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VII

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Richard donnerte seinen Fuß auf die Bremse und der Wagen rutschte quietschend in den Stand.

Doch das interessierte ihn nicht, seine Augen schauten gebannt aus dem Beifahrerfenster, wo er in etwa zehn Metern Entfernung, neben einem großen Busch, das sehr intensive, kräftige, rote Leuchten wiedererkannte, das ihn noch vor Minuten so fasziniert hatte, dass er für eine Sekunde den Blick von dem herabstürzenden Jumbo genommen hatte.

Sah aus wie ein kleiner, gläserner Stein von vielleicht zwanzig Zentimeter Durchmesser.

Was zum Teufel war das?

Vielleicht - verdammt - ein Juwel?

Richard zögerte.

Sollte er oder sollte er nicht?

Wieder blickte er in die Richtung, aus der sich die Hubschrauber näherten.

Eine Minute noch, höchstens, dann würden sie bei dem Jumbo sein.

Und er selbst war etwa eine halbe Meile davon entfernt, dort, wo die Flammen die Umgebung nur noch sehr schwach erleuchteten.

Wenige Meter entfernt von dem vielleicht größten Edelstein, den er je gesehen hatte.

Wenige Meter entfernt vom Ende all seiner Sorgen.

Also musste er es tun.

Sofort sprang er aus dem Wagen und schaute noch einmal in Richtung Flugzeug, bevor er schnell zu dem Busch humpelte.

Als er direkt vor dem Ding stand, sah er, dass es sich tatsächlich um einen schwach durchsichtigen, eiförmigen Körper handelte, in dessen Innerem ein zweiter Körper, etwa von der Größe einer Kinderfaust, eingeschlossen war.

Dieser kleine Körper strahlte das immense, rote Licht aus, das Richard schwer blendete.

Dennoch ließ sich erkennen, dass irgendetwas in diesem Ding pulsierte, so als würde es sich bewegen - leben.

Um den Kristall herum war eine dunkle, scheinbar weiche Masse, in der er eingebettet lag.

Das alles sah jetzt nicht mehr nach einem Edelstein aus, eher nach etwas Fremdartigem, Lebendigem.

Richard zögerte eine Sekunde, doch war die Versuchung jetzt viel zu groß, als das er noch zurück konnte.

Er bückte sich und schob seine Hand an den Kristall.

Sein Blick ging zurück zum Jumbo, er konnte die Hubschrauber jetzt deutlich erkennen.

Und ihm wurde sofort klar, dass er sich entscheiden musste.

Flucht mit oder ohne dem Ding.

Und das brachte ihn sehr schnell zurück zu seinem Ausgangsgedanken.

Mitnehmen, reich und berühmt werden.

Also tat er, was er tun musste und hob den Stein auf.

Das Ding wog etwa ein Pfund, schätzte er, während er zurück zum Wagen lief, die Beifahrertür aufriss und seinen Fund auf den Sitz warf.

Beim Weg zur Fahrertür starrte er noch einmal zur Absturzstelle, wo der erste Helikopter gerade seine Geschwindigkeit drosselte, um zur Landung anzusetzen.

Das reicht!, sagte er zu sich selbst und setzte sich in das Auto.

Bevor er Gas gab, schaute er nochmals auf den Stein.

Verdammtes Licht, dachte er und war sich im selben Moment sehr bewusst, dass man dieses Leuchten auch noch in einiger Entfernung würde sehen können.

Richard erschrak fürchterlich, griff aber sofort instinktiv auf die Rückbank, holte seine Lederjacke hervor und legte sie über den Stein.

Sofort wurde das Licht deutlich schwächer.

Ja, das war viel besser.

So konnte er unerkannt entkommen.

Hin zu einem veränderten Leben. Hin zu einer besseren Welt.

VIII

Maxwell hatte wirklich schon mehr als verdammtes Glück gehabt.

Innerhalb kürzester Zeit hatte er eine tragbare medizinische Einheit gefunden, sie geschultert und war mit ihr zurückgehetzt, wo er gerade wieder weit genug entfernt vom Wrack war, bevor die Konstruktion durch eine ungeheure Explosion in einem gewaltigen Feuerball vollständig zerfetzt wurde.

Doch er verschnaufte nicht, hielt nicht inne, sondern rannte so schnell er konnte, zu dem Platz, wo er den schwerverletzten Carlos wusste, immer in Angst, er würde zu spät kommen.

