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Bauer Ewald

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Endlich ließen die drei den Wald hinter sich und vor ihnen breitete sich eine grüne, hügelige Landschaft aus. In der Ferne konnten sie bereits die schemenhaften Umrisse der Berge erkennen und ihnen wurde bewusst, dass ihre Reise gerade erst begonnen hatte.

Kniehohe Heidekräuter mit weißen und lilafarbenen Blüten bewuchsen den sandigen Boden und kleine, kugelrunde Büsche raschelten leise im Wind. Diese Gegend schien freundlicher und die Wanderer gewannen neuen Mut. Nachdem sie eine Weile gegangen waren und einen der größeren Hügel passiert hatten, lag ein sanft abfallendes Tal mit beackerten Feldern vor ihnen, dessen Grenzen von einer Mauer aus kindskopfgroßen Feldsteinen umrahmt waren. Der Tag begann zu dämmern als sie das Feld erreichten.

»Wir sollten diesem Feld folgen. So werden wir zu den Bauern gelangen«, schlug Lilu vor und kletterte über die Steinmauer.

Alexander folgte ihr und fragte: »Warum machen die Leute so etwas?«

»Was denn?«

»Na, so eine unsinnige Mauer bauen. Ich meine, da kann doch jedes Kind rüber klettern.«

»Stimmt, aber es ging hierbei nicht um die Mauer, sondern um die Steine«, erklärte Lilu, doch Alexander verstand nicht. »Wie, die Steine?«

»Die Steine lagen früher im Boden und immer, wenn der Bauer mit dem Pflug gegen einen Stein krachte, grub er diesen aus und legte ihn an den Rand des Feldes, damit er nicht noch mal gegen diesen Stein stößt«, erklärte sie. »So wurden es mehr und mehr und wahrscheinlich hat irgendeiner die Steine aufeinander gestapelt, und zack, entstand die erste Mauer.«

Alexanders Blick fuhr die Steinmauer entlang und er schlussfolgerte: »Schätze, das war wohl nicht die beste Idee, gerade hier ein Feld anzulegen.«

Das Getreide stand hoch und so mussten sie ihren Weg durch das Feld bahnen. Da der Junge ein deutliches Stück größer war und Lilu immer noch das Baby trug, schritt er voraus und ebnete den Weg. Plötzlich stand er vor einer riesigen Gestalt und erschrak. Augenblicklich erhob er seinen Knüppel, um den Fremden abzuwehren, doch Lilu rief: »Halt ein! Das ist doch nur eine Vogelscheuche.« Er spürte den Schrecken noch in seinen Gliedern und fragte: »Eine Vogelscheuche? Bist du dir sicher? So eine gruselige Vogelscheuche habe ich ja noch nie gesehen. Wer denkt sich denn so etwas aus?«

Fest und fleischig hing diese Figur an ihrem Pfahl. Nirgends war Stroh zu erkennen und es schien so, als sollte sie nicht nur die gefräßigen Vögel fernhalten, denn sie sah aus wie ein gekreuzigter Mann, der der Verwesung nahe ist. Alexander beschlich ein ungutes Gefühl und in dem Moment, als sie an der Vogelscheuche vorüber gingen, lief ihm ein kalter Schauer den Rücken herunter. Er hätte schwören können, dass sie sie mit lauerndem Blick aus ihren dunklen, leeren Augenhöhlen verfolgt hatte.

Am Ende des Feldes trafen sie auf einen schmalen Sandweg, der tiefe Huf- und Wagenspuren erkennen ließ.

»Rechts oder links?«, fragte Alexander. Lilu besah sich die Spuren und entschied: »Wir müssen da lang«, und zeigte nach rechts. Wenig später erreichten sie einen verwitterten Holzzaun. Eine schmale Pforte gewährte ihnen Einlass auf einen Hof. Als Lilu die quietschende Pforte öffnete, setze ein lautes, tiefes Bellen ein. Alexander zuckte zusammen, denn dem Ton nach musste es ein großer Hund sein, dem ihr Kommen nicht verborgen geblieben war. Ängstlich fragte er: »Bist du sicher, dass die Leute freundlich sind?« Wo er doch vor Hunden schon immer Angst gehabt hatte.

