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KAPITEL 4

Greens Hypothesen

Über Heilpflanzen für den Mann, bitter schmeckende Nahrung sowie Väter

»Jeder von uns ist ein Mensch mit einer ungeheuren Würde,

trotz aller unserer Missverständnisse.«

James Green

Erste Hypothese

Heilpflanzen, die traditionell dazu verwendet werden, um die weiblichen Geschlechtsorgane und die für die Fortpflanzung erforderlichen Strukturen bei der Frau zu nähren und zu kräftigen, können das Gleiche auch für die männlichen Geschlechtsorgane und die Fortpflanzungsfunktion des Mannes tun.

Tonika »für die Frau«, die die Gebärmutter kräftigen, sind beispielsweise die Beeren des Mönchspfeffers, Himbeere und Rebhuhnbeere (Mitchella repens). Diese Heilpflanzen haben eine kräftigende und tonisierende Wirkung auf das gesamte weibliche, für die Fortpflanzung zuständige Organsystem. Sie eignen sich für alle Beschwerden, bei denen sich Schwächen im Bereich des Fortpflanzungssystems im gesamten Körper als Schwächezustände manifestieren. Ich bin der Auffassung, dass sich ein geschwächtes Fortpflanzungssystem beim Mann (das auf subtile Weise noch weitaus komplexer ist und dem weiblichen Fortpflanzungssystem viel mehr gleicht, als allgemein anerkannt wird) auf seinen gesamten Körper auf die gleiche Weise schwächend auswirkt. Dieses Syndrom haben wir jedoch nicht in das Bild integriert, das wir im Westen vom Mann haben, und es taucht auch nicht in unseren medizinischen Regeln für den richtigen Umgang mit typischen Männerleiden auf und wird daher auch als wesentlicher Faktor, der zu anderen, auffälligeren Symptomen führt, übersehen.

In der traditionellen Literatur über Heilpflanzen werden Himbeerblätter dafür gerühmt, die Gebärmutter zu stärken. Sie werden für schwangere Frauen empfohlen, die vor, während und nach der Geburt täglich einen aus ihnen zubereiteten Tee trinken sollen. Nirgends habe ich aber einen Hinweis darauf gefunden, dass diese Pflanze auch zur Stärkung der männlichen Geschlechtsorgane verwendet wird – von einer Erwähnung in einem Klassiker der Pflanzenheilkunde in der Tiermedizin mit dem Titel Herbal Handbook for Farm and Stable von Juliette de Bairacli-Levy (deutscher Titel Das Kräuterhandbuch für Stall und Weide) einmal abgesehen. Dort schreibt die Autorin, dass Himbeerblätter wegen ihrer stärkenden Wirkungen auf alle männlichen Tiere und zur Behandlung bei Unfruchtbarkeit sehr geschätzt sind. Mir wurde auch berichtet, dass die Araber regelmäßig Himbeerblätter als Tonikum ihren wertvollen Hengsten verabreichen, und ich würde wetten, dass diese schlauen und listigen Wüstenreiter den Tee daraus auch selber trinken, um damit ihre Kräfte und ihre Ausdauer zu erhöhen. Ein heißer Himbeerblättertee schmeckt ein wenig nach qualitativ hochwertigem Grünem Tee, und die Himbeerblätter enthalten kein Koffein.

So könnte man auch auf die Idee kommen, bei der Behandlung von Problemen mit der Prostata und den Hoden neben der vernünftigen Empfehlung, Damiana und Sägepalme zu nehmen, auch auf Heilpflanzen zurückzugreifen, die regelmäßig für die Behandlung von Beschwerden mit den Eierstöcken empfohlen werden: Baldrian, Johanniskraut, Wilde Yamswurzel, Himbeere und Helmkraut (mehr zu genauen Rezepturen folgt später).

