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Raumakustik – ein Auffassungsproblem

Wenn es um Raumakustik geht, dann geht es um Lärm. Schlicht: um Lärm. Wenn es leiser ausfällt, dann immer noch um Störung.

Wiederum, wenn es um Raumakustik geht, wird nach Nutzungsarten unterschieden: nach der Eignung eines Raumes für Musik einerseits, sprachliche Kommunikation andererseits. Eben stets: entweder – oder.

Kuttruff und Mommertz geben sich ganz sicher:

„[…] sei darauf hingewiesen, dass diese Bedingungen wesentlich davon abhängen, ob es sich bei den zu übertragenden Schallsignalen um Sprache oder Musik handelt; im einen Fall ist eine möglichst gute Sprachverständlichkeit das Kriterium für die Qualität der Übertragung, im anderen dagegen hängt der Erfolg raumakustischer Bemühungen von der Erreichbarkeit anderer, weniger leicht quantifizierbarer Gegebenheiten ab […]. Jedenfalls gibt es die schlechthin ‚gute Akustik‘ eines Raumes nicht.“

(H. Kuttruff u. E. Mommertz, Raumakustik; Fachbeitrag in: G. Müller, M. Möser (Hrsg.), Taschenbuch der Technischen Akustik, Springer Verlag, 2004 – Seite 331)

Dass es die gute Raumakustik „schlechthin“ nicht gebe, kann man erst einmal so stehen lassen: Die Eier legende Wollmilchsau gibt es auch noch nicht.

Aber beides, Musik und Sprache, liegen tatsächlich doch näher beieinander, als die Fachwelt suggeriert. – Allein, Fuchs betont immer wieder, dass beide Anforderungen miteinander bestehen können.


Abb. 1.2: Frequenzen f und Wellenlangen X wichtiger akustischer Bereiche

(Dr. rer. nat UIf-J. Werner, Handbuch Schallschutz und Raumakustik fur Theorie und Praxis, 2. uberarbeitete Auflage; Beuth Verlag, 2015 • Seite 13) [e/g. Anm.: Grauwerte ersetzt durch Schraffuren]


Abb. 1.3 Wichtige Frequenzbereiche fur das Hbren (a) und entsprechender Wellenlangenbereich (b). (Nach Fasold et al. 2003) (Helmut V. Fuchs, Raum-Akustik und Larm-Minderung, 4. Auflage; Springer Vieweg, 2017)

Vielleicht beginnt das eigentliche Problem ja schon viel früher – und viel banaler. Denn wenn der Fachmann zu Rate gezogen wird, dann herrscht schon Uneinigkeit über die Grundlagen.

Hier muss ich tatsächlich darauf hinweisen, dass man – in einem anderen Sinne – die Nutzungsarten auseinanderhalten muss: Eine DIN 18041 kümmert sich um kommunikativ genutzte Räume – im Sinne des Austausches miteinander. Für eine VDI 2569 wird hervorgehoben, dass man die Kommunikation, die gegeneinander wirkt, als sein Terrain betrachtet. – Geht man in den Studiobereich, so gibt sich keines dieser Regelwerke als zuständig aus.

Zwar richte ich den Fokus gern und mit Vorliebe auf die Sprachverständlichkeit: Sie steht im Vordergrund in der Arbeitswelt und in der Pädagogik. Aber auch im Sinne einer guten Darstellung von Musik muss man lernen, Raumakustik anders zu betrachten:

Man muss stets die Raumkanten ins Zentrum seiner ersten und vorrangigen Aufmerksamkeit rücken.

Ganz gleich, ob Besprechungsraum, ob Büro, ob Tonstudio: Man muss den Raum akustisch „sauber“ bekommen. Und dazu muss das Störpotenzial der Raumkante zu allererst bewältigt werden.

Dabei sollte man nicht pauschal auf Absorption setzen. Absaugen, Verschlucken, Ersticken… oder welche Worte man nun immer dafür finden möchte… ist nicht pauschal der richtige Weg. Es gibt auch von dort, aus der Richtung der Raumkante, positive Einflüsse, die man sich zunutze machen kann und sollte.

Aber an dieser Stelle möchte ich zunächst noch einmal auf die Sprache eingehen:

Wir werden später sehen, dass in einer Publikation von 2019 sogar der Frequenzumfang für Sprache mit 170 Hz bis 3.000 Hz beschrieben wird.

In einem umfangreichen Fachbuch zur Akustik, in 2. überarbeiteter Auflage 2015 veröffentlicht, wird geringfügig weiter gefasst, jedoch meines Erachtens auch nicht weit genug: mit 200 Hz bis 4.000 Hz. (zwei Seiten zuvor, Abbildung aus: Werner, Schallschutz und Raumakustik, Beuth 2015)

Helmut V. Fuchs ist in seiner Einführung zu „Raum-Akustik und Lärm-Minderung“ (Springer Vieweg, in 4. Auflage 2017) großzügiger, wenn er den Bereich der Sprache von 63 Hz bis 8.000 Hz darstellt. Er beruft sich dabei auf Fasold et al. (Wolfgang Fasold, Eva Veres: „Schallschutz + Raumakustik für die Praxis“, Verlag Bauwesen, 2003; mittlerweile in 3. Auflage beim Beuth-Verlag, 2019 – siehe zwei Seiten zuvor) – und misst auch selbst, beginnend mit 50 Hz oder 63 Hz, überwiegend hinauf bis 8.000 Hz, wenn er Räume akustisch analysiert.

Mit anderen Worten: Wo so viel Uneinigkeit allein über die Grundlagen herrscht, da herrscht auch sehr viel Spielraum zwischen Faktenlage und Glaubensbekenntnis.

Und nicht zuletzt: Da wird ein immenser Spielraum genutzt, um interessengelenkt sehr unterschiedlich eingefärbte Darstellungen als vermeintlich wissenschaftlich fundierte Faktenlage in den Raum zu stellen.

Durch die Raumakustik muss ein Ruck gehen

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