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Matthäus macht es kompliziert

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Karl schreckt hoch. Ein lautes Geräusch hat ihn aufgeweckt. Er öffnet die Augen und sieht sich verwundert um. Er liegt in einem sehr schmalen Bett in einem winzigen, ihm unbekannten Raum. Wo kann er nur sein? Zunächst findet sich Karl überhaupt nicht zurecht. Doch dann erinnert er sich: Er ist in seinem Zimmer im Hostel in Kopenhagen – in dem Zimmer mit der Nummer 7. Karl blickt auf seine digitale Armbanduhr: Es ist ein Uhr mittags. Lange kann er also nicht geschlafen haben. Dann hört Karl erneut dieses Geräusch, das ihn soeben aus dem Schlaf gerissen hat. Kein Zweifel: Irgendwer bummert gegen seine Zimmertür – und zwar ziemlich heftig. Er hört jemanden nach sich rufen: „Karl, bist du endlich fertig?“

Karl erkennt die Stimme sofort. Es ist die seines Kollegen Matthäus. Er und Cordula stehen vor Karls Zimmertür und wollen jetzt aufbrechen. Schnell springt Karl aus dem Bett, läuft auf seinen grünen Sportsocken zur Tür und öffnet diese.

„Bist du endlich so weit? Wir wollen losgehen. Wir beide sind schon lange fertig und du hast alle Zeit der Welt“, tadelt Matthäus Karl vorwurfsvoll. Eingeschüchtert eilt dieser wieder in sein Zimmer, zieht sich seine Schuhe und seine Regenjacke an und läuft zu seinen beiden Kollegen, die an der Tür auf ihn warten, zurück.

„Na endlich“, meint Matthäus. „Dann können wir ja jetzt starten.“

„Wohin gehen wir eigentlich?“, meldet sich Karl zaghaft zu Wort.

„Um halb drei beginnt doch die Stadtführung, Karl. Und Matthäus und ich haben uns entschlossen, die Zeit bis dahin sinnvoll zu nutzen und uns schon einmal auf eigene Faust ein wenig in der Stadt umzusehen. Na, was hältst du davon?“, erläutert Cordula voller guter Laune ihr Vorhaben. Karl hält davon nicht sonderlich viel. Lieber würde er noch eine Weile in seinem Bett ruhen. Aber seinen beiden Kollegen will er sich natürlich nicht widersetzen. Also schreiten die drei durch den Gang und dann durch den Eingangsraum, in dem sie sich durch das Getümmel an neuankommenden Gästen drängen müssen. Schließlich stehen sie auf der Straße vor dem Hostel und sehen sich um.

„Wo gehts denn lang?“, fragt Cordula ihre Kollegen. Sie blickt zunächst zu Karl, der davon nicht den Hauch einer Ahnung hat, und dann zu Matthäus. Dieser ist selbstverständlich bestens vorbereitet.

„Das Hostel befindet sich in der Nähe des dreiflügeligen Repräsentantenhauses Schloss Christiansborg und der alten Börse, die insbesondere für ihren verschlungenen Dachreiter bekannt ist. Deshalb werden wir dort als Erstes hingehen“, legt Matthäus fachkundig dar.

„Fantastisch!“, ruft Cordula erfreut. Dann geht sie auf die andere Straßenseite, um ein Foto vom Hostel zu schießen, was sich aufgrund der Breite des Gebäudes nicht ganz einfach gestaltet.

„Bevor wir allerdings unseren Fokus auf die touristischen Events der Stadt legen wollen, muss ich noch schnell mein Geld wechseln“, erläutert Matthäus unterdessen.

„Was willst du wechseln?“, fragt Karl, der nur mit einem Ohr zugehört hat, verwundert nach.

„Na, Euros in Dänische Kronen eben, was sonst? Hast du das etwa auch noch nicht gemacht?“, erwidert Matthäus.

