Читать книгу Johann Albrecht von Reiswitz (1899–1962) - Andreas Roth - Страница 18
3.2. Die Gesellschaft zum Schutz der Altertümer
ОглавлениеReiswitz lebte dann aber 1930 doch nicht ganz so „still“, wie er es Petković gegenüber angedeutet hatte. Am 08.04.30 erschien ein Artikel in „Vreme“ unter dem Titel „Die Gründung der Gesellschaft der Freunde der Altertümer hat auch im Ausland Interesse hervorgerufen“ („Osnivanje ‘Društva prijatelja starina’ izazvalo interesovanje i u inostranstvu“). Dort wird im Wortlaut der Inhalt eines Briefes von Reiswitz an Petković wiedergegeben, in welchem sich ersterer nach Lektüre eines „Vreme“-Artikels erkundigt, ob auch Deutsche Mitglied der Gesellschaft werden können. Reiswitz wird vom Verfasser des Artikels als „deutscher Archäologe“ vorgestellt, der „sich für unsere mittelalterliche Kunst interessiert und der ganze sechs Monate in Ohrid zugebracht hat“. Der Hinweis auf sein Interesse an der mittelalterlichen Kunst lässt sich auf die Bogumilen beziehen, hinsichtlich des sechsmonatigen Ohridaufenthaltes ist es seitens des Schreibers wahrscheinlich zu einer Verwechslung mit Reiswitz’ Gesamtaufenthalt in Jugoslawien im Jahre 1928 gekommen. Am Ende des zweispaltigen Textes wird Reiswitz noch als „großer Freund“ bezeichnet und als „entschlossener Kämpfer für jugoslawisch-deutsche Annäherung“.418
Es war sicherlich kein Zufall, dass „Vreme“ den privaten Brief von Reiswitz an Petković im Wortlaut veröffenlichte. Zwei Monate vorher, am 09.02.30, hatte in den Redaktionsräumen dieser Zeitung eine Versammlung von Freunden des Denkmalschutzes stattgefunden, über welche „Vreme“ ausführlichst und in großer Aufmachung auf der Titelseite und Seite drei berichtete. Zum Versammlungsleiter wurde der Juraprofessor Dragoljub Aranđelović (1873–1950) gewählt. Er hob hervor, dass besonders die mittelalterlichen Kunstschätze des Landes der Zerstörung anheimzufallen drohen. Es enstpann sich dann eine Diskussion darüber, wer für die drohende Vernichtung des Kulturerbes verantwortlich sei. Für viele der Redner war die orthodoxe Kirche der Hauptschuldige, die sich nicht für die Erhaltung alter Fresken oder Mosaiken in ihren Liegenschaften interessiere. Im Zentrum der Kritik stand der Ohrider Bischof Nikolaj, welcher besonders von Stanislav Krakov (1895–1968), der zu diesem Zeitpunkt der Chefredakteur von „Vreme“ war, angegriffen wurde. Vor einigen Jahren habe ihm Nikolaj in Ohrid erläutert, dass er beabsichtige die Kirche Sv. Sofija durch russische Maler in Ölfarbe neu anstreichen lassen zu wollen. Krakov sei entsetzt gewesen und habe den Bischof daran erinnert, dass dadurch die wertvollen Fresken im Innenraum ausgelöscht würden. Doch Nikolaj sei ungerührt geblieben und hätte hinzugefügt, dass die Gemeindemitglieder „eine schöne, helle, neue Kirche“ sehen wollten und dass „alte Fresken, die schon seit langer Zeit beschädigt seien“ keinen guten Eindruck hinterließen.
Auch der Geschichtsprofessor Viktor Novak (1889–1977) griff die Kirche und ihr mangelndes Interesse an der Denkmalpflege an – allerdings war seiner Ansicht nach die katholische ebenso schuldig wie die orthodoxe. Er wies darauf hin, dass in Agram bereits auf Anregung des Führers der südslawisch-illyrischen Bewegung, Ivan Kukuljević Sakcinskis (1816–1889), im Jahre 1850 eine „Gesellschaft zum Schutz der Altertümer“ – gemeint war die „Družtvo za povestnicu jugoslavensku“ – gegründet worden sei.