Männer wie Frauen können immer wieder Zeiten haben, in denen sie missmutig, verdrossen und launisch sind. Bei Männern könnte man das als PTS bezeichnen – was dann für Prätestrales Syndrom stehen würde. Männer reagieren auch auf ihre Weise auf Mondphasen. Wer sich selbst aufrichtig beobachtet, wird wissen, dass das stimmt. Wir führen nicht wie Frauen auf der Grundlage eines ungefähr achtundzwanzig Tage andauernden Zyklus Aufzeichnungen über unsere Stimmungen, über unsere unterschiedlichen Reaktionen auf Stress und über unser tägliches Energieniveau, denn bei uns gibt es kein Ereignis wie die Menstruation, das wir als Markierung für den Beginn eines solchen Zyklus nehmen könnten. Im Allgemeinen ignorieren wir also die Schwankungen und Veränderungen bei uns und tun sie als bedeutungslos ab. Das ist zwar in Ordnung, aber wir könnten uns auch mehr auf diese zyklische Energie einlassen und dadurch mehr Einblick in uns selbst gewinnen und besser verstehen, wie wir funktionieren. Nicht zuletzt könnten wir uns selbst gegenüber in diesen Zeiten mehr Toleranz und Akzeptanz entgegenbringen und vielleicht sogar einen oder zwei Tage jeden Monat um den Vollmond herum weniger arbeiten und mehr entspannen.

Eine solche zu mehr Einsicht führende Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz hängt von einem Gleichgewicht zwischen unserer inneren Sensibilität und unserer Feinfühligkeit für äußere Vorgänge ab. Wie schon gesagt, ist sie angesichts des hohen Tempos, in dem viele Männer gefangen sind, schwierig zu erreichen. Wenn wir uns als Gruppe betrachten, werden wir feststellen, dass dieses Verständnis von uns selbst, unser Erkenntnisvermögen und unsere Akzeptanz von diesen zyklisch wiederkehrenden Zeiträumen besonderer Verletzlichkeit (was ja keine Form von Schwäche ist) den meisten Männern in unserer Kultur mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit fehlen. Auch ein System gegenseitiger männlicher Unterstützung dürften gegenwärtig die meisten von uns vermissen. Meiner Meinung nach würde unser Leben viel erfreulicher und gesünder verlaufen, wenn wir durch die Aufforderung, uns gegenseitig zu helfen und uns zu verstehen, wachgerüttelt würden und sie als Männer akzeptieren. Bei Frauen ist das ja hinsichtlich ihrer Geschlechtsgenossinnen schon längst passiert.

Einer periodisch immer wiederkehrenden Launenhaftigkeit bei Männern und einer sich auffällig regelmäßig wiederholenden mürrischen Verstimmung, die der Anspannung von Frauen vor der Menstruation gleicht, liegt vielleicht ebenfalls die schwierige Phase eines subtilen hormonellen Zyklus bei den Männern zugrunde. Auch sie kann dann eventuell mit Pflanzen ins Gleichgewicht gebracht werden, die in der westlichen Pflanzenheilkunde üblicherweise als »Frauenpflanzen« gelten.

Betrachten wir doch einmal die Verwendung einer Heilpflanzenmischung, die normalerweise bei Launenhaftigkeit, bei nervöser Ängstlichkeit und einer gehemmten Menstruationsblutung für Frauen verschrieben wird. Selbstverständlich menstruieren Männer nicht, aber auch in den inneren Kanälen eines Mannes müssen die feinen Energien zyklisch fließen (denn wie bereits erwähnt, werden auch wir von den Mondphasen beeinflusst, genau wie die Frauen und die Gezeiten). Einige »Frauenpflanzen« haben sich mit ihren Wirkungen als geeignet erwiesen, dieses Fließen zu erleichtern. Dazu gehören Frauenwurzel (Caulophyllum thalictroides), Schneeball, Polei-Minze und die Bitterpflanzen Beifuß und Schafgarbe. Die sekundären Wirkungen dieser Heilpflanzen unterstützen die männliche Energie während dieser (leicht oder stärker) stressigen Perioden. Schafgarbe beispielsweise stärkt das Urogenitalsystem, hat aber auch eine starke Affinität zum Herzen und zum Gefäßsystem und kann so auf hohen Blutdruck einwirken. Diese Pflanze eignet sich daher für die gleichzeitige Versorgung der Geschlechtsorgane und des Herzens mit den nötigen Nährstoffen. Neigt jemand zu schwacher Verdauung, ist Beifuß in Verbindung mit oder anstelle von Schafgarbe eine gute Wahl. Beifuß normalisiert auch die Funktionen der Geschlechtsorgane, regt aber vor allem das Verdauungssystem an und hilft bei der Linderung von Spannungen, die oft bei nervösen Verdauungsbeschwerden eine Rolle spielen. Außerdem kann Beifuß bei Depressionen die Stimmung aufhellen.