„Nein, hab ich nicht“, antwortet Karl kleinlaut und unsicher, versteht aber nicht recht, worauf Matthäus eigentlich hinauswill. Er erwartet, sein Kollege werde ihn jetzt aufgrund dieses Versäumnisses zurechtweisen. Doch da irrt er sich gewaltig.

„Das war aber ungewöhnlich clever von dir“, entgegnet Matthäus nämlich zu Karls großer Verwunderung. „Immerhin dürften hier in Kopenhagen die Wechselkurse wesentlich günstiger sein als bei uns zu Hause. Wir müssen also nur schnell eine Bank finden und dann können wir beide unser Geld wechseln.“

„Bank finden? Geld wechseln?“, erkundigt sich Cordula, die, während sie ihr Foto gemacht hat, dem Gespräch der beiden nicht folgen konnte und nur Matthäus' letzte Wortfetzen mitbekommen hat. „Habt ihr beide das etwa noch nicht erledigt?“, fragt sie vorwurfsvoll.

„Selbstverständlich nicht. Die Wechselkurse für Dänische Kronen hier in Kopenhagen sind deutlich besser als in unseren heimischen Banken. Dies ist ja wohl allgemein bekannt. Und deshalb ist es nur höchst clever von mir – und überraschenderweise sogar von Karl –, dass wir das erst jetzt erledigen“, entgegnet Matthäus überzeugt. Cordula hingegen kann dieser Art der Cleverness wenig abgewinnen.

„Och nee, ihr beiden! Das darf doch jetzt nicht wahr sein! Da sind wir nach so vielen Stunden Busfahrt endlich in Kopenhagen angekommen, wollen die Stadt besichtigen und ganz viele tolle Fotos schießen. So viel Zeit haben wir nun auch wieder nicht, bis die Stadtführung beginnt. Bis dahin müssen wir auf jeden Fall zurück sein. Und jetzt müssen wir wegen euch zunächst einmal stundenlang durch die Stadt irren, damit ihr irgendwo Kronen eintauschen könnt. Und das nur, weil ihr beide zu geizig seid. Ihr solltet euch wirklich schämen!“, tadelt Cordula ihre Kollegen.

„Also, eigentlich stimmt das nicht so ganz. Ich äh …“, setzt Karl zu einer Richtigstellung der Tatsachen an, überlegt es sich dann aber doch anders. Ihm war gar nicht bewusst, dass man in Dänemark nicht mit Euro bezahlt und er deshalb sein Geld in Kronen eintauschen muss. Einzig und allein aus diesem Grund hat er dies noch nicht erledigt, nicht etwa aus Geiz – und erst recht nicht aus Klugheit. Doch das möchte er seinen Kollegen lieber nicht offenbaren. Vor allem Matthäus, der ihn eben noch so gelobt hat, würde ihn bestimmt auslachen. Also weiß Karl nicht so recht, was er jetzt weiter sagen soll. Unerwartet hilft ihm Matthäus aus der Patsche:

„Karl hat völlig recht. Das stimmt wirklich nicht so ganz. Wir müssen doch nicht stundenlang durch die Stadt irren, nur um ein paar Kronen einzutauschen. Wir befinden uns gar nicht weit entfernt vom Kongens Nytorv, an dem die Haupteinkaufsstraße Strøget beginnt. Dort finden wir bestimmt haufenweise Banken und Wechselstuben“, legt Matthäus dar und trotz Cordulas vorwurfsvollem Kopfschütteln machen sich die drei Kollegen nun auf den Weg.

Tatsächlich behält Matthäus recht: Die drei sind keine fünf Minuten unterwegs, da entdeckt Matthäus ein großes Bankgebäude.

„Da vorne ist eine Bank. Dort werden der Karl und ich jetzt reingehen und unser Geld wechseln. Und wenn das erledigt ist, haben wir immer noch Zeit genug“, führt Matthäus aus und steuert zielstrebig auf den Eingang des Bankgebäudes zu. Unsicher blickt Karl zu Cordula, die genervt die Backen aufbläst und geräuschvoll die Luft wieder entweichen lässt. Dann folgt er dem voraneilenden Matthäus durch eine gläserne Drehtür ins Innere des Gebäudes.