Zur Verteidigung der orthodoxen Kirche brachte ein Militärgeistlicher namens Božidar Lukić vor, dass er wisse, dass einige der Anwesenden sich selbst durch den Verkauf von Ikonen ins Ausland bereicherten. Die Kirche akzeptiere gerne Hilfe, aber wolle sich nicht auf der Anklagebank sehen. Auch der ehemalige Religionsminister und Parlamentsabgeordnete, der promovierte Theologe Dr. Vojislav Ranić (1889–1944), welcher 1921 in englischer Sprache eine Hagiographie serbischer Heiliger herausgebracht hatte419, nahm den Anwesenden gegenüber die Kirche in Schutz. Diese habe als Instititution bis 1912 gänzlich dem Kultusministerium unterstanden, also keinen eigenständigen Handlungsspielraum in Sachen Denkmalschutz gehabt. Seither aber genieße sie rechtliche Autonomie, und die Kirchenleitung sei durchaus willens, ein dem Patriarchat zuarbeitendes Gremium bestehend aus der neuzugründenden Gesellschaft zu akzeptieren, ohne dessen Anhörung keine baulichen Veränderungen in den orthodoxen Klöstern erfolgen würden. Voraussetzung sei allerdings eine einvernehmliche Zusammenarbeit. Dieser Ansicht schloß sich am Ende auch Aranđelović an, der in seinem Schlusswort betonte, dass man keinen Krieg mit der Kirche wünsche.
Die auf der Versammlung konkret gemachten Vorschläge zur Förderung der Denkmalpflege in Jugoslawien waren vielfältig. Der ebenfalls anwesende Direktor des Nationalmuseums, Petković, riet, dass man vor allem flächendeckend Lehrer mobilisieren sollte, die dann Meldung machen sollten an die Zentrale der zu gründenden „Gesellschaft der Freunde der Altertümer“. Er wollte generell Priester als Freiwillige vor Ort ausschließen, während dies Branko Popović (1882–1944), Professor für Architekturgeschichte an der Technischen Fakultät in Belgrad, durchaus befürwortete. Novak war für die Einbeziehung von Priestern, Lehrern und Professoren als ehrenamtliche Helfer, zudem müssten Konservatoren geschult werden und eine parallel zur Regierung arbeitende Instititution geschaffen werden mit beratender Funktion. Dies wiederum ging Popović nicht weit genug, der ein Institut für Denkmalpflege mit weitreichenderen Vollmachten forderte, welches auch als Kontrollinstanz fungieren sollte, nur aus Fachleuten bestehend. Dieses sollte dann eine „künstlerische Topographie“ des gesamten Landes erarbeiten, von lokalen „Stationen“ zusammengestellt. Die finanziellen Mittel müssten vom Staat und der Kirche bereitgestellt werden. Der frischgebackene Direktor des vom Prinzen Paul von Jugoslawien eingerichteten Museums für zeitgenössische Kunst, welches sich im Konak Knegine Ljubice befand, Milan Kašanin (1895–1981), der 1928 seine Doktorarbeit bei Petković verteidigt hatte, forderte ein Denkmalschutzgesetz. Dafür sollte sich die neue Gesellschaft einsetzen, 50.000 Mitglieder anwerben, eine Zeitschrift ins Leben rufen und ein Forschungs- und Ausbildungsinstitut für Restauratoren aus der Taufe heben, zudem in den Schulen Werbung für die Denkmalspflege betreiben und eine Kommission schaffen, die Denkmäler vor Ort auf ihre Schutzbedürftigkeit untersucht. Nach der Abfassung eines Grußtelegramms an den König wurde eine Kommission zur Ausarbeitung der Satzung der neuen Gesellschaft bestimmt. Dieser gehörten neben zwölf weiteren Mitgliedern auch Vladimir Ćorović, Stanoje Stanojević420 und Vladimir Petković an, mit denen Reiswitz bereits bekannt war. Ein weiteres Kommissionsmitglied war der Architekt Aleksandar Deroko (1894–1988), welcher ab 1941 von Reiswitz für den Kunstschutz geworben werden sollte.