Wenn sich Heilpflanzenkundige um Frauen in den Wechseljahren kümmern, empfehlen sie die Verwendung einer Kombination aus den Beeren des Mönchspfeffers und Wilder Yamswurzel, um das Hormonsystem zu unterstützen, sowie Himbeere und Rebhuhnbeere, um das Gebärmuttergewebe zu tonisieren. Traubensilberkerze zur Entspannung und funktionellen Normalisierung und Johanniskraut als Nerventonikum. Möglich ist dann noch eine Ergänzung mit Damiana, Sägepalme oder Amerikanischem Ginseng, wenn das Fortpflanzungssystem und die


Himbeere (Rubus idaeus)

Energie der betreffenden Person leichte Anzeichen von Erschöpfung und Schwäche zeigen. Erleben auch Männer irgendwann Wechseljahre?

Beim Mann verringern die Wechseljahre seine sexuelle Anziehungskraft nicht und schwächen auch nicht seine Männlichkeit. Im Gegenteil: Sie sind eher eine Zeit der Verfeinerung und Reifung seiner Männlichkeit. Ich habe mit einer ganzen Reihe junger Frauen gesprochen, die mir erzählten, dass sie wegen dieses Grades an sexueller Reife lieber mit älteren Männern zusammen sind. Durch diesen ganz normalen Übergang wird die Manneskraft zu etwas, das das Leben ganz allgemein stärker unterstützt. Der Mann wird sanfter (wodurch seine Kraft auf souveräne Weise zum Ausdruck gebracht wird); er ist von vielen Regeln für traditionelle Männlichkeit befreit und kann bei sich mehr Verhaltensoptionen zulassen. Seine gereifte emotionale Stärke gestattet ihm eine klarere Wahrnehmung, erlaubt ihm, sich verstärkt auf seine Geduld zu verlassen, verständnisvoller zu sein und daher mit einer Haltung von viel größerer Akzeptanz an alles heranzutreten. Er positioniert sich neu, löst sich dabei von einem alles beherrschenden Fokus auf physische Kraft und Wettbewerb und betritt innere Gefilde, die aus praktischer Weisheit, Mitgefühl, Witz und Kompromissen bestehen – das heißt, wenn alles gut geht. Viele von uns Männern kämpfen hingegen die ganze Zeit gegen diesen Übergang an.

Der natürliche Reifungsprozess eines Mannes wird uns beim Erwachsenwerden nicht erklärt. Er wird den jungen Männern nicht als das zweite Kapitel des Bienchen-und-Blümchen-Themas vermittelt. Stattdessen drängt er sich wie der Schatten eines Fremden in unser Leben als Erwachsene. Man kümmert sich einfach nicht um die männliche Jugend, indem man Geschichten miteinander teilt oder Unterstützungssysteme aufbaut. Daher haben Männer häufig das Gefühl, durch diese körperlichen und emotionalen Veränderungsprozesse isoliert zu werden, und geraten in Verunsicherung und Verwirrung. Die facettenreichen Übergänge und den Wandel im »Innenraum« der männlichen Psyche zu begreifen, ist für die Menschheit eine ihrer letzten Pioniertaten.

Obwohl die Wechseljahre beim Mann, die Andropause, die Hormone nicht so stark verändern wie das bei den Wechseljahren der Frau, der Menopause, der Fall ist, kann es für den Mann angeraten sein, ganz ähnliche Heilpflanzen zu verwenden wie bei der Menopause, um während dieser Lebensveränderungen wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Eine Kombination aus Heilpflanzen für Männer, die diese Veränderungen bei sich erleben, könnte umfassen:

• Wilde Yamswurzel, die den Prozess der Hormonbildung im Körper unterstützt.

• Die Traubensilberkerze zur Entspannung und zur Normalisierung der Sexualenergie.

• Damiana zur Kräftigung der Prostata, gegen Depressionen und als allgemeines Tonikum für die Geschlechtsorgane. Schon allein dadurch, dass diese Heilpflanze die Stimmung hebt und aphrodisisch wirkt, nimmt sie eine Schlüsselrolle ein.