In der Eingangshalle angekommen sieht Karl eine Reihe von Schaltern. Glücklicherweise ist die Bank derzeit nicht gut besucht. Der einzige andere Kunde neben ihm ist Matthäus, der bereits an einem Schalter steht und in seinem dänischen Wörterbuch blättert. Zögerlich steuert Karl einen anderen Schalter an und wird sogleich freundlich – wohl aber auf Dänisch – begrüßt. Natürlich versteht er kein Wort. Aber das ist gar nicht weiter schlimm. Aus seinem Portemonnaie holt Karl einige Geldscheine heraus, legt sie auf den Tresen und sagt laut: „Kronen.“

Das scheint die Bankangestellte verstanden zu haben. Sie greift nach Karls Geldscheinen, zählt nach, öffnet eine Kasse, verstaut dort das Geld und entnimmt ihr eine abgezählte Menge an Dänischen Kronen2 in Scheinen, die sie zum Nachzählen vor Karls Augen auffächert. Dieser nimmt das Geld entgegen, nickt dankbar, dreht sich um und steuert zufrieden den Ausgang an. Er ist richtig stolz auf sich. Er hat es geschafft. Und es war gar nicht so schwer, wie Karl dachte.

Dann fällt sein Blick auf seinen Kollegen Matthäus. Dieser steht immer noch an seinem Schalter und fuchtelt wild mit einer Hand in der Luft herum. Mit der anderen Hand blättert er hektisch in seinem dänischen Wörterbuch, das er auf dem Tresen abgelegt hat. Karl ist zu weit entfernt, um zu verstehen, was Matthäus von sich gibt, aber nach seiner wilden Gestikulation zu urteilen, befindet er sich in einer ziemlich harten Geschäftsverhandlung. Darauf lässt auch der verzweifelte Blick seines Gegenübers schließen.

Anders als Karl hat Matthäus natürlich nicht einfach Geld auf den Tresen gelegt und sich eine entsprechende Anzahl an Kronen aushändigen lassen, sondern sich zunächst mithilfe seines Wörterbuchs nach dem aktuellen Wechselkurs erkundigt. Denn selbstverständlich möchte er sein Geld zu einem möglichst günstigen Kurs eintauschen. Der Mann am Schalter hat Matthäus bereitwillig Auskunft über den Kurs erteilt. Nur ist Matthäus mit dem genannten Wechselkurs ganz und gar nicht einverstanden. Schließlich hat er extra sein Geld noch nicht zu Hause gewechselt, um hier ein besonders gutes Geschäft zu machen. Und nun versucht er, mit dem Bankangestellten zu verhandeln, um einen besseren Kurs zu erhalten. Doch das ist selbstverständlich nicht möglich und so bleiben seine Bemühungen leider ohne substantielles Ergebnis.

Mittlerweile ist Karl wieder draußen vor der Tür bei Cordula angekommen.

„Wo hast du denn Matthäus gelassen?“, erkundigt sich diese verwundert, als sie sieht, dass Karl ganz alleine ist.

„Ich weiß nicht. Der stand noch am Schalter“, antwortet Karl. Genervt warten die beiden auf ihren Kollegen. Seit Karl die Bank verlassen hat, sind nun bereits über fünf Minuten vergangen.

„Wo bleibt nur Matthäus?“, fragt Cordula und blickt wütend zur Eingangstür der Bank. Sie will gerade hineingehen, um ihren Kollegen eigenhändig aus dem Gebäude zu tragen, als ebendieser selbstsicher aus der Tür auf die Straße tritt. Nach zehn Minuten intensiver Verhandlung hat er schließlich aufgegeben und sich unverrichteter Dinge kopfschüttelnd auf den Weg nach draußen begeben.

„Da bin ich schon“, sagt Matthäus, als er Cordula auf sich zustürmen sieht.

