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Bericht Anima

Ich war wie im Fieber.

Es störte mich nicht, dass die Krelquotten meine Gefährten gegen mich abschirmten, und es störte mich nicht, dass ich plötzlich nur noch von diesen Ursinen umgeben war.

Das alles war unwichtig geworden, seit ich wusste, dass ich Atlan wiedersehen würde.

Fast gingen mir Dogkhan und seine Begleiter zu langsam. Deshalb war ich erleichtert, als ich die Gleiter entdeckte.

Sie standen in einer Reihe mitten auf der Straße: zehn bernsteinfarbene Halbschalen von etwa fünf Metern Länge, drei Metern Breite und zwei Metern Höhe. Nicht einen Augenblick zweifelte ich daran, dass es sich dabei um Fahrzeuge mit Gravo-Antrieb handelte.

Erst, als ich mit Dogkhan in das vorderste Fahrzeug kletterte, fiel mir auf, dass eigentlich kein Platz für die Aggregate vorhanden war, die zur Erzeugung eines Antigravfelds und der notwendigen Schubkräfte dienen mussten. Es gab praktisch nur die »nackten« Halbschalen mit zentimeterdicken Wandungen.

Doch auch das wurde unwichtig, als »unsere« Halbschale vollbesetzt war und startete. Sie befand sich mit einemmal rund einen Viertelmeter über dem Boden und schwebte schnell und lautlos davon. Es war eine wahre Freude.

Ich reckte den Hals, um besser sehen zu können, wohin es ging. Dabei entdeckte ich an den links und rechts »vorbeihuschenden« Hausfassaden hässliche graue Flecke. Es sah aus, als wäre dort ehemals etwas angeklebt oder so ähnlich befestigt gewesen. An den Rändern mancher Flecke glitzerte es teilweise – und einmal sah ich einen in allen Spektralfarben schimmernden daumengroßen Kristall.

Plötzlich flimmerte es mir vor den Augen.

Ich musste an den Kristall denken, den Goman-Largo in der Schatzkammer Gurays auf Barquass gefunden hatte. Er hatte genauso ausgesehen wie dieser Kristall – hier auf Cirgro.

Gab es da Zusammenhänge?

Ich dachte nicht mehr daran, als unsere Fahrzeuge in eine Unterführung tauchten und es dunkel wurde.

Atlan!, hämmerte mein Herz.

Ich schloss die Augen und konzentrierte mich darauf, den Ruf meines Ritters zu empfangen. Aber ich hörte ihn nicht mehr. Statt dessen bildeten sich in meinem Bewusstsein Bildfetzen, die auf mich wirkten, als entstammten sie den Träumen fremdartiger Wesen.

Dennoch war der Kontakt zu Atlan nicht abgerissen. Mein Orbiterinstinkt meldete mir sogar die unmittelbare Nähe meines Ritters.

Ungefähr eine halbe Stunde verging.

Die Halbschalen tauchten wieder ins Tageslicht empor. Sie fegten über eine Schneise beziehungsweise Piste, an deren Seiten Betonwände etwa fünf Meter senkrecht emporragten. Hoch darüber trieben kleine gelbrote Wolken an einem silberblauen Himmel.

Jäh änderte sich das Bild.

Die Gleiter rasten wieder zwischen Häuserzeilen entlang. Abermals entdeckte ich die ominösen grauen Flecke – und hin und wieder kleine bunte Kristalle. Es schien, als wären alle Flecke früher von diesen Kristallen besetzt gewesen.

Die Geschwindigkeit verringerte sich. Die Gleiter bogen auf eine Abzweigung ab, die sich nach kurzer Strecke in starkem Gefälle hinabsenkte. Wieder tauchten die Halbschalen in einen Tunnel ein. Aber es ging immer noch tiefer.

Als ich schon dachte, wir würden bis zum Planetenkern vorstoßen, flachte sich das Gefälle endlich ab. Der Tunnel verlief horizontal – und seine Wände bestanden nicht mehr aus Beton oder Plastikbeton, sondern aus urtümlich anmutendem Mauerwerk. Es war weder dunkel noch hell, sondern auf bedrückende Weise dämmerig. Das bleigraue, deprimierend wirkende Licht kam aus schmutzig aussehenden Glassitkugeln, die ins Gemäuer eingelassen waren.

