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ELLA

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Ganz in meinem Element tanze ich den bescheuertesten Schulmädchentanz, den es gibt. Er scheint aus nichts anderem zu bestehen, als mit dem Allerwertesten zu wackeln. Mit dem Abwaschen bin ich fertig, halte aber immer noch meinen Spülbürste in der rechten Hand. Das perfekte Mikrofon, wie ich finde, also singe ich lauthals mit. Hoffentlich hört mich keiner. Hätte ich nur die Tür zum Garten zugelassen, schelte ich mich selbst. Bei dem Refrain muss ich mich jetzt aber so richtig ins Zeug legen. Voller Inbrunst singe ich und beginne, mich um meine eigene Achse zu drehen. Während der Drehung öffne ich meine Augen, aus Angst mir blaue Flecken zu holen und sehe - Tom.

Wie erstarrt bleibe ich stehen, mich durchfährt ein riesiger Schreck, sodass ich zusammenzucke und dabei das Gleichgewicht verliere. An meiner Arbeitsplatte kann ich mich gar nicht mehr halten, da meine Reaktion nicht so schnell einsetzt, wie sie es sollte, und deshalb haut es mich mit voller Wucht auf meinen Küchenfliesenboden. Rums! Au. Die ganze Situation ist so peinlich, dass sie eigentlich gar nicht wahr sein dürfte. Ich muss ausgesehen haben wie der bekannte Elefant im Porzellanladen und mich dabei angehört - na ja, darüber mag ich lieber gar nicht erst weiter nachdenken. Tom steht auf einmal vor mir, macht die laute Musik aus und schaut dabei total schuldbewusst drein. Er reicht mir helfend beide Hände, um mich vom Boden hochzuziehen und erklärt mir, warum er in der Tür stand und entschuldigt sich. Ich halte nur noch meine Hände schützend vor mein Gesicht, in der Hoffnung, dadurch einfach unsichtbar zu werden. Nachdem er sich seinen Spaß erlaubt hat, schlage ich ihm scherzhaft auf die Brust. Als er dann meine Hand nimmt, prickelt es ungemein in mir. Es fühlt sich gut an, von ihm gehalten zu werden. Als wir dann nach einem kurzen Moment immer noch Hand in Hand auf meiner Terrasse stehen und er mir meinen neuen Mitbewohner vorstellt, kann ich nicht mehr an mich halten. Ich habe lange nicht mehr so gelacht. Nicht nur, dass ich über die Situation von vorhin lachen muss, sondern auch über ehemals Herbert, jetzt Alois.

Verstohlen schaue ich immer wieder auf unsere ineinander verschlungenen Hände. Ein leichtes Kribbeln macht sich in meinem Bauch bemerkbar. Tom ist absolut mein Typ und dann holt er auch noch einen neuen Zwerg. Viele Männer würden mir bei meiner Leidenschaft einen Vogel zeigen, aber er nicht, er hält sogar auch noch meine Hand.

Ich bedanke mich, für meine Verhältnisse, recht schüchtern mit einem leisen: »Danke für Alois«. Seine Finger streifen meine Wange, als er mir eine lose Haarsträhne hinter mein Ohr schiebt. Jetzt oder nie, beginnt mein Herz zu flattern. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und hauche ihm einen Kuss auf seine Wange. »Bis später«, flüstere ich, lasse seine Hand los und gehe durch meine Terrassentür in mein Wohnzimmer zurück. Was hätte ich denn sonst auch machen sollen? Ich bin nicht gut in solchen Dingen. Im Flur, außer Sichtweite von Tom, lehne ich mich an die kühle Wand, schließe meine Augen und atme tief durch.

Am späten Nachmittag gehe ich duschen und ziehe mich an. Nach langer Überlegung, ob ich ein Kleid oder doch lieber Jeans anziehen soll, entscheide ich mich für eine braune Wildleder-Hotpants und ein cremefarbenes, ärmelloses Shirt. Dazu wähle ich passenden Schmuck und meine braunen liebsten Wildleder-Zehentrenner. Meine Haare trage ich heute offen und über die Schulter hängend. In meinem Schmuckkästchen habe ich cremefarbene Federohrringe gefunden, die mein Outfit gekonnt ergänzen. Perfekt. Ich fühle mich wohl und lächele mir zu, als ich mich ein letztes Mal im Spiegel betrachte. Ich trage noch rasch farblosen Lipgloss auf und dann kann der Abend starten.

Im Garten angekommen, decke ich den Esstisch für vier Personen, richte alles nett her und lege coole Lounge-Musik auf. Daraufhin gönne ich mir schon mal ein Glas von meiner leckeren Bowle und warte entspannt auf meine Gäste.

Gartenzwerge küsst man nicht

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