Читать книгу Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg - 991 Seiten - Ludwig Strackerjan - Страница 10

Kapitel 8

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169.

Der Nachspuk besteht in dem Wiedererscheinen der

Geister verstorbener Menschen. Er ist es, an den man

zunächst denkt, wenn vom Spuk die Rede ist. Die

spezielle Benennung ist indessen Naspok, Nalop,

Weddergahn; die wiederkehrenden Geister heißen

Geister, Gespenster, Spokgänger, Weddergänger, der

und jener geht wieder, kommt wieder, geht um, spukt.

Der Glaube an Nachspuk ist nicht mehr so verbreitet,

wie der Glaube an Vorspuk. »An Vorspok glow ick

woll, man nich an Naspok,« kann man oft genug

sagen hören, und »wär dod is, let sin Kiken«, oder

»wär dod is, de liggt«, setzt man denen entgegen, welche

von Wiedergängern erzählen.

170.

Das Wiedergehen ist den Seelen eine Qual. Bis zu der

Auferstehung, welche das Christentum allen verheißt,

verlangt die Seele Ruhe, und wenn sie ihrer entbehren

muß, erleidet sie dieselbe Pein, wie der Lebende, der

des Schlafes entbehrt, nur geschärft durch Gewissensbisse,

durch unaufhörliche und fast immer fruchtlose

Bemühungen, die Ruhe zu gewinnen; sie empfindet

einen Vorgeschmack der Hölle, zuletzt die Martern

der Hölle selbst. Es ist also eines jeden Pflicht zu sorgen,

daß er nicht durch seine Schuld einen Verstorbenen

wiedergehen mache, daß er einen Wiedergänger

von seiner Unruhe befreie. Nicht jedes gestorbenen

Menschen Seele zeigt sich später auf Erden wieder,

vielmehr bleibt es immer eine Ausnahme, wenn es geschieht,

und wenn es geschehen soll, muß irgend ein

starkes Band die Seele an die Erde fesseln und die

vollständige Trennung verhindern. Meist aber ist es

eine eigene oder fremde Schuld, welche diese Fessel

knüpft. Nur einmal, heißt es, muß j e d e Seele wieder

erscheinen, nämlich drei Tage nach dem Tode.

171.

Wenn man einer Leiche nicht die gebührende Achtung

erweist, wenn namentlich die Feierlichkeit, welche

den Gestorbenen aus aller Gemeinschaft mit den

Lebenden loslöst und der ewigen Ruhe übergeben

soll, wenn die Beerdigung nicht nach Recht und Sitte

vor sich geht, so bringt man den Toten nicht zur

Ruhe, er kommt wieder und fordert sein Recht. So

geht der Tote wieder, wenn man ihm seine volle Totenkleidung

nicht mitgibt; wenn man ihm die Hobelspäne

vom Sarg und die Nadel, mit welcher das Totenhemd

genäht ist, nicht in den Sarg legt (Saterld.);

wenn man nicht, sobald die Leiche aus dem Hause getragen

ist, sofort das Herdfeuer ausgießt (Stollhamm);

wenn im Hause, während die Leiche über der Erde

steht, etwas rundum geht (Holle); wenn die Leiche

nicht tief genug begraben wird (636); wenn man die

Leichen beraubt oder mit den Gebeinen Begrabener

Spott und Unfug treibt. Pflückt man von einem Grabe

eine Blume ab, so spukt es dort, wo die Blume

schließlich hingeworfen wird.

a.

Eine Verstorbene, der man aus Sparsamkeit nur einen

Aermel in das Totenhemd genäht hatte, ging allnächtlich

wieder, weil ihr nicht ihr Recht geschehen war.

Endlich reichte man einen Hemdärmel hin. Sie nahm

ihn an und verschwand auf immer (Hammelwarden).

– Eine Frau hatte bestimmt, sie wolle in dem

Hemde, das sie während der Krankheit getragen, begraben

werde. Die Verwandten kamen dem Wunsche

nicht nach. Seitdem ist die Verstorbene in jeder Nacht

zwischen 12 und 1 Uhr gekommen und hat sich weinend

vor den Leinenkoffer hingestellt. Schließlich

haben die Hausleute das Hemd, das die Frau als

Kranke getragen, auf den Koffer gelegt. Als in der folgenden

Nacht die weiße Gestalt wieder erscheint und

das Hemd sieht, hat sie es an sich genommen, gelacht,

und ist davongegangen und nie wieder gekommen

(Zwischenahn).

b.

Einst ging ein Verstorbener wieder und kam immer

näher, zuletzt so nahe, daß er sich auf die Eimer setzte,

woraus das Vieh trank. Da holte man katholische

Geistliche, um den Spuk zu bannen, aber sie richteten

nichts aus, bis endlich ein ganz junger Pastor kam.

Als der Geist wieder erschien, nahm der Pastor eine

Bibel unter den Arm, zog mit einem Stocke einen

Kreis auf dem Fußboden und sprach: »Bis hierher und

nicht weiter!« und der Geist stand still. Der Pastor

fragte: »Was willst du?« Der Geist erwiderte: »Sie

haben mir versprochen, mir das Leichentuch mitzugeben,

und haben es nicht getan.« Der Pastor ließ sich

das Leichentuch bringen und hielt es dem Geiste hin.

Dieser faßte es am Zipfel, der Zipfel riß ab, und der

Geist verschwand, ist auch nicht wiedergekommen.

Das Tuch ohne den Zipfel wurde noch lange aufbewahrt,

aber es war nicht möglich, einen Zipfel wieder

daran zu nähen, weil er stets sofort wieder abfiel.

(Westerstede.)

c.

Eine arme Frau zu Harrien bei Brake vertraute auf

ihrem Sterbebette einer andern Frau, daß in ihrem

Bettstroh fünfzehn Taler verborgen seien, wofür sie

anständig beerdigt werden wolle. Die Frau versprach

zwar, für die Beerdigung sorgen und das Geld dazu

verwenden zu wollen, aber nachdem die Kranke verstorben

war, nahm sie das Geld und behielt es für

sich. So wurde denn die Verstorbene von Armen

wegen in einem platten Sarge begraben. Seitdem erschien

sie allnächtlich wieder und sah nach dem

Gelde im Bettstroh, bis sie endlich von einem Pater

auf den Harrier Sand gebannt sein soll.

d.

In einem Dorfe unweit Hage in Ostfriesland verstarb

einst eine alte Frau, welche auf ihrem Sterbebette den

dringenden Wunsch ausgesprochen hatte, man möge

bei ihrem Grabe ein Kreuz eingraben. Die Angehörigen

hatten versprochen, den Wunsch zu erfüllen, aber

es verging ein Tag nach dem andern, ohne daß sie

dazu kamen. Da erschien der Geist der Verstorbenen

und bald fast jeden Abend und beunruhigte die Hinterbliebenen.

Endlich faßte die Tochter Mut und redete

eines Abends den Geist an: »Was ist dein Begehr,

daß du uns jeden abend in unsrer Ruhe störst?« Da

antwortete der Geist: »Nicht ich störe euch, sondern

ihr beraubt mich meiner süßen Grabesruhe, indem ihr

euer Versprechen nicht erfüllt und zögert, ein Kreuz

auf mein Grab zu setzen!« Nun beeilten sich die Angehörigen,

das Kreuz herzurichten, und seitdem ist

der Geist nicht wieder erschienen.

e.

Ein Mann hatte bestimmt, daß aus einem von ihm

ausgewählten Eichbaum seines Gehölzes nach seinem

Tode sein Sarg angefertigt werde. Es kam aber nicht

dazu, der Baum blieb stehen, sei es, weil man auf den

Wunsch des Verstorbenen nichts gab oder weil der

Wunsch in Vergessenheit geraten war. Seitdem hatte

der Mann keine Ruhe im Grabe. Des Abends stieß er

die obere Haustür offen und zur selben Zeit hörte man

im Gehölz, wo der Eichbaum stand, ein Klopfen, als

wenn Holz geschlagen werde. Später ließ der Erbe

das Gehölz abschlagen, damit hörte das Klopfen auf.

Die Haustür flog noch eine zeitlang offen, dann hörte

auch dies auf. (Zwischenahn.)

f.

Eines Pastoren Frau wurde sehr krank an einem

Beine, und alle ärztliche Hilfe war vergebens. Da ließ

der Pastor einen Wunderdoktor kommen und gab diesem

die Frau in Behandlung. Dieser erklärte, die Frau

könne wohl gesund werden, aber dann müsse ihr das

Bein abgenommen und dafür ein goldenes angesetzt

werden. Der Pastor ließ schnell ein goldenes Bein machen

und der Wunderdoktor setzte es an die Stelle des

kranken. Nun wurde die Frau gesund. Nach längerer

Zeit jedoch wurde die Frau abermals krank und starb,

und als sie begraben wurde, legte ihr der Pastor das

goldene Bein mit in den Sarg. Die Magd aber, die das

goldene Bein bei Lebzeiten oft gesehen und nun auch

gesehen hatte, daß es mit in das Grab gekommen war,

ging des Abends heimlich zum Grabe und holte das

Bein wieder heraus, nahm es mit nach Hause und verschloß

es in ihre Kiste. Als sie am nächsten Abend

sich auskleidete, hörte sie vor ihrem Kammerfenster

eine Stimme, die rief: »Min golden Been, min golden

Been!« Die Magd fürchtete sich und ging schnell zu

Bette. Am andern Morgen erzählte sie dem Pastoren,

was sie gehört, sagte aber nicht, daß sie das goldene

Bein genommen habe. Der Pastor antwortete: »Wenn

du die Stimme wieder hörst, so frage: Wär hett din

golden Been?« Als nun am Abend die Stimme wieder

rief: »Min golden Been, min golden Been!« fragte die

Magd: »Wär hett din golden Been?« Da rief die Stimme:

»Du hest min golden Been!« Die Fenster wurden

zertrümmert, eine weiße Gestalt stand vor der Magd

und gab ihr einen Schlag, daß sie tot zu Boden sank,

dann nahm der Geist das goldene Bein aus der Kiste

und verschwand. (Jeverld.)

g.

Aus der Begräbniskapelle zu Oldenburg waren einst

mehrere wertvolle Sachen gestohlen, daher stellte man

nachts Schildwachen dort auf. Es war ein schlechter

Posten, und mancher Soldat hat ihn verlaufen, weil er

die vorspukenden Leichenzüge und andere Spukereien

nicht hat sehen mögen. Einmal erscheint dem Posten

auch eine weiße Gestalt und winkt ihn heran. Der Soldat

flieht und macht dem Offizier der Wache Anzeige.

Der kommt sofort und sieht auch die weiße Gestalt,

geht aber nicht hin. Andern Tags liegt auf der Stelle,

wo der Geist gestanden, ein goldener Ring, einer der

gestohlenen Ringe.

h.

»Einmal hatte ich die Leiche einer Frau anzukleiden.

Die Verstorbene trug an der Hand zwei Ringe, und

eine Verwandte, welche die Sachen im Hause besorgte,

gab mir auf, die Ringe herunterzuziehen. Die

Ringe saßen aber sehr fest, und ich mußte mich ordentlich

dabei abquälen, bis ich endlich nach vielem

Ziehen die Ringe von den Fingern herabkrigte. In den

folgenden Nächten aber verspürte ich in meinen eigenen

Fingern ein Ziehen und Strecken, das sehr

schmerzhaft war, und ich hatte eine Empfindung, als

wenn eine kalte Totenhand sich an meine Hand lege.

Das kam mehrere Nächte wieder, sodaß ich zuletzt

ganz krank davon wurde. Endlich ging ich zu jener

Verwandten und klagte ihr meine Not, und sie war so

gütig, daß sie die beiden Ringe der Toten wieder in

den Sarg legte. Seitdem verschwanden die Schmerzen,

und ich wurde nicht weiter beunruhigt.« (Oldenbg.)

i.

Als einst ein Mann von Isens den alten Waddenser

Kirchhof passierte, der außerhalb Deiches liegt und

von den Wellen blosgespült ist, fand er einen langen

menschlichen Beinknochen, griff ihn auf und sprach,

indem er seinen Weg fortsetzte: »Du sollst mein

Handstock sein.« Aber plötzlich befiel ihn ein unsäglicher

Schmerz im Beine, hörte auch nicht eher wieder

auf, als bis der Mann den Beinknochen wieder an seinen

früheren Ort brachte (Var. Oldenb. auf der Oldenb.

Bibliothek, Waddensia).

k.

In Golzwarden saßen einst spät abends Zecher im

Wirtshause. Da kam die Rede auf Gespenster und

einer meinte, er fürchte sich nicht vor den Toten. Zuletzt

wettete er, daß er in der Mitternachtsstunde auf

den Kirchhof gehen und einen Totenkopf aus dem

Leichenhause holen wolle. Er ging auch hin und griff

unter den Knochen herum, bis er einen Totenkopf

fand. »Den hebb ick funnen,« sagte er für sich. Da

antwortete eine Stimme: »Dat is m i n Kopp.« Er

warf ihn fort, suchte und fand einen zweiten und

sagte: »Da hebb ick wedder een.« Gleich erklang es:

»Dat is min Vader sin Kopp.« Der Mann warf den

Kopf fort und suchte den dritten. »Da hebb ick den

drüdden,« rief er, als er wieder einen gefunden hatte.

Da erklang es zum dritten Male: »Dat is min Grotvader

sin Kopp.« »Un wenn he den Deuwel sine Grotmoder

tohört, so nehm ick'n doch mit,« rief er und

eilte mit dem Kopfe davon, aber Angst hatte er doch,

und als er bei seinen Genossen ankam, war er im

Schweiß gebadet. (Wird auch in Dinklage erzählt.)

l.

Einst wurde zu Großenmeer ein Verbrecher an einem

Kreuzwege gehängt und unter dem Galgen eingescharrt.

