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Kapitel 3 · Viviane
ОглавлениеVon Alices Wohnung in der Friedensallee war es nicht weit zum Bahnhof Altona. Dort stiegen kurz darauf Art, Alice und Felix in die S-Bahn in Richtung Reeperbahn. Bobby ist mit Lon zurückgeblieben, um noch ein paar Internetrecherchen zu machen.
Art war die S-Bahn unheimlich. Die Gerüche und die Menschen verwirrten ihn. Um sich abzulenken versuchte er etwas Smalltalk.
»Also nochmal - wer ist jetzt diese Viviane?«
Felix wollte schon zu einer längeren Erklärung ausholen, wurde aber von Alice unterbrochen.
»Eine Wolfs-Schamanin. Sie ist schon sehr alt und sehr weise. Sie stammt aus einer verbotenen Verbindung eines Clanoberhauptes und der Tochter eines anderen Clanchefs. Sie verfügt über große magische Kräfte!«
»Magische Kräfte? Haben wir Wandler das auch alle?«
»Nein. Nur wenige Wandler haben außergewöhnliche magische Fähigkeiten. Nur sehr sehr selten kommt es vor, dass eine Wandler-Mutter in ihrer Tiergestalt ihr Baby zur Welt bringt. Diese besonderen Welpen sollen über außergewöhnliche magische Kräfte verfügen. Viviane ist so jemand. Sie gehört dem Hohen Rat der Wolfsclans im Norden an. Sie kennt dich sehr gut. Irgendwie hat sie einen Narren an dir gefressen. Sie weiß Rat!«
»Sie kennt mich? Na dann...«
Art klammerte sich wieder an seinem Sitz fest.
Bald darauf erreichten sie den S-Bahnhof Reeperbahn. Um diese Uhrzeit war der Kiez wie ausgestorben. Eine unscheinbare Großstadtstraße wie viele andere, die meistens in den Bahnhofsvierteln zu finden sind. Nach ein paar Minuten erreichten sie die Detlev-Bremer-Straße. Eine kleine Seitenstraße. Vor einem älteren Backsteinbau mit einer Menge Graffiti blieben sie stehen.
»Hier ist es. Im ersten Stock lebt Viviane!«
Felix wirkte beinahe Ehrfürchtig. Alice drückte gezielt auf einen der vielen Klingelknöpfe. Der altmodische 70'er Jahre Lautsprecher knackste und eine kaum verständliche Stimme krächzte so etwas wie: »Jäh?«
Alice ging ganz nah an den Lautsprecher und rief laut: »Wir sind auf den Hund gekommen!«
Kurz darauf ging der Türdrücker und die Drei traten in das heruntergekommene Treppenhaus.
Art verzog die Mine.
»Eure Hoherätin ist ja nicht gerade vertrauenswürdig, so wie die lebt!«
»Beurteile niemals etwas nach dem äußeren Schein!«
maßregelte ihn Alice.
»Sicher...«
Im ersten Stock stand eine Wohnungstür bereits offen. Als sie eintraten strömte ihnen eine Mischung aus abgestandenem Zigarettenqualm, Marihuana, Kaffee und frischgebackenen Kuchen entgegen. Die Wohnung erinnerte an ein 70er Jahre Museum. Muster im Prielblumenlook an den Tapeten und Vorhängen. Möbel wie aus einem alten Neckermann-Katalog. Aber sauber. Sehr sauber und gepflegt. Aus der Küche kam ihnen eine kleine rundliche alte Dame entgegen. Ihr tiefschwarz gefärbtes Haar war zu einem Dutt gebunden und lies die Kopfhaut durchschimmern. Eine runde Brille dominierte das ebenfalls runde Gesicht. Sie trug Filzpantoffeln, ein geblümtes Kleid und eine weiße Rüschenschürze an der sie sich die Hände abwischte.
