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2 0 0 4 Für einen Dollar ...

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Es war 19.27 Uhr, als er gelangweilt zur Uhr schaute und sich innerlich auf eine weitere ruhige und ereignislose Nacht hier achtzehn Meter unter der Erdoberfläche in einem der unterirdischen Bunker des geheimen Stützpunktes der National Security Agency, kurz NSA, einstellte.

Der letzte Angestellte hatte das Stockwerk vor gut einer halben Stunde verlassen und außer den beiden Wachmännern, die stündlich ihre Runden drehen würden, würde er bis zum nächsten Morgen allein sein.

Wie immer wollte er seinen Dienst mit einem ausgiebigen Abendessen, heute bestehend aus kaltem Hühnchen, einem ausgezeichneten Nudelsalat und einigen belegten Broten, beginnen und hatte sich hierzu bereits frischen Kaffee aufgesetzt.

Danach wollte er sich im Fernsehen das erste Halbfinalspiel der diesjährigen Super-Bowl-Meisterschaft anschauen.

Schließlich würde ihn das Buch, das er sich heute Nachmittag an der Tankstelle gekauft hatte, bis zum Ende seiner Schicht wachhalten.

Irgendwann dann würde es halb sechs Uhr morgens sein und sein Kollege Sam würde erscheinen.

Wie immer würde er ihm berichten, dass es nichts zu berichten gab und dann nach hause fahren.

Naja, er hatte wahrlich keinen interessanten und abwechslungsreichen Job, aber die gute Bezahlung tröstete ihn über den größten Frust hinweg und schließlich war er sicher, sich hier weiß Gott nicht kaputt arbeiten zu müssen, wie viele seiner Freunde in den Fabriken, und das war ja schließlich auch etwas.

Die Kaffeemaschine hatte vor einiger Zeit ein letztes Mal geröchelt. Er nahm seine Tasse zur Hand und füllte sie mit dem heißen Getränk.

Der Duft von frischem Kaffee stieg ihm sofort angenehm in die Nase und er nippte vorsichtig daran.

Im selben Moment ertönte hinter ihm am Kontrollpult ein Gong und er drehte sich überrascht herum.

Das war der Fahrstuhl, dessen war er sich sofort sicher und er schaute erneut zur Uhr. Es war 19.31 Uhr.

Also konnten es unmöglich Steve und John sein, ihre Runde war erst nach zwanzig Uhr fällig.

Er wurde ein wenig nervös, denn eigentlich waren Besucher, welcher Art auch immer, um diese Zeit unüblich und auch nicht erwünscht.

Nur eine Sekunde später öffnete sich die Fahrstuhltür, eine einzelne Gestalt in einem Trenchcoat trat aus dem Aufzug und ging den Gang entlang in seine Richtung.

Da er die Gestalt nicht sofort erkannte, wurde er noch angespannter und fragte sich, wer zum Teufel das wohl sein mochte.

Doch Zeit zum spekulieren hatte er keine, denn nur einen Augenblick später bog die Gestalt um die Ecke und er konnte ihr ins Gesicht sehen.

Sofort entspannte er sich sichtlich. „Doktor Miller!“ begrüßte er den Mann im Trenchcoat. „Was führt sie so spät noch hierher?“

Sein Gegenüber trat freundlich lächelnd, aber auch mit einem deutlich abgespannten, vielleicht auch leicht gehetzten Gesichtsausdruck, vor den Tresen. „Hallo Rick!“ Er schaute dem Wachmann in die Augen. Dieser nickte ihm nur zu. „Ich möchte zu ihm. Darf ich?“ Dabei holte er seine ID-Karte aus seiner Brieftasche.

„Es ist schon spät, Doc. Sie wissen ja. Keine Besuche außerhalb der grünen Phase!“ Rick lächelte ihm freundlich zu, sein Tonfall ließ aber keinen Zweifel daran, dass er Miller seinen Wunsch nicht erfüllen würde.

„Ich weiß. Und es tut mir leid, aber ich wurde verdammt nochmal aufgehalten!“ Miller war sofort etwas gereizt, als er daran dachte. „Ich hatte gehofft, sie würden eine Ausnahme machen!“ Das klang sehr erschöpft und schon resignierend.

Rick schaute Miller an und wartete, bis auch der Arzt ihn ansah. Dann schüttelte er den Kopf. „Morgen, Doc. Warten sie bis morgen!“

„Das würde ich ja auch, aber...!“ Er stockte. „Es ist nur, weil ich erfahren habe, dass es heute Probleme gegeben haben soll!“

Verdammt, er weiß es! dachte sich Rick und der Doc tat ihm sofort leid. Er hatte gehofft, sein Besuch hier war wirklich nur zu spät gewesen, doch da hatte er sich getäuscht. Und er erkannte, dass er sich etwas vorgemacht hatte. Natürlich wusste Doktor Miller von dem Zwischenfall heute Nachmittag. Natürlich wusste er das. Und natürlich musste er deshalb hierherkommen. Denn immerhin ging es hier um seinen Freund, seinen speziellen Freund.