Viele Jahre nachher ritt ein Landmann aus

Oldenbrok in trunkenem Zustande abends spät vom

Oldenburger Pferdemarkte nach Hause. Als er an die

Grabstätte des Gehängten kam, rief er: »Jan, wolltu

mit?« »Ich kam all,« scholl eine Antwort zurück, und

gleich darauf fühlte der Reiter jemand hinter sich auf

dem Pferde, der ihn mit beiden Armen umfaßte. Da

gab er seinem raschen Fuchse die Sporen, und scharf

setzte sich derselbe in sausenden Galopp. Ein Glück

für den Reiter, daß er seinem Hause so nahe war,

doch leider war der Rollbaum vor dem Gehöfte geschlossen.

Aber der Fuchs ging in mächtigem Satze

über ihn hin und stand bald keuchend vor der noch offenen

Haustür. Der Reiter sprang rasch vom Pferde

und sah zurück, da stand der Unhold, der ihn begleitet

hatte, über den Rollbaum gelehnt und winkte ihm Abschied

nehmend zu. Nie hat dieser Landmann später

den Gehenkten wieder zum Mitreiten eingeladen. –

Vgl. 184 i-m.

172.

Ferner spuken diejenigen, welche in Folge eigener

oder fremder Missetat (Selbstmord) oder sonst auf gewaltsame

Weise ums Leben gekommen sind. Sie

haben, heißt es wohl von letzteren, die ihnen zum Erdenleben

bestimmte Zeit noch nicht erfüllt oder

schreien um Rache. Sodann die, welche bei Lebzeiten

von anderen schweres Unrecht erlitten haben. – Im

Jahre 1842 wurde bei Strücklingen ein Mädchen von

ihrem Liebhaber ermordet und der Täter später in

Friesoythe hingerichtet. Es war die letzte öffentliche

Hinrichtung hierzulande. Am Abend des Mordtages

kam der Pastor von Strücklingen von einem Besuche

in Ramsloh zurück. Am Kolkwege sieht er plötzlich

eine blutige Frauensperson vor sich mit einem Kinde

auf dem Arm. Als er sich von seinem Schrecken erholt

hat, ist die Erscheinung verschwunden. Zur selben

Stunde war das unglückliche Mädchen (das hochschwanger

war) von ihrem Verführer auf dem

Kreienkamp ermordet worden. – Bei dem Gut Klampen

bei Apen befindet sich ein Busch, in dem einmal

ein ermordeter Mann gefunden worden ist. Seitdem

wird dort nachts immer ein Schreien gehört.

Vgl. 113 b.

a.

In der Nähe von Hinnenkamp, Ksp. Damme, ist ein

Hohlweg; da ist vor Zeiten ein Bauer beim Holzfällen

unter einem Baume zu Tode gekommen, als er gerade

seinem Knechte zurief, er solle aufpassen. Seitdem

geht er in jenem Hohlweg um.

b.

Ein Bauer zu Wahlde, Ksp. Holdorf, ein arger Säufer,

kam spät abends betrunken nach Hause und blieb

nicht weit von seinem Hause tot liegen. Seitdem geht

er um. Der Schäfer hat ihn schon oft beim Sonnenuntergang

gesehen, und ein Bauer von Wahlde sah ihn

eines Abends eine Strecke von fünf Minuten ganz

deutlich neben seinem Wagen hergehen.

Vgl. 181 b.

c.

In Erlte, Ksp. Visbek, herrschte früher die Gewohnheit,

daß wenn einer eine fette Kuh schlachtete und

abends der Schlachter die Kuh auseinander haute, der

Schlachter und die Nachbarn, welche zum Ansehen

herübergekommen waren, satt Bier erhielten. Es war

dann ein solcher Abend immer ein fröhlicher, an welchem

es bis in die Nacht lustig herzugehen pflegte.

Als nun einst ein Bauer daselbst einen Ochsen

schlachtete, hatte er des Tages vergessen, Bier holen

zu lassen, und erst am Abend, als der Schlachter

schon kam, fiel es ihm ein, daß er kein Bier habe. Er

sagte deshalb zur Hausmagd, ob sie nicht schnell

nach Visbek gehen wolle, er habe es vergessen, und

Bier müsse doch da sein. Die Magd war auch gleich

bereit, obwohl es schon finster war, und machte sich

auf den Weg, denn sie fürchtete sich nicht. Als sie

aber eine Zeit lang fort war, sagte der Knecht, er

wolle hingehen und die Magd erschrecken, nahm das

Ochsenfell um, so daß die Hörner ihm auf dem Kopfe

standen, und begab sich auf den Weg nach Visbek,

wo die Magd ihm bei der Rückkehr notwendig begegnen

mußte. Als er nahe vor Visbek bei Funken Kamp

war, wo eine sehr enge Straße ist, hörte er sie kommen.

Er ging grades Weges auf sie zu, und als sie ihn

zu sehen bekam, meinte sie nicht anders, als daß es

der Teufel sei, so häßlich sah er aus. Da dachte sie bei

sich: »Du hast die Bierkruke, damit sollst du ihm

einen tüchtigen geben,« faßte die Kruke mit fester

Hand, ging gerade auf den Knecht zu, und als sie bei

ihm war, nahm sie die Kruke und schlug ihn damit an

den Ochsenkopf, daß er gleich zu Boden fiel. Sie ging

dann ihrer Wege. Als sie zu Hause ankam, fragte man

sie, ob sie sich auch gefürchtet habe, worauf sie erzählte,

der Teufel sei ihr begegnet, aber sie habe ihm

mit der Kruke einen gegeben, daß er zu Boden gefallen

sei. Sie habe sich weiter nicht darum bekümmert

und ihn liegen lassen. Als sie nun eine Zeit lang auf

den Knecht gewartet hatten, und dieser gar nicht wieder

kam, gingen sie zuletzt hin, um nachzusehen, und

als sie bei Funken Kamp in die Straße kamen, wo die

Magd glaubte, den Teufel geschlagen zu haben, lag

der Knecht da und war tot. Seit dieser Zeit geht der

Knecht, mit einem Ochsenfell behangen, immer in

jener Straße um.

d.

In der Haie, einem Teile des Hasbruchs nahe der Försterwohnung,

ist es nicht richtig. Mancher, der nachts

durch den Busch gekommen, ist durch einen heiseren

klagenden Laut erschreckt, der durch Mark und Bein

geht und anders klingt, als alle anderen Laute. Das ist

das »schreiend Ding,« und es hat damit folgende Bewandtnis.

In der Haie wohnte vor Zeiten auf einem

stattlichen Schlosse ein Graf oder Edelmann, man

weiß es nicht mehr, aber er war sehr reich und auch

Eigentümer des ganzen Hasbruchs. Seinem Sohne

aber, der nach dem Genusse des Reichtums begierig

war, lebte er zu lange, und dieser tötete ihn, indem er

dem Schlafenden geschmolzenes Blei in die Ohren

goß. Der Gemordete geht nun nachts um und stößt

dasselbe schreiende Gelaut aus wie damals, als ihm

sein Sohn das Blei ins Ohr goß.

Vgl. 181 c.

e.

Auf Gut Ihorst, Ksp. Holdorf, geht beim sog. Hauptmannstimpen

allnächtlich ein Hauptmann in voller

Uniform. Als die verbündeten Truppen im Lande

waren, lag nämlich ein Hauptmann Devis oder Dewitz,

ein Hannoveraner wie man sagt, auf Gut Ihorst

in Quartier. Er war sehr brutal gegen seine Soldaten

und ließ unter anderem einen Soldaten, der morgens

zum Exerzieren etwas zu spät kam, Gassen laufen.

Der Soldat wurde hierüber so erbittert, daß er den

Vorsatz faßte, den Hauptmann zu töten. Er führte den

Vorsatz aus, als eines Abends der Hauptmann von

Burg Dinklage, wo der Höchstkommandierende, ein

blinder Prinz, sein Quartier hatte, zurückkehrte, und

zwar an der Stelle, wo der Hauptmann noch jetzt wiedergeht.

Die Leiche wurde zuerst in der Miststätte des

Brämswig zu Brokdorf, hernach in der Dinklager

Wöste verscharrt, endlich aber nach dem Dinklager

Kirchhofe gebracht. Der Täter wurde von den Gerichten

nicht ermittelt, obwohl seine Kameraden und die

gewöhnlichen Leute es recht gut wußten. Er hat später

Dienste in England genommen, und soll auf der

Rückreise nach seiner Heimat im Wirtshause auf Gut

Lethe getroffen sein. Wird auch so erzählt: Bei einer

Einquartierung wurde ein Soldat von seinem Haupt-

mann zum Spießrutenlauf verurteilt. Der Delinquent

hatte die ihm zudiktierten 25 Gänge gemacht, als der

Hauptmann rief: »Nun noch einmal zu meinem Vergnügen,

« und der arme Sünder mußte nochmals laufen.

Nach kurzer Zeit fand man den Hauptmann ermordet

in einem Pfuhle in der kleinen Wöste. Alles

Forschen nach dem Täter war vergebens. Später kam

ein Schreiben an den Vogt in Dinklage: »Suchet nicht

weiter nach dem Mörder, die eigenen Leute haben den

Hauptmann getötet.« Seit dieser Zeit meiden die

Leute den Weg durch die kleine Wöste, sie glauben,

den Geist des ermordeten Hauptmanns im Wasser zu

sehen.

Vgl. 179 e.

f.

Im siebenjährigen Kriege mußte ein Bauer aus dem

Kirchspiel Emstek, weil es zu jener Zeit überall noch

schlechte Wege gab, mit vorspannen. Er war schon

früh morgens bestellt und mußte die Wagen abholen,

sodaß er am Abend nahe zu seiner Wohnung kam.

Unterwegs fragte er aus den Soldaten, welche als

Wache bei den Wagen waren, heraus, daß sich auf

seinem Wagen die Kriegskasse befinde. Das brachte

ihn sehr in Versuchung, und er dachte auf Mittel, wie

er wohl zu dem Gelde gelangen könne. Als es am

Abend dunkel war, mußten sie noch durch ein Wasser

fahren. Der Bauer stieg deshalb auf den Wagen und

arbeitete, ohne daß die Wache etwas davon merkte,

einen schweren Packen von dem Wagen ab und ließ

ihn in das Wasser fallen. Am andern Morgen in aller

Frühe ging er mit seinem Knechte zu dem Wasser,

holte den Packen heraus, brachte ihn nach Hause, und

da sie fürchteten, daß nachgesucht werde, warfen sie

ihn in den Brunnen. Auch dauerte es nicht lange, da

kamen zwei Mann mit Pferden und fragten den Bauer,

ob er was gefunden hätte; aber der Bauer sagte nein,

er wisse von nichts. Sie ritten nun weiter, kamen aber

bald zurück und fragten nochmals, ob der Bauer

nichts gefunden habe; der aber wollte von nichts wis-

sen. Da fingen die beiden ganz erbärmlich an zu weinen

und baten, wenn er es habe, möge er es doch herausgeben,

denn wenn sie es nicht wiederbrächten,

würden sie andern Tags beide totgeschossen. Der

Bauer ließ sich nicht erweichen, sondern wies sie ab,

und diese beiden Soldaten, welche als Wache bei den

Wagen gewesen waren, wurden am andern morgen

wirklich vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt

und erschossen. Am Abend, nachdem dies geschehen,

war auch dem Bauer, welcher davon gehört

hatte, nicht ganz sonderlich zu Mute, und als er zu

Bette lag, kamen die beiden Soldaten wieder und vor

sein Bett und beschuldigten ihn, daß sie wegen seiner

Schlechtigkeit hätten sterben müssen. Der Bauer sah

sie von nun an jeden Abend, das ganze Haus wurde

unsicher, und er hatte nirgends Ruhe vor den beiden.

Der Bauer ließ endlich sein Haus abbrechen und auf

einer ganz andern Stelle wieder aufbauen, und in das

Haus sind sie nicht gekommen. Der Bauer ist nachmals

sehr reich gewesen, aber seine Kinder, obwohl

er jedem ein großes Vermögen mitgeben konnte, sind

doch alle arm geworden und zuletzt sämtlich aus Armenmitteln

unterhalten worden. (Geschichten von

Leuten, die Kriegskassen gestohlen oder sich in

Kriegszeiten auf nicht rechtmäßigem Wege bereichert

hatten, gingen früher stark im Volke. Wer nach Feldzügen

ungewöhnlich rasch in die Höhe kam, plötzlich

großen Aufwand trieb usw., konnte leicht in den Verdacht

kommen, eine Kriegskasse unrechtmäßiger

Weise in seinen Besitz gebracht zu haben. Auch nach

den Kriegen von 1866 und 1870/71 konnte man ähnliche

Erzählungen hören.)

Vgl. 176 a.

g.

Geht man von Groß-Ostiem den Fahrweg nach Schortens,

so liegt unweit von Schortens am Wege und

zwar da, wo der Küster, wenn eine Leiche dieses

Weges kommt, mit seinen Schülern zum Singen vor

die Leiche tritt, ein großer Stein, Lübbensteen genannt.

Vor langen Jahren kamen zwei Brüder hier in

Streit und kämpften so erbittert, daß beide tot auf dem

Platze blieben. Als die Anwohner die Leichen entfernen

wollten, waren diese verschwunden, und der Stein

lag an ihrer Stelle, die Brüder waren in Stein verwandelt.

Nachts hört man an dieser Stelle oftmals Waffengeklirr,

und allerhand unheimliche Dinge werden

sichtbar. Daher wird der Platz in der Dunkelheit möglichst

gemieden.

h.

