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Vorwort zur deutschen Ausgabe

Haben Sie schon einmal versucht, als Mann einen Andrologen zu konsultieren? Sie könnten zu einem Urologen, Internisten, Nephrologen, Kardiologen, Endokrinologen oder zu einem anderen Spezialisten gehen, aber einen Arzt speziell für Männer hat man beim Spezialisierungswahn der modernen Medizin einfach vergessen – oder brauchen Männer vielleicht keine besondere Zuwendung, werden sie vielleicht überhaupt nicht krank?

Abgesehen davon, dass bei so vielen Spezialisten meistens der eine nicht weiß, was der andere so treibt, und es daher zu immensen Fehlern in der Therapie kommen kann, könnte die Idee, Männer seien nicht krank, durchaus zutreffen. Schon die griechischen Ärzte beklagten sich über die gesundheitliche Fahrlässigkeit der damaligen Männer, die sich als Helden sahen – und Helden werden natürlich nicht krank, bestenfalls bringen sie Verletzungen aus der Schlacht mit nach Hause.

Und der moderne Mann? Könnte es sein, dass Krankheit nicht in das Selbstbild des erfolgreichen Geschäftsmannes passt, der die Börsenschlachten zu bestehen hat, oder wie ist es mit dem Playboy, der von den Kämpfen an der Bar und mit schönen Frauen so manche Blessur davonträgt? Was ist mit dem PS-Freak und seinen Boliden auf vier Rädern – kennt dieser Männertyp Krankheit? Bleibt noch der wilde Mann, der einsame Wolf, der braungebrannt von seiner Weltumsegelung oder seiner Weltreise mit dem Motorrad heimkehrt – aber gerade der bringt vielleicht höchstens ein gebrochenes Bein mit nach Hause.

Natürlich sind die meisten Männer in der Realität weder erfolgreiche Geschäftsleute, Playboys oder Rocker, die meisten sind ganz »normale« Männer, was immer das heißen mag. Nach über 30 Jahren Praxiserfahrung mit Männern kann ich allerdings eines feststellen: Männer sind tatsächlich ungerne krank. Die Compliance bei Männern ist oft schwierig, das heißt, sie machen ungerne mit, nehmen ihre Mittel wenig sorgfältig bis überhaupt nicht und sie reden auch nicht viel, häufig werden sie sogar von ihren Frauen in die Praxis geschickt und fühlen sich dort wie Odysseus auf seiner Irrfahrt. Praxisgespräche sind oft wenig ergiebig, aber sie waren ja auch schon bei diversen Spezialisten und bringen brav ihre Blutwerte oder ein Spermiogramm mit, und ein Belastungs-EKG haben sie auch schon gemacht – aber auf die Frage: »Wie fühlen Sie sich« folgt meist Schweigen, oder sie beschreiben nochmals ihren Eindruck von den Blutwerten. – Der Zugang zu ihren Gefühlen fällt ihnen sichtlich schwer. Sie sind dabei keineswegs unsensibel, woran es eher fehlt, ist die Ausdrucksfähigkeit, sei es durch Sprache oder Gestik.

Da es kaum Männer-Heilkundige gibt, sucht man natürlich auch nach Literatur vergebens. Dies war am Anfang meiner Praxistätigkeit tatsächlich ein Problem, und ich war glücklich, als ich das Buch Male Herbal von James Green entdeckte, auf das mich eine Assistentin (!) aufmerksam gemacht hatte. In den USA, speziell in Kalifornien, gibt es schon länger eine »Männerbewegung«, in der Männer versuchen, sich miteinander neu zu definieren und ihre Sensibilität auf bisher unbekannte Weise zu erfahren, sei es in Gesprächskreisen, Wildniscamps oder beim Sonnentanz und in der Schwitzhütte – und natürlich schwappte diese Bewegung irgendwann zu uns. An Angeboten dieser Art herrscht jedenfalls hierzulande kein Mangel mehr.

