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Der große Brand
ОглавлениеVor ihrem Haus sprachen wir noch, wir wollten am Nachmittag in die Tannenzapfen gehen, das war immer für uns Buben ein kleines Fest. Er ging ins Haus, und ich ging auch heim. Meine Schwester Annele war alleine zu Hause und gab mir die Suppe sowie eine Tasse Kaffee und sagte, ich müsse mit dem Ziehkarren zur Mutter auf den Acker im Beifang. Die Suppe hatte ich gegessen und am Kaffee trank ich, als meine Schwester sagte: „Es springt ein Mann vom Löwen her und schreit und gestikuliert; was ist denn los?“
Wir beide gehen vor die Haustüre und sehen, dass das Nachbarhaus, das dem Kommisbub und dem Heinrich Müller gehörte, schon zum Dach hinaus brennt. Seitlich des Hauses war eine Reisigbeuge, an der ich und mein Kamerad Andreas Haas vor 15 Minuten gestanden hatten und nichts bemerkt haben, schon in Brand. Ich sprang wieder schnell zurück und holte in unserer Küche, wo immer eine Ofengabel stand, dieselbe. Mein Bruder und sein Lehrling und die Nachbarn rissen den Reisighaufen auf die Straße vom Haus hinweg.
Meine Schwester und andere brachten Wasser, und so war der Brand bald gelöscht. Aber das Feuer hatte den Dachstuhl schon erfasst und zwischenzeitlich brannten nach ganz kurzer Zeit das angebaute Haus vom Totengräber Wössner, „Johanneles“ genannt, das Haus von Wirths Sattler Rieger, das Haus meiner Tante Mussebäbele und die Häuser von Scheerer Weiss, Flaschner Staiger, Bäcker Brunnenkannt, Vogelschnieder Christian Maier, Sutterleschmied Grieshaber und Kaiserschuhmacher.
Die Feuerwehr war gegen ein solches Feuer machtlos. Eine Spritze war auch unten bei Kaufmann Maier, seine Frau wäre beinahe verbrannt, wenn nicht beherzte Männer dieselbe gerettet hätten. Der eine, Hansels Christ, zog sich schwere Brandwunden zu.
Unser Haus war einstöckig und hatte gegen die Straße eine sogenannte Wiederkehr, damit man das Heu und die Garben auf die Bühne bringen konnte. Als wir sahen, dass man den Brand nicht mehr löschen konnte, versuchten wir, unser eigenes Haus zu retten. Wasser hatten wir nur eine Stande voll, da ja keine Wasserleitung, nur öffentliche Brunnen da waren.
Der nächste war der Mauernbrunnen bei Metzger Stein, und dahin konnte man nicht kommen wegen des Feuers. Und so machte man Tücher nass und schlug das Feuer, das an der Wiederkehr zuerst anfing, ab. Die Hitze wurde immer größer, die Ziegel zersprangen, und so mussten wir daran denken, zumindest das Mobiliar zu retten.