Im Jahre 1427, am 28. Oktober, wurde zwischen

Occo ten Broke und Focko Ukena auf den Wilden Äkkern,

einer Landfläche zwischen Tehnhusen und Upgant,

eine furchtbare Schlacht geschlagen. Focko

Ukena war Occo an Zahl seiner Krieger weit überlegen

und besiegte ihn auch, aber erst nach langem erbitterten

Kampfe; gegen 4500 Menschen sollen dort

an einem Tage gefallen sein. Reisende, deren Weg sie

nachts über das Schlachtfeld führte, haben oft gesehen,

daß die Geister der Erschlagenen noch immerfort

sich bekämpfen, und es soll ein schauerlicher Anblick

sein. Mit Grimm und Wut, aber lautlos, schwingen

die erschlagenen Krieger in fleischlosen Händen die

Waffen, umfassen sich ringend mit knöchernen

Armen oder durchbohren einer den andern mit

Schwert oder Spieß, bis das Morgengrauen die Spukgestalten

verscheucht.

i.

In alten Zeiten soll das Neuenburger Holz bei Bockhorn

durchweg Ackerland gewesen sein, worauf auch

noch jetzt unter den wenigstens dreihundert Jahr alten

Eichenbeständen die breiten hohen Aecker hindeuten.

Die Besitzer dieses Ackerlandes waren zuletzt drei

(zwei) alte Jungfern. Sie hatten dasselbe lange Zeit an

die Grafen von Oldenburg verpachtet, konnten sich

aber nach Ablauf der Pacht wegen der ferneren Bedingungen

mit den Grafen nicht einigen. Endlich kamen

sie soweit überein, daß die Grafen das Land noch mit

einer Saat besäen und noch einmal das Wachsende

ernten sollten. Die Grafen säeten Eicheln, und die

Jungfern starben, ehe die Ernte vom Lande geholt

war, was auch ja noch heute nicht geschehen ist.

Wegen dieses Betruges spuken die drei Jungfern noch

immer unter der Strikenrienbrücke, die in dem Bokkhorner

Wege im Holze liegt.

k.

Aehnliches wird vom Harmer Holz in der Gemeinde

Bakum berichtet. Wo jetzt das Harmer Holz steht, befand

sich früher eine Pächterei des Gutes Harme. Zuletzt

lebten in dem Hause nur noch zwei alte Tanten,

die die Arbeit nicht mehr verrichten konnten. Die

Herrschaft kündigte deshalb und überwies den alten

Frauen ein kleines Häuslein beim Schlosse. Die beiden

Tanten baten um noch eine Aussaat, dann wollten

sie ihr altes Heim verlassen. Im darauffolgendem

Jahre sah man, daß der ganze Acker mit Eicheln besäet

worden war. Die Frauen sind dann in der Folge

alle Tage zu ihrer Pflanzung gegangen, haben dort gesungen

und Gottes Segen auf den Eichelkamp herabgefleht.

Auch nach dem Tode haben sie sich dort als

Geister eingefunden und gesungen. Weil die Eichen

gut gediehen, wurden dabei größere Flächen angepflanzt,

und so entstand des Harmer Holz.

173.

Auch die Sehnsucht nach den zurückgelassenen Verwandten,

die Sorge um das Eigentum, zumal wenn

nicht nach den Wünschen und Anordnungen des Verstorbenen

damit verfahren wird, rufen den Geist wieder

zur Erde. Verborgene Schätze werden von den

Verstorbenen gehütet. Ja die bloße Gewohnheit, und

wie es scheint das Unbehagen an der Gesellschaft im

Grabe sind Gründe des Wiedergehens.

a.

Eine kränkliche Frau zu Jader-Außendeich wurde auf

Anraten des Arztes nach Dangast ins Seebad geschickt,

aber der Aufenthalt dort führte nicht zur Besserung.

Sie fühlte, daß ihr Ende nahe sei, und verlangte

sehnlichst, noch einmal mit ihrem Manne zu sprechen,

aber ehe dieser anlangen konnte, starb sie. Später

wurde eines Abends in ihrem Hause an die Haustür

gepocht. Die Magd ging, um zu öffnen, und wie

sie die Tür öffnete, sah sie eine weiße Gestalt vor sich

stehen. Die Magd rief: »Goden Abend!« erhielt aber

keine Antwort. Sie rief nochmals so, und als sie auch

jetzt noch keine Antwort erhielt, so sagte sie: »Spräk,

oder ick hol der de Fork in!« Jetzt sprach die Gestalt

mit leiser Stimme: »Nun, laß ihn nur, kommen.«

Rasch schlug das Mädchen die Türe zu, ging in die

Stube und erzählte, was vorgefallen. Der Mann stieg

aus dem Fenster, und als er endlich wieder kam, sagte

er zu der Magd: »wenn dir künftig so etwas wieder

passiert, so sei nicht wieder so grob, sondern sei

freundlich und bescheiden, denn es tut dir nichts zu

Leide.« Die Magd hat aber später dergleichen nicht

wieder gesehen.

b.

In Elsfleth starb eine Frau mit Hinterlassung eines

kleinen Kindes, das nun einer anderen zur Pflege

übergeben werden mußte. Diese Pflegemutter hatte

aber ihr eigenes Kind lieber und versäumte darüber

das angenommene ein wenig. Da fühlte sie einst in

der Nacht, wie eine kalte Hand auf dem Bette herumtappte,

bald sie selbst berührte, bald das angenommene

Kind streichelte. Sie wurde darob von Grauen erfaßt,

dachte sich aber bald, daß es die Mutter des angenommenen

Kindes sein möge, ermannte sich und

rief dieselbe bei ihrem Namen an und sagte zu ihr:

»Habe in Gottes Namen Ruhe in deinem Grabe; ich

will dein Kind noch lieber haben als mein eigenes.«

Darauf verschwand der Geist, und da die Frau ihr Gelübde

gehalten hat, ist er auch nicht wieder erschienen.

c.

Eine bejahrte Mutter in Nordenholz, Ksp. Hude, sagte

zu ihrem einzigen Sohne: »Gern will ich sterben, aber

die Hochzeit mit deiner künftigen Braut möchte ich

vorher mit ansehen.« Ihr Wunsch ward indes nicht erfüllt,

denn sie starb bald darauf. Wenige Jahre nachher

suchte sich der Sohn eine Braut und hielt Hochzeit.

Vor mehreren späten Hochzeitsgästen her ging

des Abends vom Huder Kirchhofe langsam eine weiße

Gestalt über Nordhaide nach Nordenholz in das

Hochzeitshaus, stellte sich in einer Ecke hinter der

Vordertür und sah der Trauung zu und kehrte am

Schlusse derselben ebenso langsam nach dem Huder

Kirchhofe zurück.

d.

In Bardenfleth is mal Kinnerlähr wäsen, un is na de

Karktied wäsen, so dat'r nüms mehr in de Karke

wäsen is, as de Pastohr un de Köster mit sin Kinner.

As de Pastohr knapp'n paar Fragen dahn hett, so fangt

de groten Därens an to flüstern, stöt sick an un kikt

ümmer na de Priecheln. Den Pastohr fallt dat up, he

kikt 'r ok hen, un do sitt dar'n old Minsk mitn swart

Bindke vor de Stirn. He spreckt lise mitn Köster un

seggt to de Kinner, se schullen man na Hus gahn. Do

sünd de Pastohr un de Köster mit'nanner 'nup wäsen

un hebbt dat o! Minsk fragt, wat se dar to sitten deh.

Un do hett se seggt, se harr dar ok 'n Kind mit sitten.

Dat hett awer jedereen wußt, dat dat ol Minsk all vor

länger Jahren sturwen weer. (Nach einer anderen Erzählung

ist die Verstorbene Mutter eines Kindes gewesen,

das der Prediger nicht mit seinen Altersgenossen

hat konfirmieren wollen, und hat durch ihre Bitte

die Zulassung des Kindes zur Konfirmation erreicht.)

e.

Einer Frau im Kirchspiel Dinklage war der Mann gestorben.

Eines Nachts schreien die Hühner, sie steht

auf und sieht Wasser durch das Hühnerloch fließen.

Sie erschrickt und sucht schleunigst das Bett wieder

auf. Bald schreien die Hühner wieder. Beim Aufstehen

sieht sie wieder Wasser durch das Hühnerloch

fließen. Am andern Morgen ist die Tenne mit Stroh

bestreut, obwohl sie in der Nacht rein gefegt gewesen.

Sie glaubte, ihr verstorbener Mann habe das angerichtet.

f.

Die hochbetagte Frau eines wohlhabenden Landmanns

zu Oldenbrok war verstorben. Ihre Stelle nahm

kurz darauf eine sehr junge Person ein. Eines Nachts

schlief die Mutter der letzteren in dem Hause ihres

Schwiegersohnes auf der Kellerstube, und vor ihr

lagen auf zwei Stühlen die beiden Schoßhunde der

Verstorbenen. Da ward sie durch ein Gewinsel der

Hunde, die zu ihr aufs Bett sprangen, geweckt, und

als sie die Augen aufschlug, stand vor ihr und über sie

hingebeugt die verstorbene Frau, just so absonderlich

gekleidet, wie sie stets im Leben war, und sah ihr drohend

ins Gesicht, ballte ihr die Faust entgegen und

schwebte dann, die Augen unverwand auf die Liegende

gerichtet, rückwärts zur Tür und verschwand.

g.

In Nordloh, Ksp. Apen, gingen drei Knaben hin, um

Äpfel zu stehlen. Der eine kletterte in den Baum und

schüttelte, die anderen suchten auf. Der auf dem

Baume sah hinunter und erblickte unter dem Baume

drei, die suchten, und wie er nun genauer zusah, bemerkte

er, daß eine Frauengestalt darunter war, der

Geist der kürzlich verstorbenen Frau des Hauses,

wohin die Äpfel gehörten. Voll Angst und Schrecken

liefen die Knaben davon. Am folgenden Abend wollte

der eine, ein Schiffer, zu seinem Schiffe und nahm einige

von den Äpfeln mit. Als er nun wieder an dem

Hause vorbei kam, gesellte sich der Geist der Frau

abermals zu ihm. Schleunigst nahm er das Tuch mit

den Äpfeln, schüttete es aus und machte, daß er wegkam.

h.

Bei einem Bauer in Bardewisch diente eine Magd,

deren Bräutigam Soldat war. Als dieser nun in den

Krieg mußte, gab er seinem Bruder sein Geld, um es

der Braut zu überliefern, wenn er selbst nicht wiederkommen

sollte. Der Soldat kam im Kriege wirklich

ums Leben, der Bruder aber lieferte das Geld nicht ab,

sondern verwandte es zu seinem eigenen Vorteile.

Nun hatte aber der Geist des Verstorbenen keine

Ruhe. Oft erschien des Nachts eine weiße Gestalt bei

der Braut, und als die Braut aus Furchtsamkeit die andere

Magd veranlaßte, bei ihr zu schlafen, kam der

Geist dennoch über die andere Magd weg zu ihr. Endlich

ging sie zu ihrem Pastoren. Der riet ihr, den Geist

zu fragen, weshalb er zu ihr komme. Sie tat dies, und

der Geist erwiederte, er sei ihr Bräutigam; er habe seinem

Bruder Geld für sie anvertraut, das habe dieser

unterschlagen. Nun habe er keine Ruhe, bis sie es bekomme.

Die Magd verlangte und erhielt nun das

Geld, und von da an ward der Geist nicht wieder gesehen.

i.

Am alten Fahrwege von Hooksiel nach Waddewarden,

wo der Weg nach Jever abbiegt, stand bislang

ein altes Bauernhaus, Mehringsburg genannt. In alten

Zeiten ist hier einmal die Hausfrau gestorben, und wie

sie beerdigt werden soll, hält ihr der Pastor von Waddewarden

vor versammelten Leidtragenden die Leichenrede.

Ehe er aber damit zu Ende ist, röten sich

auf einmal die Wangen der Verstorbenen, und kurze

Zeit darauf erhebt sie sich im Sarge und lebt wieder.

Aus Dankbarkeit für ihre Genesung beschenkte die

Frau den Pastoren mit einem fetten Ochsen, behielt

aber den Ochsenkopf zum Andenken für sich und ihre

Nachkommen und hing denselben an dem Hahnebalken

des Hauses auf. Nach langen Jahren kam die

Mehringsburg in die Hände einer anderen Familie,

und der neue Besitzer, der von der Geschichte nichts

wußte, fand auch den alten beräucherten Ochsenkopf

und warf das unnütze Ding in eine Ligusterhecke

neben dem Hause. In der folgenden Nacht hörten die

Hausbewohner einen großen Lärm in der Scheune im

Viehstall, und als sie aufstanden, fanden sie alles

Vieh verkehrt auf dem Stalle stehend in großer Unruhe.

Der Eigentümer erzählte dies seinen Nachbarn, da

sagte ihm ein alter Mann, das komme davon, daß er

den Ochsenkopf aus dem Hause entfernt habe; er solle

denselben nur wieder an den Hahnebalken hängen,

dann werde so was nicht wieder vorkommen. So ist es

denn auch geschehen, und die Ruhe war wieder hergestellt.

k.

Eine Gräfin von Delmenhorst übergab auf ihrem Sterbebette

ihren drei Töchtern zehn Diamanten, davon

waren neun ganz gleich, der zehnte aber sehr groß

und wie ein Auge gestaltet. Sie bat dabei die Töchter,

sich wegen der Steine unter einander zu einigen; sie

selbst wolle die Teilung nicht vornehmen, damit es

nicht scheine, als wolle sie eine bevorzugen. Die

Töchter in ihrem großen Schmerze über den bevorstehenden

Verlust ihrer Mutter gelobten, daß die Steine

keinen Zwist unter sie bringen sollten, und jede war

sogar bereit, sogleich den großen Diamanten den anderen

zu überlassen. Die Gräfin starb nun in Frieden.

Lange Zeit wurde der Diamant nicht erwähnt. Endlich

aber wünschten die Töchter doch, ein Andenken von

der Verstorbenen zu besitzen, und gingen an die Teilung.

Die neun gleichen Steine waren bald verteilt,

aber auf den großen Stein, den früher keine haben

wollte, erhob nun jede Anspruch. Die älteste machte

ihr Alter geltend, die zweite, sie führe der Mutter

Namen, die dritte, sie sei der Mutter Liebling gewesen.