• Johanniskraut und Hafer zur Nervenstärkung und zur Unterstützung beim Umgang mit Depressionen und anderem durch die Veränderungen hervorgerufenen Stress.

• Beeren des Mönchspfeffers. Normalerweise würde ich diese die Progesteron- und Östrogenbildung fördernde Heilpflanze für Männer nicht empfehlen (insbesondere nicht für junge Männer, die sich noch im Prozess der Entwicklung ihrer physischen und emotionalen männlichen Körper befinden), aber in einigen Fällen ist der Mönchspfeffer bei älteren Männern, die eine Phase einer neuen Justierung ihrer Testosteron- und Östrogenwerte durchlaufen, hilfreich.

Die Heilpflanzenkundige Amanda McQuade Crawford, Mitglied des British National Institute of Medical Herbalists (MNIMH), hat mir einmal von einem Patienten berichtet, der seinen Veränderungsprozessen viel zu viel Widerstand entgegenbrachte. Der Gedanke, »alt zu werden«, lenkte ihn so stark ab, dass er übermäßig besorgt und reizbar sowie übertrieben kleinlich wurde. Nachdem er eine Weile die Beeren des Mönchspfeffers eingenommen hatte, war er bereit, sich durch diesen (für ihn) so schwierigen Übergang hindurchzuarbeiten.

Diese Beeren können einem Mann helfen, sich mit dem Übergang anzufreunden; dabei wird er auch mit seinen weiblichen Anteilen besser in Kontakt kommen und sich damit wohlfühlen. Das tun sie, indem sie ihn dabei unterstützen, zu einem passenden Arrangement seiner Hormone zu finden, sodass diese nächste Phase der Männlichkeit für ihn funktioniert. Wenn es passend erscheint, sollte diese Heilpflanze einige Wochen lang genommen werden, da sich ihre Wirkungen sanft und langsam entfalten.

Es ist vernünftig, Rezepturen aus Heilpflanzen so zusammenzustellen, dass sie so viel wie möglich das volle Spektrum der individuellen Erfordernisse einer Person abdecken. Bei der Behandlung eines Hauptsymptoms oder des im Vordergrund stehenden Leidens sollten darüber hinaus auch andere Organsysteme des Körpers berücksichtigt werden, insbesondere Herz, Gefäßsystem und Nervensystem. So benötigt eine bestimmte Person zur Unterstützung seines Herzens und seines Kreislaufs vielleicht Schafgarbe oder Weißdorn, Flug-Hafer (Avena fatua) oder Helmkraut zur Stärkung der Nerven und Beifuß als bitter schmeckende, die Verdauung fördernde Pflanze mit einer Affinität zu den Geschlechtsorganen.

Daher besteht eine Kombination aus Heilpflanzen, die sich ganz allgemein gut dafür eignet, die männlichen Geschlechtsorgane, die Verdauung, den Kreislauf und das Nervensystem zu nähren, zu stärken und dabei zu helfen, alles in ein Gleichgewicht zu bringen, aus den folgenden Bestandteilen (jeweils vom Gewicht her zu gleichen Teilen): Himbeerblätter, Flug-Hafer, Traubensilberkerze, Schafgarbe, Damiana, Wilde Yamswurzel, Johanniskraut, Sägepalme und Beifuß. Falls gewünscht, können wir den Geschmack dieser Zusammenstellung noch mit Süßholz und/oder Sassafrasbaum verbessern. Wir bereiten uns aus den Heilpflanzen einen Tee oder eine Tinktur, trinken von diesem Tee ein- oder zweimal täglich eine halbe Tasse oder mehr, tun dies an drei bis vier Tagen in der Woche, und führen das über ein paar Monate hinweg fort oder bis sich ein Gleichgewicht eingestellt hat. (Im fünften Kapitel wird genauer erklärt, wie sich Tees und Tinkturen zubereiten lassen.)

Zweite Hypothese

In der Ernährung des Westens vermeiden wir überwiegend einen bitteren Geschmack und erleben ihn daher nicht mehr als etwas Alltägliches. Dies ist tatsächlich einer der Faktoren, die zu den Schwächen im Bereich der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane sowie des Immunsystems beitragen.