»Es sind einfache Leute. Sie werden uns willkommen heißen. Doch überlasse mir die Ansprache – das Landvolk ist misstrauisch.« Das hätte sie gar nicht zu erwähnen brauchen. Alexander hätte sowieso nicht gewusst, wie er Fremden ihr Erscheinen hätte erklären sollen.

Vor dem Haus saß die Bäuerin auf einem Schemel und rupfte einem Huhn die Federn, das scheinbar vor nicht allzu langer Zeit noch über den Hof gehuscht war. Den vielen anderen Hühnern schien das Schicksal des Verwandten einerlei. Die Frau war klein und kräftig, nicht mehr die Jüngste und ihre rötlichen Wangen zeugten vom Landleben. Sie trug eine grobe Schürze über ihrem braunen Kleid und ein Kopftuch bedeckte ihr ergrautes Haar. Nachdem die Bäuerin die Fremden erblickt hatte, erhob sie sich und rief: »Na, wen haben wir denn da?« Ihre Stimme klang verhalten aber freundlich.

Einige Schritte hinter ihr stand der Bauer, der deutlich weniger erfreut zu sein schien. In der Rechten hielt er die Kette, an der ein riesiger, schwarzer Hofhund zerrte und mit der Linken umklammerte er den schweren Stiel seiner Forke, immer bereit, unangemeldete Besucher vom Hof zu jagen. Der Mann war nicht wesentlich größer als sein Weib, doch von sehr kräftiger Statur und annähernd halslos.

Lilu ging unverdrossen näher, deutete eine Verbeugung an und sagte freundlich: »Seid gegrüßt. Drei müde Wanderer bitten um Eure Gastfreundschaft, liebe Bauern.« Die Frau hielt das gerupfte Huhn in beiden Händen und bewegte sich vorsichtig auf sie zu.

»Wo ist der Dritte? Er soll sich zeigen, oder habt Ihr etwas zu verbergen?«, hörte man den Bauern rufen. Seine Stimme klang weniger freundlich als energisch und entschlossen. Die Frau blieb wenige Schritte vor den Besuchern stehen und Lilu schob das Tuch ein wenig zur Seite, sodass die Bäuerin das schlafende Baby erblickten konnte.

Ein Moment des Schweigens verging, in dem sie sich die Frage zu stellen schien, wie das ungleiche Paar wohl zu einem Baby gekommen sei. Lilu schaute ihr in die Augen und erklärte mit ruhiger Stimme: »Wir haben es einem Storchenpaar entrissen. Im Wald nicht weit von hier.« Die Bäuerin schien erleichtert, drehte sich zu ihrem Gatten und rief: »Es ist ein Baby, Ewald.« Der Bauer schien dem Urteil seiner Gattin zu trauen. Er kam ebenfalls näher und brummte nun etwas freundlicher: »Entschuldigt unser Misstrauen, man kann in diesen Zeiten nicht vorsichtig genug sein. In letzter Zeit treibt sich eine Menge Gesindel in unserer Gegend herum.«

So standen sich die Bauern und die Reisenden gegenüber und keiner getraute sich etwas zu sagen. Scheinbar wollte Lilu den Bauern die Zeit lassen, über den unerwarteten Besuch sinnen zu können. Endlich ergriff die Frau das Wort: »Kommt herein und seid unsere Gäste. Das Essen ist bald fertig. Ihr müsst hungrig sein. Es gibt Gebratenes und frisches Gemüse.«

Das Bauernhaus war mit Reet gedeckt, das Dach reichte nahe an den Boden heran und aus dem Schornstein stieg Rauch in Wolken empor. Die Fenster waren klein gehalten, hatten Sprossen und hölzerne Fensterläden. Unterhalb der Fenster waren Wacholder- und Dornenzweige angebracht, wie man es in ländlichen Gegenden häufig sah. Manche behaupteten, es wäre eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, um Tiere auszusperren, die durch die offenen Fernster stiegen und nach Fressbarem suchten. Andere waren der Meinung, dies sei eine List, um die bösen Geister fernzuhalten.