Eigentlich mochte Rick keinen der Angestellten, die hier auf dem Stockwerk arbeiteten. Sie alle hielten sich für etwas Besseres, weil sie Geheimnisträger waren.

Doch Doktor Miller war anders, das hatte Rick bei ihrer ersten Begegnung vor nunmehr schon zwölf Jahren schnell erkannt.

Seine Aufgabe war es, mit dem Fremden, den man ihm anvertraut hatte, Verbindung aufzunehmen, Kontakt aufzubauen.

Trotz seiner Hartnäckigkeit, war ihm das bis heute nicht gelungen.

Aber das war es auch nicht, was Rick so sehr an Miller schätzte und weshalb er ihn sogar mochte.

Es war die Tatsache, dass Miller den Mann von der ersten Sekunde an als Lebewesen gesehen hatte und nicht, wie die Militärs, als Versuchsobjekt, als möglichen Feind.

Immer und immer wieder stemmte er sich mit all seiner Kraft gegen die Willkür des Militärs, den Gefangenen zu foltern und für ihre widerlichen Experimente zu missbrauchen.

Oft genug bis zur völligen Erschöpfung.

Ja, das war der Grund, warum Rick den Doc so achtete, obwohl diese Art der Auseinandersetzungen schon lange her war.

Denn irgendwann hatte das Militär das Interesse an dem Fremden verloren gehabt, der trotz aller Versuche, niemals ein einziges Wort gesagt hatte.

Eigentlich wollte man ihn töten, doch Miller hatte das verhindern können.

Aber um welchen Preis?

Er würde für immer ein Gefangener bleiben.

Und dann und wann, vielleicht auch nur um dem Doc seine Machtlosigkeit aufzuzeigen, wurde der Fremde brutal und völlig widersinnig gefoltert, wobei man stets darauf achtete, ihn nicht zu töten, wohl aber sicher sein konnte, das ihn die Schmerzen halb wahnsinnig machen mussten.

So wie heute.

Rick nickte ein wenig traurig. „General Green war zur Inspektion hier gewesen. Er hatte schlechte Laune. Wie immer. Er tauchte hier kurz nach dem Mittagessen auf. Das hat mir Tom zumindest erzählt!“

Miller nickte, weil er wusste, dass Tom einer der anderen Wachmänner war, der heute offensichtlich die Tagesschicht hatte.

„Er ging wortlos durch die Gänge, schaute sich alles nur mürrisch an. Bis er vor die Tür ihres Freundes kam. Da zischte er doch zwei Worte: Elektroschocks! Sofort!

Miller schloss schmerzvoll die Augen. „Verdammter Bastard!“ fluchte er leise in sich hinein.

„Eine Stunde später konnte er nur noch mit einer Bahre in sein Zimmer zurückgebracht werden, wo ihn ein Sani notdürftig behandelt hat. Das Schmerzmittel, das er ihm gegeben hat, hat ihn ruhig gestellt“ Rick schaute kurz auf einen seiner Monitore, wo er die Zelle des Gefangenen sehen konnte. „Jetzt liegt er auf dem Bett und döst vor sich hin!“

„Ich muss zu ihm!“ sagte Miller kurz und ohne Vorwarnung, legte Rick seine ID-Karte auf den Tresen und kramte seine privaten Sachen aus den Taschen.

„Aber Doc!“

Miller hielt inne, schaute den Wachmann direkt in die Augen. „Ich will ihn selbst untersuchen!“

Rick reagierte nicht.

„Verdammt, Rick, die bringen ihn doch noch um! Was immer er auch ist, er hat niemandem etwas getan und er darf nicht sterben! Wo zum Teufel ist nur unsere Würde hin? Was tun wir hier? Oh, der Mensch ist die schlimmste Bestie, die dieser Planet je hervorgebracht hat!“ Miller begann wild zu gestikulieren, seine Stimme erhob sich, würde brüchig.

Doch wieder konnte ihn der Wachmann nur ausdruckslos anschauen und Miller gab tatsächlich die Hoffnung auf, den Kerl da vor ihm doch noch überzeugen zu können.

Mit jeder Sekunde kamen ihm selbst mehr Zweifel, ob er hier wirklich das Richtige tat.

Dann aber atmete Rick hörbar aus. „In drei Herrgotts Namen, Doc, weil sie es sind!“ Er nahm die ID-Karte in die Hand, zog sie jedoch nicht durch das dafür vorgesehene Lesegerät, sondern nahm seine eigene Karte hierfür zur Hand. „Zehn Minuten. Nicht länger. Und keine Diskussion!“

Miller reagierte sofort, kramte schnell den Inhalt seiner Taschen hervor, Führerschein, Personalausweis, Feuerzeug, Zigaretten, Brieftasche, während er zunehmend breiter grinste. „Sie sind ein guter Mensch, Rick. Und sie tun das Richtige. Bei all unseren Bemühungen dürfen wir bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Und seine Schmerzen machen uns zu Monstern!“

„Schon gut jetzt. Gehen sie!“ Rick trieb zur Eile.