Die Schwestern, bisher ein Herz und eine Seele,

gerieten in große Uneinigkeit, und alle Bemühungen

des Vaters, den Frieden wieder herzustellen, blieben

fruchtlos. Da nahm ihnen der Vater den großen Dia-

manten weg und sagte, daß nun keine denselben besitzen

solle. Aber auch hierdurch kam kein Friede, denn

jede von ihnen warf nun den anderen vor, daß sie von

ihnen um ihr Recht betrogen sei. Seit aber die Töchter

ihres Gelübdes der Einigkeit so vergessen hatten, erschien

allnächtlich der Geist der Verstorbenen wehklagend

unter den Fenstern des Grafen. Der bekümmerte

Graf wußte kein Mittel, seinen Töchtern die

Eintracht und seiner verstorbenen Gemahlin ihre

Ruhe wieder zu geben, bis endlich ein alter Pilger, der

bei ihm einkehrte, ihm den Rat gab, den Diamanten in

eine Kirche zu vermauern, die Kirche aber da zu

bauen, wo ein Gänserich, den er vom Schlosse aus

fliegen lasse, sich setzen würde. Der Graf befolgte

den Rat und baute die Kirche zu Ganderkesee, welche

den Diamanten noch in einer ihrer Mauern birgt. Seitdem

war der Streit der Töchter vorbei, und die Mutter

konnte ruhig in ihrem Grabe bleiben (Delmenhorst).

l.

In den Hamberger Bergen, Ksp. Visbek, liegt ein

Schatz verborgen, er hat aber bis jetzt noch nicht gehoben

werden können, denn er muß in der zwölften

Stunde der Nacht gehoben werden, und es hütet ihn

ein Mann mit einer hohen spitzen Mütze auf dem

Kopfe. Wenn auch Leute hingehen, so laufen sie doch

stets davon, sobald sie den Mann erblicken; denn

wenn einer ihm zu nahe kommt, wirft er ihm Sand in

die Augen. Es sind daher schon viele, welche bei

Nacht dieses Weges gingen, verirrt, weil sie so viel

Sand in die Augen bekamen.

m.

Zwischen Hohenkirchen und Mederns liegt eine Warfstelle,

auf welcher noch bis vor wenigen Jahren ein

Haus namens Klingswarfen gestanden hat. Jetzt sieht

man dort des Nachts zwei Fräulein Arm in Arm auf

und ab gehen, die einen in der Anhöhe vergrabenen

Schatz bewachen. Die Versuche, den Schatz zu

heben, sind noch immer mißlungen, da in dem entscheidenden

Augenblicke jedesmal einer der Schatzgräber

ein Wort sprach, sodaß der Schatz wieder in

die Tiefe hinabrollte.

n.

Einstmals ging eine Frau aus Hüllmanns Hause zu

Wiefelstede in der Johannisnacht um 12 Uhr über den

Wiefelsteder Esch. Auf einmal erblickte sie links vom

Wege, der nach Gristede führt, ein großes helles

Feuer. Die Neugier trieb sie hinzu, und als sie niemand

dabei bemerkte, trat sie ganz nahe an die Glut

und sah, daß dort ein großer Schatz aufgehäuft lag,

der wie ein helles Feuer glänzte. Schnell entschlossen

warf sie einen Kreuzdornstock, den sie gerade in der

Hand trug, auf das Feuer, das nun augenblicklich erlosch.

Die Frau säumte nicht, eifrig die Schätze aufzusammeln;

da erscholl eine Stimme ganz in ihrer Nähe:

»Nimm so viel du tragen kannst; wenn du aber deine

Last niedersetzen mußt, ehe du sie im Hause hast, so

verschwindet der Schatz.« Die Frau folgte dem Rate,

belud sich zwar tüchtig mit dem Golde, brachte es

aber richtig nach Hause hin, ohne abzusetzen. Seit

dieser Zeit war die Familie sehr reich, aber die Frau

war von dem schweren Tragen ganz schief geworden.

Vgl. 180 e.

o.

Die erste Leiche, die in der gräflichen Familiengruft

zu Varel beigesetzt wurde, war die einer Gräfin von

Ungnad, welche von Geburt bürgerlich war. Als nun

nach ihr Leichen beigesetzt wurden, alle von Personen

adeliger Geburt, ging sie wieder und erschien alle

Abend, sobald es dunkel ward, auf dem Kirchhofe.

Das Gespenst verschwand, seit die letzte Leiche beigesetzt

ward, die der Gräfin Sarah, welche gleichfalls

von Geburt bürgerlich war.

174.

Wenn der Lebende ein Versprechen gab und nicht erfüllte,

namentlich zu kirchlichen oder Wohltätigkeitszwecken

geleistete Gelübde ungelöst ließ, überhaupt

geizig war und keine Almosen spendete, so kehrt er

wieder und sucht lebende Freunde und Verwandte zur

Erfüllung zu veranlassen. Das Versprechen, nach dem

Tode einem Freunde zu erscheinen, muß gleichfalls

erfüllt werden. Beispiele zu dem ersten Satze siehe

182 a-c, g-i, l.

a.

Zwei Freundinnen in Löningen hatten sich gegenseitig

versprochen, wer von ihnen zuerst sterbe, solle der

anderen erscheinen und von ihrem Lose im Jenseits

Nachricht geben. Als nun die eine gestorben war, erschien

sie der anderen mittags, als diese gerade beim

Buttern war, und sagte: »Ich habe noch vieles abzubüßen,

und lachen und weich liegen wird oben für die

größte Sünde gehalten.« Dann verschwand sie.

b.

Zwei Arbeiter, welche zusammen nach Holland zum

Grasmähen gingen, waren sehr gute Freunde und arbeiteten

viele Jahre zusammen, ohne je Streit zu bekommen.

Diese gaben sich das Versprechen, wer von

ihnen zuerst stürbe, solle wieder kommen und dem

anderen Nachricht geben, wie es ihm in jener Welt

gehe. Als sie nun einst wieder im Frühjahr nach Holland

reisen wollten, wurde der eine Tages vorher

krank, so daß er nicht mitgehen konnte und der andere

allein ziehen und sich einen neuen Kameraden suchen

mußte. Als der abgereiste etwa vierzehn Tage in Holland

gewesen war und eines Morgens aus der Scheune

trat, wo er des Nachts geschlafen, kam sein alter

Freund, welchen er krank zurückgelassen hatte, ganz

rüstig daher geschritten. Er rief aus: »Wo kommst du

her, bist du wieder gesund, daß du nachkommst?«

Darauf sagte jener, er sei tot und komme, weil er es so

fest versprochen habe; es solle aber doch kein Mensch

ein solches Versprechen geben, denn wenn es versprochen,

müsse es auch gehalten werden, und es falle

doch so schwer, wieder zu kommen. Es gehe ihm

sonst gut, aber sein Freund möge doch, wenn er wieder

nach Hause komme, sich seiner Kinder annehmen,

daß sie gut blieben; damit habe er es zu leicht genom-

men und müsse dafür noch eine Zeit lang Strafe leiden.

Auch möge der Freund seiner Witwe sagen, daß

sie doch strenge auf ihre Kinder achte. Und damit war

er verschwunden. (Visbek.)

Vgl. 179 f, p, 208, d, e.

175.

Wer zur Bestätigung einer Sache sich verwünscht und

dennoch lügt, muß nach seinem Tode wiedergehen

und das tun oder sein, wozu er sich verwünscht hat.

Ebenso muß umgehen, wer von anderen mit Grund

verwünscht wird.

a.

Ein Strumpfhändler kehrte in ein Wirtshaus ein, setzte

sich ans Feuer hinter den Herd und schlief ermüdet

ein, den Mund weit geöffnet. Da gab der Teufel dem

Wirte, welcher nach dem Gelde des Strumpfhändlers

lüstern war, ein, ihm kochend heißen Brei in den

Mund zu gießen und ihn so zu töten. Die Mordtat

blieb unentdeckt; der Wirt kam allerdings in Verdacht,

aber er leugnete frech und reinigte sich vor Gericht

durch einen Eid. Noch auf dem Totenbette, als

man in ihn drang, beteuerte er seine Unschuld an dem

Tode des Strumpfhändlers und vermaß sich zu sagen,

wenn er der Mörder sei, wolle er schreien bis zum

jüngsten Tage. Dann starb der Wirt, und von der Zeit

an erschien allnächtlich in seinem Hause ein fliegendes

Untier, daß durch heftiges Schreien die Hausbewohner

erschreckte und belästigte. Zwar gelang es

einem katholischen Pater, das schreiende Gespenst zu

bannen, aber vom nächsten Tage an zeigte sich nun

eine Menschenhand auf der Hille an der Diele. Es war

die Hand, die der Mörder als er den Meineid schwur,

zum Himmel emporhielt. Und so oft man diese Hand

auch wegbrachte und begrub, sie war immer wieder

da. (Wüstenld.)

Vgl. 181c.

b.

Zu Neustadt-Gödens wohnte früher eine alte Frau,

welche die Gewohnheit hatte, immer am Abend spät

in den Garten zu gehen. Als sie nun einmal kurz nach

Mitternacht in das Haus zurückgehen wollte, sah sie

an einem Birnbaum ein großes weißes Gespenst stehen.

Erschreckt lief sie davon und erzählte einer

Schauspielerin, die bei ihr im Hause wohnte, was sie

gesehen. Diese war so beherzt, das Gespenst dreimal

anzurufen, aber dasselbe gab keine Antwort und rührte

sich nicht. Jetzt wurden die Nachbarn geweckt, und

das Gespenst verschwand. Ein ganz alter Mann erzählte

aber, daß seit seinem Gedenken das Gespenst

alle zehn Jahre erschienen sei. Später wurde die Stelle,

wo das Gespenst gesehen, umgegraben, und man

fand unter dem Birnbaum einen hohlen Stein mit

einem Deckel. In dem Stein befand sich ein Stück Papier,

worauf geschrieben war, daß früher in diesem

Hause ein Zinngießer gewohnt, dessen Frau eine Hexe

gewesen sei. Dieselbe habe ihren Mann immer sehr

schlecht behandelt, und er habe ihr daher gewünscht,

daß sie nach ihrem Tode alle zehn Jahre wiederkommen

müsse. Das Papier aber trug die Jahreszahl 1345.

Seit der Zeit ist also das Gespenst alle zehn Jahre erschienen.

c.

Das Gut Eihausen, Ksp. Zwischenahn, gehörte früher

einem Herrn von Pottendorf. Dieser ist es, welcher die

breiten Gräben um das Herrenhaus und die Nebengebäude

gezogen hat. Er verwandte dazu 200 Soldaten,

die er bei der Arbeit so quälte und plagte, daß sie ihn

verfluchten. Darum geht er nachts wieder, auf einem

weißen Schimmel reitend. Der Herr von Pottendorf

hat sich auch sonst viel zu Schulden kommen lassen,

daher hat man ihn zuletzt nach Preußisch Minden

kommen und dort die eiserne Jungfrau küssen lassen

(505 e). Seine Leiche aber ist nach Zwischenahn gebracht

und dort begraben worden. – Ein anderes Beispiel

s. 548 c.

176.

Diejenigen, welche sich im Leben Verbrechen zu

Schulden kommen lassen, finden keine Ruhe im

Grabe. Sie müssen zur Strafe wiederkehren, je gewisser,

je größer das Verbrechen, je mehr es unmittelbar

gegen Gott und seine hauptsächlichsten Gebote gerichtet,

oder auch je häßlicher und gemeinschädlicher

es ist; doch scheint kaum eine Sünde zu existieren,

welche nicht wenigstens in einigen Fällen ein Wiedergehen

zur Folge hätte. Mord, Meineid, Frevel gegen

die Religion, dann falsches Messen der Kornhändler,

Müller und Landmesser, Grenzverrückungen der Bauern,

Betrug, Wucher und hartherziger Geiz, endlich

ruchloses Leben im allgemeinen kommen am häufigsten

vor. – Außer den gleich folgenden Beispielen

vergleiche noch: wiedergehende Mörder 179 a, h, n,

u, v, x, 181 c, 183 f, s, 503 b, 594 a, 550 a. Selbstmörder

179 c, r, 183 a. Meineidige 179 o, 180 k, 181

a, 182 n, 183 f, r, 184 e. Teufelsverbündete 179 r,

183 o. Sabbathschänder 176 h (vgl. auch den Wilden

Jäger 247), Kornwucherer 181 d, 183 l, Müller 182 s,

183 g. Landmesser 179 i, 184 o. Grenzverrücker 179

l, m, t, 182 d, e, p, q, r. Betrüger und Fälscher 179 b,

183 e, m, q. Diebe und Räuber 179 w, x, 182 f, 506 f,

553 g. Geizige 182 k, m, o, 183 k, 519 a. Ruchlose

Leute 179 t, 173 n, p, 184 a, b.

a.

Als im Jahre 1813 die Russen in Löningen waren, ließen

sie einen Wagen, auf welchem die Kriegskasse,

eine Menge Tuch und andere wertvolle Sachen sich

befanden, vor Richters Hause die Nacht auf der

Straße stehen, stellten aber eine Schildwache dabei.

Drei Löninger, welche den Wert der Ladung kannten,

machten die Schildwache betrunken und stahlen Geld

und Tuch. Als am andern Morgen der Diebstahl bekannt

wurde, wurde die Schildwache erschossen.

Einer der Diebe aber muß wiedergehen. Er zeigte sich

erst im Hause, wurde aber von einem Geistlichen in

das nahe belegene Viehhaus gebannt, und dort spukt

er noch jetzt.

Vgl. 172 f.

b.

