Читать книгу Twice - Alfred Broi - Страница 17
IV
ОглавлениеDer Helikopter hatte kaum aufgesetzt, da wurde die Seitentür bereits aufgerissen und sie wurden vom Kapitän des Schiffes, Peter McDonald in Empfang genommen.
Im Gegensatz zu Coleman verzichtete Moore auf einen eigenen Leibwächter.
„Guten Abend, Mr. Coleman!“ McDonald gab ihm und Crowe die Hand und führte sie sehr schnell vom Landedeck.
„Guten Abend Peter“ Coleman reichte ihm ebenfalls die Hand. „Wie geht es ihrer Frau?“ fragte er dann besorgt.
„Sie ist auf dem Weg der Besserung, Sir. Letzte Woche hat sie die Intensivstation verlassen können!“
„Das freut mich wirklich zu hören. Rufen sie mich an, sobald sie aus dem Krankenhaus heraus ist. Dann rede ich mit Jonathan mal über einen ordentlichen Urlaub für sie beide!“
„Danke, Mr. Moore. Das werde ich tun!“ McDonald lächelte.
Sie erreichten den Kabinengang, der hinauf auf das Sonnendeck führte.
„Können sie mir sagen, was los ist?“ fragte Coleman. „Er klang so nervös!“
„Tut mir leid, Sir, aber ich habe nicht die geringste Ahnung. Seine Ankunft kam auch für mich völlig überraschend! Seine Sekretärin sagte, er habe mit Europa telefoniert und sei dabei am Hörer förmlich explodiert!“
Coleman blieb abrupt stehen. „Mit Europa?“
McDonald nickte.
Coleman schaute ihn ausdruckslos an, dann atmete er tief durch.
Und während er weiter ging, wusste er, dass ihn sein Gefühl nicht getäuscht hatte.
Irgendetwas Schreckliches lag in der Luft.
Wenige Sekunden später hatten sie die Treppe hinauf zum Sonnendeck erreicht und Coleman ging die wenigen Stufen voraus.
Er erkannte Moore sofort am anderen Ende des Decks an der Reling.
Sein Freund musste sie gehört haben, aber er drehte sich nicht zu ihnen herum.
„Peter, seien sie so freundlich und nehmen sie Andrew mit auf das Vorderdeck, ja?“
McDonald schaute Marcus an und versuchte erst gar nicht, zu widersprechen, sondern nickte nur. „Natürlich, Mr. Coleman!“
Crowe und McDonald verließen schnell das Deck.
Als die beiden Männer verschwunden waren, atmete Coleman einmal tief durch, bevor er sich wieder herumdrehte.
Moore stand noch immer unbeweglich an der Reling und Coleman trat langsam neben ihn, schaute ihn dabei nicht an, sondern ließ seinen Blick ebenfalls für einige Momente auf dem vor ihnen liegenden Meer ruhen.
„Ein herrlicher Anblick, nicht wahr!?“ Moore brach das Schweigen als erster, sah dabei Coleman jedoch ebenfalls nicht an.
„Ja das ist es. Allerdings!“ Coleman antwortete nur zögernd.
Wieder entstand eine kurze Stille.
Plötzlich drehte sich Moore herum und schaute Coleman direkt und tief bestürzt ins Gesicht. „Philippe ist tot!“
Für einen Moment war erneut keine Bewegung zu vernehmen.
Während Moore mit den Tränen kämpfte, war Coleman sehr darum bemüht, sich auf den Füßen zu halten.
Es war als hätte bei ihm eine Bombe eingeschlagen. Von einer Sekunde zur anderen war sein Gehirn kurz davor, in einem einzigen Aufschrei zu explodieren.
Er war unfähig, sich zu bewegen, unfähig, einen einzigen klaren Gedanken zu fassen.
„Was?“ Das war fast schon ein entsetzter Aufschrei. „Aber...wie, warum?“
„Er hat es getan!“
„Aber, das kann doch nicht wahr sein!“ Coleman war den Tränen nahe.