Im Inneren des Häuschens roch es, als müsste dringend gelüftet werden und das offene Feuer des Kamins trug ein Übriges dazu bei. Die freundliche Bäuerin ging voraus und führte die Freunde in die Stube: »Tretet ein und setzt Euch. Fühlt Euch wie zu Hause.« Lilu stand etwas verlegen mit dem Kindchen im Bündel auf der Schwelle. »Habt Ihr einen Platz, an dem sie sich ausruhen kann? Die Anstrengungen der letzten Stunden haben sie etwas mitgenommen.«

Die Bäuerin nahm ihr das Kindchen vorsichtig ab und legte es in einen Weidenkorb, den sie vorher mit Kissen und Decken ausgelegt hatte.

¤

Und endlich gab es zu essen - und zwar reichlich. Obwohl Alexander noch nicht vollständig genesen war, aß und schmatzte er mit Bauer Ewald um die Wette. Gebratenes Fleisch, Kartoffeln, Karotten und Kohlrabi verschlang er, als ob es am morgigen Tage nichts mehr geben würde und obwohl die Bohnen köstlich dufteten, verzichtete er lieber. Alle ließen es sich schmecken und sprachen nur das Nötigste.

Dann erhob sich die Bäuerin. »Ich werde mich erst einmal um das Kindchen kümmern. Das muss ja völlig ausgehungert sein.« Bauer Ewald setzte sich auf den Schaukelstuhl, der vor dem brennenden Kamin stand, lehnte sich zurück und sagte: »Keine Sorge. Sechs Kinder hat das Weib groß gekriegt und ich kann mit Stolz sagen: Alles prachtvolle Burschen.«

Er fischte eine Holzpfeife aus seiner Weste, stopfte und entzündete diese. »Sind alle in die Fremde gegangen, um ihr Glück zu suchen.« Wehmütig zog er an seiner Pfeife. »Wenn Ihr gesättigt seid, setzt Euch zu mir und erzählt Eure Geschichte. Welche Geschäfte, wenn ich fragen darf, führen Euch in diese Gegend?«

Lilu und Alexander setzten sich auf eine Fußbank vor das Kaminfeuer und Lilu antwortete: »Wir danken Euch für Eure selbstlose Gastfreundschaft aber das, mein lieber Bauer, soll nicht Eure Sache sein.«

Alexander war für einen Moment über ihre Antwort erstaunt. Bauer Ewald jedoch schaute nur nachdenklich in die Flammen des Kamins. »Wenn Ihr nicht möchtet, braucht Ihr nichts zu sagen.« Er hielt einen Moment inne, gab seinem Schaukelstuhl neuen Schwung und dann fuhr er fort: »Wie ich schon sagte: In letzter Zeit treibt sich hier des Nachts lichtscheues Gesindel herum. Fast jede Nacht schlägt Bero an und trotzdem verschwinden meine Hühner.«

»Hühnerdiebe?«, wunderte sich Lilu.

»Ja, auch zwei meiner besten Rinder wurden gerissen und wenn nicht bald was passiert, werden wir wohl demnächst Steine essen müssen.«

»Dann guten Appetit«, lachte Alexander.

Der Mann fand das weniger komisch und brummte: »Na, sieh einer an, Euer Bruder kann ja doch sprechen.«

»Sie ist nicht meine Schwester«, versuchte Alexander hastig richtig zu stellen. »Sie ist meine … Freundin.«

Der Bauer schaute ihn fragend von der Seite an.

»Also, nicht meine Freundin«, stotterte der Junge. »Eher ein Freund. Ein Mädchen als Freund, verstehen Sie?«

Doch der Mann verstand nicht ein Wort und Alexander hielt lieber seinen Mund. Nach einer kurzen Pause sagte Lilu: »Es ist ein Uranolith niedergegangen. Wir sind ausgezogen, um Beistand zu erbitten.«

»So, so, ein Uranolith sagt Ihr. Wir haben das Beben gespürt. Der Einschlag war gewiss weit entfernt«, nickte der Mann und gab seinem Stuhl neuen Schwung. »Von mir werdet Ihr allerdings keine Hilfe zu erwarten haben. Ich bin nur ein einfacher Bauer, der sich nicht um die Dinge anderer kümmert.«

»Das, lieber Bauer, haben wir auch nicht erwartet, doch wird die Zeit kommen, da Euch diese Dinge genauso betreffen werden wie jeden anderen. Ihr seht, dass es schon begonnen hat«, antwortete Lilu. »Hoch im Norden soll es einen Drachen geben, der alt und mächtig sein soll. Er wird wissen, was zu tun ist.«

»Einen Drachen? Keine gute Idee«, grummelte er. »Habt Ihr dieses Ungetüm erst einmal geweckt, wird es auch nicht vor unserem Vieh halt machen. Ihr wollt einen Brand mit der Flut bekämpfen.«

»Also gibt es ihn wirklich?«, fuhr Alexander dazwischen.

