Читать книгу Die Katze – 360 Grad - Monika Weßeling - Страница 5
ОглавлениеKAPITEL 2
Die Katze in der Geschichte
Katzen gibt es seit etwa 30–40 Millionen Jahren. Die Hauskatze gehört zur Gattung Felis, welche neun Arten umfasst. Eine Art ist die Falbkatze. Von ihr stammt unsere Hauskatze ab.
Der Name „Hauskatze“ wird für Katzen verwendet, die keiner bestimmten Rasse angehören. Die Rassekatzen sind durch Züchtung entstanden und weisen bestimmte Eigenschaften auf.
Katzen haben bereits vor etwa 9.000 Jahren die Nähe des Menschen gesucht. Sie fingen Mäuse und Ratten in den Getreidekammern. Der Mensch stellte schnell fest, dass die Katze ihn so vor wirtschaftlichen Schäden bewahrte. Zudem versorgte sie sich selbst. Ihre Selbstständigkeit wurde schon damals von den Menschen geschätzt.
Wann genau die Katze zum Haustier wurde, lässt sich nicht belegen. Vermutlich geschah dies in kleinen Schritten.
Die Katze hatte jedoch ebenfalls einen Nutzen durch ihre Beziehung zum Menschen: Sie erhielt Wasser, Futter sowie Schutz vor dem Wetter und vor ihren natürlichen Feinden. Andererseits verlor sie Freiheiten und hatte nur noch einen beschränkten Bereich zur Verfügung.
Die Domestizierung der Katze begann im Nahen Osten ab dem dritten Jahrtausend vor Christus. Manche Menschen sprechen übrigens davon, dass die Katze die Menschen domestiziert hat.
In Ägypten wurden die Katzen verehrt. Die frühägyptische Kunst zeigt sehr deutlich die Entwicklung der Katze zum vergötterten Tier in der Religion. Die Ägypter glaubten daran, dass ihre Götter in Tiergestalt in ihrer Welt erscheinen konnten. Deshalb behandelten sie die Katzen sehr gut.
Die Katzengöttin Bastet, Tochter des Sonnengottes Ra, war die Göttin der Fruchtbarkeit, der Fröhlichkeit, des Tanzes, der Liebe und Schönheit. Sie wird oft als Frau mit Löwenkopf dargestellt. Bastet war nicht nur Tochter und gleichzeitig Ehefrau des Sonnengottes Ra, sondern auch Tochter des Osiris, des Gottes des Totenreiches. Häufig hält sie ein Amulett in der Hand, das die Form eines Katzenauges hat.
Wenn eine Katze starb, rasierten sich die Familienmitglieder als Zeichen ihrer Trauer die Augenbrauen ab. Wer eine Katze tötete, wurde sofort mit dem Tod bestraft.
Bei Ausgrabungen wurden mumifizierte und teilweise sehr junge Katzen gefunden. Vermutlich wurden sie für die Mumifizierung gezüchtet. Untersuchungen ergaben, dass sie getigert und ca. 15 Prozent größer als unsere heutigen Hauskatzen waren. Auf Gräbern und Gegenständen des Hausrats waren Zeichnungen von Katzen vorhanden. In einigen Grabkammern fanden sich Statuen. Vielen Katzen gab man Spielzeuge mit in ihr Grab.
Tempelkatzen lebten bis zu ihrem Tod in Tempeln und wurden von mehreren Priestern und Priesterinnen betreut – ein hoch angesehenes Amt! Sie wurden feierlich beerdigt und anschließend einbalsamiert.
Auf griechischen Vasen finden sich viele Bilder von Hauskatzen aus der Zeit um 480 und 440 vor Christus. Die Katze wurde zu dieser Zeit bereits als Haustier betrachtet.
In Indien begleitete die Katze häufig Zeremonien religiöser Art.
In China um 1.500 vor Christus wurden die Seidenraupen-Kokons von Katzen beschützt. In den Tempeln kümmerten sich die felinen Jäger um die Mäuse und Ratten und bewahrten so die alten Handschriften vor Beschädigung.
Im frühen Mittelalter war die Bedeutung der Katze gering. Als später über das Meer viele Schädlinge, wie Ratten und Mäuse, ins Land kamen und sich ausbreiteten, mussten diese getötet werden. Die Hauskatze übernahm diese Aufgabe mit Vergnügen.
Jedoch fiel die Katze zu dieser Zeit dem Aberglauben der Menschen zum Opfer. Die Menschen dachten, dass sich Hexen in Katzen verwandeln konnten. Insbesondere schwarze Katzen hatten einen schweren Stand, weil sie mit schwarzer Magie in Zusammenhang gebracht wurden. Die Nachtaktivität und die im Dunkeln leuchtenden Augen trugen dazu bei, den Katzen hexenhafte Verbindungen zu unterstellen. Nicht selten wurden Katzen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Heute noch sind es die schwarzen Katzen, die im Tierheim zurückbleiben, obwohl sie ebenso liebenswert sind wie andere Katzen.
