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Kapitel 9 · Arts Clan

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Es dämmerte und die Lichter der Autos spiegelten sich im Schnee. Der schwarze 5er BMW-Kombi fuhr langsam die Bundesstraße Zwei in Richtung Weilheim. Art war zuhause. Doch statt wie gewohnt auf Höhe Kerschlach zum Familiensitz abzubiegen fuhren sie weiter in Richtung Weilheim und auf den Hirschberg zu.

»He! Sind wir nicht zu weit?«

Wollte Art Wissen.

Udo, der am Steuer saß, antwortete prompt.

»Nein. Der Alte meinte ihr sollt erst mal durchgecheckt werden. Im Krankenhaus in Weilheim warten sie bereits. Außerdem sollst du dich gleich danach mit dem Hofmagier treffen.«

»Tassilo. Scheinbar wusste er bereits Bescheid.«

Art ließ sich zurück in den Sitz fallen. Ausgerechnet Tassilo. Einer der Gründe, warum er damals Hals über Kopf abgehauen war.

Durch die Unruhe wurde Alice wach und blinzelte aus dem Fenster. Ihr Blick schweifte über ein großes Tal, in dem sich Lichter wie Sterne unregelmäßig verteilt hatten. Hin und wieder ragten Kirchtürme empor, die von starken Scheinwerfern angestrahlt wurden. Im Westen blitze die Kuppel der alten Sattelitenanlage von Raisting hervor und erinnerte an einen gigantischen Golfball, der darauf wartete von einem Riesen abgeschlagen zu werden. Das Mondlicht wurde von dem Schnee reflektiert, der wie Zuckerguss über der Landschaft lag.

»Schön?«

Fragte Art

Alice nickte.

»Meine Heimat!«

Alice schmunzelte und schloss bis zur Klinik in Weilheim wieder die Augen.

Das Kreiskrankenhaus in Weilheim lag zentral in der Stadt. Udo fuhr den BMW direkt an den Haupteingang, wo bereits ein paar Schwestern warteten. Udo und Mirko blieben draußen und kümmerten sich um Lon, der Alice sehnsüchtig nachsah. Innen war das Krankenhaus eine typische Kleinstadtklinik. Mit der typischen Einrichtung und dem typischen Geruch nach Bohnerwachs und Desinfektionsmittel. Vor der geschlossenen Cafeteria saßen eine Handvoll älterer Männer in Bademänteln, die stumm in ihre Bierflasche starrten. Alice und Art wurden in den Lift gebracht. Die älteste der Schwestern grinste kurz und drückte dreimal auf den Knopf »U«. Länger als nur eine Etage bewegte sich der Lift in den Untergrund. Hier unten war alles anders. Nach ein paar Tür-Schleusen wich die Krankenhaustypische Wandfarbe geometrischen Mustern. Linien, die komplizierte Knoten bildeten. Ähnlich keltischer Knoten. An den Wänden hingen alte Ölbilder in unpassenden goldenen Rahmen. Die Motive zeigten allesamt Wölfe in verschiedenen Epochen.

»Vorfahren von mir.«

meinte Art trocken.

»Mein Clan hat seit Bestehen der Klinik 1877 hier einen eigenen Bereich für Wandler.«

Alice sah sich ungläubig um, während sie in eine Art Wartezimmer geführt wurden. Statt unbequemen Stühlen standen hier Sessel aus schwerem schwarzen Leder. Statt Illustrierten gab es gebundene Klassiker.

»Der Professor kommt gleich!«

Die Schwestern schenkten ihnen noch ein Glas Wasser ein und verschwanden.

»Professor?«

Alice sah Art stirnrunzelnd an.

