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Kapitel 8 · Wolfsgebiet
Оглавление»Wo bringst du uns hin?«, fragte Alice ohne Rücksicht auf Katzenhöfisches Protokoll.
Luna lehnte sich vom Beifahrersitz aus nach hinten und sah Alice mit ihren grünen Augen an.
»An die Grenze. Wir glauben ihr seid in unserem Hoheitsbereich nicht mehr sicher. Wir haben uns die Freiheit genommen deinen Clan zu informieren, Art. Dein Clan hat Vorkehrungen getroffen, euch ab der Grenze sicher in die südlichen Clangebiete zu bringen. Sie schicken uns ein Einsatzkommando entgegen. Du dürftest sie kennen, Art. Es sind Wölfe aus deiner Heimat.«
»Mirko und Udo?«
»Mag sein. Wir hoffen, dass ihr und die beiden Exemplare des Bearn bei deinem Clan in Sicherheit seid.«
»Du weißt von Vivianes Bearn?«, Alice war das eigentlich klar.
»Wir vom KSD sind über mehr informiert, als du auch nur ahnst Alice! Vielleicht wisst ihr, dass wir und Art eine, nennen wir es interkulturelle Beziehung, geführt haben.«
»Ich will das gar nicht näher wissen!«
»Wir sind in diesem Punkt nicht so prüde wie ihr Unwandelbaren.«
»He! Ich bin Hüterin!«
»Und falls deine Phantasie Irrwege geht. Wir blieben in Menschengestalt.«
»Meine was? Ihr? Unverschämtheit!«
Alice war beleidigt und warf Art einen vernichtenden Blick zu.
Art saß nur stumm neben Alice und starrte verlegen aus dem Fenster in das sich andeutende Morgengrauen. Die Luft außerhalb des Autos war nicht wesentlich wärmer als im Inneren. Es lag etwas Ungutes in der Luft. Etwas Eisiges. Während der weiteren Fahrt wurde geschwiegen.
Die norddeutsche Tiefebene lag schon lange hinter ihnen. Es waren nur noch wenige Kilometer bis zur Grenze bei Bad Hersfeld. Hier begann das Hundegebiet. Die Grenze orientierte sich nicht an den heutigen Bundesländern, sondern verlief entlang alter Hoheitsbereiche. Hoheitsbereiche, viel älter als jede politische Grenze. Luna und Alice waren eingeschlafen. Art konnte kein Auge zumachen. Zu sehr war sein Leben durcheinandergeraten. Seine Gedanken kreisten. Alice, Luna, das Bearn, Alice, Viviane, Bobby, Alice...Art musst sich eingestehen, dass er für die Hüterin noch immer tiefe Gefühle hatte. Zärtlich sah er sie an. Wachte über ihren Schlaf. Beobachtete, wie ihre Augenlider zuckten, wie sich ihre Brust beim Atmen hob und senkte, wie das Morgenlicht in ihren roten Haaren blitzte. Lon lag zwischen ihnen und hatte seinen Kopf in Alices Schoß gelegt. Art beneidete ihn ein wenig.
Ein lauter Knall riss Art plötzlich aus seinem Tagtraum und Alice als auch Luna aus ihren echten Träumen. Lon sprang irritiert auf. Der Hummer fing bedrohlich an zu schlingern, doch konnte der Katzenfahrer das Auto schnell wieder unter seine Kontrolle bringen. Bevor es in die Leitplanke krachte brachte er es zum Stehen. Art spähte aus dem Fenster und musste erkennen, dass das vorausfahrende Begleitfahrzeug explodiert war. Dort, wo eben noch ein dunkelblauer Golf Variant fuhr, befand sich jetzt ein roter Feuerball. Verbrannte Autoteile regneten wie Herbstlaub auf die A7.
»Gebt Gas!« fauchte Luna den Fahrer an.
Dieser beschleunigte den Hummer und raste durch die Feuerwand die Autobahn entlang. Kurz hinter dem brennenden Golf zischte aus den Büschen am Straßenrand eine Granate heraus und verfehlte den Hummer nur knapp. Es grenzte an ein Wunder, dass auch kein anderes Fahrzeug getroffen wurde und die Granate wirkungslos im Wald verpuffte. Luna angelte ihr Handy aus dem Overall und drückte eine Schnellwahltaste.
»Code 77! Code 77! Team 3 ist eliminiert! Wir sind dicht vor der Grenze! Koordinaten Gamma 7/Omega 16!«
Mit einer raschen Bewegung klappte sie das Handy wieder zu und drehte sich zu Art und Alice um.
»Damit haben wir nicht gerechnet. Es muss unter den Unseren einen Verräter geben. Wir haben einen Code 77 ausgelöst. Das bedeutet, dass sämtliche Behörden der Unwandelbaren in unserem Hoheitsgebiet ab sofort unter unserem Befehl stehen.«
Kaum hatte der Hummer die nächste Autobahnausfahrt passiert, wurde er plötzlich von 3 Polizeiautos mit Blaulicht eskortiert.
»Seht ihr.«
Luna grinste selbstgefällig.
»Wer oder was hat uns angegriffen?«, wollte Alice wissen.
»Vermutlich derjenige, der auch Viviane, Bobby und die anderen Wandler auf dem Gewissen hat. Wir nennen ihn intern im Katzensicherheitsdienst nur 'Das Phantom' oder 'Es'«.
