Читать книгу Echte Golfer fahren links - Kurt W. Zimmermann - Страница 10

Gut behutet

Оглавление

Golfer und Cowboys nehmen den Hut nur ab, wenn sie gerade von Indianern skalpiert werden.

Wenn man alte Golfbilder betrachtet, etwa vom British Open, dann fallen zuerst die Zuschauer auf. Alle Zuschauer tragen Hüte. Die Männer tragen Bowlers, Fedoras, Gatsbys und Borsalinos. Die Frauen tragen Cloches, Berets und Swingers.

Die Spieler und Spielerinnen auf den alten Bildern tragen alle ebenfalls Hüte, meistens dieselben Modelle wie das Publikum.

Das hat sich im Prinzip bis heute gehalten. Golfer tragen Hüte. Sie tragen Hüte nicht nur, weil die Sonne brennt oder weil Regen fällt. Sie tragen den Hut auch dann, wenn es keinen Grund gibt, einen Hut zu tragen. Meistens tragen sie heute eine Art Baseballmütze.

Ich bevorzuge statt der Mützen richtige Hüte, Modelle mit schmalen Krempen, in Filz oder in Stroh, obschon, zugegeben, das mitunter etwas geckenhaft wirkt.

Hüte waren und sind stets ein Zeichen für die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe. Das gilt von Schiebermützen bis zu Zylindern. Al Capone erschoss nie einen Polizisten ohne seinen Hut auf dem Kopf. Che Guevara erschoss nie einen Kapitalisten ohne seine Baskenmütze auf dem Kopf.

Das gilt nicht nur beim Schießen, das gilt auch beim Vergnügen. Die übelste Sünde bei den Pferderennen von Royal Ascot ist es, den Seiden-Zylinder oder den Blumen-Swinger auch nur kurz abzunehmen. Sofort schreitet ein behuteter Ordner ein, brüllt „Your hat, Sir!“ oder „Your hat, Mylady!“ und sorgt dafür, dass das soziale Gefüge nicht durchbrochen wird.

Auch Piloten von Linienmaschinen tragen immer Hüte, obschon dies zur Ausübung des Berufs keinen Sinn macht. Cowboys tragen immer Hüte und haben nur in absoluten Notfällen keinen Stetson auf, beispielsweise dann, wenn sie gerade von gefiederten Indianern skalpiert werden.

Es gibt nur zwei bekannte Sportarten auf der Welt, die prinzipiell im Hut ausgeführt werden. Neben Golf ist das ist Baseball.

Golf und Baseball haben gemeinsam, dass man meistens nur herumsteht. Bei Golf ist das besonders augenfällig. Für eine Golfrunde braucht man vier Stunden. Die eigentliche physische Aktion – die Schläge und die Putts – dauern drei Minuten. Es dauert vielleicht ein bisschen länger, wenn man die Konzentrationsphase davor auch mitberechnet. Aber eine Konzentrationsphase brauchen sowieso nur ehrgeizige Golfer.

Die restlichen 3 Stunden 57 Minuten steht man herum oder spaziert durch die Gegend. Selbst bei Spielern, die unsinnigerweise dauernd Probeschläge machen, dauert die echte körperliche Bewegung auf einer Runde nicht mehr als sechs Minuten.

Wenn man herumsteht oder herumspaziert, kann man beim Sport natürlich gut einen Hut aufsetzen.

Bei Sportarten, bei denen man richtigen Sport treibt, ist das nicht ideal. Beim Rückenschwimmen zum Beispiel sind Hüte nicht zu empfehlen. Auch beim Kunstturnen und beim Boxen ist ein Borsalino auf dem Kopf eher suboptimal.

Echte Golfer fahren links

Подняться наверх