„Doch Marcus, es ist die Wahrheit. Und es ist noch viel schlimmer!“
„Warum? Was ist noch?“
„Fernando ist auch umgekommen!“
„Gott Vater!“ Coleman schaute flehend gen Himmel. „Wie konnte das passieren?“
„Ich weiß es nicht!“
„Wann hast du es erfahren?“ fragte Coleman.
„Vor etwa vier Stunden! Es ging durch die spanische Presse wie ein Lauffeuer. Das ganze Dorf ist dabei vernichtet worden, Marcus. Das ganze Dorf. Fast vierhundert Menschen. Alle hingerichtet. Es muss furchtbar gewesen sein. Unser Büro in Madrid hat sofort versucht Verbindung mit Fernando aufzunehmen. Doch er war nicht da. Seine Sekretärin sagte, er habe ihr eine Nachricht hinterlassen. Er wolle einen alten Freund in den Bergen besuchen und würde erst spät zurücksein. Und du weißt, wie sehr er Philippe gemocht hatte. Nein, Marcus, ich fühle es. Er war auch dort. Und er ist auch tot!“ Moore war wieder sehr verzweifelt.
Coleman atmete tief durch, sah die Trauer in den Augen seines Gegenübers. „Ja, Jonathan, ich weiß. Ich fühle es auch. Ich habe es schon heute Morgen gespürt. Aber ich hätte niemals an etwas so schreckliches gedacht!“
Moore nickte ihm zu. „Ich habe Madrid angewiesen, eine Suchaktion zu starten und nach Pontevedra zu fahren...!“
Jetzt nickte Coleman ihm zur Bestätigung zu.
„Danach haben wir versucht, dich zu erreichen. Aber du warst nicht im Büro und nicht im Auto. Und...!“ Moore wartete bis Coleman ihn anschaute. „...du hast sogar das Notsignal ignoriert!“
„Ich...! Ich habe das Signal nicht ignoriert. Ich musste nur noch schnell etwas Wichtiges zu Ende bringen. Danach habe ich mich sofort ins Flugzeug gesetzt!“
„Was in drei Herrgotts Namen ist wichtiger, als dieser furchtbare Vorfall?“
„Ich...!“ Coleman zögerte eine Sekunde. „Ich wollte es eben noch zu Ende bringen!“
„Mein Vertrauen zu dir war und ist grenzenlos, Marcus. Das weißt du. Aber sollte ich jemals feststellen, dass du nicht mehr mit mir an einem Strang ziehst, dass du mich hintergehst, wüsste ich nicht, was ich tun würde!“
„Du redest Unsinn, Jonathan.“ Coleman lächelte. „Ich bin dein Freund und auf eurer Seite. Du musst mir einfach vertrauen!“
Moore nickte nachdenklich. „Ich habe ohnehin keine andere Wahl. Wenn du nicht mehr auf unserer Seite bist, ist alles verloren.“
„Ich bin auf deiner Seite. Und wir haben noch lange nicht verloren!“
„Wie kannst du dir da nur so sicher sein?“
„Ich bin mir nicht sicher. Ich habe aber noch eine Hoffnung, die du wohl bereits verloren hast. Die Hoffnung, dass wir es immer noch aufhalten können!“
„Aber wie, Marcus, wie? Wie können wir überhaupt davon reden, es zu beenden, wenn wir noch nicht einmal wissen, mit wem wir es zu tun haben?“
„Du kennst meine Meinung. Ich glaube noch immer, dass es ein menschliches Wesen ist. Das um unsere Existenz weiß und Jagd auf uns macht! Eine andere Erklärung scheint mir nicht akzeptabel!“
„Aber diese Erklärung hat Lücken. Noch vor einem Jahr gab es elf von uns. Wie hat er es innerhalb so kurzer Zeit geschafft, sechs von uns aufzuspüren und abzuschlachten, von den unzähligen Menschenopfern dabei ganz zu schweigen? Wie hat er das geschafft, wenn doch nur wir beide wissen, wo auf der ganzen Welt der Rest von uns verstreut ist?“ Moore schaute Coleman fragend an, doch er bekam keine Antwort. „Und wie erklärst du die Tatsache, dass er die Kristalle an sich gebracht hat? Wie sollte eine normale menschliche Kreatur dazu in der Lage sein, so etwas zu tun? Wie?“ Moore hatte seine Stimme erhoben und schaute sein Gegenüber erneut fragend an.
