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Schlüssel oder Eingang zu dem ersten Psalme. 1.
ОглавлениеDie vorzüglichste Kenntniß bei den Psalmen ist diese, unterscheiden zu können, von wessen Person dasjenige, was gesagt ist, verstanden, oder auf wen es bezogen werden müsse. Denn nicht einförmig und gleich ist ihre Beschaffenheit, so daß sie nicht sowohl verschiedene Urheber hätten, als auch verschiedene Arten bildeten. Denn wir finden, daß in denselben häufig die Person Gottes des Vaters vorgestellt zu werden pflegt, wie in dem achtundachtzigsten Psalme, wo es heißt:20 „Ich habe einen Auserwählten aus meinem Volke erhöht. Ich habe David gefunden, meinen Knecht; mit meinem heiligen Oele habe ich ihn gesalbt. Er wird mir rufen: Du bist mein Vater, und die Zuflucht meines Heils. Und zum Erstgebornen will ich ihn machen, erhaben über die Könige der Erde.“ Ferner finden wir, daß die Person des Sohnes fast in den meisten eingeführt werde, wie in dem siebenzehnten Psalme:21 „Ein Volk, das ich nicht kannte, dient mir;“ und im einundzwanzigsten Psalme:22 „Sie haben meine Kleider unter sich vertheilt, und das Loos geworfen über mein Gewand.“ Daß aber nun dieser erste Psalm weder als von der Person des Vaters, noch als von der Person des Sohnes herrührend betrachtet werden dürfe, gibt die Sache selbst deutlich zu erkennen, indem es in demselben heißt:23 „Sondern (welcher ) an dem Gesetze des Herrn seine Lust hat, und das Gesetz desselben Tag und Nacht vor Augen haben wird.“ Denn in dem Psalme, in welchem, wie wir erinnert haben, die Person des Vaters sich zu erkennen gibt, werden ihm eigene und ihm zukommende Dinge angeführt! indem es heißt: „Er wird zu mir rufen, du bist mein Vater, mein Gott, und die Zuflucht meines Heiles,“ Und in demjenigen, in welchem nach unserer Behauptung der Sohn redet, gibt er sich selbst durch das, was er sagt, als die sprechende Person zu erkennen, mit den Worten: „Ein Volk, das ich nicht kannte, dienet mir.“ Denn da der Vater spricht: „Er wird zu mir rufen,“ und der Sohn sagt: „Ein Volk dienet mir;“ geben sie zu erkennen, daß sie selbst es seyen, welche von sich reden. Aber hier, wo es heißt: „Sondern (welcher) an dem Gesetze des Herrn seine Lust hat;“ zeigt es sich, daß nicht die Person des Herrn von sich spreche, sondern vielmehr die Person eines Andern, welcher nämlich die Glückseligkeit des Mannes, der an dem Gesetze des Herrn seine Lust hat, preiset. Demnach muß man annehmen, daß es hier die Person des Propheten sey, durch dessen Mund der heilige Geist redet, welcher uns durch den Mund desselben zur Erkenntniß des geistigen Geheimnisses unterweiset.