Miller zog noch seinen Mantel aus und legte ihn auf den Tresen, wollte schon durch die vor ihm liegende Tür gehen, als er doch noch einmal kurz innehielt.

Ein kurzes, breites Lächeln huschte über sein Gesicht, als er erneut in die Hosentasche fasste, eine Ein-Dollar-Münze hervorholte und auf den Tresen legte.

„Sie wollen heute auch wetten?“ Rick war sehr überrascht.

„Wie immer! Ein Dollar, das er heute mit mir spricht!“

Rick lachte einmal leise auf. „Das ist verrückt, Doc. Das klappt heute niemals. Sie machen mich noch zu einem reichen Mann!“

„Ich weiß nicht warum, Rick. Aber ich glaube, gerade heute wird es geschehen. Ja, heute wird er mit mir reden. Und dann wird alles anders werden. Sie werden es schon sehen. Los trauen sie sich! Ansonsten ist das leicht verdientes Geld!“

„Okay, wie sie meinen!“ Rick öffnete eine Schreibtischschublade und legte eine Sekunde später ebenfalls ein Ein-Dollar-Stück auf den Tresen. „Die Wette gilt!“

Miller grinste ihn an, drehte sich um und ging wortlos durch die vor ihm liegende Tür.

Rick schaute während dieser Zeit auf einen weiteren Monitor, wo er sehen konnte, wie die gesamte Gestalt des Arztes mit Ultraschall abgetastet wurde.

Wie nicht anders zu erwarten, wurde nichts gefunden und Rick betätigte den Auslöser für die dicke Glastür, durch die der Arzt in den Gang zum Zellenblock gelangte.

„Zehn Minuten!“ rief Rick ihm noch zu. „Und sie waren heute niemals hier!“

Miller beugte sich um die Glaswand herum und schaute in die Wächterloge, in die er jetzt, da er den Trakt betreten hatte, freien Zutritt hatte. „Alles klar. Sie haben einen Gut bei mir, aber...!“ Wieder lächelte er. „...sie werden die Wette heute verlieren!“

Und dessen war er sich ganz sicher, denn der Wachmann hatte, ohne dass er das je erfahren sollte, diese Wette eigentlich schon vor Monaten verloren!

Er musste erneut durch eine Türöffnung gehen, dann erstreckte sich rechts und links von ihm ein langer, breiter, hell erleuchteter Gang, der insgesamt vier Zellen beherbergte, sowie eine Küche und mehrere Geräteräume.

Schon seit Jahren war der Fremde hier der einzige Gefangene gewesen. Dennoch war seine Zelle die letzte am Ende des rechten Flügels.

So musste Miller fast zwanzig Meter gehen, bevor er sie erreichte.

Er war bemüht, die Entfernung nicht allzu hastig zurückzulegen, weil er wusste, dass er beobachtet wurde und er hatte Angst, Rick könne sich noch eines Besseren besinnen und ihn doch noch zurückrufen.

Aber das war Unsinn.

Er hatte dem Wachmann eine gute Szene vorgespielt, ihn so überzeugt und konnte jetzt ungehindert zu der Zelle des Fremden gehen.

Wenn er dort erst einmal drin war, würde es kein Zurück mehr geben.

Dann würde er das Unausweichliche tun müssen.

Und wieder kamen Zweifel in ihm auf.

Tat er das Richtige? Oder handelte er falsch?

Nun, er hatte sich diese Frage schon einige hundert Male gestellt und obwohl er sehr oft auch Gegenargumente fand, am Ende stand immer und immer wieder die eine logische Konsequenz: Ja, er würde das Richtige tun!

Nicht für sich, nicht für die Regierung, die er vertrat, wohl aber für den Fremden, mit dem er in den letzten zwölf Jahren mehr Zeit verbracht hatte, als mit irgendeinem anderen Menschen auf dieser Welt.

Aber war dieses Wesen denn überhaupt ein Mensch?

Miller wusste es nicht - nicht genau - denn trotz all dieser langen Jahre, in denen er versucht hatte, mit ihm Kontakt aufzunehmen, mit ihm zu kommunizieren, hatte sein Gegenüber nie ein einziges Wort zu ihm gesprochen.

So blieb ihm nur das, was man ihm an Informationen gegeben hatte, als man ihm diese Aufgabe zuwies.

Der Fremde war Opfer eines Flugzeugabsturzes gewesen, den er überlebt hatte, obwohl das keiner der Ärzte, die ihn in einem neunstündigen OP-Marathon wieder zusammengeflickt hatten, verstand.

Niemand konnte bei derartigen Verletzungen überleben, kein Herz der Welt war stark genug dazu.

Und damit hatten Sie den Nagel mehr als genau auf den Kopf getroffen.

Denn die Tatsache, dass der Fremde noch lebte, war auf einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied in seinem Körper zurückzuführen.

Alles in ihm und an ihm war menschlich, nur eines fehlte ihm: Ein Herz!

Dennoch funktionierte sein Kreislauf, taten alle übrigen Organe ihren Dienst, so als wäre eben dieses Herz doch vorhanden.