Zudem gibt es inzwischen in allen westlichen Ländern haufenweise Zeitschriften und auch Bücher für Männer, aber eher voller Ratschläge zur Selbstoptimierung, zur Stressbewältigung für ausgelaugte Manager und mit Werbung für Augencremes, um morgens wieder adrett auszusehen. Eine ernst zu nehmende Literatur zur Gesundheit des Mannes und zu Behandlungsmöglichkeiten für ihn ist immer noch selten. So stand die Frage im Raum, selbst ein Buch hierzu zu schreiben oder aber das Buch von James Green zu übersetzen und in eine Form zu bringen, die auf den deutschsprachigen Raum zugeschnitten ist. Die Entscheidung fiel auf Letzteres, und ich freue mich, dass der AT-Verlag meine Anregung aufgegriffen hat und diesen Schritt in ein unbekanntes Land wagt. Schließlich ist die Frage berechtigt, ob es denn überhaupt einen Markt für das Thema Männergesundheit gibt, Bücher wollen schließlich verkauft und gelesen werden.

Ich denke ja! Was mich darin bestärkt, sind die zunehmend tiefsinnigen Gespräche mit meinen männlichen Patienten und die spannenden Männerseelen, die in meine naturheilkundlichen Kurse kommen. Es gibt einen Wandel, ganz sicher. Die Metamorphosen vom Jungen zum Mann, vom Sohn zum Geliebten, die unterschiedlichen Wege zum persönlichen Heldentum, zum König, Krieger und Seher in uns, sind eine spannende Reise durch das Leben, die uns Männer miteinander verbindet und für deren Feinheiten wir ganz langsam eine neue Sprache entwickeln.

James Green und ich und mit uns viele andere Männer erlebten jedoch darüber hinaus etwas, das uns in ein anderes geistiges Universum katapultierte – die Anwesenheit bei der Geburt unserer Kinder – hierzu findet James Green deutliche Worte. Was kulturgeschichtlich selbst bei Naturvölkern bisher ein Tabu war, ist heute fast schon selbstverständlich geworden. Nicht mehr nur zu schwängern, sondern wirklich anwesend zu sein, wenn neues Leben zum ersten Mal die Welt erblickt, hat mich als Mann direkt ins Herz getroffen. Der Blick meines Sohnes, sein Geruch, sein Geschrei, das Glück in den Augen meiner Frau, die großartige Erfahrung, dies gemeinsam erleben zu dürfen – all dies hat unauslöschliche Spuren in meiner Seele hinterlassen. Die Geburt öffnete mir die Augen für das Wunderbare dieser Welt. Diese seelische Offenheit, die Welt als Wunder wahrzunehmen und nicht nur als Maß, Zahl und Gewicht, ist eine wichtige Voraussetzung, um sich auch seelisch mit dem Thema Gesundheit zu befassen und nicht nur technisch. Natürlich muss man nicht unbedingt Vater sein, um dies zu empfinden – die Wege, auf denen das Herz berührt wird und das Eis darin zu schmelzen beginnt, sind vielfältig, aber sie gleichen sich in einem, der Liebe zum Leben.

Den Technokraten dieser Welt wird dieses Buch damit wohl nicht viel zu sagen haben – aber wenn nicht jetzt, dann vielleicht in Zukunft, Hauptsache, es besteht die Möglichkeit, und wenn der Zufall es will …

Für alle anderen wird es ein wichtiges Buch sein, da es auch Antworten auf Fragen jenseits von Prostata und Viagra gibt. Zudem vermittelt James Green ein Bewusstsein für Männergesundheit im kulturellen Kontext, denn der Autor bedient sich gleichermaßen aus dem Fundus der chinesischen, indischen, indigenen und europäischen Naturheilkunde, und in Zeiten des Globalismus ist die kulturelle Offenheit und Faszination für den anderen ein sicherer Garant für Glück.

Genießen Sie Ihr Mannsein!

Olaf Rippe

Heilpflanzen für Männer - eBook

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