Häufige kulturell bedingte und die Gesundheit beeinträchtigende Ungleichgewichte sind meiner Meinung nach zu einem großen Teil auf das fast vollständige Fehlen von bitter schmeckenden Nahrungsmitteln in unserer Ernährung zurückzuführen. Zu den damit verknüpften Leiden gehören PMS, PTS und andere mit den weiblichen wie männlichen Geschlechtsorganen verknüpfte Leiden, hormonelle Ungleichgewichte, Migräne, Verdauungsstörungen, Funktionsstörungen der Leber- und der Gallenblase, Stoffwechselanomalien, Unterzuckerung und Diabetes. Die einzigen bitter schmeckenden Lebensmittel, die wir in unserer Kultur alle kennen, sind Kaffee und Schokolade bzw. Kakao (die aber häufig in stark gesüßter Form gegessen und getrunken werden) sowie der Hopfen im Bier (obwohl Biersorten wie bitteres Stout oder anderes bitteres, dunkles Bier weniger häufig getrunken werden). Salat, der ursprünglich jeden Tag zur Anregung des Appetits und der Verdauung in kleinen Mengen vor dem Essen serviert wurde und überwiegend aus bitteren Grünpflanzen bestand, ist heutzutage bei uns zu wässrigem, fadem Grünzeug ohne Bitteranteil geworden und wird dann mit süßen, salzigen und/oder geschmacksintensiven Saucen überdeckt. In den Feinschmeckerrestaurants der Großstädte verbreiten sich allerdings als letzter Schrei gerade wieder die bitter schmeckenden Salatpflanzen und gewinnen an Prestige.

Die Wahrnehmung des bitteren Geschmacks wird von den Rezeptoren und den sensorischen Nerven in der Zunge rasch an das zentrale Nervensystem weitergeleitet, wo es dann reflexartig die exokrinen und endokrinen Drüsen stimuliert. Unmittelbar darauf geraten die Verdauungssäfte von Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse und Zwölffingerdarm ins Fließen, was dann den Appetit steigert, die Verdauung anregt und die Assimilation verstärkt. Als Begleiterscheinung scheint das Bittere auch so zu wirken, dass die Mechanismen zur Selbstreparatur der Darmwände in ihren Tätigkeiten unterstützt werden, was Schädigungen dort beseitigt.

Obwohl die Anregung der Magensäureproduktion durch das Bittere nicht immer wünschenswert ist (beispielsweise bei Übersäuerung, einer ohnehin schon hohen Sekretion von Magensäure oder Magengeschwüren ist Bitteres eher kontraproduktiv), beschleunigt die Wirkung von Bitterem Heilprozesse im Magen, sobald ein Magengeschwür erst einmal zu heilen begonnen hat. Auch der (häufig überstrapazierten) Leber hilft die Wirkung des bitteren Geschmacks bei ihren Entgiftungsfunktionen und steigert den Gallefluss, was dann wiederum auf direktem Wege das richtige Funktionieren des Darms unterstützt. Eine gesunde Leber fördert auch das richtige Ausmaß an Aktivitäten der Hormone. Die Bildung von Sekreten zur Regulierung des Blutzuckers in der Bauchspeicheldrüse wird ebenfalls durch die Wirkungen des bitteren Geschmacks beeinflusst. Auch ist eine deutliche antidepressive Wirkung durch die vielen durch diesen Geschmack angeregten physiologischen Vorgänge und Empfindungen im gesamten Körper belegt worden. Damit einher geht eine subtile Verankerung des Bewusstseins im Irdischen. Denn es ist schwer, bei den anregenden Wirkungen des bitteren Geschmacks in einer Depression zu verharren.