»Kommt rein Kinner! Ich habe gerade einen Kuchen gebacken. Ihr habt hoffentlich Hunger?«
Sie umarmte Felix und Alice herzlich und schlurfte dann auf Art zu, rückte ihre Brille gerade und kniff die Augen zusammen.
»Artie! Du machst ja Sachen! Ich dachte ich hätte dich besser ausgebildet!«
Sie zog Art zu sich herunter und umarmte ihn herzlich.
»Bin ich froh, dass du lebst. Deine Mutter hätte mich umgebracht! Na, trinken wir erstmal Kaffee, für uns habe ich natürlich Koffeinfreien. Und dann sehen wir mal, wie ich dir helfen kann.«
Der Kuchen war ein Gedicht, ebenso der Kaffee. Zuerst konnte Art kaum einen Bissen herunterbekommen. Die ganze Situation überforderte ihn. Doch Vivianes mütterliche; oder besser: großmütterliche Art; beruhigten ihn schnell. Er fühlte sich in ihrer Gegenwart regelrecht geborgen. Entspannt plauderte die Runde über alle möglichen Themen. Wetter, Hafen, König der Löwen, Kiez, FC St. Pauli und den Bürgermeister, der angeblich in direkter Linie von dem legendären Thorulf vom Main abstammt, der die Münsterländer-Clans begründet hatte.
Viviane kippte ihre vierte Tasse Kaffee herunter.
»So Kinners genug geklönt. Jetzt an die Arbeit!«
Sie stand auf und verschwand in der Küche. Nach ein paar Minuten kam sie mit einem alten Messer und einem noch älteren Buch wieder. Viviane setzte sich vor Art auf einen alten Küchenstuhl und streichelte zärtlich über das Buch. Dies erinnerte in dem alten Ledereinband an einen geräucherten Schinken.
»Na Artie. Kennst du das noch? Mein Exemplar des Bearn! Wo ist dein Bearn eigentlich?«
»Keine Ahnung!«, antwortete Art ehrlich.
»Nicht gut! Gar nicht gut!«
»Was hat es mit diesem Bären überhaupt auf sich?«
»Ach stimmt ja. Dein Gedächtnisschwund. Artie; nicht Bär, sondern Bearn. Eine Sammlung mächtiger alter Zaubersprüche. Sie stammen ursprünglich aus dem 5. Jahrhundert! Lange wurde der Bearn vom Großen Rat der Wolfs-Clans verwahrt. Der gesamte Bearn wäre in der Hand eines Zauberers zu mächtig. Dennoch war es einer mächtigen Dunkel-Zauberin in dem Großen Krieg vor 400 Jahren gelungen das Bearn an sich zu bringen. Die Folge war Tod und Verderben. Auch unter den Unwandelbaren. Die Pest damals war einem Spruch aus dem Bearn zu verdanken. Die Zauberin konnte gestoppt werden, doch der Bearn stellte eine Gefahr dar. Nach dem Frieden von Emden wurde der Bearn deswegen in Sieben mal Sieben verschiedene Abschriften aufgeteilt, die jeweils nur einen kleinen Teil der Zaubersprüche enthalten. Nie wieder sollte die Macht des Bearn missbraucht werden. Das Bearn kann viel Gutes tun. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Nur 42 auserwählte Zauberer sind seit damals in Besitz einer dieser Abschriften! Die sieben restlichen Exemplare sind im Besitz der Katzen. Das Original wurde vernichtet. Um zu verhindern, dass alle Sprüche wieder vereint werden, wurde ein Bannspruch auf alle 49 Bände aufgeteilt. Nur mit diesem Spruch können die Abschriften wieder zum Ur-Bearn vereinigt werden. Die Zauberin wurde kurz nach dem Frieden von Emden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dennoch gibt es die Legende, dass nach vielen Monden das Bearn wieder zusammengeführt und der Spruch der 49 aktiviert werden würde. Die Zauberin käme zurück, um die Macht an sich zu reißen und die Welt ins Schwarz zu führen. Naja alte Märchen, die man Welpen vor dem Einschlafen erzählt...Übrigens weißt du noch, dass meine Abschrift besonders wertvoll ist! Mein Urahn war damals an der Anfertigung der Abschriften beteiligt und so ist meine Abschrift eben etwas mächtiger als die anderen und enthält auch mehr Sprüche.«
Viviane schob ihre Brille mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze und sah Art in die Augen. Dann zwinkerte sie, schob die Brille wieder zurück und grinste.