Aber das war es nicht und als man diese Tatsache erkannte, wurde alles ganz anders.

Unglücklicherweise war der Jumbo direkt neben einem Militärstützpunkt explodiert, die erste Behandlung des einzigen Überlebenden wurde also zwangsläufig in dem ansässigen Militärkrankenhaus durchgeführt.

Somit war Geheimhaltung kein Problem gewesen.

Weitere Untersuchungen brachten sehr schnell weitere besorgniserregende Punkte ans Tageslicht:

So wurden Waffen an der Unglücksstelle gefunden, automatische Waffen, von denen eine sogar benutzt worden war, denn eine ihrer gottverdammten Kugeln fand man im linken Lungenflügel der verkohlten Kapitänsleiche!

Also hatte ihnen allen kurz nach dem Start aus Los Angeles ein beschissener Terroranschlag das Leben gekostet.

Aber auch das stimmte nicht. An Bord der Maschine waren zu jenem unheilvollen Zeitpunkt 186 Passagiere, sowie sechszehn Crew-Mitglieder. Nachweislich wurden aber nur 198 Leichen geborgen.

Fußabdrücke und die spätere Identifizierung aller Todesopfer brachten die unglaubliche Wahrheit dann endgültig ans Licht.

Es musste drei weitere Überlebende geben. Und nicht nur das: Diese drei mussten diese Katastrophe so überlebt haben, das sie sich auch noch innerhalb weniger Minuten weit von der Unglücksstelle entfernen konnten, um der Suchaktion des Militärs zu entgehen.

Obwohl ihre Identitäten ermittelt wurden, bekam man sie nie zu fassen.

Seit jenem Tage waren sie vom Erdboden verschwunden.

Und da waren sich alle einig:

Hier war man etwas weit größerem auf der Spur, als man sich das erträumen durfte.

Also musste dieses Wesen erforscht werden. Man musste ihm sein Geheimnis entlocken.

Und - dieses Wesen durfte dieses Krankenhaus niemals mehr verlassen!

Aber nachdem der Fremde nach einigen Monaten wieder vollständig genesen war, waren die Möglichkeiten des Militärs, ihn zum sprechen zu bringen, schnell am Ende angelangt.

Ihre anfängliche Zurückhaltung verschwand, sie wurden ungeduldig, fordernd und sie hatten eine verdammt schmerzhafte Art, dem Fremden klarzumachen, dass er ihnen entweder gab, was sie wollten, oder dass er mehr Schmerzen erleiden würde, als er ertragen konnte.

Doch sie hatten sich getäuscht. Kein Wort kam über seine Lippen, kein Schmerz war so stark, als dass er sich ihm beugte, obwohl eindeutig klar war, dass er Schmerz als solchen auch empfinden konnte.

Zu diesem Zeitpunkt nahm man mit ihm, Miller, Kontakt auf, gab ihm die notwendigen Informationen und gab ihm deutlich zu verstehen, was man vom ihm erwartete.

Und Miller gab all sein Können, um dieses Ziel zu erreichen, damit der Fremde nicht noch mehr Schmerz erleiden musste, doch vergebens.

Auch ihm gelang es nicht, ihn zum Reden zu bringen.

So konnte er den furchtbaren Misshandlungen durch das Militär nur machtlos zusehen und ihn im Anschluss mit seinem medizinischen Wissen, so gut er konnte, versorgen.

„Oh Gott, gib ihnen endlich, was sie wollen!“ hatte er ihm einmal mit Tränen in den Augen ins Gesicht gesagt, weil er seine Verzweiflung über die Gewalt, die seinem Schützling angetan worden war, nicht mehr zurückhalten konnte.

Und hatte er in all den Jahren keine Regung im Gesicht des Fremdes gesehen, so konnte er jetzt deutlich das Leuchten in seinen Augen sehen, das ihn magisch anzog und nur eine Sekunde später schüttelte der Fremde einmal langsam, aber ganz deutlich, den Kopf.

Und da wusste Miller, dass all seine Bemühungen nicht umsonst gewesen waren.

Der Fremde verstand ihn, jedes Wort, jede Geste, alles.

Und in seinen Augen erkannte Miller einen unbändigen Lebenswillen, wie er ihn bis dahin noch nirgendwo gesehen hatte.

Ja, der Fremde wollte leben, ohne Zweifel, aber er wollte nicht so leben.

Und in den nachfolgenden Monaten konnte Miller erreichen, das er sich mit dem Fremden, auch ohne dass dieser ein Wort sprach, unterhalten konnte. Miller redete und der Fremde antwortete ihm mit eindeutigen Gesten oder Handzeichen.

So entwickelten sie eine besondere Art der Kommunikation und Miller erfuhr in sechs Monaten mehr über diese Kreatur, als in den vergangenen elf Jahren zusammen.

Und er erkannte sehr schnell, dass der Fremde friedlich gesinnt war. Er erfuhr, dass er keine Schuld an dem Absturz der Maschine hatte, dass er im Gegenteil versucht hatte, es zu verhindern. Deutlich sah man, dass er sehr traurig war, dass niemand sonst überlebt hatte.

