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1.11Zwei Arbeitsrichtungen: top-down und bottom-up

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Anlässe für Prüfungscoaching beziehen sich oft auf Bildungskontexte: Schulen, Universitäten und Hochschulen, Ausbildungsstätten, öffentliche und private Institutionen. Entsprechend sind die Prüfungssituationen in der Regel von akademischer Art. Die kognitive Leistungsfähigkeit steht in der Prüfung im Vordergrund. Dies kann dazu verleiten, auch die Beratung überwiegend auf kognitive Aspekte auszurichten und dabei zu übersehen, dass der Mensch aus mehr als nur einem rational denkenden Gehirn besteht. Seit einigen Jahren findet der Körper in Therapie, Beratung und Coaching immer mehr Beachtung. Auch und vielleicht gerade beim Prüfungscoaching sollte der ganze Mensch einbezogen werden. Um die Komplexität der physiologischen Zusammenhänge auf ein brauchbares Maß zu reduzieren, werden dafür zwei Systeme unterschieden, die jeweils anders angeregt werden können (s. Abb. 3).

Abb. 3: Top-down und bottom-up

Top-down-Methoden setzen am präfrontalen Kortex an. Das berühmte Diktum »cogito ergo sum« (»Ich denke, also bin ich.«) von Descartes kann als Top-down-Paradigma bezeichnet werden. Dazu gehört auch die Annahme, dass Probleme durch Verstehen verändert werden können.

Top-down-Methoden in der Beratung arbeiten z. B. auf der Ebene kognitiver Prozesse, der Bedeutungsgebung, der Bewertung und des Verstehens. Typische Top-down-Methoden sind systemische Fragen und Reframing. Sie zielen z. B. auf einen Perspektivenwechsel oder die Veränderung der Bewertung ab. Auch das Erklären von psychischen Zusammenhängen (sog. Psychoedukation) oder die Reflexion von Ereignissen ist top-down.

Bottom-up-Methoden setzen am Körper an und wirken von dort aus. Der Körper bzw. der körperliche Zustand limitiert in vielerlei Hinsicht die Verhaltens- und Erlebensmöglichkeiten, erzeugt emotionale Zustände und stellt die Voraussetzung für kognitive Leistung und Lernen dar (s. S. 85). Physiologisch betrachtet sind Gefühle mehr eine Körperreaktion als ein psychologischer Prozess. Viele Schwierigkeiten in Lern- und Leistungssituationen hängen mit einem situativ dysfunktionalen körperlichen Zustand zusammen, welcher die kognitiven, kreativen und kommunikativen Möglichkeiten einer Person einschränkt. Bottom-up-Methoden wirken auf der Ebene des Körpers und in sensomotorischen, emotionalen Bereichen des Gehirns. Sie können zur Selbstregulation und für Erkenntnisprozesse genutzt werden. Selbstregulation (z. B. mittels Atemtechniken) dient zur Herstellung von physiologischen Zuständen, die dann wiederum präfrontale Prozesse oder Kommunikation ermöglichen. Wenn Körperreaktionen und Emotionen als Informationsquelle genutzt werden (z. B. mittels dem Ambivalenz- und Blockaden-Check, s. S. 182), lassen sich damit auch komplexe Zusammenhänge rational erfassen.

In der Praxis ist keine Methode »sortenrein«. Jede Methode wirkt top-down und bottom-up, weil der Mensch eine Einheit aus beidem darstellt. In der Beratung kommt es darauf an zu erkennen, welcher Bereich auf welche Weise angeregt werden kann, und das jeweilige Wirkprinzip vor Augen zu haben, um bewusst und zieldienlich zwischen den Richtungen wechseln zu können, wenn dies sinnvoll erscheint.

Blackout, Bauchweh und kein' Bock

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