»...Hoffen wir, dass dein Exemplar dir nicht abgenommen wurde. Seine Macht steht dem meinem in fast nichts nach. Meine Ausgabe ist die Abschrift Nummer Sieben und die deine die Nummer Acht! Unsere Exemplare ergänzen sich also.«
Alice und Felix wechselten irritierte Blicke. Alice konnte nicht mehr an sich halten.
»Du bist Schüler von Viviane und im Besitz einer Abschrift des Bearn? Verdammt ich hasse deine Geheimnistuerei! Wenn ich nicht schon Schluss gemacht hätte...«
Viviane schielte über ihren Brillenrand Art an.
»Ihr seid auseinander?«
Art zuckte nur mit den Schultern und Alice knurrte grimmig.
»Artie ist nicht nur mein Schüler, sondern der Sohn meiner Großnichte! In unserer Familie ist die Magie sehr stark.«
Alice war sprachlos.
Viviane schüttelte den Kopf und machte weiter.
»Ich werde mit Artie eine kleine Reise unternehmen. Mal sehen was wir finden.«
Viviane konzentrierte sich wieder auf das Bearn. Behutsam und liebevoll blätterte sie in dem Buch, wobei sie unverständlich vor sich hin brabbelte. Sie geriet in eine Art Trance als plötzlich ihre Sprache wieder klar wurde. Sie zog das Messer aus der ledernen mit Runen verzierten Scheide und begann damit vor Arts Gesicht herumzufuchteln. Dann streckte sie ihre linke Hand flach aus und schon Arts Hand daneben. Ruckartig schnitt sie mit der Klinge über beide Handflächen, während sie sagte einen Spruch in einer eigenartigen Sprache aufsagte.
Vor Arts Augen begann sich das Zimmer langsam zu drehen. In seinen Ohren schwoll ein unangenehmes Rauschen an und ihm schwanden die Sinne. Als er wieder erwachte war das Zimmer, Vivianes Wohnung, Alice, Felix einfach verschwunden. Art blinzelte. Er stand in einer unwirklichen Umgebung. In einer hügeligen Landschaft. Von einer Anhöhe aus konnte er auf ein breites Tal sehen. Richtung Süden zeichneten sich am Horizont Berge ab. Zur anderen Seite schimmerte das Blau eines Sees. Es war angenehm warm und die Sonne schien. Die Hügel waren mit einem unnatürlich grünem Gras bedeckt, das penibel gepflegt zu sein schien. Allerdings gab es nirgends Blumen oder Insekten, von Vögeln oder anderen Tieren ganz zu schweigen. Der Himmel war kitschig Azurblau mit albernen Schäfchenwolken. Art sah an sich runter. Er trug nur noch ein weißes T-Shirt und Jeans. Er konnte das weiche Gras unter seinen nackten Füßen fühlen. Verwirrt sah Art sich um. Die Anhöhe auf der er stand war übersät mit kleinen Hügeln. Nördlich konnte er einen Graben oder Tal ausmachen und auf der Anhöhe auf der anderen Seite so etwas wie ein kleines Schloss. Plötzlich saß ein struppiger grauhaariger Wolf neben ihm.
»Also gibt es doch Tiere hier.«, stellte Art nüchtern fest.
