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Die 6 Tüftel-Werte

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Auf dieser Grundlage haben wir folgende Werte definiert:


Bauen und Begreifen: Wie schon Montessori sagte, lernen wir nicht nur durch geistiges Verständnis, sondern mit Kopf, Herz und Hand. Wir können die tollsten Konstruktionen auf ein Blatt Papier zeichnen, ob es tatsächlich funktioniert, kann nur in der Praxis geprüft werden. Meist entstehen dann beim Werkeln auch neue Ideen. Wenn ihr zu Hause vor einem Materialchaos sitzt, ist das vielleicht nicht Montessori-konform, aber legt einfach los und kommt ins Machen. Ihr werdet sehen, wenn ihr euch einlasst auf die Schöpferkraft, die in euren Händen steckt, und erst mal ohne Erwartungen draufloslegt, werden euch und vor allem euren Kindern wundervolle Ideen kommen, was man wie und woraus bauen könnte.


Gemeinsam erschaffen: Gemeinsam sind wir mehr als die Summe aller Teile. Wenn man mal keine Idee mehr hat, wie sich ein Fehler in der Programmierung beheben ließe, hilft es, sich mit anderen auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu finden. Denn es gibt immer mehr als nur einen Lösungsweg. Für die Eltern bedeutet das, wirklich gemeinsam mit den Kindern und nicht für die Kinder zu denken. Kinder machen oft nicht auf Anhieb alles „richtig“ – aber das ist gut und wichtig. Lasst sie ausprobieren und experimentieren. Versucht die Ideen der Kinder aufzugreifen und ernst zu nehmen, denn der Prozess ist meist wichtiger als das Endergebnis. Dies bedeutet auch, auszuhalten, wenn es mal nicht so schnell geht. Aber die Kinder sind dafür umso stolzer, wenn sie es selbst geschafft haben, die LEDs in das feinmaschige Steckbrett zu stecken, und lernen viel mehr, als wenn sie den Eltern dabei zusehen.


Inspirieren und Erfindergeist wecken: Kreativität ist nichts Mysteriöses, das man entweder hat oder nicht. Es ist die Fähigkeit, sich Inspiration aus anderen Bereichen zu holen und auf das eigene Projekt zu übertragen. Das kann man lernen und üben. Kinder haben dieses Gespür oft noch, weil sie gar nicht immer wissen, wofür ein bestimmter Gegenstand eigentlich dient. So kann er für alles Mögliche umfunktioniert werden. Versucht mit euren Kindern zum Beispiel verschiedene Blickwinkel einzunehmen: Geht durch die Wohnung und versucht Gegenständen neue Funktionen zuzuweisen. So kann etwa ein Kugelschreiber zu einem wunderbaren Haarklips werden oder ein Teller zu einem Regenschirm …


Individuelle Impulse fördern: Wir alle haben unterschiedliche Talente und begeistern uns für verschiedene Themen. Über unsere Interessen können Zugänge zu Programmierung und zum Tüfteln eröffnet werden. Wie wäre es mit einer alarmgesicherten Schatzkiste (Projekt 4), einer Mühle, deren Flügel sich drehen (Projekt 25), oder einer Lampionkette für das leuchtende Haus (Projekt 18)?


Einfache Zugänge zu Programmierung und Elektronik schaffen: Es geht wie gesagt nicht darum, dass alle Kinder Programmiererinnen oder Programmierer werden sollen. Wir helfen euch, die Potenziale und die Vielfältigkeit aufzuzeigen, um den Computer als kreatives Werkzeug zu nutzen. Dafür haben wir die Projekte im zweiten Teil nach Schwierigkeitsgrad sortiert. Beginnt mit einfachen Projekten, die neben bekannten Werkzeugen wie Papier und Schere Stück für Stück auch Elektronik und Programmierung einbeziehen. Ihr werdet sehen, wie einfach ihr euch zu den Profiprojekten hocharbeitet.


Fehler wertschätzen: Das ist inzwischen ein alter Hut. Wir alle wissen, dass wir durch Fehler am besten lernen. Deshalb ist es wichtig, den einen oder anderen Fehler einzukalkulieren. „Mist – funktioniert nicht!“ ist ein Weg, mit einem Fehler umzugehen, „Ahhh, ein interessanter Fehler“ ein anderer. So schafft ihr Raum, um aus einem Missgeschick oder einer Fehlfunktion zu lernen.