Das überraschte Miller, nahm er doch an, das Militär hatte ihm gesagt, das er nicht der einzige Glückspilz war.

Also gab er ihm diese Information und von diesem Moment an wurde alles ganz anders.

Angst und Schrecken spiegelten sich im Gesicht des Fremden wieder, fast schon Panik.

Sie hatten es also überlebt, oh Gott, gab er ihm zu verstehen. Die Männer, die den Absturz ausgelöst hatten, sie waren mit dem Leben davongekommen.

Aber das durfte nicht sein. All die Jahre hatte er die Hoffnung gehabt, sie wären in den Flammen umgekommen, jetzt kam die schreckliche Wahrheit ans Licht.

Sie hatten überlebt und sie würden wieder Unheil über die Menschen bringen, denn es waren böse Kreaturen, hatten den Teufel im Leib und brachten Tod und Verderben, wo immer sie auftauchten.

Und das musste er verhindern, denn er war der Einzige, der das konnte.

Er war ein Geschöpf Gottes, ohne das schwache Herz eines Menschen. Nur er allein konnte dieser gewaltigen Energie aus den tiefsten Tiefen der Hölle entgegentreten.

Und das so schnell es nur ging!

Er musste von hier verschwinden.

Und er, Miller, musste sich entscheiden. Entweder er würde der Auslöser für die neue Zukunft sein und ihm helfen, die Handlanger des Teufels zu besiegen, oder sein Gegenüber würde ab sofort wieder und dann für immer schweigen.

Und Miller zögerte keine Sekunde. Er würde dem Fremden helfen. Er musste es einfach tun. Im Namen der Menschlichkeit und zum Wohle aller Menschen.

Also wurde ein Plan entwickelt, der einfach, aber effektiv sein musste.

Und Miller war jetzt mittendrin in seiner Ausführung.

Mit jeder seiner Handlungen war er dabei, die Geschichte der Menschheit neu zu schreiben.

Er trat vor die Tür, atmete noch einmal tief durch, dann drückte er den roten Knopf an der Wand, der Rick das Signal gab, die Tür zu öffnen.

Bevor der Wachmann die elektronische Sperre mit einem lauten Summton löste, vergewisserte er sich, dass alle Systeme grünes Licht zeigten.

Als der Summton ertönte, ergriff Miller den Türknopf und drückte kraftvoll dagegen.

Er trat zwei Schritte in den Raum, sah den Fremden regungslos auf dem Bett liegen, drehte sich wieder von ihm ab und wartete, bis die Tür langsam durch den elektronischen Türschließer wieder ins Schloss fiel.

Dann drehte er sich wieder in Richtung Bett, verharrte noch einmal für den Augenblick eines tiefen Durchatmens, bevor er zu ihm trat.

Doch der Fremde reagierte nicht.

Miller setzte sich neben ihn auf das Bett, berührte seine Schulter. Wieder nichts.

Der Fremde lag auf der Seite, hatte ihm so den Rücken zugedreht.

Miller drückte mit der flachen Hand gegen seine rechte Schulter, wollte erreichen, das sich sein Gegenüber auf den Rücken drehte.

Kaum hatte er seinen Körper berührt, kippte er kraftlos in seine Richtung und Miller konnte in das leblose, brutal zerschundene Gesicht des Fremden schauen. Offensichtlich hatten ihm die Schergen des Generals nicht nur Elektroschocks verpasst.

„Es ist alles in Ordnung!“ flüsterte Miller kaum hörbar, während er vorsichtig die beiden halbdurchsichtigen Pflaster entfernte, die er um Daumen und Zeigefinger seiner linken Hand gewickelt hatte. „Rick hat meine Story gefressen!“ Miller schaute angestrengt in die weit aufgerissenen Augen des Fremden, wartete auf eine Reaktion, bekam plötzlich wieder Angst und Zweifel, und erkannte doch nur einen Wimpernschlag später das Flackern in den Augenlidern seines Freundes.

Das war das eindeutige Zeichen.

„Großer Gott!“ Miller sprach plötzlich laut, war sofort erregt und agierte hektisch. „Nein! Das darf nicht wahr sein! Bitte!“ Schnell untersuchte er den Körper des Fremden.

„Was ist los, Doc?“ Die Stimme kam aus dem Lautsprecher.

„Sie sind zu weit gegangen, Rick. Er hat keine Atmung mehr. Kaum Puls. Er stirbt!“ Miller sprang auf.

„Verdammt!“ kam es aus dem Lautsprecher. „Was sollen wir jetzt tun?“

„Öffnen sie die verdammte Tür! Wir müssen ihn wiederbeleben!“

„Aber...?“

„Gott, Rick, er darf nicht sterben!“ Miller war wieder den Tränen nahe, war in dieser entscheidenden Situation total nervös, griff instinktiv nach dem Türknopf und nur eine Sekunde später ertönte der Summer.