Es ist nicht klar, ob und inwieweit Reiswitz über den weiteren Verlauf der Geschichte der „Gesellschaft der Freunde der Altertümer“ informiert war. Es befinden sich im Nachlass keine Zeitungsausschnitte dazu, die Tagebuchblätter und die überlieferte Korrespondenz schweigen auch dazu. Die weitere Berichterstattung erfolgte zunächst fast ausschließlich in „Vreme“. So erfuhren die Leser am 21.03.30, dass Aranđelović, Novak, Kašanin, Đurđe Bošković (1904–1990), welcher 1928 sein Architekturstudium in Belgrad beendet hatte und ab 1930 als Kustos im Nationalmuseum arbeiten sollte, der Militärgeistliche Lukić, der Architekt Bogdan Nestorović (1901–1975) und der Direktor des Volkskundemuseums, Borivoje Drobnjaković (1890–1961) in den Vorstand berufen wurden, ebenso wie Deroko und ein weiterer Bekannter von Reiswitz: Miodrag Grbić. Am 10.05. berichtete dann „Vreme“ über das nunmehr fixierte Programm der Gesellschaft.421 Man wollte die Liebe zu jeder Art Altertümer verbreiten, die Öffentichkeit über deren religiöse, kulturelle, nationale und künstlerische Bedeutung informieren, die von Popović angeregte „topographische Karte“ aller Altertümer erstellen, Aufklärung betreiben über die Pflege der Denkmäler, Vorschläge unterbreiten hinsichtlich der Denkmalspflege seitens ausländischer Experten, Ausflüge und Vorlesungen organisieren, eine Zeitschrift herausgeben – wie von Kašanin angemahnt –, und nicht zuletzt intensive Gespräche mit der Kirche über die Erhaltung von Kulturgütern führen. Um für alle Bürger Jugoslawiens offen zu sein, wurde der Jahresbeitrag auf 30 Dinar festgelegt. Vom Ziel der Einführung einer Denkmalschutzgesetzgebung ist im Zielkatalog nicht die Rede, dafür aber wurde dem Wunsch Ausdruck verliehen, dass im ganzen Land Zweigstellen entstehen sollen.
In den nächsten Monaten berichtete „Vreme“ regelmäßig über Ausflüge und Vorlesungen der Gesellschaft, auch außerhalb Belgrads. Unter dem Hinweis, dass die Gesellschaftsgründung von „Vreme“ initiiert wurde, schrieb das Blatt auf der Titelseite am 23.02.31 über die tags zuvor abgehaltene erste Jahreshauptversammlung nach der Gründung. Hier wurde allerdings erwähnt, dass die Gesellschaft den Kultusminister gebeten habe, ein Denkmalschutzgesetz zu veranlassen. Als ersten großen Erfolg wird feierte man, dass das orthodoxe Patriarchat sich zur Renovierung des Klosters Dečani entschlossen habe. Als ein neues Projekt tauchte die Restauration der Stadtfestung Belgrads, des Kalemegdan auf. Auf sich aufmerksam machte der Kustos am Nationalmuseum, Đorđe Mano-Zisi (1901–1995), der anregte, dass die Gesellschaft sich auch der Pflege und Erhaltung des einheimischen Brauchtums annehme. Er warnte zudem davor, sich in Jugoslawien zu sehr an westlichen Vorbildern in Sachen Industrialisierung, Architektur und Kunst zu orientieren. Er rief dazu auf, mehr Museen zu gründen und die Aufklärungsarbeit in den Schulen zu intensivieren. 422 Danach brach die Berichterstattung über die Gesellschaft aus ungeklärten Gründen ab. Lediglich im August 1931 wurde noch einmal auf die Gesellschaft Bezug genommen bei namentlicher Nennung von Deroko in Zusammenhang mit deren Einsatz für die Rettung bedrohter Kirchen.423