Und als er seinen älteren Freund dann tatsächlich nicht dort liegen sah, wo er ihn verlassen hatte, zweifelte er zunächst, ob er überhaupt am richtigen Ort war.

Hatte er sich verlaufen, verdammt?

Nein! Da waren Spuren. Spuren eines Körpers, der den kleinen Hügel hinauf gezogen wurde.

Waren Jonathan und Marcus zurückgekehrt? Schon?

Maxwell war unsicher, wollte den Spuren aber folgen.

Im nächsten Moment jedoch erschrak er fast zu Tode, als nur wenige Meter neben ihm ein gleißend heller Lichtpunkt auftauchte, der rasend schnell über den Boden zuckte.

Total entsetzt suchte er den Ausgangspunkt dafür und erkannte nur einen Wimpernschlag später drei Hubschrauber nur wenige hundert Meter vor sich: Sie hielten direkt auf ihn zu und einer von ihnen hatte bereits seinen Suchscheinwerfer eingeschaltet.

Maxwell erstarrte. Was sollte er jetzt tun?

Laufen, natürlich! Ein kurzer Sprint den Hügel hinauf zu Carlos, ihm helfen, ihn verarzten und dann das Weite suchen!

Ja, so konnte es gehen.

Doch er setzte gerade erst zum Spurt an, als das Licht des Scheinwerfers quasi wie eine Messerklinge zwischen ihm und dem Hügel fuhr und ihm den Weg dorthin versperrte.

Würde er trotzdem laufen, würde er seine Existenz preisgeben.

Aber das durfte er nicht und dazu hatte er auch gar nicht den Mut.

Seine Gedanken rasten und sie wurden erst erstickt, als sich der Lichtpunkt des Scheinwerfers auf ihn zubewegte.

Sofort war er wieder hellwach, machte kehrt, ließ die medizinische Einheit fallen und rannte, so schnell er konnte vor der Helligkeit davon.

Er musste Carlos retten, aber er hatte panische Angst davor in die Hände des Militärs zu geraten.

Er konnte nur hoffen, dass Jonathan und Marcus ihn schon in Sicherheit gebracht hatten.

Der Suchscheinwerfer hatte die medizinische Einheit erfasst und verharrte darauf.

Ein zweiter Helikopter setzte nur wenige Sekunden später zur Landung an und gut ein halbes Dutzend Soldaten schwärmten aus, während sich der Hubschrauber wieder entfernte, um nicht von herumfliegenden Explosionsteilen getroffen zu werden.

Wieder nur wenige Augenblicke später hatte die Gruppe die Spur den Hügel hinauf ausgemacht und folgte ihr geschlossen und mit entsicherten Gewehren.

Er war so sehr damit beschäftigt einfach nur zu laufen, das er gar nicht sah, wohin er lief und als er die große, schwarze Gestalt vor sich erkannte, war es auch schon zu spät und er hatte sie wuchtig umgerannt.

Maxwell schrie dabei auf, die Gestalt ebenfalls.

Sofort wollte er sich wieder aufrappeln und sich verteidigen, da erkannte er ein schmerzverzerrtes, aber bekanntes Gesicht vor seinen Augen.

„Jonathan!“ Seine Augen leuchteten.

„Hätte dir diese Erkenntnis nicht einen Moment früher kommen können?“ Mühsam und stöhnend erhob sich sein Freund zurück auf die Füße.

„Oh Jonathan, es ist furchtbar. Carlos… Ich habe eine medizinische Einheit gefunden, aber er war nicht mehr da! Und jetzt ist das Militär da!“ Er deutete auf die Lichtpunkte in etwa dreihundert Metern Entfernung. „Ich hatte gehofft, dass ihr ihn schon vor mir erreicht hattet!“

Jonathan schaute Maxwell tieftraurig an und schüttelte den Kopf. „Nein, wir suchen noch immer den Kristall.“

Im selben Moment trat Marcus zu ihnen.

„Was ist los? Wo ist Carlos?“

Wortlos deutete Jonathan auf die Hubschrauber.