Miller riss die Tür so weit auf, wie er konnte, rannte sofort los, wusste, dass es jetzt um Sekunden ging, erreichte sehr schnell die Ausgangstür des Ganges, hämmerte wild dagegen.

„Nun machen sie schon Rick. Wir haben keine Zeit mehr!“ Sein Kopf zuckte kurz nach links, suchte die Zellentür, sah dass es nur noch wenige Momente dauern würde, bis sie wieder zufiel und hämmerte nochmals gegen die Tür.

Sein zweiter Schlag übertönte fast den Summton, doch sein Gehirn reagierte blitzschnell und er warf sich nach vorn.

In dem Moment, da er die Tür wuchtig aufgestoßen hatte, schrie er laut: „Sie ist auf!“ Dann konnte er noch für den Bruchteil einer Sekunde in die verwirrten Augen des Wachmanns sehen, bevor er die Fingerkuppen von Daumen und Zeigefinger seiner linken Hand fest zusammenpresste und so den Auslöser für das Betäubungsgas freigab.

Rick war absolut nicht mehr Herr der Situation, denn das alles eskalierte so schnell, dass er die Kontrolle für wenige Momente aus der Hand gab und einen kleinen, aber entscheidenden Fehler machte.

Anstatt, wie im Regelwerk des Trakts festgehalten, die Tür zum Zellengang nur zu öffnen, wenn alle Zellentüren geschlossen waren, betätigte er jetzt den Schalter bereits eine Sekunde, bevor sich die Zellentür des Fremden vollständig geschlossen hatte.

Und das alles nur, weil er helfen wollte. Dem Doc, den er für das, was er im Namen der Menschlichkeit versuchte, so sehr mochte, dass er ihm in diesem Moment vertraute und dem Fremden, den er mehr als ein Jahrzehnt bewacht hatte und dessen Folterungen bei ihm Mitleid hervorriefen.

Nein, er wollte nicht, dass der Fremde aufgrund der Willkür eines Generals, den er nicht leiden konnte, sterben musste.

Und deshalb ließ er die Dienstvorschriften für diese eine Sekunde außer Acht.

Doch was er damit heraufbeschwor, konnte er mit einem letzten gequälten Atemzug in einer dichten Wolke aus starkem Betäubungsgas, das ihn innerhalb eines Wimpernschlags umgab, nur erahnen.

Ein Dollar, das er heute mit mir redet.

All die Jahre war das ihre Wette gewesen.

Jedes Mal, wenn der Doc den Fremden besuchen wollte, galt sie.

Und es entwickelte sich zu mehr als nur einem Spiel, bei dem es von Anfang an nie um das Geld gegangen war.

Das Ritual der Geldmünzen war vielmehr Ausdruck der Freundschaft, die sich zwischen beiden Männern im Laufe der Jahre entwickelt hatte, weil sie erkannt hatten, dass sie sich sehr ähnlich waren.

Dass er dieses Zeichen ihrer Freundschaft und somit ihre Freundschaft selbst hier und heute zerstören würde, als er dieses Geldstück von einem Ex-Militär, der ihm empfohlen worden war, mit dem Betäubungsgas hatte füllen und so präparieren lassen, dass es beim Zusammenführen der beiden künstlichen Fingerkuppen ausströmte, dessen war sich Miller mehr als bewusst.

Dass er aber auch ihr beider Leben damit zerstören würde, konnte er in dem Moment, da das Gas explosionsartig austrat und Rick sofort vollständig einhüllte, natürlich noch nicht ahnen.

Carlos lag noch immer reglos da, seine Augen weit geöffnet.

Und doch war es anders, als noch vor wenigen Momenten.

Kaum merklich hatte er seinen Kopf in Richtung Tür gedreht, konnte den hell erleuchteten Gang dahinter sehen - und die Tür, wie sie durch den elektronischen Türschließer immer weiter zufiel.

Mit dieser Tür waren all seine Hoffnungen auf eine Zukunft verknüpft und diese wurde Zentimeter für Zentimeter immer kleiner.

Dennoch durfte er sich nicht regen.

Er wusste, er wurde beobachtet und die kleinste Bewegung würde alles zunichtemachen.

Dann hörte er den Doc an eine andere Tür hämmern. Da waren es noch fünfzehn Zentimeter.

Eine unendliche Sekunde lang glaubte er, nichts weiter würde passieren. Und die Tür fiel unaufhaltsam weiter zu.

Noch sieben Zentimeter.

Da! Das Zeichen. Sein Schrei. Alles in Ordnung.

Noch vier Zentimeter.

Mit einem einzigen kontrollierten Satz wuchtete er sich auf die Beine, ging in die Hocke, stieß sich ab, sprang dicht neben die Tür, streckte seine linke Hand aus.

Da waren es noch zwei Zentimeter und die Elektronik gab den letzen Impuls, die Tür mit einem Ruck ins Schloss fallen zu lassen.

Doch nichts geschah.

Die Tür blieb offen und er atmete einmal hörbar aus. Im allerletzten Moment hatte er zwei seiner Finger dazwischen bekommen und die Mechanik gebremst.