„Na, das wurde auch langsam Zeit. Dann wäre das ja endlich erledigt und wir können die verbleibende Zeit wichtigeren Dingen widmen“, entgegnet Cordula vorwurfsvoll. „Karl hat das alles übrigens sehr viel schneller geschafft als du.“

„Ich habe auch noch nichts gewechselt“, lässt Matthäus seine Kollegen wissen. „Und wenn Karl ein bisschen schlauer gewesen wäre, hätte er das genauso gemacht. Der Wechselkurs in dieser Bank ist nämlich noch schlechter als bei uns zu Hause. Das habe ich mir natürlich nicht bieten lassen. Mithilfe meines dänischen Wörterbuchs bin ich selbstverständlich sofort in die Verhandlung eingestiegen. Dieser inkompetente Geizkragen von der Bank teilte mir zwar gleich zu Anfang mit, ich könne gerne auch auf Deutsch mit ihm sprechen, aber das hätte gerade noch gefehlt! Wir sind hier in Dänemark und da hat man sich den örtlichen Gegebenheiten anzupassen und mit Einheimischen auf Dänisch zu kommunizieren. Das gilt erst recht für intensive Wortgefechte auf hohem Niveau.

Kurz vor unserer Reise habe ich noch das Harvard-Konzept studiert. Hierbei handelt es sich um eine besonders effektive und sachgerechte Verhandlungsmethode. Mit meinem auf diese Weise hervorragenden Verhandlungsgeschick habe ich denen ein faires Angebot unterbreitet – ein sehr faires Angebot. Aber die sind nicht darauf eingegangen. Pech gehabt! Die haben sich ein sehr gutes Geschäft entgehen lassen. Und es ist ja auch nicht so, als wäre ich auf die angewiesen. Die hätten sich geehrt fühlen müssen, mit mir Geschäfte zu machen. Aber nein, diese Ehre kommt nun einer anderen Bank zu“, referiert Matthäus.

Cordula und Karl hingegen sind skeptisch. Doch gerade als Cordula zu einer Erwiderung ansetzen will, hat Matthäus bereits eine weitere Bank direkt neben der ersten entdeckt und bewegt sich zügig auf den Eingang zu.

„Wartet einen Moment. Ich bin gleich wieder da“, meint er optimistisch und verschwindet hinter einer Glastür.

Während Karl interessiert auf die Speisekarte einer nahegelegenen Imbissbude mit ein paar Tischen und Stühlen unter einer bunten Markise vor der Tür schaut, blickt Cordula Matthäus zweifelnd hinterher. Sie kann dessen Zuversicht nicht ganz teilen, denn, dass Matthäus in dieser Bank einen Angestellten findet, der mit sich über den Wechselkurs verhandeln lässt, hält sie für außerordentlich unwahrscheinlich.

„Na, ob Matthäus dort wohl mehr Erfolg haben wird? Ich wage das zu bezweifeln. Was meinst du, Karl?“, fragt Cordula Karl.

„Ich weiß nicht“, gesteht dieser. Ihm ist es im Grunde auch einerlei. Er hat ja sein Geld schon. Und da er sein Geld bereits hat, kann er damit auch etwas kaufen. Und Karl hat Hunger. Schließlich ist es Mittag und es ist schon eine ganze Weile her, dass er das letzte Mal etwas zu sich genommen hat. Daher beschließt Karl, in die Imbissbude zu gehen, um sich dort ein leckeres, dickes Fischbrötchen zu kaufen.

„Ich geh nur rasch in die Bude und hol mir was zu essen. Ich hab nämlich Hunger“, erklärt er seiner Kollegin.

„Lass dir ruhig Zeit. Bis Matthäus fertig ist, das wird gewiss noch eine Weile dauern“, meint Cordula zu Karl, der schnell in der Imbissbude verschwindet. Hier riecht es sehr lecker. Doch leider ist er nicht der Einzige, den der Hunger hierhin verschlagen hat. Einige andere Leute stehen bereits an der Theke an und so muss Karl eine ganze Weile warten, bis er endlich an der Reihe ist und seine Bestellung aufgeben kann.