Art hatte das Gefühl, dass ihm der Wolf bekannt vorkam. Der Wolf stupste ihn an und gab Art zu verstehen ihm zu folgen. Vorsichtig ging er hinter ihm her. Das Bild verschwamm. Als Art wieder klar sehen konnte standen sie vor dem Schloss. Das Tor stand offen. Langsam wurde er von dem Wolf hindurchgeführt und dann standen sie im Innenhof. Unsicher sah Art sich um. Irgendwie kam ihm die Burg bekannt vor.
»Das ist dein Zuhause Artie!«
Art versuchte zu erkennen, woher die Stimme kam, doch konnte er keine Menschenseele entdecken. Der Wolf zog ihn vorsichtig an der Hose. Art blickte ihm in die Augen.
»Viviane?«
»Treffer, Artie!«, meinte der Wolf.
»Das ist dein Zuhause. Oder besser gesagt, eine Kopie in meiner Fantasie. Aber wunder Dich nicht. Ich habe auf den ganzen Firlefanz und Deko wie Blumen und Vögel verzichtet, weil es schnell gehen musste. Wirkt also alles etwas künstlich.«
Art sah Viviane an, die nun in ihrer Menschengestalt neben ihm stand.
»Mein Zuhause?«
»Ja Artie, das Schloss deiner Eltern. Du bist hier aufgewachsen. Dein Vater ist das Clanoberhaupt. Deine Mutter ist meine Nichte – na gut, Großnichte. Sie ist keine reine Hundemagierin, ihre Kräfte reichten nicht aus. Dein Vater hat noch weniger Kräfte. Aber du hast die ganze Gabe. Den Bearn der Familie deiner Mutter hast du. Na, kommt jetzt so langsam die Erinnerung?«
Art schüttelte verlegen den Kopf.
»Hmm, Ich würde gerne mal in deinen Geist sehen, darf ich?«
Art nickte.
Viviane trat an ihn heran und hielt ihre linke Hand an seine Stirn. Viviane schloss ihre Augen.
»Ich sehe fast nichts. Das liegt an deinem Gedächtnisschwund. Schwere Verletzungen. Hm. Gedächtnis … Regeneration bis auf das Gedächtnis … Gift … Man hat dich nicht nur verwundet … man hat Dich vergiftet … doch nicht genug um dich zu töten. Man wollte dich gar nicht töten. Nur dein Gedächtnis löschen! Dein Gedächtnis wird wiederkehren, spätestens in dem Moment, in dem du dich wandelst! Aber nur langsam und Bruchstückhaft. Der Teil, der gelöscht werden sollte ist vielleicht sogar für immer weg. Ich hatte gehofft hier in der Zwischenwelt dich Heilen zu können aber hier war jemand mit genauer Kenntnis alter Mixturen und ihrer Anwendung am Werk. Jemand, der mindestens eine Ausgabe des Bearn besitzt und damit auch umgehen kann.«
Art sah sie nur mit großen Augen an.
»Aber wie soll ich mich wandeln, wenn ich nicht weiß wie?«
»Das kommt schon. Die Verwandlung geschieht ganz automatisch, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Da musst du dir keine Gedanken machen. Mehr Sorgen macht mir der Täter. Ich vermute, er wollte deinen Bearn. Die anderen Opfer waren ebenfalls Magier und im Besitz eines Bearn. Ich fürchte, es will jemand den Dunkel-Bearn erwecken. Wenn das stimmt, dann sind alle Wandler und Unwandelbaren in großer Gefahr. Ich habe sowas kommen sehen. Wigrids Fluch. Man hat mich immer belächelt, aber ich glaube, die Dunkel-Zauberin kehrt tatsächlich nach all den Jahren zurück. Ich habe auch noch mehr gesehen! Sie kann gestoppt werden. Artie, wenn mir etwas passieren sollte, dann musst du zu Tassilo gehen! Versprich mir das!«
»Wer ist Tassilo?«
»Dein alter Meister. Der Hofmagier deines Clans.«
»Aber was ist mein Clan?«
Art wirkte beinahe verzweifelt.