Von jetzt an war er auf der Flucht und es würde kein Zurück mehr geben!

Er sah, wie Rick zu Boden ging und war froh, dass sein Bürostuhl seinen Aufschlag abbremste.

Miller wartete eine Sekunde, bis sich das Gas schnell verflüchtigt hatte, dann nahm er ein Taschentuch vor den Mund und rannte zu seinem Mantel, der immer noch über dem Tresen hing, nahm ihn an sich und rannte wieder aus dem Raum.

Im selben Moment kam der Fremde aus dem Gang gelaufen und als sich ihre Augen trafen, blieb Miller instinktiv stehen, sein Herz tat einen Satz, er lächelte seinen Gegenüber kurz an, bekam aber keine Reaktion zurück.

Die Augen des Fremden suchten die Umgebung ab, verharrten zunächst auf dem Ausgang aus dem Zellentrakt, dann auf dem bewusstlosen Wachmann.

Millers Lächeln verschwand und er konzentrierte sich wieder auf ihr Vorhaben.

Er griff in die Innentasche des Mantels, holte zunächst eine Fototasche heraus.

Schnell zog er die wenigen Fotos heraus und trat zu dem Fremden.

„Hier!“ Er zeigte ihm das Bild eines Autos. „Sie kennen diese Bilder bereits. Also nur zur Sicherheit. Das ist mein Wagen. Das ist das Kennzeichen!“ Er nahm das zweite Bild. „Er steht rechts vom Eingang. Etwa dreißig Meter. Er ist offen. Der Zündschlüssel steckt. Hier...!“ Er zog ein Blatt Papier aus der Tasche, auf das er mit farbigen Stiften eine Fahrtroute in den Norden aufgezeichnet hatte. „...ist ihr Weg in die Freiheit. Halten sie sich genau an diese Route, dann werden sie dorthin gelangen!“ Miller nahm ein weiteres Foto, das ein Motel zeigte, über dessen Haupthaus eine große, beleuchtete, gut lesbare Reklametafel angebracht war. „Das Blue Desert Inn. Zimmer 7. Hier ist der Schlüssel!“ Miller nahm seine rechte Hand und legte ihn mitsamt dem kleinen Anhänger mit der Nummer 7 hinein. Dabei schaute er seinem Gegenüber ins Gesicht und musste irritiert feststellen, dass der Blick des Fremden nicht auf ihn gerichtet war, sondern nach wie vor herumwanderte. „Verdammt Mann!“ platzte Miller gleich gereizt hervor. „Hören sie mir überhaupt zu?“

Der Fremde drehte seinen Kopf zu ihm, sah ihn für einen Augenblick ausdruckslos, aber direkt in die Augen, dann drehte er ihn wieder zur Seite, während er so gelangweilt nickte, das man annehmen konnte, ihn würde das alles nicht im Geringsten interessieren.

Miller erkannte das, atmete einmal hörbar aus und fuhr dann fort. „Also Zimmer 7. Sie finden dort Kleidung, Nahrung und Geld. Ein Freund von mir hat das Zimmer für einen Monat im Voraus bezahlt. Bis dahin sollten sie eine neue Bleibe gefunden haben. Das Auto können sie behalten. Es gehört mir, ist aber nicht auf mich zugelassen! Alles klar?“ Wieder sah Miller zu seinem Gegenüber, wieder hatte er das Gefühl, der Fremde würde ihm nicht zuhören, doch diesmal nickte er gleich deutlich, ohne ihn dabei jedoch anzuschauen.

Vielmehr trat er zum Tresen, wo das Essen des Wachmanns stand und Miller fragte sich einmal ernsthaft, ob der Kerl jetzt wirklich ans Essen dachte.

Während Carlos zuhörte, suchten seine Augen fieberhaft die Umgebung ab.

Er brauchte etwas, zum...

Da!

Er sah auf dem Schreibtisch Nahrung stehen. Doch die interessierte ihn nicht. Er sah vielmehr neben dem Teller eine Gabel und ein Messer liegen.

Er ging darauf zu und nahm zunächst die Gabel in die rechte Hand, dann das Messer in die Linke. Beides kam ihm sehr fremdartig vor, denn man hatte ihm in all den Jahren derartige Esswerkzeuge nie gegeben, und er wiegte sie vorsichtig hin und her.

Miller hatte die Fototasche beiseitegelegt und holte aus dem Mantel zwei Handys heraus.

„Wenn sie eine neue Bleibe gefunden haben, rufen sie diese Nummer an!“ Er hielt dem Fremden ein Handy hin. Als er nicht sofort reagierte, berührte er ihn an der Schulter.

Im nächsten Moment zuckte sein Gegenüber herum und starrte ihm wieder ausdruckslos in die Augen.