Bei Adel und Klerus sowie dem ärmeren Volk fanden sich viele Katzenliebhaber. Im zehnten Jahrhundert lebten die Katzen in England beim Hof. Sie wurden als Begleiter geschätzt und waren sehr wertvoll.
Im elften Jahrhundert wurde Katzenfell von den Wikingern getragen und die Felle wurden zur Handelsware. Die Menschen glaubten, damit Rheuma- und Gichterkrankungen vorbeugen zu können.
Die Chinesen gingen davon aus, dass Katzen mit Erreichen des zehnten Lebensjahres, anfangen würden zu sprechen und sich später in ein anderes Tier verwandeln könnten.
Vom 15. bis 18. Jahrhundert gelangten die Katzen auf den Schiffen weiter nach Nordamerika, Australien und Neuseeland. Gefleckte Felle der Wildkatzen waren im 16. und 17. Jahrhundert sehr gefragt. Dafür wurden die Wildkatzen verfolgt und gejagt. Schiffskatzen wurden fester Bestandteil von Schiffscrews, sie wurden als Glücksbringer geschätzt.
Im 17. Jahrhundert begann eine Katzensammelleidenschaft, die bis heute anhält. Anfangs zählten hauptsächlich Katzenfiguren aus Porzellan dazu, im 19. Jahrhundert auch von Fabergé. Diese eigneten sich besonders zur Verschönerung des Kamins. Heute sind solche Stücke nur noch schwer erhältlich und von entsprechend hohem Wert. Später entstanden dann Katzen aus den unterschiedlichsten Materialien, wie Metall, Plüsch etc. Nicht nur Postkarten, auch Briefmarken, wurden mit Bildern von Katzen versehen.
Mit dem Beginn der industriellen Revolution, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, nahm die Beliebtheit der Katzen zu.
Im 19. Jahrhundert gab es viele Künstler, die Porträts von Katzen malten. Im 20. Jahrhundert hatte die Katze einen festen Platz in der Kunst gefunden. Auf Bildern von Pablo Picasso, Franz Marc und anderen Berühmtheiten sind Katzen dargestellt.
Auch schaffte es die Katze, in verschiedenen Filmen und in der Werbung aufzutreten. Cartoons mit Katzen wurden immer beliebter.
Vor etwa 100 Jahren begann eine gezielte Katzenzucht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Katzenstatur sowie Fellfarbe, -länge und -zeichnung an die Lebensbedingungen angepasst.
Erst in den dreißiger Jahren begannen Züchter in Norwegen, die Norwegische Waldkatze zu züchten, da in Skandinavien Rassekatzen immer beliebter wurden. Im 20. Jahrhundert wurden Rassen wie die Türkisch Van und die Norwegische Waldkatze als eigenständige Rassen anerkannt.
Heute werden Katzen besonders in Japan, China und Thailand verehrt. In Tokio wurde der Tempel Gotokuji zu Ehren der Katze Maneki Neko erbaut. Diese wurde später weltweit als Winkekatze bekannt. Die Figur winkt mittels Batteriebetrieb unermüdlich mit ihrer Pfote, was zu Reichtum verhelfen und im Handel potenzielle Käufer anlocken soll. Diese Glücksbringer sind auch heute noch in vielen Haushalten und fast in jedem chinesischen Geschäft zu finden.
Heute zählt die Katze zu den beliebtesten Heimtieren. Insgesamt leben 14,7 Millionen Samtpfoten in 23 Prozent der deutschen Haushalte (Quelle: Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e. V., Stand 2019).
Viele Katzenhalter haben mehr als ein Tier. Katzen nehmen im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle ein.
Vor allem viele Singles halten eine oder mehrere Katzen. Warum ist das so? Singles und Katzen sind die idealen Partner. In Single-Haushalten geht es gewöhnlich ruhig zu, das mögen Katzen. Zudem gibt es genügend Schmuseeinheiten und Spielstunden. Der Alleinstehende weiß die Selbstständigkeit und Individualität der Katze zu schätzen.
Hauskatzen wiegen durchschnittlich 4 kg. Es gibt viele Fellfarben und -zeichnungen. Vielfach überwiegt die „gestromte“ Zeichnung mit einem Anteil von weißem Fell.
Der Großteil der Katzen wird heute zwischen 15 und 20 Jahre alt.
Es gibt die Redewendung, dass Katzen sieben Leben besitzen. Im angelsächsischen Raum ist sogar von neun Leben die Rede. Das hat die Katze ihrer Widerstandsfähigkeit und ihrer Robustheit zu verdanken.
In Deutschland gibt es noch heute Wildkatzen, die frei leben. Die Wildkatze hat im Gegensatz zu der großen und getigerten Hauskatze einen dicken Schwanz mit einer abgerundeten Spitze.
Eine Katze wird sich nie vollständig zähmen lassen, sie wird immer ihre Individualität bewahren. Das ist das Geheimnis unserer Samtpfoten.