Den bitteren Geschmack aus unserem alltäglichen Erleben zu verbannen, stört die Harmonie genauso stark wie die Verbannung einer bestimmten Farbe aus dem Lichtspektrum. Es ist für die Ernährung wichtig und außerdem verblüffend genussreich, den bitteren Geschmack wieder zu kultivieren. Bitteres kann außerdem den übertriebenen und die Gesundheit bedrohenden Heißhunger auf Süßes verringern und auch den exzessiven Konsum von allem, was süß und salzig ist, einschränken. Meiner Meinung nach hat sich durch unsere Vermeidung bitter schmeckender Lebensmittel und Pflanzen eine chronische Fehlfunktion unserer Leber, unserer Verdauungsorgane und unserer Assimilierungs- und Ausscheidungsprozesse entwickelt. Das hat dann sekundär Ungleichgewichte im Hormonsystem hervorgerufen. Folglich sind mittlerweile Schmerzen bei der Menstruation die Norm, ebenso bei den meisten Männern im fortgeschrittenen Alter Probleme mit der Prostata. All dies wird von allen möglichen anderen Symptomen begleitet, die durch eine schlechte Verdauung, eine unzureichende Assimilation von Nährstoffen und eine träge Peristaltik entstehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Probleme mit der Prostata Zeichen für einen Bedarf an Maßnahmen sind, mit denen die Leber gereinigt und gestärkt wird.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) kennt fünf Geschmacksrichtungen: bitter, sauer, salzig, süß und scharf. Jedem Geschmack werden bestimmte physiologische Aktivitäten zugeschrieben, und jeder Geschmack soll eine Affinität zu einem bestimmten wichtigen Organ im Körper haben. Der bittere Geschmack hat nach Auffassung der TCM einen kühlenden Effekt, der ausleitet und trocknet. Bitter schmeckende Heilpflanzen werden häufig dazu verwendet, Leiden zu behandeln, die Ausdruck von feuchter Hitze sein sollen. Solche Krankheiten sind Verdauungsprobleme und Leberleiden, ferner Gallenkrankheiten und eine ganze Reihe von Entzündungen, Infektionen und mit Rötung einhergehenden und nässenden Hautleiden. In der TCM ist das mit dem bitteren Geschmack in Verbindung gebrachte Organ das Herz, das als Haus des Geistes und als Herrscher über die geistigen Fähigkeiten angesehen wird. Bittere Heilmittel, so heißt es, stärken die Psyche. Bestimmt will niemand mit einer kraftlosen, erschlafften Psyche sein Leben führen.

Wie bereits erwähnt, wirkt der bittere Geschmack durch eine von den Rezeptoren in der Zunge ausgelöste neurologische Reaktion reflexartig über das zentrale Nervensystem. Dafür muss der bittere Geschmack aber unbedingt geschmeckt werden. Nur eine geringe Menge an bitter schmeckenden Stoffen ist dafür nötig (zu viel davon kann einen gegenteiligen Effekt haben). Am besten nehmen wir fünfzehn bis zwanzig Minuten vor den Mahlzeiten etwas Bitteres zu uns, damit wir dessen appetitsteigernde und verdauungsfördernde Wirkung genießen können. Die meisten seiner Vorzüge entfaltet der bittere Geschmack nicht, wenn wir eine Bitterpflanze in Form einer Kapsel oder eines stark gesüßten Tees zu uns nehmen, die eine direkte Wahrnehmung des bitteren Geschmacks verunmöglichen. Wir können dazu ein Experiment durchführen: Beim nächsten Mal, wenn wir Lust auf Süßes verspüren, geben wir einen Tropfen eines bitter schmeckenden Heilpflanzenkonzentrats (in Form eines Tees oder einer Tinktur) auf die Zunge und beobachten dann, wie der Drang nach Süßem auf einmal weniger wird. Auf diese Weise lassen sich die entsprechenden Fressattacken unterbinden, und auch anfallartig auftretende Zustände der Unterzuckerung können verhindert werden. Unter Aufsicht eines erfahrenen Spezialisten durchgeführt, kann es letztlich sogar bei Diabetes die Notwendigkeit einer Einnahme von Insulin verringern. (Allerdings sollten Diabetiker, deren Gesundheit von der Einnahme von Insulin abhängt, bei der Verwendung von Bitterpflanzen natürlich sehr vorsichtig sein. Sie können dadurch das Gleichgewicht ihrer Blutzuckerwerte stören. Schwangere sollten ebenfalls darauf achten, nicht zu viel bitter Schmeckendes zu sich zu nehmen, da dessen Wirkung zu Gebärmutterkontraktionen anregen kann. Außerdem ist von Bitterpflanzen abzuraten, wenn die Menstruationsblutung sehr stark ist oder bei schmerzhaften Krämpfen bei der Menstruation.)