Unterdessen versucht Matthäus abermals, mithilfe seines dänischen Wörterbuchs, seines cleveren Verhandlungsgeschicks und unter Anwendung des Harvard-Konzepts einen Bankangestellten dazu zu veranlassen, ihm einen besseren als den angebotenen Wechselkurs zu gewähren. Aber auch in dieser Bank ist all seine Mühe umsonst. Der Bankangestellte bleibt unnachgiebig und weist jegliche Kompromissangebote entschieden zurück. Als Matthäus dies nach einigen Minuten gewahr wird, stapft er entrüstet nach draußen, wo sich Cordula die Zeit mit Fotografieren vertreibt.

„Die sind hier noch teurer“, beschwert sich Matthäus bei seiner Kollegin. „Aber das wäre doch gelacht. Ich komme schon an mein Geld. Am Ende der Verhandlung sagte mir der unfähige Bankangestellte in einem sehr unfreundlichen Ton, ich solle doch zu irgendeiner freien Wechselstube gehen. Dort könne ich unter Umständen einen besseren Kurs bekommen. Genau das werde ich jetzt tun! Wo ist denn Karl?“

Karl hat soeben sein dick belegtes Fischbrötchen erhalten und tritt gerade glücklich und mit vollem Mund aus der Imbissbudentür. Matthäus stürmt auf ihn zu.

„Karl, du bist wirklich unmöglich!“, weist Matthäus seinen Kollegen zurecht. „Cordula und ich warten und warten. Wir haben es doch eilig. Schließlich wollen wir doch noch was von dem Tag haben. Außerdem beginnt bald die Stadtführung. Das weißt du doch. Also, denk bitte daran: Wir haben nicht mehr viel Zeit. Also los, wir müssen weiter! Ich muss doch noch mein Geld tauschen!“, schimpft er und blickt den armen Karl tadelnd an. Dann macht sich Matthäus unbeirrt auf den Weg, um nach einer freien Wechselstube Ausschau zu halten. Cordula und Karl folgen ihm widerwillig.

Abermals brauchen die drei gar nicht lange zu suchen. Denn hier im Stadtzentrum gibt es viele Wechselstuben und so haben sie schnell eine gefunden. Anders als bei den Banken gibt es dort sogar eine digitale Anzeigetafel, die man schon von außen einsehen kann und auf der sämtliche aktuelle Wechselkurse wiedergegeben sind. Rasch hat Matthäus den Inhalt der Tafel erfasst und nickt hochzufrieden.

„Seht ihr? Hier ist der Kurs wesentlich besser. Ich habe also mal wieder wie sooft alles richtig gemacht. Hier werde ich nun mein Geld zu sehr viel besseren Konditionen eintauschen, als ihr das gemacht habt. Also, nehmt euch ruhig mich zum Vorbild. Und wenn ich das erledigt habe, haben wir immer noch ein wenig Zeit, bis die Stadtführung beginnt. Ihr müsst euch also nur noch einen ganz kurzen Moment gedulden“, legt Matthäus dar und verschwindet in der Wechselstube. Cordula und Karl, der noch immer mit dem Verzehr seines Fischbrötchens beschäftigt ist, warten draußen.

Doch auch dieses Mal braucht Matthäus verdächtig lange. Zwar ist der Kurs in dieser freien Wechselstube tatsächlich erheblich besser, als er ihn bei den beiden Banken zuvor vorgefunden hat. Was Matthäus allerdings auf der Anzeigetafel übersehen hat, ist, dass diese Wechselstube eine einmalige Wechselgebühr erhebt. Als er zum Schalter geht, hat er sich bereits genau ausgerechnet, wie viele Kronen er für seine Geldsumme erhalten wird. Als ihm nun der Angestellte der Wechselstube eine nicht unerheblich geringere Summe aushändigt, beschwert sich Matthäus umgehend und rechnet dem Angestellten detailliert vor, wie viel er seinen eigenen Berechnungen zufolge eigentlich hätte erhalten müssen. Doch der Angestellte erklärt ihm sachlich, aber bestimmt, dass die Wechselstube zunächst für jede Geldtransaktion eine pauschale Gebühr erhebt. Matthäus fühlt sich ziemlich übers Ohr gehauen. Er versucht noch zu verhandeln, aber sein Bemühen bleibt leider fruchtlos. Der Mann am Wechselschalter lässt nicht mit sich reden. Immerhin gelingt es Matthäus mithilfe seines Wörterbuchs und etwas Überredungskunst, den Vertrag wegen seines Irrtums anzufechten und so sein eigenes Geld zurückzubekommen. Erzürnt verlässt er die Wechselstube und kehrt zu seinen beiden Kollegen zurück.