„Verdammt, wir müssen ihm helfen!“

„Nein!“ Jonathan trat zu ihm. „Wir müssen von hier verschwinden. Wenn wir uns zu erkennen geben, werden wir niemals mehr die Chance haben, es noch zu Ende zu bringen. Carlos kann nicht sterben. Und das Militär wird sich um ihn kümmern. Sie werden sein Geheimnis lüften und versuchen es zu erklären. Bis dahin haben wir die Zeit, seine Flucht zu planen und ihn zurück in unsere Obhut zu holen! Hier und jetzt können wir nichts für ihn tun, außer ihm durch unsere Flucht die Chance auf ein Ende zu wahren!“

„Aber, das dürfen wir nicht!“ Maxwell trat zu ihnen.

„Doch!“ sagte Marcus nach kurzem Nachdenken. „Jonathan hat Recht. Wir verschwinden und bringen die ganze Sache in Ruhe wieder ins Lot. Alles andere wäre das Ende all unserer Hoffnungen. Das dürfen wir niemals riskieren!“

„Oh, ich hoffe wir tun das Richtige, Jonathan!“ Maxwell schaute ihm verzweifelt in die Augen, doch folgte er ihnen in die Dunkelheit.

„Das hoffe ich auch, mein Freund. Das hoffe ich auch!“

IX

Er war am Ende seines Weges angelangt.

Nicht nur weil er die Hügelkuppe erreicht hatte und es nichts mehr dahinter gab, wo er hätte hin robben können, sondern weil er nicht mehr die geringste Kraft in sich hatte, um sich auch nur noch einen Meter weiter zu schleppen.

Sein ganzer Körper war restlos ausgelaugt, so taub, das er keinen Schmerz mehr in sich spürte. Selbst die Angst vor seiner Entdeckung nahm er nur noch wie durch einen dichten, schweren Schleier wahr.

So verharrte er in seiner Position, das Gesicht in den Sand gedrückt und es war ihm völlig egal, was noch mit ihm passierte.

Bis sich seine Augen doch noch einmal öffneten und er aus irgendeinem magischen Grund gezwungen wurde, nach vorn zu schauen.

Und was er dort sah, ließ ihn sofort erzittern.

Der Kristall!

Ja, er konnte ihn sehen, sein Leuchten, sein pulsierendes, lebendiges Licht.

Oh nein! Carlos war sofort tief entsetzt.

Und nun konnte er auch diese eine fremde Gestalt sehen, die den Kristall an sich nahm, in einen Geländewagen warf und schnell davonfuhr.

War das Wirklichkeit, was er sah oder nur Illusion?

Nein, es war real. Irgendetwas in seinem Inneren sagte ihm, das er die Wirklichkeit gesehen hatte.

Die furchtbare, schreckliche Wahrheit.

Oh, warum nur hatten sie ihn hier allein gelassen? Warum nur mussten sie ihn im Stich lassen?

Wären sie bei ihm geblieben, hätten sie jetzt sehen können, was er sah. Dann hätten sie dem Fremden folgen und den Kristall zurückholen können.

Damit wäre nicht alles verloren gewesen, damit hätte er seine Schmerzen vielleicht sogar akzeptieren können.

Aber jetzt war alles vorbei. Der Kristall in fremden, unwissenden Händen, aus ihren Augen, wieder außerhalb jeglicher Kontrolle.

Das war noch schlimmer, als alles andere.

Oh, welch unglaublich große Gefahr zog dort mit der fremden Gestalt von dannen.

Und er konnte rein gar nichts dagegen tun.

Carlos musste schlagartig weinen.

Weinen, um das was war, um sich, um alles.

Verdammt, sie hatten es vermasselt, alles und absolut gründlich. Verdammt!

Plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen.

Im selben Moment hörte er hinter sich schwere Schritte, die sehr schnell näher kamen.

Er drehte sich herum und sah einige Männer, die sich zu ihm herabbeugten.

Noch einmal hatte er die Kraft, nach vorn zu sehen, zu dem Geländewagen, in dem der Kristall jetzt war, verzweifelt streckte er die Hand danach aus und bevor er endgültig das Bewusstsein verlor, konnte er noch einen einzigen Gedanken formulieren:

Warum nur hatten ihn seine Freunde so im Stich gelassen?

Verdammt sollten sie alle sein. Jonathan, Marcus und all die anderen. Verdammt für das, was sie ihm angetan hatten, als sie ihn seinem Schicksal überlassen hatten.

Twice

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