„Herrgott, Jonathan, ich weiß es nicht!“ Auch Coleman wurde etwas lauter. „Ich weiß nur, das...!“
Weiter kam er nicht, denn McDonald kam aufgeregt die Treppe zum Sonnendeck hinaufgelaufen.
Moore drehte sich sofort zu ihm.
„Sir, wir haben Spanien am Apparat!“
„Stellen sie es sofort hierher!“ Er schaute Coleman nervös an.
„Sie brauchen nur abheben!“ McDonald deutete auf das Telefon auf dem Tisch an der Seite, dann drehte er sich um und verschwand wieder.
Moore ging langsam auf den Apparat zu, dann atmete er tief durch, schaute noch einmal zu Coleman, der neben ihn getreten war und betätigte dann den Freisprechschalter. „Ja?“
Für einen Moment war nur Rauschen in der Leitung zu hören. „Hallo?“ Eine kräftige Männerstimme meldete sich. „Mit wem spreche ich?“ Das Englisch war leicht gebrochen und hatte den typisch europäischen Akzent.
„Hier spricht Jonathan Moore, Geschäftsführer von CAPCO-Enterprises!“ Moore ließ seine Worte für eine Sekunde in der Leitung schwingen. „Mit wem spreche ich?“
„Entschuldigen sie, Sir. Hier ist Miguel Suarez, Außendienstmitarbeiter von CAPCO-Compania in Madrid!“
„Was haben sie für uns, Mr. Suarez?“
„Sir, ich spreche hier von einem Satellitentelefon aus Pontevedra zu ihnen. Oder besser gesagt aus dem Ort, der einmal Pontevedra gewesen ist. Hier steht kein Stein mehr auf dem anderen. Das ganze Dorf ist niedergebrannt, vernichtet, buchstäblich ausgelöscht. Es ist ein furchtbarer Anblick. Überall sind Leichen. Es riecht nach verbranntem Fleisch - und Tod! Es...!“
Moore schaute Coleman an. „Ja, aber haben sie sie gefunden?“
„Von Senor Sanchez fehlt jede Spur. Wenn er anwesend war, ist er bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Ihn zu identifizieren wird noch Tage, vielleicht Wochen dauern!“
„Was ist mit Mr. Cortez?“
„Ich bin mir nicht sicher, Sir!“
„Was heißt das?“
„Wir haben einen...Körper gefunden, auf den die Beschreibung von Senor Cortez passen könnte! Aber mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen! Es sei denn...!“
„Es sei denn, was?“
„Ich habe ein Foto von der Leiche gemacht und ihnen auf das Fax gelegt. Es müsste gleich bei ihnen ankommen. Vielleicht erkennen sie mehr, als wir?“
Moore wollte schon etwas entgegnen, doch piepste plötzlich das Faxgerät neben dem Telefon wie auf Kommando und wenige Sekunden später wurde ein Blatt Papier herausgeschoben.
Coleman nahm es in Empfang und hielt es so, dass beide Männer es sehen konnten.
Und was sie sahen, bestätigte ihre schlimmsten Vermutungen. Es war die Leiche ihres geliebten Freundes Fernando, der Körper von unzähligen Einschüssen aufgerissen und zerfetzt, sein Blut überall.
Moore schaute Coleman tief bestürzt in die Augen.
„Ja, es ist Mr. Cortez!“ sprach er dann.
„Was ist das?“ Coleman deutete auf einen Schriftzug neben Fernandos Körper.
„Was sind das für Zeichen neben ihm?“ fragte Moore laut.