»Professor Heselloher. Unser Familienarzt. Nicht mehr der Jüngste, aber kompetent!«

»Klar...«

Kaum dachte Alice ihren Satz zu Ende, ging auch schon die Tür auf und ein kauziger alter Mann mit einer leicht gebückten Haltung trat ein. Über den Rand seiner Lesebrille blickten zwei jungenhafte schelmische Augen. Er strich sich erst über seine Halbglatze und dann über seinen struppigen Kinnbart. Nach einer Pause meinte er:

»Na, das wurde aber auch Zeit, dass du dich mal wieder blicken lässt Art! Hier ist einiges passiert, seit du weg bist. Fräulein Alice. Hoch erfreut. Ich lasse euch auf Herz und Nieren untersuchen. Schwester Magda holt euch gleich. Aber als erstes nehme ich euch Blut ab.«

Angestochen, abgeklopft und abgehört saßen Alice und Art nach gefühlten 10 Stunden wieder im Warteraum. Leicht genervt blätterte Alice in einer alten Ausgabe von Goethes »Faust« während Art versuchte in den alten Sesseln irgendwie eine bequeme Stellung zu finden. Schwester Magda, eine hagere ältere Krankenschwester, erlöste sie schließlich und holte Alice und Art in das Sprechzimmer des Professors. Der saß hinter einem riesigen Schreibtisch aus dunklem Holz und blätterte in Berichten. Ohne aufzusehen deutete er an, dass sie sich setzen sollten. Zögernd nahmen Art und Alice auf den bereitstehenden Stühlen Platz. Der Professor schob seine Brille auf die Nasenspitze und sah von den Papieren auf.

»Die Kollegen aus Stellingen haben mir eure Berichte gemailt. Ich konnte also die Daten gleich vergleichen. Arthur. Dir geht es den Umständen entsprechend gut. Das Theobromin scheint keine bleibenden Schäden hinterlassen zu haben. Deine Cholesterinwerte lassen allerdings zu wünschen übrig.«

Alice musste kichern.

»Nun zu ihnen Alice. Sie haben keine Kräfte um sich zu regenerieren. Dennoch sind ihre Werte optimal. Arthur, die Ergebnisse habe ich bereits an ihren Vater übermittelt. Alice soll sofort ins Schloss gebracht werden. Ihre Cousine Sophia wird sich ihrer annehmen. Sie Art, werden zuerst zu Tassilo gebracht.«

Schwester Magda kam herein und führte Alice hinaus. Kurz darauf wurde Art von Udo und Mirko abgeholt. Diese fuhren mit ihm außerhalb von Weilheim. Im Waldgebiet mit dem Namen »Hardt« bogen sie auf einen Feldweg ein. Nach mehreren hundert Metern erreichten sie ein altes Haus auf einer Lichtung. Das Haus erinnerte an das Hexenhaus aus dem Märchen. Umringt von hohen Tannen, ein alter Brunnen im Garten, der aus zahllosen Kräuterbeeten bestand. Als das Auto auf den Hof fuhr, öffnete sich die Tür und ein alter Mann trat heraus. Sein Äußeres war bis auf seine langen weißen Haare, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren, wenig das eines Zauberers. Alte zerrissene Jeans, Drei-Tage-Bart, Birkenstock Latschen und ein verwaschenes »Deep Purple« T-Shirt rundeten das Erscheinungsbild ab. Tassilo grinste als er Art sah. Art war unbehaglich zumute. Tassilo war einer der Gründe, warum er abgehauen war...und warum er den Familien-Bearn hatte mitgehen lassen. Eigentlich sollte Art bei Tassilo zum Magier ausgebildet werden, doch hielt er nicht viel von dessen Methoden. Auch wenn dieser bereits seit vier Generationen der Hofmagier seines Clans war. Im Streit ist Art dann gegangen. Hals über Kopf und mitten in der Nacht. Ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Er wusste nur, dass er Viviane in Hamburg finden musste. Diese hatte Tassilo ausgebildet und galt als Weiseste unter den Wolfs-Magiern. Unschlüssig sah Art zu Udo und Mirko. Diese deuteten ihm an auszusteigen. Zögernd stieg er aus und ging auf Tassilo zu. Dieser grinste und kam Art entgegen.

»Hallo Tassilo.«

meinte Art verlegen doch Tassilo grinste weiter und drückte Art an sich.

»Artie! Endlich bist du wieder zu Hause! Komm herein, wir haben viel zu bereden. Sehr viel!«

Tassilo zeigte auf sein Häuschen und schubste Art in die Richtung des Eingangs.

Die Werwölfe vom Oberland

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