Der Sohn eines Holzarbeiters beim Hasbruch hatte

eine Braut, die er sehr lieb hatte, aber ihre Eltern

wollten sie ihm nicht zur Frau geben, wenn ihm nicht

zuvor der Vater Eigentum und Regier seiner Stelle

übertrüge. Der Vater wollte von der Übertragung

nichts wissen, denn er dachte, man soll sich nicht eher

ausziehen, als bis man zu Bette geht. Eines Tages

mußte der Sohn seinem Vater, der im Walde arbeitete,

das Essen hinbringen, und wie er zur Stelle kam, lag

der Vater auf dem Rücken und schlief. Da nahm der

Sohn den Eßtopf, der mit heißem Brei gefüllt war,

und goß den Brei seinem Vater in den offenen Mund.

Der Vater röchelte noch einmal stark und mit schauderhaftem

Gelaute auf und starb. Der Vatermörder

aber muß nach seinem Tode umgehen und erschreckt

die Leute mit denselben gräßlichen Tönen, welche

sein Vater sterbend ausgestoßen hatte. Man nennt das

Gespenst das »schrauend Ding.« (Ganderkesee.)

Vgl. 181 c.

c.

Vor nicht langer Zeit ging einmal ein Küster um Mitternacht

bei Mondschein über den Kirchhof, da hörte

er in der Kirche einen Lärm, wie wenn gekegelt

würde. Er lief zum Pastoren und meldete es ihm, aber

der lachte ihn aus und schickte ihn fort. In der folgenden

Nacht ging der Küster wieder über den Kirchhof

und hörte denselben Lärm. Der Pastor lachte diesmal

nicht, sondern sagte: »Ich kann heute nicht aufstehen,

denn ich bin heiser; höre aber morgen Nacht wieder

zu, und wenn dann gekegelt wird im Gotteshause,

dann wollen wir nachsehen.« Am dritten Abend aber

war der Mond um 12 Uhr nicht aufgegangen, und es

blieb alles ruhig. Beim nächsten Mondschein hörte

der Küster den Lärm wieder, er weckte den Pastor;

dieser ging mit und fand es so, wie der Küster gesagt

hatte. Sie schauten durch das Schlüsselloch und erblickten

zwölf schwarz gekleidete Männer, von denen

sechs mit Totenköpfen kegelten und sechs sich bückten,

als wenn sie die Kegel aufrichteten. Um eins war

alles vorüber. Am folgenden Abend gingen Pastor

und Küster früher hin und sahen nun, wie die zwölf

schwarzen Männer einen Sarg hinter dem Altare herholten,

die Beinknochen und zwei Köpfe herausnahmen

und mit diesen nach jenen kegelten, was wieder

bis 1 Uhr dauerte. Da verordnete der Pastor, der Küster

solle da, wo die Kegel standen, einen Kreis ziehen,

in denselben einen Tisch und einen Stuhl bringen,

auf den Tisch drei Lichter stellen und zwei

Schwerter kreuzweise übereinander legen; dann solle

er eine Bibel nehmen, sich während der Geisterstunde

auf den Stuhl setzen und im Evangelium St. Johannis

lesen. Das tat der Küster. Als es zwölf schlug, kamen

die zwölf schwarzen Männer, holten die Beinknochen

und die Totenköpfe hervor und wollten ihr Spiel treiben;

weil sie aber nicht über den Kreis konnten, stellten

sie die Kugeln vor denselben auf und kegelten. Da

begab es sich, daß ein Totenkopf in den Kreis rollte,

und die schwarzen Männer baten den Küster: »Gib

uns den Kopf heraus.« Der Küster aber antwortete:

»Wollet ihr ihn, so holet ihn,« und las in der Bibel.

Die Männer baten dreimal dasselbe, der Küster antwortete

nicht weiter. Als sie aber zum dritten Male

gebeten hatten, schlug es eins, und alles war verschwunden.

Am andern Tage ließ der Pastor den Sarg

öffnen, da fand sich eine Rolle, auf der stand geschrieben:

»Hier ruhen zwei unschuldig gerichtete

Männer, und diese sind bei Gott. Die zwölf Richter

jedoch, die sich haben bestechen lassen, sollen so

lange bei Mondenscheine mit den Köpfen der beiden

Männer kegeln, bis sie durch Gottes Wort verscheucht

werden.« Und es geschah also. Wo aber die

Seelen der zwölf ungerechten Richter geblieben sind,

das weiß kein Mensch. (Ostfriesl.)

d.

Der Schwichtler-Brok im Kirchspiel Kappeln war

lange Zeit Gegenstand eines Prozesses zwischen zwei

Bauern von Schwichtler gewesen. Endlich kam einer

der Streitenden zum Eide und gewann durch einen

Meineid Prozeß und Bruch. Nach dem Tode des

Meineidigen ging dessen Sohn einst abends durch den

Bruch zu seiner Braut. Er war guter Laune und wollte

den Weg singend zurücklegen, auf einmal begann

eine Stimme wiederholt zu rufen: »Dat

Schwichtler-Brok is min!« Der junge Bauer stand erschrocken

still, nahm sich jedoch zuletzt ein Herz und

antwortete: »Dat is nich wahr, dat Schwichtler-Brok

is min;« aber die Stimme wiederholte fortwährend:

»Dat Schwichtler-Brok is min,« und kam immer

näher. Der Bauer bekam Angst und floh. In der Nähe

der Wohnung seiner Braut fiel ihm etwas Schweres

auf die Schulter, und die Stimme rief gleichzeitig vor

seinem Ohre: »Dat Schwichtler-Brok is min!« Da

stieß der Bauer einen furchtbaren Schrei aus und fiel

ohnmächtig zusammen. In dem Bruch soll die Stimme

noch manchmal nachts sich vernehmen lassen.

e.

In Roenkarken hett fröher n' olen Mann wahnt, de hett

nägen un nägentig falske Ede swaren, un as he noch

een maal sweeren wullt hett, do is em de Hand stief

wurden. Disse Hand liggt noch in sin Keller uppn

Roenkarker Karkhoff in de Noordwesthöörn. Dar sitt

towilen ok'n swarten Bolz up sin Sark. Tüsken

Roenkarken un Knappenborg geit he um uppn Hamm

Land, de em fröher tohört hett.

f.

Bei den Ihorster Tannen, Ksp. Holdorf, hört man oft

des Nachts Klagetöne. Sie kommen von einem Schäfer,

der für eine Speckseite vor Gericht falsch geschworen

und nun verdammt ist, mit einer brennenden

Speckseite auf dem Rücken bei Nacht umzugehen.

Viele können die Klagetöne nicht verstehen, einige

haben deutlich die Worte: »O weh, o weh!« vernommen.

– Auf der Trentlage bei Essen geht ein Mann

nachts umher und ruft: »Trentlage, Bentlage, sammete

Buchsen he, he!« Der Wiedergänger hat einst wegen

der Grenze daselbst einen Meineid geschworen und

dafür eine sammete Hose erhalten. Dafür muß er nun

bis zum jüngsten Tage die Schnat begehen.

g.

In dem Gehölze, welches zwischen Norddöllen, Goldenstedt

und Lutten liegt, hört man oft einen des

Nachts rufen: »Hoho!« und manchmal auch Hundegebelle.

Dort war nämlich einst ein Jäger, welcher lange

Zeit nichts treffen konnte. Zu diesem gesellte sich

einst ein anderer unbekannter Jäger, welcher sich für

einen Förster ausgab, der kürzlich bei einem Adeligen

in der Nähe angestellt war. Wie sie nun zusammen

gingen, bemerkte der erstere, daß der neue Jäger alles

treffen konnte, und mußte mit Verwunderung sehen,

daß er garnicht fest zu zielen brauchte. Zuletzt fragte

er ihn, wie er doch alles so leicht treffen könne, und

erzählte von seinem Unglück, das er in der letzten

Zeit gehabt. Da sagte der andere: »Wenn du Lust

hast, alles zu treffen, so kann ich es dich wohl lehren,

wenn du nur tun willst, was ich dir sage«. Als jener

versprochen und ihm die Hand darauf gegeben, fuhr

der Fremde fort: »So gehe in den nächsten Tagen zum

Abendmahl, nimm aber die Hostie gleich wieder aus

dem Munde, komme damit hier in den Wald, wo du

allein bist, nagle die Hostie an einen Baum und

durchschieße sie.« Da der Jäger eine große Lust hatte,

alles zu treffen, befolgte er den Rat und hat auch

nachher alles schießen können. Nach seinem Tode

aber ist er wiedergekommen und muß nun jagen immerfort,

und sein Rufen und das Bellen seiner Hunde

sind es, die den Wanderer in jenem Holze erschrekken.

– Ein Mann aus Astrup, welcher einst durch das

Holz kam, hörte ihn rufen. Erst beachtete er es nicht

und ging ruhig weiter, aber es kam immer näher, bis

es zuletzt ganz nahe war. Da überfiel ihn ein Schrekken,

und weil er nirgends hinkonnte, umklammerte er

in der Angst einen Baum und hielt sich an diesem

fest. Auf einmal war der Jäger neben ihm und rief

»hoho!« und Hundegebell war um ihn, aber zu sehen

war nichts, obwohl es mondhell war. Sowie das Gebell

eine kleine Zeit lang gedauert hatte, entstand

plötzlich ein Krachen, als wenn alle Bäume zerbrechen

wollten. Der Mann lief eiligst nach Hause, aber

er hatte sich so erschreckt, daß er gleich in Ohnmacht

fiel und lange krank liegen mußte.

(Vgl. 136).

h.

Auf dem Blexersande stand bislang ein einzelnes

Haus von ziemlich alter Bauart, auf dessen oberstem

Boden – es hatte deren zwei – es nicht geheuer war.

In beiden unteren Stocken merkte man von einem

Spuke nichts, der oberste Boden jedoch konnte nicht

benutzt werden, nicht einmal zum Lagern. Die Säcke,

oder was sonst hinaufgebracht wurde, fand man am

folgenden Morgen unten an der Treppe liegen. Auf

dem obersten Boden nämlich kamen allnächtlich einige

Spieler zusammen, die längst verstorben zur Strafe

das ausüben mußten, wodurch sie im Leben gesündigt

haben. Als Lebende hatten sie während der Kirche

und selbst am heiligen Charfreitag sich auf diesen

Boden zurückgezogen, um dem Spiele zu fröhnen.

Als einst ein neuer Heuermann das Haus bezog, erschienen

in der ersten Nacht zwei Ritter mit goldenen

Leuchtern vor seinem Bette und sagten ihm, er möge

das Haus ruhig bewohnen und sich nicht fürchten, es

werde ihm gut darin gehen; und wenn er einmal in

Geldverlegenheit komme, solle er sich nur an den und

den Ort begeben, dort werde er Hülfe finden. Dafür

müsse er aber den obersten Boden frei und unbenutzt

lassen. Wenn er wissen wolle, wer sie seien, könne er

dies in den Schlössern zu Oldenburg und Varel erfah-

ren; dort hingen ihre Bildnisse.

i.

Ein verstorbener Müller zu Werlte erschien seinem

jüngsten Sohne auf der Windmühle und warnte ihn,

nicht zu viel Matten zu nehmen, dann auch dem ältesten

Sohn und kam schließlich auch ins Wohnhaus

und erschien den beiden Knechten. Als diese aufstanden,

verschwand das Gespenst. Nachher fand man

eine Scheibe zerbrochen.

k.

Im Großenkneter Kirchspiel war ein Mann, der konnte

es nicht lassen, wenn er pflügte, pflügte er immer

von fremdem Lande etwas ab zu dem seinigen. Dafür

muß er nun nach dem Tode immer des Nachts pflügen

und ist von vielen gesehen und gehört. – Auf Wilken

Holtkamp (Goldenstedt) geht ein Weib hin und her,

begibt sich dann nach Wilkens Wiese, geht da den

Bach entlang und wendet sich darauf nach Wilken

Bockhorn, wo die erste Bäke den Weg von Goldenstedt

nach Einen schneidet. Das Weib hat sich früher

den Holtkamp und das Wilkensche Wiesental widerrechtlich

angeeignet und muß deshalb wiedergehen.

Man nennt das Gespenst Wilken Holtwief.

l.

Der erste Besitzer des Gutes Bomhof bei Langförden,

Ottomar von Grothus, hat vielen Leuten dadurch Unrecht

getan, daß er sie zu hoch zur Schatzung angesetzt

hat. Deshalb hat seine Seele noch jetzt keine

Ruhe und wandert des Nachts vom Bomhofer Teiche

nach Langförden, dann quer über die Chaussee und

endlich in den Langförder Esch hinein. (Die Geschichte

kennt den ersten Grothus auf Bomhof als

einen großen Wohltäter. Die Sage weiß sonst auch zu

berichten, er müsse deshalb wiedergehen, weil er

Land abgepflügt habe. Wahrscheinlich ist ein Vorgänger

von Grothus gemeint, ein Besitzer vom Bomhof

soll es sein, und von diesen ist nur noch Grothus

bekannt).

m.

Im Stadlande lebte ein hartherziger Mann, der in Gemeindesachen

mitzusprechen hatte und viel Einfluß

besaß. Einst kam eine Frau, deren Mann verstorben

war und sie in drückenden Verhältnissen zurückgelassen

hatte, vor die Armenkommission und bat für ihren

verstorbenen Gatten um ein Totenhemd. Nachdem die

arme Frau abgetreten war, wurde die Sache in Beratung

genommen. Da sagte jener harte Mann: »Ach

was, der Tote kann in Uniform, die Hände in den Taschen,

recht gut begraben werden; die Gemeinde soll

davon weiter keine Last haben.« Sein Wort drang

durch. Nicht lange darnach verstarb der harte Mann

selbst. Aber derselbe kam wieder und ist oft des

Nachts gesehen worden. Mit trauriger Miene, die

Hände in den Taschen und ein Totenhemd unter dem

Arme, geht er den Weg nach dem Hause des armen

Mannes, dann verschwindet er.

n.

