Читать книгу Abhandlungen über die Psalmen, Band 1 - Hilarius von Poitiers - Страница 40
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ОглавлениеAllein die Seligkeit des Mannes wird dadurch noch nicht vollkommen, daß er nicht nach dem Rache des Bösen wandelt, oder nicht auf dem Wege der Sünder weilt, oder nicht auf dem Stuhle des Verderbens sitzt. Denn dieses kann man auch bei einem Weltmanne finden, daß er Einen Gott für den Schöpfer der Welt hält, daß er sich von den Sünden aus Liebe zur bescheidenen Unschuld enthält, daß er die Ruhe eines einsamen und stillen Lebens den Würden der Ehrenstellen vorzieht. Sondern indem der Prophet einen vollkommenen Mann, einen solchen nämlich, welchen er zu den großen Beispielen der ewigen Seligkeit zählen könnte, Gott ähnlich gestaltet, lehrt er, daß derselbe hiezu nicht gewöhnliche Tugenden anwenden werde, sondern daß er durch das zu seiner vollkommenen Seligkeit gelangen müsse, was folgt: „Sondern er hat seine Lust an dem Gesetze des Herrn.“ Die Enthaltung von dem Obigen ist unnütz, wenn nicht auf das Folgende, die Aufmerksamkeit gerichtet wird, nämlich darauf, daß man das Gesetz des Herrn gerne befolge. Der Prophet erwartet nicht, daß Furcht obwalte. Mehrere halt die Furcht in den Schranken des Gesetzes, wenige aber bestimmt der Wille zur Beobachtung des Gesetzes; denn es ist Wirkung der Furcht, das zu Fürchtende nicht zu unterlassen sich getrauen, Wirkung der vollkommenen Frömmigkeit aber, den Vorschriften gehorchen wollen. Und darum ist jener selig, welcher das Gesetz Gottes nicht fürchtet, sondern will.