Ich wandte den Kopf zu Dogkhan.

Sollte ich hier meinen Ritter treffen?

Der Krelquotte reagierte nicht auf meinen fragenden Blick. Dafür hielten die Fahrzeuge unvermittelt an – und als ich wieder aufsah, entdeckte ich in den Wänden zwischen den Beleuchtungskörpern die vergitterten Öffnungen von zahlreichen kleinen Kammern. An ihren Decken gab es ebenfalls Beleuchtungskörper, deshalb sah ich sofort die monströsen Lebewesen, die in den Kammern eingesperrt waren und entweder apathisch dahockten oder an den Gitterstäben rüttelten.

Hatten sich die Krelquotten eine Monstrositätenschau zugelegt?

Ich sah genauer hin – und plötzlich überlief es mich abwechselnd heiß und kalt.

Denn ich bemerkte, dass die Eingesperrten keine fremdartigen Monstren waren, sondern Krelquotten, deren Körper sich auf grauenhafte Weise verformt hatten. Es gab auch Verformte, die niemals Krelquotten gewesen sein konnten.

Ich fuhr zu Dogkhan herum.

»Atlan!«, schrie ich ihn an und schlug mit den Fäusten auf ihn ein. »Was habt ihr mit ihm gemacht? Habt ihr ihn auch in ein Ungeheuer verwandelt?«

*

Es bedurfte der Kräfte von vier Krelquotten, um mich einigermaßen zu beruhigen.

»Atlan ist gesund«, erklärte mir Dogkhan, nachdem Sufrya ihm das Blut von der Nase getupft hatte. »Und wir Krelquotten haben niemanden krank gemacht oder in ein Ungeheuer verwandelt. Im Gegenteil.«

»Und das dort?«, fragte ich erschaudernd und deutete auf die Gefangenen.

»Es sind Krelquotten und Daila, die an der Seuche erkrankten, nachdem EVOLO hier war«, antwortete Dogkhan. »Wir haben sie lediglich in den alten Anlagen unter den Städten von Cirgro isoliert, damit die Seuche möglichst eingedämmt wird. Dennoch kommt es immer wieder zu Neuerkrankungen.«

»Eine Seuche«, wiederholte ich. »Aber dann brauchen die Erkrankten doch medizinische Hilfe!«

»Nur du kannst uns helfen, Anima«, erklärte Sufrya. »Bevor wir herausfanden, dass es dich gibt und dass du über die Kraft gebietest, dachten wir, alles sei verloren. Wir vertrieben die Fremden, die mit ihren Raumschiffen auf Cirgro waren – und wir hielten andere Fremde notfalls gewaltsam von diesem Planeten fern, damit die Seuche sich nicht auf andere Welten ausbreitete.«

Ich begann plötzlich zu ahnen, worum es ging.

»Erzählt mir nicht, dass auch Atlan erkrankt ist!«, sagte ich warnend. »Mein Ritter ist immun gegen alle Krankheiten.«

»Das wissen wir«, erwiderte Dogkhan. »Komm mit!«

Er schwang sich aus der Halbschale, und ich folgte ihm.

Es ging zu einem Tor in der rechten Wand, eine lange, düstere Treppe hinab und in eine kleine Halle, die durch transparente Wände in drei Kammern aufgeteilt war, in denen Krelquotten um rechteckige Behälter herumsaßen.

Und in den Behältern lagen Lebewesen. Sie schliefen. Oder?

Nur ganz flüchtig sah ich die beiden fremden Lebewesen, dann richtete sich meine ganze Aufmerksamkeit auf das dritte.

Atlan!