„Na endlich“, meint Cordula erleichtert, als sie ihren Kollegen wiedersieht. Doch dieser bremst sogleich ihre Euphorie. Als er Karl und Cordula von seinem erneuten Misserfolg berichtet, wird letztere langsam sauer. Matthäus jedoch ist weiterhin von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt und es gelingt ihm mit einiger Anstrengung, seine Kollegen dazu zu bewegen, ihm noch eine weitere Chance zu gewähren.

Doch auch der nächste Geldwechselversuch bleibt zu seiner eigenen großen Verwunderung erfolglos. Da hat Matthäus eine neue Idee:

„Ich weiß jetzt, was ich mache“, verkündet er zuversichtlich. „Bislang hat sich niemand ernsthaft auf die Verhandlung mit mir eingelassen. Deshalb suche ich mir jetzt Leute, die zu Verhandlungen bereit sind. Ich werde einfach ein paar Passanten auf der Straße ansprechen und sie fragen, ob sie daran interessiert sind, mit mir Geschäfte zu machen, und ein paar Euros gegen Kronen tauschen wollen. Die meisten Leute werden sich sicherlich sehr geehrt fühlen. Ihr werdet sehen“, erläutert Matthäus sein Vorhaben und will sich sogleich einem ersten Passanten, einem älteren Herrn mit Hut, zuwenden. Cordula und Karl sind jedoch mit Matthäus' Vorschlag überhaupt nicht einverstanden. Genauer gesagt, Karl ist es eigentlich noch gleichgültig. Nur Cordula kann sich mit Matthäus' Plänen überhaupt nicht anfreunden.

„Nein, das geht auf gar keinen Fall! So lange haben wir nicht mehr Zeit“, bekundet sie ihr Missfallen und schaut auf Karls Armbanduhr: Es ist bereits zwanzig nach zwei durch.

„Oh nein, wir haben nicht einmal mehr zehn Minuten, bis die Stadtführung beginnt. Wenn wir uns jetzt nicht sofort beeilen, kommen wir garantiert zu spät!“, ruft sie entsetzt und blickt hilfesuchend zu Matthäus und Karl.

„Ich brauche ja nicht mehr lange“, versucht Matthäus seine Kollegin zu beruhigen.

Doch nach ihren vorangegangenen Erfahrungen nimmt ihm Cordula das natürlich nicht mehr ab und erwidert erzürnt: „Das hast du uns schon mehrfach erzählt. Immer hast du gesagt, es ginge ganz schnell. Karl und ich haben jedes Mal auf dich gewartet, aber du hast es immer noch nicht auf die Reihe gekriegt, Dänische Kronen einzutauschen. Wenn du hier wahllos irgendwelche Passanten anquatschen möchtest, um sie um Kronen anzubetteln, dann kannst du das gerne machen. Aber ohne uns!“

„Aber so wartet doch auf mich, das geht bestimmt ganz …“, meint Matthäus, aber Cordula lässt ihn nicht ausreden.

„Komm Karl, wir gehen!“, fordert sie energisch, dreht sich um und marschiert los. Fragend blickt Karl zu Matthäus, der dies jedoch gar nicht bemerkt, weil er schon den ersten Passanten anspricht, um diesem einen Geldwechsel vorzuschlagen. Deshalb folgt Karl gehorsam der zielstrebig voranschreitenden Cordula in Richtung des Hostels.

Karl in Kopenhagen

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