Am Wege von Esenshamm nach dem Esenshammer

Siele, links im Kuhlhamm, ist eine niedrige Stelle,

aus welcher zu Zeiten Salpeterdünste aufsteigen. Es

soll dort nicht geheuer sein. Vor Zeiten soll dort eine

Burg gestanden haben, deren Bewohner allen Lüsten

gefröhnt haben, bis endlich in einer Gewitternacht die

Burg mit allen Lebenden in den Erdboden versank. In

einem Schwefelpfuhle müssen nun die Bewohner

brennen; nur zur Abendzeit gehen sie auf der Oberfläche

umher, um den Wanderer zu einem Gebet für ihre

armen Seelen zu bewegen. So lange sind die verdammten

Seelen an den Ort gebannt, bis sie einmal

das Kirchspiel vor einem großen Unglück bewahrt.

Ein Pater Dionysius soll das Strafgericht auf die Burg

herabbeschworen haben, als die Bewohner derselben

ein von der Beichte kommendes Mädchen aufgegriffen

hatten. (Nach den Oldenb. Mitteilungen 1846. S.

184.)

o.

Ein Bauer in Bösel hatte einen Dieb, der ihm bei

Nachtzeit aus seinem Schafkoven im Fehnmoor verschiedentlich

Schafe gestohlen, festgebannt. Er vergaß

das Loslösen, darüber ging die Sonne auf und

zerschmolz den Gebannten. Seitdem geht der Schafdieb

als Spuk durch das Fehnmoor.

p.

Bei Voßbergs Hause in Altenoythe zeigte sich abends

ein alter Mann, der zu Lebzeiten wegen einer Ueberwegung

einen ungerechten Prozeß geführt und durch

einen Meineid das Recht auf diesen Weg sich angeeignet

hatte. Seit längerer Zeit ist aber der Spuk verschwunden.

q.

In Barssel spukt der Ritter von der Burg Schnappe,

der den Pastor dort erstochen hat.

Vgl. 549.

r.

In Schwege bei Dinklage hatte ein Mann einem Bauer

ein fettes Schwein gestohlen. Nach seinem Tode wanderte

der Dieb nachts umher und rief: »Hast du Brot,

ich habe Speck.«

s.

Im Jahre 1748 wurde das Pfarrhaus in Strücklingen

von ruchloser Hand in Brand gesteckt. Der Täter hatte

vorher dem Pastor geschrieben, daß er ihn in seinem

Hause verbrennen wolle. Seitdem geht er wieder. Er

erscheint erst im Garten, einen Holzschuh mit Feuerkohlen

in der Hand tragend, kommt dann ins Haus,

betritt die Küche und guckt durch das Saalfenster. –

Auch zwischen Ramsloh und Strücklingen hinter dem

Wirt Erbo geht abends ein Mann, der einen Holzschuh

mit Feuerkohlen in der Hand trägt.

177.

Sehr fromme Geistliche können die Seelen der Verstorbenen

auf den Altar beschwören, und schon manche

Familie ist auf diese Weise über das Schicksal

eines Angehörigen beruhigt worden. Während des Totenamtes

kann der Geistliche den Verstorbenen befragen,

an welchen Ort seine Seele gekommen ist. Man

sagt auch, wenn der Priester bei der Totenmesse vor

der Wandlung lange betet und langsam zur Wandlung

kommt, und dabei die Kerzen hell brennen, erfährt er,

ob die Seele selig geworden (Münsterland). Aber

auch die schwarze Kunst (204) gewährt die Mittel,

längst verstorbene Menschen zu zitieren und sprechen

zu lassen, oder doch wenigstens dem Auge zu zeigen.

178.

Das Wiedergehen ist nicht an Zeit und Ort gebunden,

aber es gibt doch Zeiten und Orte, wo die Wiedergänger

sich vorzugsweise gern zeigen. Mit Dunkelwerden

beginnt die Zeit der Geister, und läßt man die Haustür

offen, so kommen sie herein. Namentlich ist die Stunde

nach Mitternacht die Geisterstunde:

tüsken twölw un een

sünd alle Geister to Been,

aber die zwölfte Stunde, d.i. die Stunde vor Mitternacht,

ist kaum weniger beliebt. In der Osternacht

sind alle Wiedergänger sichtbar; wer dann draußen

ist, kann sie erblicken (Münsterland). Von den Orten

ist der Kirchhof der besuchteste, dann einsame Wege

auf der breiten Heide, Wassertümpeln, vereinzelte

Gebüsche oder Sandhügel, Moore, Holzungen. Die

Regel aber ist freilich, daß der Wiedergänger den Ort

aufsucht, wo er im Leben beleidigt ist, gewirkt, gesündigt

hat. – Sonntagskinder können leicht Spuk

sehen; auch heißt es (Oldenbg.), wer im Frühjahr die

erste Schwalbe erblickt, indem er über die linke

Schulter schaut, kann das Jahr alle bösen Geister

schauen.

179.

Die Wiedergänger erscheinen in mannigfachen Gestalten.

Einige zeigen sich so, wie sie sich im wirklichen

Leben gezeigt haben: Körper, Kleidung, Benehmen

sind eine treue Wiedergabe dessen, was man an

dem lebendigen Menschen gekannt hat. Andere erscheinen

in ihrem gewöhnlichen körperlichen Aussehen,

aber in weiten weißen, grauen oder schwarzen

Gewändern; es sind die Totenhemde, in denen sie auftreten.

Ist der Wiedergänger noch von seiner qualvollen

Wanderung zu erlösen, so ist das Gewand weiß;

ist dasselbe aber grau oder schwarz, so ist alle Rettung

vorbei, der Wiedergänger ist auf ewig verdammt,

ein Teufelsgenosse, und wird endlich selbst Teufel.

Oftmals erscheinen ferner die wandelnden Seelen als

Flammen (die unschuldigen als kleine, meist blaue

Flämmchen, die verdammten in der Regel größer).

Sternschnuppen und Irrlichter sind Seelen, und zwar

die Irrlichter – Spoklechter, fürige Kärls – verdammte.

Ganze glühende Menschengestalten und Menschen

mit glühenden Geräten sind nicht selten. In allen diesen

Erscheinungen treibt der sich zeigende Wiedergänger

gewöhnlich das, was ihn zum Spuken gebracht

hat.

Vielfach nehmen die verdammten Seelen Tierge-

stalten an, so die von Hunden, Katzen (176 e), Raben

(208 e), Krähen (208 d), Elstern und anderen Tieren.

Es kommt sogar der Fall vor, daß ein Wiedergänger –

es ist ein Mörder und zwar ein Brudermörder – das

eigentliche Kennzeichen des Teufels, einen Pferdefuß

führt. Auch Tiergestalten, welche auf das begangene

Verbrechen hindeuten, werden gewählt. Verwünschte

müssen das sein und tun, wozu sie verwünscht sind.

Mitunter müssen die Wiedergänger, mag ihre Gestalt

sonst sein, welche sie wolle, eine große schwere Kette

klirrend hinter sich herschleppen; auch dies gilt als

Zeichen der Verdammnis. – In Holle heißt es, die

Wiedergänger schwebten über der Erde weg, und die

Beine seien häufig nicht zu entdecken; damit stimmt

eine Mitteilung aus Ramsloh 553 e.

Selbstmörder gehen als Teufel in Gestalt eines

Hundes, eines Kalbes ohne Kopf usw. nach der Stelle,

wo der Selbstmord geschehen, setzen sich dort und

verschwinden, um bald den alten Gang wieder aufzunehmen,

und so müssen sie immer wieder den alten

Weg gehen, den sie in ihrem Leben das letzte Mal gegangen

sind. Haben sie in ihrem Leben schlechte

Taten verübt, so müssen sie auf den Wegen wieder

gehen, die sie im Leben zur Begehung ihrer Bosheiten

gegangen sind. Hat jemand aus Furcht vor Strafe

Selbstmord begangen, so muß er immer wandern,

kann niemals Ruhe finden; nur wenn er mit dem ewi-

gen Juden zusammentrifft, darf er mit diesem unter

zwei aufgestellten Eggen eine zeitlang ruhen (vgl.

247). Wer ihm auf seiner Wanderschaft entgegentritt,

erhält einen Stoß, daß er ohnmächtig niederfällt. Ist

ein Selbstmörder im Leben von seiner Familie

schlecht behandelt worden und hat aus Verzweiflung

Hand an sich gelegt, so rächt er sich nach dem Tode

dadurch, daß er Unheil über seine Angehörigen heraufbeschwört:

Viehsterben, Krankheiten usw. Wer die

schwarze Kunst versteht, kann ihn wegbeten oder dadurch

unschädlich machen, daß er das Kreuzzeichen

am Hause anbringt oder auf dem Wege, der zum Gehöft

führt. Geizige gehen wieder als Hunde, die Arme

haben, oder als Gestalten, die halb Mensch halb Kalb

sind. Sie sind verurteilt, das Geld, das sie beiseite geschafft

haben, immerfort umzuschmelzen und wählen

dazu besondere Plätze. Wer sie dabei überraschen

kann und schlägt mit dem Stock ins Feuer, so daß die

Kohlen auseinander fliegen, und dann am folgenden

Tage den Ort wieder aufsucht, der kann die Goldstükke

zusammensuchen und zum beliebigen Gebrauch

verwenden (Wildeshausen).

a.

Unten im Kniphauser Schlosse hört man oft des

Nachts die Türen klappern, und einzelne haben gesehen,

daß alsdann eine Frau mit einem Schlüsselbunde

an der Seite durch Gänge und Zimmer wandelt. Das

ist die Benlopsche, die Beischläferin eines ehemaligen

Häuptlings Lübbe Onken, die ihres Geliebten Ehefrau

Reinolde mit einer Biersuppe vergiftet hat; sie bewacht

noch jetzt die Räume, in denen sie ehemals als

Herrin gewaltet hat.

b.

In einem Bauernhause des Butjadingerlandes sah man

oft in einer Seitenstube einen Mann von kleiner Gestalt,

mit einem braunen Rock und einer weißen

Mütze bekleidet, vor einem offenen Schreibpult sitzen.

Er beschäftigte sich mit einem Stücke Papier,

welches er erst las und dann zerriß. Die Fetzen verbrannte

er an einem vor ihm stehenden Lichte; dann

verschwand er. Dieser kleine Mann war der verstorbene

Herr des Hauses, der ein Testament vernichtet und

dadurch sein Gut bekommen hatte. Nun hatte er im

Grabe keine Ruhe. Sein Sohn, um des Spukes los zu

werden, ließ das ganze Hinterhaus umreißen und ein

neues bauen, worauf der Geist verschwunden war.

c.

Ein reicher Mann in Emden dachte durch Betrug seinen

Reichtum noch zu vermehren und machte einen

falschen Bankerott. Allein sein böses Gewissen ließ

ihm keine Ruhe, und er brachte sich selbst ums

Leben. Nahe bei seinem Hause wohnte ein Müller,

der aber seine Mühle draußen vor der Stadt hatte.

Eines Abends begab sich der Müller von der Mühle

auf den Weg nach Hause; da es aber sehr stark zu regnen

anfing, spannte er seinen Schirm auf. Der Weg

führte ihn am Kirchhofe vorbei, und wie er bei diesem

vorüberging, kam ein Mann vom Kirchhof herab, trat

mit unter den Schirm und ging mit ihm des Weges

weiter. Der Müller fing an zu reden über das schlechte

Wetter und dies und das, bekam aber keine Antwort,

sodaß er bei sich dachte: »Wer mag das sein?« konnte

ihn aber bei der Dunkelheit nicht erkennen. Als sie in

die Stadt und zu dem Hause jenes Kaufmanns kamen,

der sich selbst getötet hatte, trat der Mann unter dem

Schirme weg, bestieg die Treppe, öffnete die Tür und

ging hinein. Der Müller blieb stehen, um das weitere

zu beobachten. Er sah, wie der Mann Licht machte, in

sein Kontor ging und unter Papieren kramte, und jetzt

erkannte er deutlich den Selbstmörder. Wie betäubt

ging der Müller nach Hause und sank ohnmächtig zu

Boden. Als er sich erholt hatte, erzählte er sein Begegnis,

verfiel aber hernach in eine Krankheit, an der

er auch bald darauf starb. (Delmenhorst).

d.

Ein Mann ging nach seinem Tode wieder, sodaß die

Leute im Hause keine Ruhe vor ihm hatten. Da ging

die Frau zum Pastoren und fragte ihn um Rat, was

dabei zu machen sei. Der Pastor fragte entgegen, was

für Zeug der Mann anhabe, und als die Frau erwiederte:

»Einen grauen (grisen) Rock,« da sagte der Pastor,

dann lasse sich nichts dabei tun. (Butjadgn.) –

Vgl. über die weißen und schwarzen Gewänder 173

a, c, e, h, 176 c, 182 c, i, l, n, 184 p.

e.

Im Hahner Busche, Ksp. Rastede, nahe bei der Hahner

Bäke, sieht man oft des Nachts ein Flämmchen.

Als nämlich einst das Gesinde auf dem Hahner Dobben,

einer Wiese, beim Heumachen war, begab sich

eins der Mädchen in den Busch und gebar ein Kind,

das sie in die Erde verscharrte. Dort nun, wo das Kind

begraben ist, zeigt sich die nächtliche Flamme.

f.

Eine Mutter saß mit ihren sechs erwachsenen Kindern

am Weihnachtsabend um den Tisch. Die Rede kam

auch darauf, wer unter ihnen am ersten sterben müsse,

und die Mutter sagte: »Sterbe ich zuerst und kann es,

so will ich euch erscheinen, wenn ihr alle wieder so

beisammen seid wie heute.« Die Töchter mahnten ab,

sie würden sich sehr erschrecken, aber die Mutter

sagte: »Natürlich würde ich euch nicht in solcher Gestalt

erscheinen, daß ihr darüber erschrecken müßtet.«

Im Laufe des Jahres starb die Mutter, und am Weihnachtsabend

waren die Kinder wieder alle um den

Tisch versammelt. Da kam ein helles blaues Flämmchen

hüpfend daher und flog dem einen Sohne an den

Arm. Ein Jahr darauf war er tot. (Elsfleth.)

g.