»Ach ja, entschuldige. Dein Clan ist der Clan derer von Wilhaim. Euer Kerngebiet ist das Oberland südlich von München. Du und deine Schwester...«
»Ich habe eine Schwester?«
»Ja, Artis. Ihr seid Zwillinge. Artis hat auch magische Begabung. Eure Mutter brachte Euch in gewandelter Form zur Welt, damit erhieltet ihr die Gabe. Ihr wurdet gemeinsam mit Kriemhild, der Tochter Tassilos, ausgebildet. Dann machtet ihr eine Dummheit.«
»Was für eine Dummheit?«
»Nun, ihr drei habt damals etwas Blödes angestellt. Daraufhin wurden Artis und Kriemhild nach England geschickt und du bist zu mir nach Hamburg geflohen.«
»Was haben wir denn angestellt?«
»Ist jetzt nicht so wichtig! Ich habe genug gesehen und gehört. Wir kehren jetzt zu den anderen zurück!«
Viviane strich mit dem rechten Zeigefinger über ihre linke Handfläche. Kurz darauf erwachte Art wieder in Vivianes Wohnung. Gespannt sahen Alice und Felix Viviane und Art an.
Knapp berichtet Viviane, was sie in der Seelenreise herausgefunden hatte.
Alice schüttelte fassungslos den Kopf.
»Ein Zauberer? Warum sollte er es auf Art abgesehen haben? Und was ist das für ein Gift?«
Viviane wischte das getrocknete Blut am Messer mit ihrer Schürze ab und steckte es zurück in die lederne Scheide.
»Mehr Sorgen macht mir, dass die getöteten Wandler alle Hundemagier waren und wie Art ebenfalls im Besitz einer Abschrift des … Moment! Etwas stimmt nicht. Ich rieche Katzen …«
Doch bevor Viviane weiterreden konnte flog die Eingangstür mit einem lauten Knall auf. Vier vermummte Gestalten stürmten in die kleine Wohnung und zückten Pistolen mit Schalldämpfern. Der erste Schuss traf Viviane ohne Vorwarnung in den Bauch. Felix riss sie gerade noch rechtzeitig zu Boden, bevor es sie noch einmal erwischen konnte. Doch die zweite Kugel, die für Viviane bestimmt war, traf Felix an der Schulter. Dieser blieb bewusstlos auf der alten Dame liegen. Sie waren offenbar nicht zufällig hier, das war kein simpler Raubüberfall. Der Kleinste der Gestalten gab ein paar knappe Befehle, worauf ein anderer mit einer schwarzen Kapuzenjacke über Viviane und Felix stieg und sich gezielt die Zaubersprüche von Bearn schnappte. Alice wollte dazwischen gehen, wurde aber von dem Größten am Hals gepackt. Er hob sie ein Stück hoch und begann sie zu würgen. Alice konnte mit ihren Zehenspitzen gerade noch den Boden berühren und schlug erfolglos mit ihren Fäusten auf ihren Angreifer ein. Rasch ließen ihre Kräfte nach. Verzweifelt schnappte sie nach Luft, Tränen schossen ihr in die Augen und langsam schwanden ihr die Sinne. Art war von der Trance noch weit weg. Er konnte das Ganze nur wie einen weit entfernten Traum wahrnehmen. Als plötzlich Alices erstickende Stimme an sein Bewusstsein drang. Eine unbekannte Wut stieg in ihm auf. Seine Gedanken wurden schlagartig glasklar und seine Sinne verschärften sich. Art spürte, wie eine merkwürdige Energie seinen Körper durchströmte. Um ihn herum bewegte sich die ganze Szenerie wie in Zeitlupe. Er zitterte am ganzen Körper. Art spürte die Wut, die Energie immer stärker werden. Er spürte, wie sich Haare auf seinem Körper bildeten. Sein Kiefer knirschte