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Kapitel 10 · Tassilo

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Innen bugsierte der Magier Art in die Wohnküche. Diese wurde von einem großen Kachelofen dominiert, der eine wohlige Wärme ausstrahlte. Gegenüber dem Kachelofen führte eine steile schwarze Holztreppe nach oben. Um den Kachelofen schlängelte sich eine Holzbank, die unter einem Berg Bücher und Bügelwäsche nur zu erahnen war. Davor stand ein alter Holztisch und zwei klapprige Stühle. In der Mitte des Tisches tummelten sich diverse Zeitschriften, ein altes Kofferradio, Wolle und Strickzeug, ein Bergkristall auf einem silbernen Gestell sowie benutzte Becher und eine Kanne Chai-Tee, die auf einem Stövchen vor sich hin köchelte. Tassilo räumte einige Bücher von der Bank und gab Art zu verstehen, sich zu setzen.

»Chai?«, wollte Tassilo wissen.

»Gerne«, log Art.

Tassilo nickte und fing sofort damit an, in der Wohnküche zu hantieren. Während er aus dem Geschirrschrank einen Becher angelte, ging plötzlich die Tür zur Treppe auf. Zwei ältere Frauen kamen heraus und steuerten den Chai-Tee auf dem Stövchen an. Das wäre an sich nicht ungewöhnlich gewesen, doch die Damen waren nackt. Erst als sie sich in die gebrauchten Becher einschenkten bemerkten sie Art.

»Oh, Arthur! Wieder zurück?«

meinte die kleinere der Beiden.

Art nickte nur und sah verlegen zur Seite.

Die Frauen gingen zu Tassilo und gaben ihm einen Kuss, nickten Art zu und verschwanden kichernd wieder die Treppe hinauf.

Tassilo grinste und reichte Art eine Tasse Chai.

»Du kennst ja Vroni und Geli.«

»Ja, aber beide auf einmal?«

»Gitti ist noch oben!«

Art beschloss lieber nicht weiter nachzufragen. Vroni, Geli und Gitti waren Bedienstete im Schloss seines Vaters. Schon früher traf sie Art bei Tassilo. Aber alle drei auf einmal, das war neu.

»Viviane wollte, dass ich zu dir komme«

und setzte nach

»tut mir leid, dass ich damals so einfach abgehauen bin.«

»Bist du nicht!«

»Bin ich doch! Und das Bearn habe ich auch mitgehen lassen!«

»Weiß ich. Aber du bist nicht einfach so abgehauen!«

»Was meinst du?«

»Es war geplant!«

»Geplant?«

»Geplant! Freiwillig wärst du nie zu Viviane gegangen!«

Art war sprachlos.

»Schnell bemerkte ich deine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Ich wusste, dass ich dir nicht die Ausbildung geben konnte, die du brauchtest. Aber du musstest aus eigenem Antrieb zu Viviane gehen. Ich musste nur noch dafür sorgen, dass du den Familien-Bearn mitnimmst. Also habe ich ihn ganz zufällig im Labor liegen lassen.«

Art verstand die Welt nicht mehr. Sein Weggang, die Ausbildung bei Viviane. Der Klau des Bearn. Alles geplant?

»Viviane gab mir recht. Du bist etwas Besonderes. Leider konnte sie deine Ausbildung nicht mehr beenden. Ich habe inzwischen gehört, was in Hamburg passiert ist.«

»Viviane glaubte, dass es jemand auf den Spruch der 49 abgesehen hat.«

»Wenn die Morde wirklich im Zusammenhang mit dem Bearn stehen, dann müssen wir uns auf einen mächtigen Feind einstellen. Sagte Viviane noch irgendetwas zu dir?«

»Sie erwähnte eine Wirsing oder so.«

»Wigrid! Der Schatten-Bearn...«

Tassilo wurde blass und wirkte nachdenklich.

»Viviane erzählte etwas davon!«

»Der Schatten-Bearn. Es heißt, dass dort wo Licht ist es auch Schatten gibt. Nun, mit dem Bearn ist das wohl ähnlich. Ich habe Viviane nie geglaubt, aber es scheint wohl zu stimmen.«

»Was stimmt?«

»Die Legende vom Schatten-Bearn. Im Dreißig-Jährigen-Krieg ist das Bearn in die Hände einer Schwarz-Magierin gefallen.«

»Wigrid?«

»Wigrid. Sie setzte unbekannte dunkle Kräfte aus dem Bearn frei. Als es gelungen war sie zu binden, wurden die Sprüche aufgeteilt. Das Original verbrannte zusammen mit Wigrid auf dem Scheiterhaufen. Man sagt, dass die dunkleren 7 Abschriften des Bearn diejenigen sind, die sich im Besitz der Katzen befinden. Da diese mit Wolfs-Zaubersprüchen nichts anfangen können, glaubte man sie dort sicher. Der Rest ist bei den Hunde-Clans verteilt. Die Legende sagt aber auch, dass wenn alle 49 Bände wieder vereint sind und durch den Spruch der 49 wieder aktiviert, dann kehrt Wigrid zurück und greift nach der Macht über Wandler und Unwandelbare. Das ist dann das Ende der Welt, wie wir sie kennen.«

»Kann man sie stoppen?«

»Nun wir müssen verhindern, dass sie alle Bearn in die Finger bekommt. Viviane hat schon lange Vorahnungen gehabt. Nach Eurem kleinen Fauxpas wollte ich damals, dass du zu ihr gehst. Sie konnte Dir die Ausbildung geben, die du brauchtest. Sie spürte auch, dass dein Weg dich zum Hüter des Bearn führen wird. Jetzt muss ich dich leider doch fertig ausbilden. Naja, ich bin ja nicht von ungefähr Berater des Hohen Rates. Aber ich habe ja Hilfe...«

Tassilo zeigte auf den Bergkristall.

»Hilfe?«

Der Bergkristall fing an bläulich zu leuchten und ein knackendes Surren ging von ihm aus. Plötzlich konnte Art leise eine Stimme wahrnehmen, die aus dem Kristall zu kommen schien.

»Viviane?«

Art sah ungläubig den Kristall an.

Die Werwölfe vom Oberland

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