Diese Tüftel-Werte unterstützen uns in unserer täglichen Arbeit und geben uns Orientierung. Es ist wichtig und erfordert Konzentration, als anleitende Person nicht in alte Muster zurückzufallen. Wie wir das umsetzen? Wir haben Richtlinien für unsere Workshop-Mentorinnen und -Mentoren, die besagen, dass man in dieser Rolle die Tastatur des Rechners, an dem ein Kind arbeitet, nicht anfassen darf. Wir nutzen gern folgendes Bild: Stellt euch vor, Tastatur und Maus sind aus Lava. Was alles fällt dir ein, ohne dabei in die Tastatur des Kindes zu greifen?

Im Alltag mit Kindern ist das manchmal anders: Wie oft seid ihr vielleicht ungeduldig und übernehmt die Tastatur, den Aufbau einer schwierigen Konstruktion mit bunten Bausteinen oder das Schließen des Hosenknopfs? Dies sind Momente, in denen das Kind de facto nicht unterstützt wird, eine Tätigkeit selbst zu lernen, sondern passiv zusieht, wie sie ein Erwachsener übernimmt. Es ist oft schwer, die Geduld aufzubringen, Kindern beim Navigieren auf einem Computer zuzusehen. Es kann ewig dauern, bis ein Passwort, Buchstabe für Buchstabe, eingetippt ist. Das zehrt an unseren Nerven, aber vielleicht könnt ihr es das nächste Mal ein wenig gelassener sehen und das Kind allenfalls durch unterstützendes Erklären selbst die Erfahrung machen lassen.


Dieses Prinzip könnt ihr beim Spielen im Alltag üben: Lasst doch einfach ein Missgeschick passieren. Ein Turm aus Bauklötzen fällt um – super! Ein Glas Wasser kippt um? Auch nicht so schlimm. Schließlich sind das auch wichtige Lernerfahrungen, die ganz praktisch die physikalische Welt erschließen. Wasser läuft bergab. Wenn ein Turm zu krumm gerät, hält die Statik nicht. Es lohnt sich, Fehler wertzuschätzen, denn die Kinder lernen dabei, eigenständig zu handeln und konzentriert bei der Sache zu sein.

Das Spannende ist, dass Eltern dabei auch ganz viel lernen – nämlich Geduld und eine höhere Frustrationstoleranz. In diesem Moment seid ihr als Eltern übrigens ein sehr wichtiges Vorbild, denn Studien belegen, dass Geduld hauptsächlich durchs Vorbild der Eltern gelernt wird. Das ist im durchgetakteten Alltag oft schwer, aber vielleicht gelingt es euch am nächsten Sonntag schon ein wenig besser. Wenn wir auf Messen oder Veranstaltungen unterwegs sind und uns als „Julia oder Franzi von der Tüftel-Familie“ vorstellen, ernten wir oft ein verschmitztes Lächeln. Dies sehen wir als Kompliment an, weil beim Wort Tüfteln sofort Bilder im Kopf entstehen von einem Daniel Düsentrieb oder einer Laura Kampf (tolle Youtube-Tüftlerin mit Empowerment-Faktor). Auch bei den beiden klappt es oft nicht auf Anhieb. Tüfteln ist eben etwas, was auch mal Zeit braucht, aber dafür einen nachhaltigen Lernerfolg erzielt.

Tüfteln hat sogar etwas von einem Abenteuer: Ihr bekommt eine Aufgabe gestellt, oder stellt sie euch selbst, ihr beginnt und macht gute Fortschritte, doch dann stellen sich euch Hindernisse entgegen, die es zu überwinden gilt, und am Ende erlebt ihr hoffentlich einen Glücksmoment, weil ihr drangeblieben seid, weil ihr eure Aufgabe geschafft habt und etwas geschaffen habt. Auch wenn es vielleicht „nur“ ein Vogelhäuschen ist. Das habt ihr gemacht und dabei gelernt, mit Kopf, Herz und Hand, die Sinne angeregt und die Synapsen gezündet. Los geht’s!

Gemeinsam tüfteln statt einsam glotzen

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