„Ich hatte gehofft, das könnten sie mir sagen. Die Leiche hatte einen abgebrochenen Zweig in der rechten Hand, an deren Spitze Erde klebt. Es scheint so, als wollte Senor Cortez uns etwas mitteilen!“
„Was sind das für Zeichen. Wir können sie nicht richtig erkennen. Ist das da am Anfang ein C?“
„Ja, Senor. Das ist eindeutig ein C. Dann folgt ein Kreis oder vielleicht auch der Buchstabe A. Das dritte Zeichen kann ich nicht entziffern. Schließlich noch eine Art Halbmond oder sowas...! Ich weiß es nicht. Es ist alles sehr verwischt.“
„Das ist kein Halbmond!“ sagte Coleman. „Das ist ein L!“
Moore schaute ihn mit großen Augen an. „Bist du sicher?“
„Ganz sicher. Das ist ein L. Und das da ist ein P, oder....nein, da ist noch ein kleiner Strich. Ein R. Ja, genau ein R. Jonathan, das sind alles Buchstaben. C A R L. Carl...Carl...! Oh mein Gott!“ Er schaute plötzlich auf und starrte Moore an, als habe er den Tod persönlich gesehen. „Carlos!“
Moore war für eine Sekunde sprachlos. „Aber...?“
„Senores?“ Suarez konnte ihrem Gespräch natürlich nicht mehr folgen.
„Äh...! Äh, danke Mr Suarez. Das war sehr gute Arbeit. Bleiben sie noch vor Ort, bis sicher ist, was aus Mr. Sanchez geworden ist. Auf Wiedersehen!“ Moore legte auf, noch bevor Suarez zu irgendeiner Reaktion ansetzen konnte.
Aber Moore konnte nicht anders. Was sein Freund gerade eben gesagt hatte, jagte ihm sofort fürchterliche Schauer durch seinen Körper. „Aber...das kann nicht sein, Marcus!“ Er drehte sich herum und starrte ihn direkt in die Augen. „Das ist absolut unmöglich!“
„Du selbst hast gesagt, es wäre jemand von uns!“
„Ja, aber. Marcus, wir reden hier von Carlos. Hörst du? Er ist...war einer von uns. Er war unser Verbündeter. Er würde niemals...! Er könnte niemals für all diese furchtbaren Anschläge verantwortlich sein. Niemals, Marcus! Das muss ein Irrtum sein! Oder ein Zufall!“
Coleman antwortete nicht sofort, sondern dachte über das nach, was Moore gerade gesagt hatte. „Er ist damals nicht gestorben, Jonathan. Das war uns doch allen immer klar, obwohl wir diesen Gedanken so gern verdrängt haben.
Er war am Leben und als ihn das Militär gefunden hatte, war doch auch klar, dass sie sein...unser Geheimnis entdecken würden. Wenn ihm die schrecklichen Verletzungen, die er bei dem Absturz erlitten hatte, nicht schon den Verstand geraubt hatten, würden sie eine Erklärung dafür haben wollen, auch das wussten wir. Deshalb haben wir doch alles versucht, um seinen Aufenthaltsort herauszufinden. Um ihn zu befreien, für den Fall, dass er geistig noch intakt war. Und stell dir vor, er war es. Dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man ein Schweigen von ihm niemals akzeptiert hatte. Wenn er geredet hätte, gäbe es uns alle schon nicht mehr. Also hat er nicht geredet, aber vielleicht viele Folterungen und Schmerzen erleiden müssen. Und das hat mit Sicherheit etwas anderes bei ihm erzeugt!“
„Was?“ Moore fuhr herum, starrte ihm ins Gesicht.