„Pravda“ berichtete dann am 06.03.33 über die „zweite“ Jahreshauptversammlung, woraus hervorgeht, dass 1932 keine stattgefunden hatte. Referiert wurde, dass ein Gesetz über Museen und Altertümer auf die Initiative von Aranđelović vor den „gesetzgebenden Ausschuss“ gebracht worden sei. Ein anderes Mitglied der Gesellschaft, der Senator Emil Gavrila (1861–1933), habe sich dafür eingesetzt, dass das Gesetz dem Senat vorgelegt wurde. Zu einer Verabschiedung einer solchen gesetzlichen Regelung aber sollte es bis zum Kriegsausbruch 1941 nicht mehr kommen. Ein Grund dafür könnte die ablehnende Haltung der serbisch-orthodoxen Kirche gegenüber dem Denkmalschutz sein, wie sie sich in der Person des Ohrider Bischofs Nikolaj Velimirović manifestierte.424
Noch am 14.09.40 forderte auch der Autor eines Artikels in „Vreme“ ein Denkmalschutzgesetz ein. Anlass war die Entdeckung einer römischen Büste bei Straßenbauarbeiten in der Takovksa-Straße in Belgrad. Zwar wurde darüber sofort das Nationalmuseum – zu diesem Zeitpunkt firmierend als Prinz-Paul-Museum – informiert, und der Kustos Jozo Petrović, den Reiswitz 1928 kennenlernte, versuchte eine erste Datierung. Eine Sicherstellung der kopflosen Marmorskulptur konne allerdings nicht erfolgen, da unsicher war, wer der Eigentümer des Fundes war. Sowohl die Straßenbauarbeiter als auch der Stadtbezirk erhoben Ansprüche, sodass letztlich das Fundstück vor Ort gelassen werden musste, nur notdürftig geschützt – so der aufgebrachte Journalist – vor dem zerstörerischen Zugriff vorbeiziehender Trunkenbolde.425
Schließlich grüßte bei der zweiten Hauptversammlung der Gesellschaft noch als Gastredner und Regierungsvertreter Dr. Josip Barić, Vizepräsident des Obersten Verfassungsgerichts (Državni Savet), mit unverbindlichen Worten die Anwesenden. Der Student Konstantin Končar-Đurđević rief dazu, dass sich die Gesellschaft bei der sichtbaren Kennzeichnungen von Altertümern einbringen sollte.
Der Vorstand unter seinem Vorsitzenden Aranđelović bestand fast unververändert fort. Mano-Zisi wurde nach seinen aufrüttelnden Bemerkungen bei der letzten Hauptversammlung nun in den Vorstand berufen. Neben Mano-Zisi und Grbić wurde noch ein dritter Kustos in den Vorstand gewählt: Zorka Simić-Milovanović (1901–1973), die seit 1930 als erster weiblicher Kustos im Nationalmuseum arbeitete. Eine weitere Frau wurde in den Aufsichtsrat gewählt.
Am 15.09.33 veröffentlichte „Pravda“ einen längeren Artikel über die Denkmalpflege und lobte die Rolle der „Gesellschaft der Freunde der Altertümer“, deren Aufgabe es auch sei, gerade bei der sich voll im Gang befindlichen Modernisierung Belgrads dafür einzusetzen, dass die Standorte der dem Fortschritt weichenden, aber historisch wichtigen Bauten zumindest markiert werden. Wann werde sonst, so der Autor „Mil. A. Kostić“, noch überhaupt jemand wissen, wo sich der Palast des Prinzen Eugen von Savoyen befand, der 1717 Belgrad einnahm? Somit war die Gesellschaft dem Aufruf des Studenten Končar gefolgt.
