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Allein manchmal fehlt auch etwas an dem Willen; und das Wollen allein erlangt nicht die vollkommene Seligkeit, wenn nicht auf den Willen auch das Werk folgt. Es heißt nämlich weiterhin: „Und das Gesetz desselben Tag und Nacht vor Augen haben wird.“ Die anhaltende und unermüdete Betrachtung des Gesetzes macht diesen Mann vollends selig. Aber vielleicht läßt dieses die schwache menschliche Natur nicht zu, gemäß welcher man ausruhen, schlafen und Speise genießen muß; und wir möchten deßhalb auch von den natürlichen Bedürfnissen gezwungen die Hoffnung auf die Erlangung der Seligkeit verlieren, wenn wir einmal durch das Eintreten einer körperlichen Verrichtung von der Betrachtung, welche bei Tag und Nacht fortdauern sollte, ablassen müßten. Diesem Ausspruche ist auch ähnlich der Ausspruch des Apostels:28 „Betet ohne Unterlaß;“ als wenn das Bedürfniß unserer Natur nicht mit seinen Gegenständen sich beschäftigen dürfte, und ohne Unterbrechung der Zeit immer beten könnte. Demnach besteht die Betrachtung des Gesetzes nicht bloß in dem Lesen der Worte, sondern auch in dem gewissenhasten Wirken; und nicht darin, daß wir nur die Bücher und Schriften durchgehen, sondern darin, daß wir das, was in den Schriften und Büchern enthalten ist, bei dem Wirken und Handeln vor Augen haben, und daß unsere Werke bei Tag und bei Nacht immer nach dem Gesetze sich richten, wie jener Ausspruch des Apostels lautet:29 „Alles, was ihr thut, das thut zur Ehre Gottes, ihr möget nun essen oder trinken, oder sonst etwas thun.“ Denn hiedurch wird bewirkt, daß wir ohne Unterlaß beten; wenn durch Gott wohlgefällige Werke, und solche, welche immer zu dessen Ehre vollbracht werden, das ganze Leben eines jeden heiligen Mannes zum Gebete wird, und so dadurch, daß man Tag und Nacht nach dem Gesetze lebt, das Leben selbst eine nächtliche und tägliche Betrachtung des Gesetzes seyn wird.

Abhandlungen über die Psalmen, Band 1

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