»Natürlich gibt es ihn. Ich habe ihn zwar noch nie gesehen und ich kenne auch keinen, der ihn jemals gesehen hätte, aber ich lege auch keinen Wert auf seine Gesellschaft. Ich bin zwar nur ein einfacher Mann, doch selbst ich habe von den Zeichen gehört. Das Monstrum soll Feuer ins Tal schicken und es sollen bereits Leute spurlos verschwunden sein. Wenn jemand freiwillig dieses Wesen aufsucht, muss es schlechter um uns stehen, als ich dachte.« Er nickte, zog an seiner Pfeife und wiederholte: »Ja, ja – schlechter, als ich dachte.«

Das Kamingespräch wurde jäh von lautem Gebell unterbrochen. Augenblicklich sprang Bauer Ewald auf, schnappte sich seine Forke, die griffbereit neben der Tür stand und fluchte laut vor sich hin: »Elendes Pack. Jetzt könnt ihr was erleben.«

Alexander hätte niemals vermutet, dass sich ein Kerl solchen Ausmaßes so flink bewegen könnte. Ewald riss die Haustür auf, um zu seinem Hofhund zu eilen und die Bäuerin mahnte: »Sei vorsichtig, Vater.«

Der Junge sprang ebenfalls auf und schnappte sich seinen treuen Knüppel, bereit, Leib und Leben seiner Freunde zu schützen, traute sich jedoch nicht hinaus in die Dunkelheit. Er stand an der Tür und hörte den Bauern rufen: »Halt, wer da?« Und eine tiefe Stimme von weit her antwortete: »Ich bin es nur. Wigand, der Schmied. Halte deine Töle zurück oder es passiert ein Unglück.«

Alexander stand noch immer abwehrbereit auf der Schwelle, als Bauer Ewald das Haus betrat. Ihm folgte ein schrankgroßer Kerl, der fast den Türrahmen sprengte. Ein dichter langer Vollbart gab zwar lediglich seine große Nase und seine wachen Augen frei, doch schien dieser unerwartete Besucher etwas jünger als der Bauer zu sein. Er trug einen fleckigen, grauen Umhang, dessen Kapuze tief in sein Gesicht fiel. Seine groben Hände zeugten von seinem Berufsstand und ließen die Vermutung zu, dass der Schmied zur Not das Eisen auch ohne Hammer würde bearbeiten können.

»Komm herein«, bat Bauer Ewald. »Was führt dich zu dieser späten Stunde noch zu uns?«

»Ah, ich sehe, ihr seid gerade beim Abendessen«, antwortete der Schmied und schielte erwartungsvoll auf den Tisch, der noch nicht abgedeckt war.

»Setz dich, Wigand.« Der Bauer war bemüht, seinen Gastgeberpflichten nachzukommen. »Weib, gibt es noch Kartoffeln und Huhn für unseren Gast?«

Die Frau nickte, wandte sich Lilu zu und flüsterte: »Das ist Wigand, unser Hufschmied. Er schätzt die schönen Dinge des Lebens. Besonders, wenn sie auf dem Tisch stehen.«

Wigand aber setzte sich nicht sofort, sondern musterte misstrauisch die beiden Fremden und das schlafende Baby in dem Weidenkorb.

»Das sind unsere Gäste«, stellte der Bauer Lilu und Alexander mit sparsamen Worten vor. »Sie sind auf der Durchreise.« Das sollte vorerst genügen. Daraufhin machte Lilu wortlos eine nickende Bewegung, die Wigand als Begrüßung verstehen sollte. »Ah, ein Feuerkopf«, bemerkte dieser und zog eine seiner buschigen Augenbrauen hoch. »Fürwahr, diese Art bekommt man selten zu Gesicht.« Und obwohl er sie dabei ansah, hörte es sich so an, als ob er über sie, nicht aber mit ihr sprechen würde. Alexander wunderte sich über diesen Ausdruck: Feuerkopf!