»Wer oder was ist 'Das Phantom'?« meldete sich jetzt auch Art zu Wort.
»Wir haben keine Ahnung! Wir wissen nur, dass Es eine kleine Armee aufgebaut hat. Eine bunte Sammlung aus Hütern, Hunden, Katzen und Unwandelbaren. Wir gingen erst von einer Art Mafia-Bande aus, aber die vergangenen Tage lassen alles in neuem Licht erscheinen. Das Phantom hat Größeres vor. Uns ist nur noch nicht ganz klar, was Es mit dem Bearn will und woher Es vom Bearn weiß. Im schlimmsten Fall haben wir es mit einem Wolfs-Magier zu tun! Dann könnte es darauf hinauslaufen, dass der Dunkel-Bearn...«
Luna stoppte ihren Vortrag und sah irritiert aus dem Fenster.
»Was zum...Könnt ihr mir erklären, was das soll?«
Der Fahrer zuckte mit den Schultern.
»Keine Ahnung. Ich folge nur unserem Geleitschutz.«
Der Hummer mit seiner Eskorte hatte inzwischen die Autobahn verlassen und bog gerade von einer Landstraße in ein Waldstück ein. Zwei Begleitfahrzeuge vor dem Hummer und eines dahinter.
»Idiot!«
Fluchte Luna.
»Was ist los?«
Wollte Alice wissen.
»Eine Falle«
Murmelte Art.
Luna gab dem Fahrer ein Zeichen sich aus dem Konvoi zu lösen, aber die Polizeiwagen blockierten jede Fluchtmöglichkeit auf der schmalen Straße, die sich nun in einen Waldweg verwandelte. Luna fluchte leise, während der Konvoi über einen holprigen Weg auf eine Lichtung zurollte. In der Mitte der Lichtung blieben sie stehen. Die Polizisten stiegen mit gezogenen Waffen aus und kamen auf den Hummer zu.
»Jetzt!«
brüllte Luna und der Hummer setzte sich rückwärts in Bewegung. Zwei der Sechs angeblichen Polizisten erwischte der Fahrer sofort, rammte den Wagen direkt hinter ihnen und verhedderte sich in der Stoßstange. Es ging weder vor noch zurück. Der Fahrer gab sein Bestes, doch gruben sich die Reifen immer weiter in den weichen Waldboden ein. Dann durchschlug ein Geschoss die Windschutzscheibe und traf den Fahrer in den Kopf, der reglos auf das Lenkrad sank.
»Art wandeln! Alice, Lon runter in den Fußraum und dortbleiben!«
Lunas Tonfall ließ keinen Widerspruch zu.
Langsam näherten sich die falschen Polizisten mit den Waffen im Anschlag dem Hummer.
Der Größte der Uniformierten öffnete vorsichtig die Fahrertür. Die Leiche des Fahrers sackte ihm entgegen. Schnell trat er einen Schritt zurück und lies den Körper auf den Boden fallen. Mit einem großen Schritt stieg er darüber und sah in das Innere des Hummers. Wie aus dem Nichts sprang ihm eine schwarze Katze ins Gesicht und zerkratzte ihm die Augen. Schreiend sank er auf die Knie und hielt sich das blutende Gesicht. Erschrocken rannten die anderen drei auf ihren Kollegen zu. Der Hals des langsamsten wurde von hinten von Wolfszähnen zerfetzt. Bevor die übrigen Beiden bemerkten was vor sich ging, war das Letzte was sie spürten Wolfszähne und Katzenkrallen.
Luna wandelte als erste und stand nackt auf der Lichtung, auf die jetzt ein paar Schneeflocken fielen.
»Kannst rauskommen!«
Rief Luna Alice zu. Vorsichtig krabbelte Alice mit Lon aus dem Hummer. In ihrem Arm die Tasche mit den beiden Bearn. Art kam schwanzwedelnd auf sie zugelaufen, leckte ihr kurz die Hand und verschwand hinter dem Hummer wo er sich wandelte.
»Verflucht ist das kalt hier!«
Art pustete sich in die Hände. Luna grinste und streckte sich lasziv.
»Art, was soll das. Wir denken, dass sowohl Alice als auch wir wissen, wie du ohne Kleidung aussiehst!«
Art und Alice wurden rot und Luna grinste frech. Dann marschierte Luna auf den Hummer zu und warf Art seine Sachen zu. Kurz darauf standen alle angezogen vor dem Wagen.
»Die Behörden stehen also unter eurer Kontrolle?«
Art konnte sich etwas Sarkasmus nicht verkneifen.
»So dachten wir zumindest. Unsere Sicherheitslücke muss größer sein als befürchtet. Wir sollten einen der Streifenwagen nehmen um zur Grenze zu gelangen.«
»Unauffälliger geht es ja nicht!«
Maulte Alice.
»Hier stehen zwei intakte Streifenwagen. Ich denke wir sollten mit einem davon unbehelligt das Hundegebiet erreichen.«
Art und Alice nickten Luna zu. Kurz darauf rangierte die Katzenprinzessin einen der Streifenwagen sicher zurück auf den Feldweg. Die weitere Fahrt verlief ohne Vorkommnisse.