Читать книгу Lebensgeschichten - heiter bis wolkig - Monika Anders - Страница 7
Kunstladen Micha
ОглавлениеIn unserer kleinen Allee in einem ruhigen Vorort Kölns, wo mein Elternhaus stand und ich mit meinen Eltern und Geschwistern lebte, gab es an der Ecke einen kleinen „Tante-Emma-Laden“ mit Konserven, frischem Gemüse, Wurst- und Käsetheke. Neben diesem Geschäftchen befand sich ein Friseurladen, der nach einigen Jahren allerdings wegen des geringen Zulaufs ausreichender Damen, schließen musste.
Dort siedelte sich nach einigen Monaten ein Kunsthändler an. Was er mit seiner Kunst dort wollte, wo sich nicht mal ein Friseurgeschäft halten konnte, war wohl sein Geheimnis.
Auf jeden Fall stellte er eines Tages in seinem Schaufenster einen großen, dicken Ast aus, der mit silbernem Lack überzogen war. In ihm steckten zahlreiche, hineingeschlagene Nägel in wirrer Anordnung. Den Preis für dieses „Kunstwerk“ erinnere ich nicht mehr.
Mein Brüderchen, damals ungefähr 10 Jahre alt, fühlte sich wohl durch dieses Kunstwerk inspiriert und bastelte ein eigenes. Ebenfalls mit silbernem Lack besprüht und mit Nägeln malträtiert. Damit setzte er sich mit seinem Kunstwerk unter die herrlichen Riesenpappeln unserer Allee an einen Tisch, den er genau dem Kunstladen gegenüber aufstellte.
Der Kunsthändler kam herausgestürmt und wetterte und beschimpfte ihn. Sein Gegenstand sei Kunst und Micha solle gefälligst verschwinden.
Der ging nach Hause, erzählte alles unserem Vater und zusammen gingen sie dann am nächsten Tag zum Kunsthändler.
Was dort vorgefallen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls hat der Kunsthändler ein paar Tage später seinen Kram gepackt und ist auf Nimmerwiedersehen verschwunden.