Wigand legte seinen Umhang ab, begab sich zu Tisch und Lilu ging der Bäuerin zur Hand und in diesem Moment entwich Alexander ein lauter, allerletzter Furz. Er hatte gar nichts dagegen tun können. Lilu schmunzelte, und erklärte: »Der Arme kann nichts dafür. Er hat von den verbotenen Nüssen genascht.«

Da lachte Wigand, der Schmied: »Ja, die alte Guste - wenn das nur nicht so stinken würde. Ha, ha, ha.«

Dem Jungen war es sehr peinlich, aber Wigand fuhr fort: »Ich bin der Versuchung als Bursche auch erlegen, wie fast alle Burschen des Dorfes. Das war so etwas wie eine Mutprobe, damals, als wir noch jung waren und Flausen im Kopf hatten. Was, Ewald?«

Der Bauer nickte: »Zu unserer Zeit musste man lange nach der alten Guste suchen.«

»Man sagt, die Blüten seien nur ihre Schlünde und wenn man einen abschlägt, würden an anderer Stelle zwei neue auftauchen«, erklärte Wigand geheimnisvoll. »Die alte Guste soll tief in der Erde leben und nur ihre Mäuler an das Tageslicht lassen. Mal sind sie hier, mal sind sie dort.«

»Und was hat das mit den Kügelchen auf sich?«, wollte Alexander wissen.

»Die Kügelchen machen süchtig. Man kann nicht davon lassen.«

»Aber warum platzt man?«

»Unsinn, man platzt nicht. Nur kleine Viecher. Die Kadaver locken Aasfresser an, die dann in die Falle der Alten tappen. Irgendjemand wird also immer gefressen.«

»Jetzt genug der alten Geschichten«, entschied Ewald. »Was ist der Grund deines nächtlichen Besuchs, Wigand? Du bist doch nicht durch die Nacht gestapft, um mal wieder etwas Anständiges zwischen die Zähne zu bekommen.«

»Das ist leider wahr, auch wenn ich keinen besseren Grund wüsste, euch zu besuchen«, antwortete der Schmied, dem das Mahl zu schmecken schien. Dann wurde sein Blick ernster und er fuhr fort: »Es liegt Unheil in der Luft. Etwas Böses sucht unsere Gegend heim. Das Vieh wird gerissen und der Köhler ist spurlos verschwunden.«

»Da erzählst du nichts Neues, Wigand«, nickte der Bauer. »Zwei meiner Rinder, ein Dutzend Hühner sind bereits verschwunden und sogar der Kohl vom Felde. Es kommt immer nur des Nachts und ist sehr vorsichtig. Was denkst du, sucht unsere Gegend heim?«

»Wer weiß? Einige behaupten den Schatten einer grauen Bestie gesehen zu haben. Andere warnen vor Dämonen, doch was es auch sein mag, der Rat ist zusammengetroffen und hat beschlossen, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Die Jüngeren von uns sind ausgezogen, die umliegenden Höfe zu warnen.«

Die Männer besprachen den Ernst der Lage. Die Einwohner von Betbure hatten beschlossen Jagd auf die Bestie zu machen und ihr das Fell über die Ohren zu ziehen. Und obwohl der Bauer vom Erscheinen des Uranolithen wusste, brachte er diesen nicht zur Sprache. Seltsamerweise auch den Drachen nicht.

Zu später Stunde fielen Alexander immer wieder die Augen zu, da die Strapazen der Reise noch in seinen Knochen steckten.

»Ihr solltet Euch ausruhen, damit Ihr bald wieder zu Kräften kommt«, schlug die Bäuerin vor und führte die Gäste zu ihren Betten. »Hier haben unsere Jungs geschlafen«, erklärte sie mit einem Seufzen. »Es ist alles noch so, wie an dem Tag, an dem sie gegangen sind.«

Es war ein gemütliches Dachzimmer, in dem sechs Kinderbetten auf­gereiht nebeneinander standen, und über jedem Bett hing eine Art Amulett. Über dem Fenster hing ein gestickter Rahmen, auf dem ein Reim zu lesen war:

Friede und Segen wird es nicht geben

es wird dich holen in der Nacht

wenn der Herrgott nicht über dich wacht‹

Raniten in der Furt

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