unwirklich als sich Fangzähne bildeten und sein Gesicht sich zu einer Schnauze mit spitzen Zähnen verformte. Die Hände und Füße bildeten sich in Pfoten um. Die Kleidung rutschte ihm herunter, während sein Körper sich zu einem weißen Wolf umbildete. Die Verwandlung passierte innerhalb weniger Sekunden. Es kam Art aber wie Stunden vor. Plötzlich sprang er auf und stürzte sich auf die Angreifer. Dem Großen, der Alice noch immer am Hals würgte sprang er ins Genick und biss ihm in den Hals. Dieser lies Alice sofort fallen und brach röchelnd zusammen, während Blut aus der Wunde sprudelte. Dann wandte er sich dem mit dem Buch zu. Flink huschte er zwischen seine Beine und brachte ihn zu Fall. Bevor dieser sich wieder aufrappeln konnte wurde seine Kehle von Arts Zähnen zerfetzt. Die Blutspritzer hinterließen ein bizarres Muster auf Vivianes Prielblumentapete. Die anderen Beiden richteten sofort ihre Waffen auf Art. Doch dieser war zu schnell und wich den Kugeln instinktiv aus. Einer von ihnen versuchte an das Buch zu kommen, doch Art beendete den Versuch blutig. Der überlebende kleine Eindringling funkelte Art böse an und verwandelte sich ein einen grauen Kater. Wütend fauchte er Art an und brachte ihm mit gekonnten Bewegungen einige unschöne Kratzer bei. Während Art sich irritiert das Blut von der Schnauze leckte, schnappte der Kater Vivianes Dolch, und stolperte hastig zur Tür. Rasch stürmte Art hinterher und packte ihn am linken Ohr. Der Kater fauchte vor Schmerzen und schlug seine Krallen in Arts Schnauze. Art ließ ihn jaulend los und der Kater konnte mit dem Dolch entkommen. Art knurrte ihm noch hinterher aber sprang dann rasch zu Alice, die regungslos am Boden lag. Vorsichtig leckte er ihr Gesicht. Zu seiner Erleichterung kam Alice rasch wieder zu sich. Sie setzte sich zitternd auf und hielt sich hustend den Hals. Zart streichelte sie über Arts Kopf. »Danke!«, hauchte sie leise. Auf allen Vieren krabbelte sie zu Felix und Viviane rüber. Art blieb irritiert zurück. Erst jetzt wurde es ihm wirklich bewusst. Er hatte sich gewandelt. Er war ein Wolf. Noch dazu ein Wolf, der gerade drei Männer totgebissen hatte. Ihr Blut klebte noch immer in seinem weißen Fell. Nachdem er den Schrecken überwunden hatte, versuchte er sich zu konzentrieren und es gelang ihm überraschend schnell wieder seine ursprüngliche Gestalt anzunehmen. Was er nicht bedacht hatte war, dass er nun nackt vor Alice stand. Diese kümmerte sich zu seiner Erleichterung gerade um den aufgewachten Felix. Rasch griff er zu seinen Klamotten, die blutverschmiert auf dem Boden lagen und zog sie sich angewidert über. Er hockte sich neben Alice, die Felix ein altes Handtuch gegen die Schulter presste.
»Wir müssen einen Krankenwagen rufen!«, meinte Art besorgt.
»Nein, zu viele Erklärungen! Ich habe während du dich zurückverwandelt hast über das Handy eine Spezialtruppe der Hüter-Gilde gerufen. Sie müssten bald eintreffen. Sie kümmern sich auch um diese Schweinerei hier.«, Alice hatte noch immer eine raue Stimme.
»Schön, dass du dich wieder wandeln kannst! Was macht Dein Gedächtnis?«
»Es ist, als ob sich langsam ein Nebel lichtet.«