Mönchspfeffer (Keuschlamm, Vitex agnus-castus)

Wie die meisten guten Barkeeper wissen, besteht das beste Mittel gegen Kater aus einem oder zwei Spritzern eines Angostura-Bitters in einem kleinen Glas Wasser. Angostura ist ein aromatisches Getränk aus mehreren Pflanzen, in dem neben harmlosen Gemüseextrakten die Bitterpflanze Enzian enthalten ist. Wie viele erfahrene Helden und Heldinnen im Kampf mit ihrem Kater wissen werden, schafft dieser kleine, bittere Cocktail schnelle und wohltuende Abhilfe. Der bittere Geschmack regt nämlich den Fluss der Säfte im Körper an und hilft diesem dabei, sich schneller zu entgiften und sich wieder besser zu fühlen (um dann für den Fortgang der Feier gerüstet zu sein).

Neben Enzian sind als Bitterpflanzen weit verbreitet: Löwenzahnblätter, Beifuß, Benediktenkraut, Artischockenblätter, Chicorée, Kamille, Tausendgüldenkraut, Hopfen, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), Schafgarbe, Wermut und Odermennig. Köstliche, bitter schmeckende Salatpflanzen sind Kresse, Endivie, junge Löwenzahnblätter, Lattich, Spinat und die Blätter von Roter Bete.


Odermennig (Agrimonia spp.)

Mein Vater war der unbestrittene Salatmeister in unserer Familie, und als ich noch ein Junge war, sagte er mir immer, dass zu einem guten Salat ein kleines bisschen Salz, ein wenig Pfeffer sowie einige saure Salatpflanzen gehörten. Am wichtigsten sei jedoch, immer auch einige bitter schmeckende Salatpflanzen hinzuzufügen. Das war meine erste Lektion zum Thema Pflanzen.

Dritte Hypothese

»Den Augenblick der Geburt seines Kindes mitzuerleben, ist das Geburtsrecht eines Vaters.«

Diese Hypothese bezieht sich auf den Augenblick der Geburt eines Kindes. Wenn Sie ein Mann sind, der sicher weiß, dass er kein Kind in die Welt setzen will, dann ist es vielleicht empfehlenswert, zum nächsten Kapitel zu springen. Wenn Sie aber ein Mann sind, der Vater werden könnte, oder wenn Ihnen ein Mann nahesteht, auf den das zutrifft, könnte Ihnen dieses Thema durchaus einige interessante Ideen vermitteln. Diese haben an sich nichts mit Heilpflanzen zu tun, sind aber für eine ganzheitliche Betrachtung des Mannseins bedeutsam.

Ich habe zwei Töchter, und ich habe beide Geburten miterlebt. Ich gehörte mit zu den ersten Männern, die darauf bestanden haben, bei der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus anwesend zu sein. Ich klammerte mich an die fahrbare Liege, auf der meine Frau in den Entbindungsraum gerollt wurde, und weigerte mich loszulassen. Das Personal hatte mir gesagt, sie würden mich in den Raum rufen, sobald die Entbindung kurz bevorstand. Ich fühlte mich auf dem Gang aber zu weit weg vom Geschehen und hatte auch das Gefühl, dass man mich leicht vergessen konnte, und so sorgte ich dafür, dass ich nicht außen vor blieb. Meine zweite Tochter wurde in einer kleinen Klinik auf einer abgelegenen Insel im Nordwestpazifik geboren, und der Arzt sah nach der Begleitung von Tausenden von Geburten bei den Ureinwohnern in diesem Wildnisgebiet das Ganze so entspannt, dass er zu mir meinte, wenn ich wollte, könnte ich von ihm aus auch die Nabelschnur durchbeißen. Das war schon ein seltsamer Standpunkt, aber für mich war das in Ordnung. Auf die Sache mit dem Durchbeißen verzichtete ich allerdings.

Jedenfalls wurde ich bei meinen beiden Töchtern Zeuge vom Augenblick ihrer Geburt. Ich beobachtete, wie jede dieser beiden prächtigen Seelen in der materiellen Welt ankam und Atem schöpfte. In diesen beiden Momenten der absoluten Verzückung ging ich völlig in meinen Töchtern auf – in meinem ganzen Leben kam nichts auch nur annähernd an diese Erfahrung heran. Jedes Mal fühlte ich mich wie von einem Wunder umarmt und auf unermesslich tiefe Art und Weise berührt vom Intimsten, das sich im Leben mit einem anderen Menschen teilen lässt. Mit Sicherheit war die Mutter auf einer noch intimeren Ebene Teil davon.

