Читать книгу Clone Designer - 2984 - Till Symon - Страница 7
ОглавлениеJasper van Dyke
Clark hatte in einer Bar Platz genommen und sich einen Iseris Tropical bestellt. Das Getränk war schnell gewählt. Lediglich das Glas in dem es serviert werden sollte, artete in ein Beratungsgespräch durch den Kellner aus und brachte Clark wieder zur Weißglut. Dieser Schwarm Fische lebt in einer Welt von zwanghaften Lebensverbesserern und es gab nicht einen Teller oder ein Glas mit der ursprünglichen Funktion eines simplen Behälters. Für den Ernährungsbewussten zeigte der Tellerrand jeweils den Nährwert an, dazu praktische Tipps, in Form von kleinen Spots, die auf dem Teller abliefen. Lehrreich, unterhaltsam, spannend. Der absolute Hit war ein Glas, das die Viskosität einiger Drinks veränderte, je nachdem, an welcher Stelle man es gerade anfasste. Aber das Modell Selbstfindung sei zweifelsfrei die beste Wahl, war der Kellner überzeugt. Clark dachte an die Abteilung bei Allsa, die mit gut tausend Designern nur mit der Schöpfung neuer Geschmacksrichtungen beschäftigt war. »Der passende Behälter für dieses Zeug wäre ein Reagenzglas«, raunte er den Kellner an, »aber bring mir mal ruhig die Selbstfindung.« Kaum war das Glas serviert, ertönte neben Clark die kleine Melodie und Ronald erschien, Clarks persönlicher Prominator. »Glückwunsch, für diesen herrlichen Iseris Tropical schreibt dir Allsa 10 Bonuspunkte gut.« Diesmal musste Clark laut lachen. Ihm fiel die Parodie ein, die sie mal bei Clonedake auf den Allsa Prominator geschaffen hatten und dem man eine reinhauen konnte, bis dieser sich dann vor Schmerzen krümmte. Plötzlich meldete sich Daisy über Intercom. »Clark, eben ist ein Versorgungsschiff gelandet und ein älterer Mann mit weißen Haaren ausgestiegen. Ich kann ihn aber nicht zuordnen.«
»Na, vielleicht kann ich das ja. Ich schau mal, ob ich ihn finde.«
Gerade wollte er aufstehen und zurück in die Empfangshalle gehen, um nach diesem Mann zu suchen, als dieser die Bar betrat und ein paar Tische weiter Platz nahm. Der Blickkontakt war schnell hergestellt. Clark nahm sein Glas in die Hand, stand auf und ging zu ihm rüber. »Darf ich mich zu dir setzen?« Der Mann nickte stumm und machte ein skeptisches Gesicht, blieb jedoch freundlich.
»Jasper van Dyke.«
»Angenehm, Clark.«
»Mal richtig ausspannen und relaxen?«
»Ja, Selbstfindung«, schmunzelte Clark und schaute auf die kitschigen Animationen, die auf seinem Glas abliefen.
»Ja, Selbstfindung mit Allsa, dein Lebenselixier« erwiderte Jasper zynisch und runzelte die Stirn. Die beiden waren offensichtlich auf einer Wellenlänge. »Bist du allein hier?«, fragte Jasper. »Nein, Daisy ist noch bei mir. Aber man hat sie nicht reingelassen. Sie macht sich auch nicht viel aus Wellness.« Jasper verstand, was gemeint war, beugte sich nach vorn, machte ein ernstes Gesicht und sprach mit leiser Stimme. »Hast du deinen Bot etwa abgegeben? Mach das nie. Meinen kriegen sie auch nicht. Hast du ein Klasse1 Modell? Behalte es. Sie sind schwer kontrollierbar. Du wirst ausgetrickst, hörst du? Sie sammeln sie ein und wollen sie angeblich warten. Dann erzählen sie dir was von Sicherheitsmängeln und geben dir kostenlos ein neues Allsa-Modell. Ich traue den Dingern nicht. Ich traue überhaupt nichts mehr, was von denen kommt.« Clark schüttelte den Kopf und lächelte. »Nein, ich habe ihn in meinem Schiff gelassen.« Jasper zuckte zusammen.
»Du hast ein Schiff? Bist du Elite? Allsa? Habe ich mir jetzt Ärger eingefangen?«
»Nein, hast du nicht«, beschwichtigte Clark, »warum bist du hier?«
»Das gleiche wollte ich dich auch gerade fragen.«
Clark stütze die Ellenbogen auf den Tisch, faltete seine Hände zusammen und legte sein Kinn darauf. Er spürte, dass Jasper etwas über die Ereignisse auf der Iseris wusste und starrte ihn mit einem eingefrorenen lächeln in die Augen. »Ich bin auf Empfehlung eines alten Freundes hier und wollte eigentlich einen Tauchkurs im Badesee machen.« Jasper räusperte, beugte sich näher an Clark und nuschelte fast flüsternd einen Satz, den er gerade noch verstehen konnte. »Du hast da eben ein paar Begriffe genannt, mit Badesee und Tauchen.«
»Na und?« Jasper ließ sich in seinen Sessel zurückfallen, schaute in den Saal hinein und erhob seine Stimme. »Weil ich mit dem Allsa-Wellness-Programm sehr unzufrieden bin.« Aus den Lautsprechern ertönten plötzlich lautstark die Stimmen einer Menschenmenge mit einem fast weinerlichen »Ooh«, gefolgt von einer sanften aber eindringlichen Frauenstimme. »Jasper, alle deine Freunde hier auf der Iseris werden jetzt darüber nachdenken, wie wir dir den Aufenthalt verbessern können. Bedenke, wie traurig deine Allsa-Freunde werden, wenn sie wissen, dass du dich auf der Iseris nicht wohl fühlst.« Dann ertönte die bekannte kleine Melodie und Ronald erschien neben Jasper. »Hallo Jasper, Ronald, dein persönlicher Prominator, wird dir in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Als kleine Entschädigung für deine Unzufriedenheit schreibt dir die Allsa-Gruppe 50 Bonuspunkte gut.« Clark spielte das Spiel demonstrativ und laut mit. »Verstehe, vielleicht sollten wir irgendwo hingehen und an einem Allsa-Programm teilnehmen, das uns besser gefällt?« Jasper lächelte. »Ja, komm mit, wir gehen in das Casino.«