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Die Bambusratte

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Die verschneiten Berggipfel schimmerten hell im Mittagslicht. Auf diesen hohen Gipfeln taute es nie, blieb der Schnee auch im Sommer. Darunter auf den Matten unterhalb der steinigen Steilhänge aber leuchtete es von frischem Grün, durchzogen von silbrigen Strängen glitzernder Gebirgsbäche. Nur ein paar zerfasernde Wolkenfetzen trieben auf halber Höhe um die Gipfel, warfen seltsam wandernde Schatten auf die schroffen Felswände.

Palu fühlte sich schläfrig. Er saß bequem am Rand des Bambuswaldes und wartete auf seine Mutter. Längst war er satt, den rundlichen Bauch gefüllt mit Bambussprossen. Er brauchte noch nicht so viel wie die Bärin. Und er genoß zufrieden dösend die Wärme der Sonne.

Mit einem Mal lauschte er aufmerksam, hob seine Nase schnuppernd in die klare Luft. Zwischen dem trockenen Bambusgestrüpp vom Vorjahr raschelte es verdächtig. Irgend etwas wuselte dort am Boden herum, gar nicht weit von seinem Ruheplatz. Und das Rascheln kam näher.

Neugierig wandte er seinen Kopf in die Richtung. Jetzt bekam er auch einen Duft in die Nase, einen fremden Duft. Doch in dem Gewirr aus alten Blättern und Stengeln war nichts zu erkennen, nur ab und zu eine rasche Bewegung im Laub. Danach herrschte wieder Stille.

Palu gähnte, lehnte sich müde wieder zurück. Er ließ sich nicht gern im Schlaf stören, vor allem, wenn er so vollgefuttert war wie jetzt. Und träge schloß er seine Augen.

Lange aber währte seine Ruhe nicht. Drüben am buschigen Rand des Mischwaldes hämmerte dröhnend ein Specht, unterbrach sich plötzlich und strich ab. Irgend etwas schien ihn gestört zu haben.

Palu blinzelte unwirsch ins Sonnenlicht. Trotz seiner Müdigkeit wurde er wachsam. Er hatte ein angeborenes Gespür für Gefahren. Und jetzt sah er, was den Specht offenbar zur Flucht veranlaßt hatte. Einige der Ahornwipfel neben dem abgestorbenen Hämmerbaum des Spechtes bewegten sich.

Dort standen einige Takins auf den Hinterbeinen und ästen die Blattknospen von den Zweigen. Es war eine ganze Herde, die auf ihrer Frühjahrswanderung in die höheren Gebirgsregionen hier durchzog. Leuchtend goldgelb schimmerte das Fell der beiden Bullen im Schein der Sonne, daneben silbrig glänzend das der zwei Kühe. Nur das Kalb im Halbschatten wirkte dunkler. Manchmal stießen sie mit ihrem Gehörn gegen die Äste. Und das hatte den Specht vertrieben.

Palu beruhigte sich wieder. Diese großen plumpen Hornträger mit dem zottigen Fell kannte er. Takins waren harmlose Pflanzenfresser. Von ihnen war nichts zu befürchten. Und wo Takins ästen, drohte auch sonst keine Gefahr.

Doch kaum war Palu wieder eingeschlafen, raschelte es erneut im Bambusdickicht, unweit der alten Stelle. Jetzt wurde Palu munter. Er wollte wissen, was da raschelte. Und diesmal sah er nicht nur eine Bewegung im trockenen Blättergewirr. Etwas Kleines huschte über den Boden, mit grauem Fell und spitzer Schnauze. Es war eine Bambusratte. Und sie war gerade dabei, einen Bambusschößling anzuknabbern.

Palu schnupperte erregt. Das war der Geruch von vorhin: Rattengeruch. Neugierig tappte er auf die Bambusratte zu. Doch sie war schneller als Palu. Raschelnd verschwand sie durch das Gestrüpp im Bambuswald.

In diesem Augenblick kam Palus Mutter von ihrer Bambusmahlzeit zurück. Und sie entdeckte die flüchtende Bambusratte, gerade als sie unter dem Blättergewirr entkommen wollte. Blitzschnell änderte sie ihre gemächliche Gangart. Und sie erwischte die Bambusratte mit ihrer Pranke, setzte sich hin und begann sie aufzufuttern.

Aufmerksam beobachtete Palu seine Mutter. Daß Bambusratten für Pandas genießbar waren, wußte er noch nicht. Doch offensichtlich schien sie der Bärin zu schmekken. Bedächtig verspeiste sie die Bambusratte samt den Haaren. Nur Palu hatte noch keinen Appetit auf Rattenfleisch.

Er wollte lieber wieder etwas Milch, die er ab und zu noch bekam. Und seine Mutter ließ ihn geduldig trinken, als er sie auffordernd stupste. Danach stapfte sie mit Palu zum Bach, um ihren Durst zu stillen.

Dabei bemerkte sie die Takinherde, die gerade den Bergbach überquerte und die Richtung zum Bambuswald einschlug. Sie wußte, was das bedeutete. Wo eine ganze Herde Takins äste, blieb bald nicht mehr viel Bambus übrig. Und sie selbst hatte mit Palu schon die meisten frischen Schößlinge abgegrast. Außerdem schätzte die scheue Pandabärin ihre Ruhe.

Es wurde Zeit, einen neuen Futterplatz zu suchen. Und Palu brauchte keine schützende Baumhöhle mehr. Groß genug war er inzwischen. Und er war auch kräftig genug für eine Wanderung in die Berge.

Als die Bärin sich sattgetrunken hatte, kehrte sie nicht mehr zur Wurfhöhle in dem alten Baumstumpf zurück. Und Palu tappte folgsam hinter ihr her.

Palu, der Panda

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