
Nach einer Weile entdeckte sie, dass sich neben ihr noch ein Wegmarker befand, der anzeigte, dass ihre Tour hier noch nicht zu Ende war. Also stand sie auf, klopfte sich den Staub von der Hose und legte los. Eine nochmalige, steile und sehr ausgesetzte, Kletterpartie führte sie in weiteren zehn Minuten endgültig auf die allerhöchste Stelle des Berges. Hier oben fegte der Wind fast stürmisch über die Kuppe und führte dazu, dass sie sich an der Wand abstützen musste, um nicht zu schwanken. Hetty konnte den Blick in die Ferne nicht richtig genießen, denn sie war in den Bergen ziemlich, allerdings nicht ganz schwindelfrei, und das hier erzeugte ein hohles Gefühl in ihrer Magengegend. Also machte sie kehrt und sah zu, dass sie wieder zu ihrem wunderbaren Ausguck zurückkam, wo sie sich noch eine halbe Stunde der Stille und des Träumens gönnte, bevor sie sich wieder an den Abstieg machte.
Als sie am Abend Britney von ihrem Erlebnis berichtete, meinte die, mit weit aufgerissenen Augen. »Gut, dass ich nicht dabei war, ich bin allergisch gegen Bienengift.«
Hetty verkniff sich die Antwort, dass sie keine einzige Biene gesehen hatte und fragte, ob sie einen schönen Tag gehabt hätte.
»Wunderbar, ich bin an der Promenade spazieren gegangen bis vor zu dem langen Jetty, dem hölzernen Bootsanleger. Der reicht leicht einen halben Kilometer ins Meer hinein und stell dir vor, was ich da gesehen habe – einen Seelöwen!« Britney war erkennbar begeistert und zeigte Hetty einige Fotos auf ihrer Digitalkamera, die den bärtigen Meeresbewohner in verschiedenen Stellungen abbildeten.
»Ich habe gedacht, die Warnung auf dem Schild hat nichts zu sagen, aber dann hat es plötzlich geplätschert und er ist neben dem Steg aufgetaucht.« Stolz betrachtete Britney ihre Aufnahmen.
Na, also! Wird schon, dachte Hetty.
»Ist das unser neues Mantra? Dein Wort in Gottes Gehörgang!« gab ihre Sarkasmusabteilung zurück.
Doch auch der nächste Tag bestätigte Hettys Meinung, dass sich alles zum Besseren wenden würde. Sie waren am frühen Nachmittag zum Rotary Ausguck hinaufgefahren. Obwohl dieser Hügel an der rechten Spitze der Bucht nur ein paar Kilometer vom Campingplatz entfernt lag, hatte Hetty in weiser Voraussicht nicht darauf bestanden, die steil ansteigende Strecke, die durch eine Ansammlung ebenerdiger Häuser führte, zu Fuß zu gehen. So konnte sie Britney auch dazu bringen, den kurzen, gut ausgebauten Rundweg um den Hügel mitzugehen. Da dieser ganz flach und selbst für einen Gehbehinderten zu bewältigen gewesen wäre, erntete sie auch nur Lobesworte.
»Schau doch mal, wie schön diese Aussicht ist.« Britney knipste mit Feuereifer zuerst Esperances Strand und dann auf der anderen Seite die Bucht des Eight-Miles-Beaches.
Hetty deutete mit dem ausgestreckten Arm zu dem vorgelagerten Felsen der am Ende des Acht-Meilen-Strandes den Rest der Küstenlinie verdeckte. »An dem vorbei führt eine Touristenstraße gut zwanzig Kilometer immer am Meer entlang. Die fahren wir jetzt dann ab, an der gibt es einen Aussichtspunkt nach dem anderen, da hast du Fotomotive ohne Ende.« «
Sie selbst fand, dass diese Küstenstraße eine der schönsten in Australien war und hatte sie bereits mehrmals aufgesucht. Daher wusste sie, dass der späte Nachmittag vom Lichteinfall her die besten Bilder brachte. Und sie musste zugeben – wenn schon Strand, dann dieser hier. Der Twilight-Beach machte seinem Namen wirklich alle Ehre. Das Zwielicht der untergehenden Sonne verlieh dem Meer einen zarten glitzernden Schimmer und seltsame pastellartige Farbtöne, die eine unwirkliche Stimmung erzeugten. Die großen grauen runden Felsen, die vereinzelt aus den Meereswellen ragten, passten so perfekt dazu, dass man meinen konnte, ein besonders geschickter Dekorateur hätte sie extra hineinsetzen und bemalen lassen. So eine ausgefallene Landschaft sah man normalerweise nur als Hintergrund in Animations¬filmen und sogar da hätte wohl der Computergrafiker die Stirn gerunzelt, weil sie einfach nicht glaubwürdig war.
Eine grandiosere Kulisse konnte sie also für eine Rundfahrt nicht finden und wie sie sich gedacht hatte, war diese Tour dann auch genau nach Britneys Geschmack: Anhalten, zehn Meter gehen, fotografieren, weiterfahren. Hetty, die mehr mit ein- und ausparken, als mit gehen und fahren beschäftigt war, hatte inzwischen begriffen, welcher Art Urlaubsmensch ihre Mitreisende war: Nämlich das genaue Gegenteil von ihr. Während sie, zum erneuten frühen Abendessen zurückfuhr, unterdrückte sie ein lautes Aufseufzen – lustig ging anders!