Einst lebte in Schwei ein Mann, der seinem Ehegelübde

wenig treu blieb: fast jedes Jahr wurde von seinen

Dienstmädchen eins entlassen, welches von dem

Herrn schwanger war. Das kostete ihn viel Geld, und

dennoch hatte er vor seinem Tode nicht für alle seine

unehelichen Kinder sorgen können. Als er nun gestorben

war, kam er des Nachts wieder, ging vor das Bett

seiner Frau, dann an den Geldschrank und verschwand

endlich in Gestalt einer Feuerflamme. Später

hat er sich auf einem Wege bei Schwei noch manchmal

gezeigt. Er begleitete die Vorübergehenden und

hat einmal einen Schneidermeister so geängstigt, daß

dieser Jahre lang nachher kränkelte.

Vgl. 183 m, 184 o.

h.

Bei Dinklage hatten zwei Heuerleute ihre Bauern auf

Anstiften eines Verwandten desselben, welcher die

Stelle erben wollte, ermordet. Sechs oder sieben Jahre

später ging ein Meister mit seinem Gesellen an der

waldigen Mordstelle vorüber. Da zeigte der eine Gesell,

welcher eben erst aus der Fremde zugereist und

mit dem Geschehenen ganz unbekannt war, auf einmal

eine große Angst. Auf Befragen erzählte er, er

habe gesehen, daß ein weißgekleideter Mann von

zwei glühenden Männern nach tapferer Gegenwehr

getötet und um die Ecke des Busches geschleift sei –

ganz so, wie die Sache sich früher zugetragen hatte.

i.

In der Nähe von Ovelgönne lassen sich am Sieltief

sieben feurige Kerle sehen, falsche Landmesser, die

im Grabe keine Ruhe haben.

Ein »gläuniger Kerl«, Priggenpiel genannt, kam

nachts von Suhle nach Hemmelte (Gem. Lastrup) herunter,

ging durch Ahrens Kaven am Wege nach Kneheim

zum Hemmelter Moor, in welchem er verschwand.

In Ahrens Kaven kroch er jedesmal durch

das Dach, eine große Oeffnung zurücklassend. Ahrens

mußten zuletzt den Schafstall abbrechen, weil sie das

Dach nicht dicht halten konnten. Die Leute hielten ihn

für einen Wiedergänger.

k.

Dar is mal'n Fro wäsen, de is ut wäsen un kummt lat

wedder na Hus. As se'n Flagg gahn is, do sütt se mitn

mal 'n lütjet Spoklecht vor sick updanzen. Se fat ähr

Schort apen un lett't dar henindanzen. As se in Hus is,

liggt ähr Mann all uppen Bette un se seggt: »Ich

heww di ok wat mitbrocht.« Mit dem lett se ähr

Schort los, un dar fallt wat up de Aer un klätert. As se

awers äben uppen Bedde is, kricht se so viel Kälte,

dat steckt un präkelt ähr an'n ganzen Liwe, dat se

ganz nich liggen kann. Se steit wedder up un steckt

Lucht an un do sütt se, dat dat, wat ähr ute Schorte

fullen is, 'n Minskenribbe is. Do seggt ähr Mann: »Nu

mößtu se wedder in de Schorte nähmen un bringen se

wedder up de Stä, war du se krägen hest.« Dat deit se,

un as se up de Stä is, makt se de Schörte apen, do

danzt 't ähr wedder as'n lütjet Spoklecht ute Schörte.

Un as se do wedder nan Bedde geit, kann se geruhig

liggen (Moorriem).

l.

Auf dem Löninger Esch vor Burlagen Fuhrenkamp

geht des Nachts ein glühender Pflug. Es hat einer dort

vor Zeiten fremdes Land abgepflügt und muß nun mit

dem Pfluge wiedergehen. – An einem Wege in Markhausen

liegt unter großen Bäumen ein Mutterschwein

mit fünf glühenden Ferkeln.

m.

In Vielstedt, Ksp. Hude, sieht man nachts auf dem

Felde einen Pflüger. Mann, Pflug und Roß sind feurig.

Der Mann ist ein früherer Bauer, welcher nun so

umgehen muß, weil er bei seinen Lebzeiten seinen

Nachbarn Land abpflügte. – Ein Bauer, welcher die

Grenzpfähle versetzt hatte zu Lebzeiten, muß im

Esche zwischen Westerbakum und Büschel nachts

von einem Pfahl auf den anderen springen, bis die

Pfähle wieder an der rechten Stelle stehen. – Ein Priester,

sagt man im Saterlande, der seinen Obliegenheiten

im Leben nicht nachgekommen, muß nach seinem

Tode in seiner früheren Kirche nachts zwischen 12

und 1 Uhr die Messe feiern. Um 1 Uhr muß er fertig

sein, dann ist der Bann gelöst. Er wird aber nie fertig.

Einmal fehlt dies, das andre Mal das. Darüber schlägt

es 1 Uhr und er verschwindet.

Vgl. 181 a, 184 n.

n.

Zwischen Norddöllen und Visbek in der Kibitzheide

soll im siebenjährigen Kriege ein hannoverscher Dragoner,

welcher zu Norddöllen einquartiert gewesen,

seine Frau umgebracht haben. An dieser Stelle geht

des Nachts ein großer schwarzer Hund, welcher von

vielen gesehen ist. Die Stelle wird daher nachts möglichst

gemieden.

o.

Ein reicher Mann war im Besitze eines fluchbeladenen

Erbes und zwar in Folge eines falschen Eides seines

Vaters oder Großvaters. Sobald er nach Sonnenuntergang

außerhalb des Hauses war, ward er von

einem großen schwarzen Hunde auf Schritt und Tritt

verfolgt. Er hielt sich deshalb meist zu Hause, aber

nun fiel er bald auf ein langes schmerzliches Krankenlager,

auf welchem er endlich starb. Während seiner

Krankheit fand sich der Hund wieder ein und wich

nicht von dem Bette des Kranken. Erst als dieser den

letzten Atemzug tat, schlich er aus dem Sterbezimmer

und verschwand.

p.

Zwei Freunde in Reitlande, Ksp. Seefeld, machten

unter sich aus, wer von ihnen zuerst sterbe, solle dem

anderen mitteilen, wo er geblieben sei, und an der

Stelle, welche das Teufelsmoor heißt, wollten sie sich

treffen. Acht Tage, nachdem der eine gestorben, ging

der andere auf den bestimmten Platz. Dort fand er

einen großen Hund, welcher eine Zeit lang hinter ihm

herlief, dann aber die Gestalt des Verstorbenen annahm

und sagte, er sei an den Platz gekommen, an

welchen alle Lasterhaften kämen. Dann verschwand

er, aber der Hund ist an jener Stelle noch öfter wieder

gesehen.

q.

Im Amte Damme starb eine alte Frau, welche in ihrer

Familie viel Uneinigkeit angestiftet hatte und namentlich

ihrer Schwiegertochter ohne Grund sehr abgeneigt

war. Nach ihrem Tode kam des Nachts immer

ein großer schwarzer Hund in die Seitentür des Hauses,

und wenn die Tür auch mit Steinen, Prullen (Gerümpel)

und Pfählen zugerammt wurde, kam der

Hund dennoch ins Haus, sah ins Bett, in die Wiege,

und legte sich neben der Wiege nieder. Wenn der

Morgen kam, so entfernte der Hund sich schleichend.

Als einst der Herr des Hauses einige Nächte abwesend

war, wurde das Haus noch außerordentlich verriegelt

und so viel vor die Haustür gestellt, bis sie die

Tür sicher glaubten. Als aber die Frau im Bette lag,

kam der Hund dennoch wieder und legte die Pfoten

auf den Seitenrand des Bettes, worüber sie eine

schreckliche Angst aushielt. In der zweiten Nacht

holte sie den Nachbarn zum Gesellschafter; sie ließen

das Licht brennen und setzten sich in der Stube hin.

Jetzt kam der Hund nicht ins Haus, sondern legte die

Pfoten aufs Fenster und sah herein. Die Frau sah ihn

gleich und rief: »Dar is he all wedder!« worauf der

Hund zurückging. Es dauerte aber nicht lange, so war

er wieder am Fenster und machte sich so groß, daß er

mit den Vorderpfoten bis an die oberen Scheiben

reichte. Sie wagten nun nicht weiter hinzusehen. Später

kam er noch jede Nacht wieder ins Haus, wenn

aber jemand fremdes im Hause war, so blieb er draußen.

Am Ende wurde er von einem Geistlichen durch

Beten vertrieben, hat sich auch nachher nicht wieder

sehen lassen.

r.

In der Herrlichkeit Gödens lebten auf einem Landgute

zwei Familien, Vater und Sohn, von denen man

immer sagte, sie hätten es mit dem Bösen zu tun. Die

Frau des Sohnes starb sehr bald aus Kummer, und

Vater und Mutter starben kurz hernach. Der Vater

aber hatte keine Ruhe im Grabe, sondern wirtschaftete

immer abends in und bei dem Hause herum und

wurde oft als ein großer Pudel gesehen. Der Sohn heiratete

wieder, hatte aber Gewissenspein und keine

Ruhe und erschoß sich eines Morgens im Garten. Nun

wurde der Spuk noch schlimmer, denn nun wirtschafteten

alle beide, Vater und Sohn, und irrten allnächtlich

als Hunde herum. Oft auch hörte man sie, ohne

sie zu sehen. Sie liefen in schnellen Tritten die Diele

herauf, dann wurden die Wagen auf und niedergerollt,

das Geschirr zur Erde geworfen, und sie rasselten im

Pferdestall mit Ketten, als wenn der ganze Stall voller

Pferde wäre, und doch war keins darin, denn es war

Sommer. Knechte und Arbeiter wollten zuletzt nicht

mehr im Hause bleiben. Wenn die beiden es gar zu

arg trieben, so ging die Frau auf die Kellerstube, stellte

einen Tisch vor den Spiegel, deckte eine Serviette

darüber, nahm ihre Bibel und setzte sich dem Spiegel

gegenüber und las und betete, worauf es dann ruhig

wurde. Es kam aber nicht eher Friede, als bis alle

Türen versetzt wurden. Die Frau ging aber noch jeden

Abend vor Schlafen auf die Kellerstube und verrichtete

ihr Gebet vor dem Spiegel.

s.

Der reiche Ratsherr Muhle zu Oldenburg ist auf

plötzliche Art zu seinem Reichtum gekommen. Wie

das zugegangen ist, weiß man nicht, aber man weiß

gewiß, daß er vorher ein armer Zimmergesell war,

und nachher war er so reich, daß er in seinem Garten

an jeden Stachelbeerenbusch einen goldenen Adler

hing. Wegen der Sünden die er begangen hat – er soll

auch seine Frau schlecht behandelt haben – muß er

nach seinem Tode umgehen, und das sowohl in seinem

Hause, das an der Achternstraße stand, und später

dem Weinhändler Bollmann gehörte, als auch in

seinem Garten, der an der Alexanderstraße lag und

später in den Besitz des Orgelbauers Schmidt überging.

In dem Garten hat man noch einen schwarzen

Hund umhergehen sehen. Wenn dieser Hund an eine

Bank unter einem Birnbaum, den Lieblingsplatz des

alten Muhle kommt, so stemmt er die Vorderpfoten

darauf, und dann verwandelt sich sein Gesicht in das

des alten Muhle. Auch sagen einige, der Hund, der

nachts in den Straßen der Stadt läuft, sei Muhle.

t.

In Visbek wohnte in früheren Jahren ein Vogt

Schwietering, welcher ganz willkürlich handelte, von

den Einwohnern viele Geschenke erpreßte und viele

Ländereien mit Gewalt und Unrecht an sich brachte.

Lange Jahre hatte er ohne alle Religion gelebt und die

Sakramente nicht empfangen. Als er nun krank wurde

und die Seinigen darauf drangen, daß ein Pastor geholt

würde, bei dem er beichten und sich bekehren

möchte, wollte er anfangs von dem alles nichts wissen;

doch zuletzt, als er seinem Ende nahe war, willigte

er ein und versprach zu beichten, aber nur bei

einem bestimmten Pater, welcher damals grade in

Emstek sich aufhielt. Rasch wurde Anstalt gemacht,

diesen Pater zu holen, und der Fuhrmann erhielt den

Befehl, doch so schnell als nur möglich zu fahren.

Aber sowie das Fuhrwerk mit dem Pater auf dem Erlter

Sandbrinke war, ging der Wagen ganz auseinander,

und die beiden, die darauf saßen, fielen zur Erde.

Da soll der Pater gesagt haben: »Jetzt geht der Teufel

mit dem Vogt los!« Als sie nun in aller Eile zu Fuße

ankamen, war der Vogt tot und war grade zu der Zeit

gestorben, als der Pater das gesagt hatte. Nach der

Zeit ist der Vogt wieder gekommen und hat in Visbek

und der Umgegend viel Schrecken verbreitet. Viele

haben ihn bald hier bald dort gesehen, und die Leute

haben eine solche Angst vor ihm gehabt, daß sich

kaum einer getrauen durfte, des Nachts durch Visbek

zu gehen. Als einst ein Mann aus Halter eines Abends

spät von Visbek nach Hause ging und vor Zeller

Averbeks Hause vorüber war, kam etwas hinter ihm,

und sowie er sich umsehen wollte, sprang es ihm auf

die Schultern und hielt ihn fest umklammert, sodaß er

es nicht los werden konnte, und es war auch sehr

schwer, sodaß er es kaum tragen konnte. Er glaubte

nun, daß es Schwietering sei, und erlitt davon soviel

Angst und Schrecken, daß er davon gleich, als er zu

Hause ankam, starb. – Ein andermal gingen zwei

Jünglinge des Nachts von Norddöllen nach Hogenbögen.