Neben Mano-Zisi, den Reiswitz 1931 kennenlernte426, tauchte am 02.09.1933 noch ein weiterer späterer Kunstschutz-Mitarbeiter Reiswitz’ auf als Mitglied der Gesellschaft: Graf Adam Oršić-Slavetić (1895–1968), der „tüchtige und energische Kustos“427 des am 01.04. desselben Jahres gegründeten Musems in Niš.428
Zum letzten Mal fand die „Gesellschaft der Freunde der Altertümer“ Presseniederschlag am 23.04.1934 in einer kurzen Notiz in „Pravda“ über die offensichtlich dritte Jahreshauptversammlung, weiterhin unter dem Vorsitz von Aranđelović und dessen Stellvertreter Milan Kostić, einem pensionierten Gymnasialdirekor, welcher wohl auch der Autor des „Pravda“-Artikels vom 15.09.33 war. Hervorgehoben wurde im Jahresbericht der im vergangenenen Jahr durchgeführte Kurs für 17 Lehrer, die über die Wichtigkeit der Altertümer informiert wurden, um diese Botschaft in die Schulen weiterzutragen. Erwähnt wurden auch die beiden Kloster-Publikationen der Gesellschaft, die von Đurđe Bošković aus dem Jahre 1930/31 zu Gračanica (14 Seiten) und die von Mano-Zisi über Dečani (24 Seiten), die 1934 publiziert wurde. Zwei Anträge wurden angenommen, zum einen rief man auf zur Gründung eines „Rats zur Pflege der Altertümer“ (Savez za čuvanje starina), an welchem alle Gesellschaften zur Altertumspflege und alle neuen Museen beteiligt sein sollten, und zum anderen bot man allen Bezirksämtern (opštine) des Landes, aber insbesondere denen in der Hauptstadt, die Mithilfe bei der Kennzeichnung historischer Bauwerke an. In den Vorstand gewählt wurden wieder der Jurist Aranđelović, der Schulleiter Kostić, der Architekt Popović, der Priester Lukić, die Kustoden Bošković, Gbrić und Mano-Zisi sowie der pensionierte General Aleksandar Daskalović, (1880–1942). Hinzu kam wieder eine Frau in das Leitungsgremium der Gesellschaft, die Leiterin der Belgrader Stadtbibliotek und Mitbegründerin des dortigen Stadtmuseums, Dr. Marija Ilić-Agapova (1895–1984), welche Zora Simić ersetzte. Ein Jahr zuvor hatte eine Abgesandte der „Frauengesellschaft“ (Žensko Društvo) der Hauptversammlung persönlich Grüße ausgerichtet und in einer kurzen Ansprache hervorgehoben, wie wichtig es sei, die Klöster instand zu setzen und gemeinschaftliche Exkursionen durchzuführen.
Im Januar 1929 hatte Reiswitz in seinem „Vorschlag einer Organisation der Denkmalforschung“ gefragt, wann Südslawien damit begönne. Ein Jahr später war seitens der „Gesellschaft der Freunde der Altertümer“ zumindest der Versuch gemacht worden, wenngleich das wichtigste Ziel, die Verabschiedung eines Gesetzes zum Denkmalschutz, nicht erreicht werden konnte. Viele von Reiswitz’ Beobachtungen vor Ort, insbesondere die Zustände in Ohrid betreffend, wurden von der Gesellschaft geteilt, viele der Arbeitsschwerpunkte glichen den von Reiswitz vorgeschlagenen, wie zum Beispiel die Einbindung von Laien zur Bestandserhebung der Altertümer und die Miteinbeziehung ausländischer Ressourcen. Allerdings hatte die Gesellschaft in ihrer nach außen vorgetragenen Programmatik nie an eine Bezuschussung aus Steuermitteln gedacht, wie Reiswitz es zumindest in Erwägung gezogen hatte. Bei der Gesellschaft stand sicherlich die Schärfung des Bewußtseins der heimischen Öffentlichkeit im Vordergrund, was sie durch ihre Lesungen, Exkursionen und Schulung der Lehrerschaft bewirken wollte. Für Reiswitz hingegen war die Schaffung einer „fachmännischen Organisation“ sehr wichtig, die die Arbeit vor Ort koordinieren und kontrollieren konnte. Die Gesellschaft verfolgte also gewissermaßen einen „Bottom-up“-Ansatz, wohingegen Reiswitz die „Top-down“-Variante bevorzugte. Dazu gehörte natürlich auch die auf Regierungsebene erwirkte Grabungskonzession für das DAI.