Ich kann nur jedem werdenden Vater – allen werdenden Vätern – dringlich ans Herz legen, darauf zu bestehen, bei der Geburt ihres Kindes dabei zu sein, und wenn möglich auch derjenige zu sein, der das Kind auffängt, wenn es in diese Welt kommt. Die sich daraus ergebende Verbindung ist unauflöslich und absolut einmalig. Dies nährt das männliche Herz in der Tiefe und entfaltet sich zur Liebe eines Vaters, die der Macht der Mutterliebe gleicht. Man ist nicht nur Zuschauer, sondern vollständig Vater. Man erlebt eine Liebesverbindung, die unmittelbar durch dieses Miterleben der Geburt des Kindes in das Leben hinein gezaubert wird – man wird verzaubert von diesem winzigen, zerbrechlichen Baby, das diese Liebe direkt aus der geistigen Welt überbringt.

Einige wenige Männer berichteten mir, dass sie Wut und Frustration empfunden hätten, als sich ihre Frau nach der Geburt ihres Kindes sexuell von ihnen zurückzog. Die Männer fühlten sich von den Frauen ausgeschlossen, von ihnen unbeachtet, nicht gewürdigt und verlassen. Manche gingen sogar so weit zu sagen, dass sie sich ausgenutzt vorkamen.

Biologisch gesehen ist das Hauptziel der Sexualität die Schwangerschaft. Sobald eine Frau schwanger ist, richtet sich ihre sexuelle Energie vor allem darauf aus, ein Kind heranwachsen zu lassen. Bei der Geburt des Kindes widmet sich die sexuelle Kraft der Mutter vor allem dem Ziel, ihr Kind zu beschützen und es mit Nahrung zu versorgen. Unsere Spezies hängt davon ab.

Ein Mann, der die Geburt seines Kindes miterlebt hat, verbindet sich mit dem Kind und auch mit seiner Partnerin als der Mutter des Kindes. Seine sexuelle Energie verwandelt sich. Er ist nicht mehr nur der Liebhaber einer schönen Frau, sondern ist auch zum liebenden Vater für ein wunderbares Kind geworden. War er bei der Geburt zugegen und hat an ihr teilgenommen, hat er den Duft der Geburt gerochen. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Duft des neuen Babys über das limbische Gehirn auf eine Urebene der männlichen Psyche des Vaters gelenkt wird, wodurch dieser mit dem Kind als dessen Beschützer verbunden ist und dieses winzige, neue Wesen und seine liebende Mutter mit allem versorgt. Bei einer Hausgeburt erfüllt dieser feine Duft das Haus, und ich habe das Gefühl, dass dieser bleibende Duft nach neuem Leben bei jedem Mitglied der Familie die Kooperation und das Verständnis hervorruft, das nötig ist, um die Familieneinheit aufrechtzuerhalten und sie mit allem zu versorgen, was ihr Nahrung gibt. Dadurch erfahren dann auch die praktischen Neuausrichtungen der sexuellen Energie von Mann und Frau Unterstützung.

Der Mann wird die Sexualität seiner Partnerin mit ihrer aktuellen Rolle als ihr neues, gemeinsames Kind stillende und versorgende Mutter kennen und verstehen. Er wird sie nicht falsch deuten oder beleidigt sein oder sich durch sie bedroht fühlen. Er wird tun, was er kann, um das Nest zu wärmen, seine Partnerin als Mutter zu schätzen, mit dem Kind zu spielen und die Familie zu ernähren. Der Duft der Geburt ist ein mächtiger Verbündeter, der mit den Eltern und dem Kind auf einer ganz ursprünglichen biologischen Ebene kommuniziert. Er unterstützt jede Person darin, intuitiv an diesem Prozess teilzunehmen. Die Frau wird ihre Sexualität zur richtigen Zeit ihrem Liebhaber schon wieder zuwenden (unsere Spezies hängt davon ab), und das Baby wird so unabhängig werden, wie es ihm möglich ist, und dies auch so schnell wie möglich tun. Das ist meine feste Überzeugung und meine Hypothese.

»Im Geist eines vollkommenen Kusses,

glückliches Kind.«

T. Elder Sachs

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