Ich stürzte auf die Kammer zu, in der mein Ritter lag, und tastete die transparente Wand ab, dann wandte ich mich wild zu meinen Begleitern um und schrie:

»Lasst mich zu ihm! Was habt ihr mit ihm gemacht?«

»Ganz ruhig!«, brummte Dogkhan. »Atlan schläft nur, wie seine Begleiter Chipol und Mrothyr auch.«

»Wir brauchen deine Hilfe, Anima!«, sagte Nachdär. »Als wir von Atlan erfuhren, über welche Fähigkeiten du verfügst und dass du alle Krankheiten zu heilen vermagst, reifte in uns der Plan, dich zu uns zu holen.«

Wieder begriff ich etwas mehr.

»Ihr habt mich nach Cirgro gelockt«, stellte ich fest. »Atlan habt ihr als Werkzeug dafür benutzt. Aber wie? Ihr verfügt anscheinend über psionische Fähigkeiten, aber mein Ritter ist damit nicht zu beeinflussen.«

»Das ist richtig«, bestätigte Dogkhan. »Und es trifft auch auf seine Begleiter zu. Deshalb haben wir alle drei in Tiefschlaf versetzt und sie dazu veranlasst, von bedrohlichen Situationen zu träumen und im Traum um Hilfe zu rufen.«

»Dazu veranlasst?«, echote ich zornig. »Wie konntet ihr Atlan dazu veranlassen, wenn er auf eure psionischen Kräfte nicht anspricht? Habt ihr ihn physisch gefoltert?«

»Es war unausweichlich, ihm und seinen Begleitern leichte physische Schmerzen zuzufügen, damit sie diese in ihren Träumen in geistige Hilferufe umsetzten«, erklärte Sufrya. »Wir bitten dich um Verzeihung, Anima. Anders konnten wir keine Hilfe für die Seuchenkranken organisieren.«

Mein Zorn verrauchte, als ich mir klarmachte, dass die Krelquotten tatsächlich nicht anders hatten handeln können, weil sie sich gar nicht anders zu helfen gewusst hatten.

Offenkundig waren sie nicht einmal auf den Gedanken gekommen, ein Hyperfunkgerät zu benutzen, um nach mir zu rufen. Ich musste an die Halbschalen denken – und mit einemmal wusste ich, dass es sich dabei nicht um Gleiter handelte, sondern dass sie nur mit psionischen Kräften bewegt wurden.

War die ganze Zivilisation der Krelquotten nur auf psionischen Kräften gegründet?

Was hieß »nur«?

Wenn die psionischen Kräfte der Krelquotten so stark waren, wie ihre Angriffe auf die STERNENSEGLER und die Zerstörung zahlreicher anderer Raumschiffe erahnen ließ, warum befand sich dann ihre Zivilisation auf einem vergleichsweise dazu so niedrigen Stand?

Hatten sie sich selbst Grenzen gesetzt?

Ich kannte kein Volk, das sich selbst Grenzen setzte, wenn es sich an diesen Grenzen nicht zuvor die Nasen blutig gestoßen hatte. Entweder stellten die Krelquotten eine rühmliche Ausnahme dar – oder dieses Volk war von einem dunklen Geheimnis umgeben.

Doch das war nicht meine Sache.

Ich war gekommen, um meinem Ritter zu helfen. Alles andere rangierte tief darunter.

»Weckt Atlan und seine Begleiter auf!«, forderte ich.

Ich sah, dass die Krelquotten furchtsam zusammenzuckten – und dachte schon, ich hätte gewonnen.

Aber da entgegnete Nachdär mit erstaunlich fester Stimme:

»Wir werden Atlan und seine Begleiter wecken, aber erst dann, wenn du alle an der Seuche Erkrankten mit deinen besonderen Fähigkeiten geheilt hast. Anders geht es nicht. Wir haben uns selbst blockiert, so dass wir erst zugunsten Atlans aktiv werden können, sobald du unsere Forderung erfüllt hast.«

Ich zwang mich dazu, ruhig zu bleiben und über Nachdärs Worte nachzudenken.

Sie überzeugten mich, denn an der Stelle der Krelquotten hätte ich genauso gehandelt – und im Grunde wollten sie nichts Schlechtes.

»Einverstanden«, erklärte ich.

Atlan-Paket 16: Im Auftrag der Kosmokraten (Teil 2)

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