Miller erschrak, fing sich aber gleich wieder. „Hier. Das Handy. Diese Nummer!“ Er zeigte beides nochmals demonstrativ hoch und schob es dann wieder in den Mantel zurück. „Wir treffen uns dann und können alles Weitere besprechen! Wenn sie jetzt da raus gehen, ziehen sie den Mantel an. Hier ist meine ID-Karte. Damit öffnen sie den Fahrstuhl und kommen oben durch die Sicherheitskontrolle. Wenn sie oben sind, nehmen sie das Handy und halten es an dieser Seite vors Gesicht!“ Miller demonstrierte es ihm an dem Handy, das er bei sich behalten wollte. „Ich werde den Wachmann oben ablenken, obwohl das wohl kaum nötig sein dürfte. Sie sehen aus wie ich und haben meine Karte. Niemand wird sich ihnen in den Weg stellen!“

Miller verharrte einen Moment, lächelte kurz unschlüssig und atmete nochmals hörbar aus. Dann beugte er sich zu Rick hinunter, der noch immer bewusstlos war, entfernte den Schlagstock von seinem Gürtel und reichte ihn dem Fremden. „Das war´s! Jetzt liegt alles an ihnen!“

Carlos sah den Schlagstock in Millers Hand und wusste, dass der andere mit seinen Ausführungen geendet hatte.

Langsam hob er seinen Kopf, sah Miller in dessen erwartungsvollen Augen.

Ja, er wusste, dass der Arzt auf etwas wartete.

Und er sollte es auch bekommen, denn schließlich hatte er sich alle Mühe gegeben, dass alles klappen würde und gute Arbeit geleistet.

Dennoch konnte er ihn seinem Schicksal nicht entgehen lassen.

„Danke...!“

Ein einziges Wort, mit einem ehrlichen Blick in seine Augen.

Oh, Miller hatte so sehr gehofft, dass er es tat.

Wie viele Jahre hatte er darauf gewartet.

Und jetzt war es soweit. Das erste Wort aus dem Mund eines fremden Lebewesens.

Miller war überglücklich und diese Freude zeigte sich sehr deutlich in seinem Gesicht.

Ja, er hatte das richtige getan und die Zukunft würde dies sehr schnell zeigen.

Dessen war er sich sehr sicher.

Bis zu dem Moment, wo er die Gabel in der rechten Hand des Fremden blitzen sah, die blitzschnell zu Boden schnellte und dort wuchtig in den Nacken des Wachmanns krachte, dass man die Wirbelsäule brechen hören konnte.

Da erkannte er die wirkliche, tödliche Wahrheit.

Carlos schnellte zurück auf die Füße, ließ die Gabel einfach im Nacken des Wachmanns stecken, wo er sicher war, das er einen tödlichen Stoß ausgeführt hatte und schaute in die panischen, entsetzten Augen seines Gegenüber.

„Aber...?“ Mehr brachte Miller nicht heraus.

Der Fremde wechselte schnell das Messer von der linken in die rechte Hand, dann zuckte sein Arm hervor und stieß die Klinge ruckartig in den Bauch des Arztes.

Während Miller röchelte, jedoch keinen Schmerz empfand, weil er viel zu sehr geschockt über das war, was in den letzten Sekunden geschehen war, wartete sein Henker geduldig, bis sich ihre Augen trafen.

Dann grinste er einmal verächtlich, weidete sich einen Moment an dem Schmerz seines Opfers.

„...du Narr!“ Und mit diesen Worten riss er das Messer wieder aus seinem Bauch, wechselte die Griffhaltung und wuchtete es nur einen Wimpernschlag später mit all seiner Kraft in Millers Brust.

Sein Opfer schrie auf, wirbelte herum, krachte mit dem Oberkörper auf den Tresen, wo er sich gerade noch auf den Beinen halten konnte, während dicke Blutfäden aus seinem Mund flossen.

Carlos nahm den Mantel, zog ihn an, prüfte kurz, ob alles, was er brauchte, auch da war, dann ging er schnellen Schrittes zum Fahrstuhl.

Miller schaute ihm nach, versuchte, noch etwas zu sagen, aber mehr als ein furchtbares Gurgeln brachte er nicht mehr zu Stande.

Hilflos konnte er nur noch seinen rechten Arm ausstrecken, doch vermochte die verkrampfte Hand Carlos natürlich nicht mehr aufzuhalten.

Und während er den Fahrstuhl betrat, mit ihm zur Oberfläche fuhr, dort wie nicht anders zu erwarten ohne Probleme aus dem Gebäude gelangte und mit seinem Wagen in die Freiheit fuhr, konnte sich Miller nur noch verfluchen, dass er es zugelassen hatte, dass ihn der Fremde so täuschen konnte, dass auch Rick sterben musste.

Im selben Moment sah er das Ein-Dollar-Stück des Wachmanns auf dem Tresen liegen.

Mit letzter Kraft ergriff er es, dann rutschte er in die Tiefe.

Ja, er nahm den Dollar, denn er hatte die Wette, dass der Fremde mit ihm reden würde, gewonnen und dabei sein eigenes Leben und das eines Freundes verloren.

Mit seinem letzten Atemzug aber hatte er die schreckliche Gewissheit, dass ihr beider Leben nicht die Einzigen bleiben würden.

Twice

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