„Hass!“ Coleman hielt Moores Blick problemlos stand. „Und den Wunsch nach Rache an denen, die ihn in jener Nacht zurückgelassen haben!“
„Aber, Marcus, um Himmels Willen!“
„Ich weiß. Ein schrecklicher Gedanke. Und es erklärt noch immer nicht, wie er in der Lage sein sollte, unsere Kristalle an sich zu nehmen. Er müsste es dann geschafft haben, ihre Energie zu reaktivieren. Und das ist völlig unmöglich. Aber die Sache ist viel zu wichtig, um es einfach ausschließen zu können!“
„Was hast du vor?“
„Ich werde der Sache nachgehen. Ich werde etwas in Erfahrung bringen. Ich muss es. Ich muss wissen, ob das Unglaubliche wahr sein kann!“
„Und was zum Teufel sollen wir bis dahin tun?“
„Das, was wir bis jetzt auch getan haben. Einen neuen Weg finden an unsere Herzen zu kommen. Nur wenn uns das gelingt, können wir das Unheil noch stoppen!“
„Wie weit ist Simon?“
„Er arbeitet rund um die Uhr. Aber der Wiederaufbau der Forschungsstation wird noch einige Monate dauern!“
Moore lächelte traurig. „Ja, der gute Simon. Mehr als alle anderen hat er die Voraussetzungen für das Ende unserer Unsterblichkeit geschaffen. Wir sollten ihm ein Denkmal setzen!“
„Das werden wir, Jonathan, das werden wir. Und bis dahin werden wir weiterhin versuchen, diesen Teufel ausfindig zu machen. Die Jungs arbeiten, was sie können. Vielleicht werden sie ihn finden, bevor er uns findet!“
„Und wenn nicht ?“
„Dann müssen wir uns diesem Bastard stellen und alles geben, was wir haben, um ihn zu vernichten. Was immer auch passiert, wir dürfen niemals zulassen, dass er in den Besitz aller Kristalle kommt“
„Ja!“ Moore nickte. „Da hast du recht!“
Das Telefon auf dem Tisch klingelte erneut.
Moore schaute Marcus fragend an, dieser schüttelte den Kopf, dann nahm er ab.
„Moore?“ Er lauschte. „Michael! Um Himmels Willen, sag mir jetzt nicht, ihr seid zu spät gewesen!“
Dreitausend Meilen weiter östlich saß Michael in der Kabine eines Peabody-Learjets, der sie auch vor wenigen Stunden nach New York gebracht hatte, und sprach in das Satellitentelefon. „Nein, Sir. Wir haben ihn. Aber das war um Haaresbreite ein Himmelfahrtskommando. Gina ist verletzt worden. Sie liegt in New York im Krankenhaus. Und Scott hat eine Menge von seinem Ego einbüßen müssen! Aber Walker ist hier bei uns!“
„Oh, dem Himmel sei Dank!“ Moore legte die rechte Hand auf den Hörer, weil er sah, dass Marcus eine Erklärung wollte. „Ich habe die drei nach New York geschickt, damit sie sich um Thomas kümmern. Meine Vorahnung war offensichtlich mehr als berechtigt!“ Coleman nickte ihm zu und Moore wandte sich wieder an Michael. „Sind sie auf dem Weg zurück?“
„Ja, Sir. Wir nähern uns gerade Chicago. Es wird noch ein paar Stunden dauern!“
„Verlieren sie keine Zeit. Bringen sie Walker sofort zu Peabody!“
„Ich befürchte, unser Geheimnis ist keins mehr, Sir. Scott hat zu viel mitbekommen. Er wird sicherlich Fragen stellen!“
Moore zögerte am anderen Ende der Leitung einen Moment, dann atmete er tief durch. „Also gut, kommen sie alle sofort zu mir. So schnell es geht, Michael. Während ihrer Abwesenheit sind furchtbare Dinge passiert!“
„Was?“
„Philippe und Fernando sind tot!“
„Oh Gott nein!“ Michael zuckte sofort zusammen.
„Doch, Michael, es ist wahr. Er hat sie gefunden. Wie alle anderen auch. Und er wird auch uns finden. Wir müssen uns deshalb vorbereiten!“
„Alles klar!“ Michael unterdrückte die Tränen. „Wir werden uns beeilen!“ Damit kappte er die Verbindung, schloss die Augen und ließ seinen Tränen stumm freien Lauf.
Ja, sie hatten Walker gerettet, aber für Philippe und Fernando kam jede Hilfe zu spät. Jetzt gab es nur noch fünf Menschen, die einen Kristall besaßen. Moore und Coleman, den guten Simon, der weiterhin fieberhaft an einem zweiten Zeitsprung bastelte, Walker, und einen Kerl namens Carlos, den er jedoch nie zu Gesicht bekommen hatte, von dem er nur wusste, dass er noch leben musste.
Er selbst war kein Unsterblicher, er selbst war nur der Sohn eines Unsterblichen.