Als sie vor dem Dorfe waren, kam ein sehr großer

schwarzer Hund zu ihnen und begleitete sie eine

Zeit lang. Auf dem Rückwege fand sich der Hund

wieder in und blieb auf der nämlichen Straße stets

neben ihnen. Nicht lange nachher kamen sie in der

Nacht wieder desselben Weges, begegneten abermals

dem Hunde und wurden von ihm begleitet. Da fragte

der eine, wer er sei, und eine rauhe Stimme antwortete:

»Schwietering.« – Auch an den Markengrenzen

soll Schwietering gehen, weil er dieselben verrückt

hat, und mancher ist des Nachts an den Grenzen vor

ihm geflohen.

Die Familie Herzog, früher zwischen Dinklage und

Quakenbrück wohnhaft, hat im vorigen Jahrhundert

die in Schledehausen bei Bakum gelegene, jetzt vom

Pächter Lampe bewohnte Besitzung gekauft gehabt.

Der alte Herzog hat früher einen Mord begangen und

ist ein Jahr darauf plötzlich gestorben; sein Geist ist

aber zur Strafe in einen alten zottigen Pudel gefahren.

Dieser Pudel ist von Dinklage mit nach Schledehausen

herübergekommen. Jede Nacht um 12 Uhr fängt

dieser Pudel an, nicht zu heulen, sondern zu brüllen.

Die Angehörigen wagen nicht, das Tier zu töten, weil

dann er in ihm befindliche Geist nicht befreit werden

kann. Er wird nämlich nur dann befreit werden, wenn

der Pudel eines natürlichen Todes gestorben ist, sonst

muß er wieder in einen anderen Pudel wandern. Endlich

aber der nächtlichen Störung müde, laden sie den

Pudel um Mitternacht auf einen Wagen und fahren ihn

nach dem Wohld zurück, wo sie ihn in finsterer Nacht

abladen und festbinden. Dort mag er brüllen. Drei

Jahre darauf findet sich um Mitternacht der alte Pudel

in Schledehausen wieder ein und stimmt sein altes

Gebrüll wieder an. Keiner wagt vor Angst sich aus

dem Hause. Am andern Morgen findet man den Hund

vor der Haustüre. Der Geifer fließt ihm aus dem

Maule, er ist tot. In derselben Nacht stirbt auch plötzlich

der damalige Besitzer der Lampen Stelle.

Als in Friesoythe in münsterschen Zeiten noch Militär

lag, stand ein Posten vor dem Wachthause am

jetzigen Markt. Der Oberst wollte die Zuverlässigkeit

der Wachtsoldaten prüfen und hatte sich ein Drahtgestell

mit einem Hundekopf machen lassen, in das er

zur Nachtzeit hineinschlüpfte und dann auf allen Vieren

bis an das Wachthaus herankroch, um die Wache

zu erschrecken. Einige Male waren die wachthabenden

Soldaten in abergläubischer Furcht davon gelaufen,

schließlich nahm sich einer ein Herz und lief mit

den Worten: »Ick stäk en dör un wenn't uk de Düwel

is,« auf das Ungetüm los und bohrte seinen Säbel in

dessen Leib. Der Oberst war tot. Jetzt spukt er in Gestalt

eines schwarzen Hundes in der Gegend, wo sich

früher die alte Wallstraße befand.

In der Nähe eines Hauses in Bokah bei Bunnen

(Gem. Löningen) zeigte sich öfters ein großer schwarzer

Hund. Einige hielten ihn für den Teufel, andere

für einen Verdammten. Man wandte sich an einen

Pater, der den Spuk nach dem »witten Moor« trieb,

einem Sumpf zwischen Bokah und Menslage. Der

Pater hinterließ den Hausleuten, die bislang durch den

Hund belästigt worden, einen Brief mit dem Auftrage,

denselben an den 4 Hochzeiten des Jahres zu lesen.

Seitdem ist der schwarze Hund verschwunden.

u.

Sprengepyl war ein Edelmann, der auf seinem Gute zu

Vechta wohnte. Er hatte viele Knappen und eine

große Dienerschaft und war ein sehr mächtiger Herr.

Weitumher fürchtete sich alles vor ihm, denn er war

ein Bösewicht, welcher viele beraubt und unschuldig

gemordet, namentlich auch viele Mädchen entführt

und geschändet hatte. Als es nun zuletzt mit ihm zum

Sterben kam, wurde seine Dienerschaft mit Gewalt

vom Schlosse vertrieben. Er aber hatte keine Ruhe im

Grabe, sondern kam wieder und tobte des Nachts

unter furchtbarem Gepolter und Lärmen umher, sodaß

niemand seine Burg bewohnen wollte, und diese also

lange wüst stand, und die Gebäude zuletzt verfielen.

Endlich baten Paters um den Platz zum Bau eines

Klosters und einer Kirche und erhielten ihn auch. Als

sie Kloster und Kirche fertig hatten, Sprengepyl aber

noch immer sein Wesen trieb, wußten ihn die Paters

zu bändigen und schlossen ihn mit einer starken eisernen

Kette in der Kirche hinter dem Hochaltar an, wo

er als ein großer schwarzer Hund (nach andern als ein

schwarzer Stein) liegen mußte. Als nachher das Kloster

einging, und die Paters es verlassen mußten,

zogen sie aus und dachten an Sprengepyl nicht weiter,

bis es zuletzt einem von ihnen einfiel. Da ging er zu-

rück, um, wie er sagte, etwas, was er vergessen, nachzuholen,

und machte Sprengepyl los. Seit dieser Zeit

nun tobt Sprengepyl des Nachts wieder umher, bald

mit Kettengerassel, weil er die Kette, mit welcher er

angeschlossen war, noch mit sich schleppt, bald mit

einem Gepolter, als wenn alles übereinander geworfen

und zerbrochen würde, bald als großer schwarzer

Hund von der Größe eines jährigen Kalbes und mit

tellergroßen Augen. Er läuft mit einer Kette um den

Hals vom Klostergarten über den Kapitelplatz durch

die Stadt und kehrt über die Stadtsbleiche nach dem

Garten zurück. Allnächtlich visitierte er früher die Posten

der Citadelle und weckte sie, wenn sie eingeschlafen

waren, indem er ihnen die Vorderfüße auf die

Schultern legte. – Sprengepyl durchwandelt auch Lastrup,

und zwar geht er in Gestalt eines großen

schwarzen Hundes von der Brücke über die Ruhr

(zwischen der Pfarre und der ehemaligen Burg) ab.

Überall wo er vorbeigeht, springen die Schlösser

auf. – Er spukt auch in Altenoythe; in Schemde bei

Steinfeld geht er in ein Bauernhaus, durch die Türe in

die Stube. Ist die Türe abends auch noch so dicht verschlossen,

am andern Morgen steht sie offen. –

Sprengepyl wird auch der ursprüngliche Gegenstand

der folgenden Nachricht aus Wildeshausen sein: Der

hier unter dem Namen Trentepyl im Volksmunde bekannte

Hund mit glühenden grünen Augen, welcher

hier zu Zeiten erscheint, soll ein strenger Hauptmann

beim Militär gewesen sein, der eine schlafende

Schildwache erstochen hat und nun umgeht, um vorzugsweise

jede schlafende Schildwache aufzuwecken.

Vgl. 204p. – Andere Wiedergänger in Hundegestalt

180a, 183b, m, 184d, 261a, 519e.

v.

Zwei Brüder im Saterlande hatten ein Mädchen lieb.

Da nun der eine sah, daß das Mädchen seinem Bruder

mehr Liebe schenkte als ihm, nahm er sich vor, seinen

Bruder aus dem Wege zu räumen. Da er nun eines

Abends merkte, daß sein Bruder das Mädchen nach

Hause begleitete, ging er ihm nach und versteckte sich

unter eine kleine Brücke, über welche der Bruder

mußte, wenn er von dem Mädchen zurückkehrte. Als

nach langem Warten der glücklichere endlich kam,

sprang jener unter der Brücke hervor und versetzte

ihm einen Stich in den Unterleib, daß sogleich die Gedärme

heraushingen, und der Verwundete bald darauf

starb. Der Mörder nahm die Flucht, und niemand

wußte, wohin er geflohen war. Aber nicht lange, so

wurde er oft und von vielen gesehen. Er ging dann

von der Mordstelle über einen Esch und hierauf nach

dem Flusse, der Sater-Ems, an deren Ufer er so lange

stehen blieb, bis jemand mit einem Fahrzeuge vorüberzog.

Dann bat er, sie möchten ihn übersetzen.

Geschah dies, so legte er ein Stück Geld auf die Mastbank

und stieg dann aus. Dabei sahen denn die Leute

zu ihrem Schrecken, daß er einen Pferdefuß hatte.

Dies ist oft und an vielen Stellen gesehen.

w.

Zwischen Altenoythe und Friesoythe liegt am Wege

der sog. Köllnerskamp. In diesem Kampe zeigt sich

um Mitternacht eine schwarze Gestalt wie ein Pferd.

Nähert man sich und sieht dieselbe an, so wird sie

immer größer. Bleibt man dann noch stehen oder tut

etwas dagegen, so wird man dermaßen an den Kopf

geschlagen, daß man bewußtlos hinfällt. Es soll früher

aus diesem Kamp ein Pferd gestohlen sein, und

der Dieb nun in dieser Gestalt wiedergehen.

x.

In der Nähe des Hasbruchs hauste ehemals ein Edelmann,

ein grausamer wilder Mann und eifriger Jäger.

Einst hatte er einen Eber verfolgt, aber die Hand fehlte,

der Spieß fuhr vorbei, und er mußte vor dem grimmigen

Tiere auf einen Baum flüchten. Da kam grade

ein Hausierer mit schwerem Bündel auf dem Rücken

des Weges, und der Eber lief ihn an, stieß ihn mit seinen

Hauern und warf ihn schwer verwundet zu Boden,

dann entfernte er sich in den Wald. Der Edelmann

aber raffte seinen Spieß auf und stieß ihn dem Verwundeten,

dessen Gepäck seine Habgier reizte, in die

Brust. Aber wie er das getan, verwandelte er sich in

einen Eber und muß nun in dieser Gestalt allnächtlich

um die Mitternachtsstunde schnaubend und brüllend

durch die Heide rennen, und auf ihm sitzt die blutige

Gestalt des ermordeten Hausierers und treibt ihn mit

seinem Jagdspieße an.

y.

In der Bauerschaft Astrup, Ksp. Visbek, ist eine Stelle,

die Otto- und Otteburg geheißen. Dort soll früher

ein Ritter namens Otto gewohnt haben, welcher in der

Umgegend viel geraubt und geplündert hat. Zuletzt

haben sich die Bauern zusammengetan, und mit Hilfe

eines Ritters, welcher Otto auch feind war, haben sie

ihn erschlagen und die Burg zerstört. Nachher ist es

aber dort nicht geheuer gewesen, und ist oft ein

schwarzes Pferd dort gesehen worden. So noch vor einigen

Jahren. Ein Mann von Norddöllen, welcher

nachts dort vorbeikam, glaubte etwas zu hören, und

wie er aufsah, stand ein schwarzes Pferd vor ihm auf

dem Fußwege. Er blieb stehen und sah es staunend

an, und als er wegging, ging das Pferd etwa vier

Schritte vor ihm her bis an einen Zaun, und während

er bei sich dachte, wie das Pferd vor dem Zaune sich

wohl machen werde, ging es ohne das geringste Geräusch

hinüber, obschon der Zaun seine vier Fuß hoch

war, und war dann verschwunden. – Die Burg hat

Zeller Luesse vor langen Jahren zu einer Wiese abtragen

lassen und daselbst noch einen Kesselhaken und

eine Feuerzange gefunden, beide sehr groß und stark,

aber so verrostet, daß sie nicht zu erhalten waren. –

Ein Wiedergänger als Hase 550a.

z.

In Lüsche (Kirchsp. Vestrup) hat man in früheren

Jahren beobachtet, daß ein großer schwarzer Hund,

mit einer Kette um den Hals, von Calhorn kam, den

Weg nach Ellemanns Haus einschlug und von da zu

der Brücke ging, die über den Bach führt, der Hausstette

von Lüsche trennt. Dort hielt er sich dann in

einem bestimmten Busche auf, wo man auch schon oft

ein Licht gesehen hat. – In einem Hause in Warnstedt

ging eine Frau wieder und beunruhigte die Hausbewohner.

Bisweilen erschien sie in Gestalt einer glühenden

Katze. Um sie zu verbannen, holte man einen

Pater aus Vechta. Nachdem dieser seinen Auftrag ausgeführt

hatte, brachte ihn der Knecht per Wagen zurück.

Man nahm den Weg über Lüsche und kam zu

der Furt zwischen Lüsche und Vestrup, in deren Nähe

der Häusler Ellemann wohnt. Als der Wagen sich mitten

im Bache befand, warf der Pater ein Bund Stroh in

das Wasser. Als der Knecht seinen Gast in Vechta abgeliefert

hatte, sagte dieser: »Wenn du wieder durch

den Bach fährst und das Strohbund noch vorfindest,

so laß es liegen. Kommt nach der Durchfahrt eine

Frau an deinen Wagen und will mitfahren, dann

sprich kein Wort und fahre rasch weiter.« Der Knecht

fand bei der Rückkehr das Strohbund noch vor, und

gleich nach der Durchfahrt erschien eine Frau am

Wagen und bat flehentlich, mitgenommen zu werden.

Eingedenk der Warnung sagte er jedoch nichts, hieb

auf die Pferde ein und fuhr rasch weiter. Die Frau versuchte

auf den Wagen zu springen, kam aber nicht

mit. Seit der Zeit war es bei jener Furt nicht richtig.


Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg - 991 Seiten

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