Und doch war sein Vater tot, gestorben vor etwa einem Jahr, als Simon zum ersten Mal die Möglichkeit geschaffen hatte, durch die Zeit zu gehen.
Michael durfte nicht mit ihm in die Vergangenheit gehen, obwohl er sich das gewünscht hätte.
Und nur deshalb war er noch am Leben. Denn von den sechs Männern, die den Zeitsprung durchgeführt hatten, waren nur zwei lebend zurückgekehrt und auch die starben bei der anschließenden gewaltigen Explosion, die den gesamten Gebäudekomplex zerstörte.
Oh, Michael hatte bitterlich um seinen Vater geweint, den er so sehr liebte. Doch als er begriff, dass er ihn nicht mehr lebendig machen konnte, beschloss er mit all seiner Kraft das fortzuführen, wofür sein Vater sein ganzes langes Leben eingestanden war:
Den Unsterblichen ihre Sterblichkeit zurückzubringen und die göttliche Energie, die dabei freigesetzt wurde, wieder in nur einem Kristall zu bündeln, damit sie die Menschen wieder behüten konnte, so wie es vor Jahrhunderten gewesen war.
Doch noch mehr hoffte Michael, dass es Simon gelingen würde, eine funktionierende Möglichkeit für einen weiteren Zeitsprung zu entwickeln, damit sie diesem Wahnsinn ein Ende bereiten konnten - und er im Anschluss daran das tun konnte, was er sich so sehr wünschte:
Zurückzugehen zu dem Ort, wo sein Vater gestorben war, um ihn zu retten, ihn dann in die Gegenwart mitzunehmen, wo er ihm sein Herz zurückgeben konnte, damit er alt werden und ganz normal sterben konnte.
Nichts mehr wünschte sich Michael, als dass ihn sein Vater noch einige Jahre in seinem Leben begleitete.
Und er würde alles dafür tun, damit sein Traum wurde.
Scott schlief nicht, auch wenn das wohl alle an Bord des Learjets von ihm annahmen.
Zumindest noch nicht.
Denn in seinem Körper spürte er immer deutlicher die Wirkung des Beruhigungsmittels aufsteigen, das ihm die hinreißend schöne Stewardess vor zehn Minuten gegeben hatte, nachdem sie seine Wunden mit vielen, liebevollen, zusätzlichen Streicheleinheiten versorgt hatte.
Danach ließ sie ihn allein mit dem monotonen Brummen der Triebwerke und sein Gehirn begann sofort fürchterlich zu arbeiten.
Neben den kläglichen Versuchen, all das Gesehene und Erlebte unter einen Hut zu bringen, der noch dazu passte, kam immer wieder ein Gedanke in ihm hoch.
Und dieser Gedanke war eng mit dem Foto verknüpft, das er in seiner Hand hielt, seitdem sie in das Flugzeug eingestiegen waren.
Jetzt, wo Scott sicher war, dass ihn niemand mehr stören würde, drehte er es herum und schaute es lange Zeit einfach nur an.
Ja, er kannte die junge Frau darauf. Und er kannte sie nur zu gut.
Sie war noch immer umwerfend schön, vielleicht noch mehr, als vor sechs Jahren, als er sie kennen- und lieben gelernt hatte.
Und er spürte sofort in sich wieder dieselben tiefen Gefühle für diese Frau aufsteigen, die ihn sicher machten, dass er auch heute noch weit mehr für sie empfand, als für irgendeinen Menschen sonst auf der Welt.
Und es hätte alles so einfach sein können, damals...
Im selben Moment stieg Angst in ihm auf.
Gott im Himmel! Er hatte ihr Bild in der Jackentasche eines Toten gefunden, eines Entführers, der jederzeit bereit gewesen wäre, ihn zu töten.
„Oh Stephanie...!“ entfuhr es ihm und Scott wusste sofort, was er zu tun hatte. „...bitte nicht!“
Dann blickte er noch einmal auf ihr Foto und bevor er endgültig einschlief, gingen seine Gedanken sechs Jahre zurück und er war sich sehr sicher, damals nicht nur einen großen Fehler begangen zu haben, sondern das größte Arschloch im gesamten Universum gewesen zu sein.