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Was Kinder stört

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Er habe KEINE ZEIT ZUM SPIELEN, moniert der sechsjährige Rafael. »Ich muss immer lernen!» Er habe keine Zeit mehr für Freunde, die er nur sehr wenig sehen könne: »Bei uns muss alles schnell gehen!«

LANGEWEILE IST NICHT ERLAUBT. »Wenn ich mal auf dem Bett liege«, so fährt der gleichaltrige Tim fort, »und meine Mutter das sieht, dann meckert sie. Ob ich denn nichts anderes zu tun habe, als an die Decke zu gucken!«

»›Du träumst immer nur rum‹, sagt meine Mutter, wenn ich so am Schreibtisch sitze«, erzählt die achtjährige Mia. »Meiner Mama ist es nicht recht, wenn ich mal nichts mache. ›Ist dir schon wieder langweilig?‹ Sie klingt dann völlig genervt und macht immer Vorschläge: ›Tu doch das. Oder das. Oder das!‹ Und dann jammert sie, dass sie nie Zeit für sich hat.«

Er wäre STÄNDIG UNTER »BEOBACHTUNG« sei, beklagt sich der sechsjährige Max. Kaum wäre er mit seinen Freunden allein im Zimmer und es wäre etwas lauter, ginge sofort die Tür auf und irgendeiner von den Erwachsenen schaut herein und fragt, was denn los wäre. Und ob es nicht leiser ginge. »Meine Eltern schimpfen schon ziemlich schnell, wenn es mal nicht so geht, wie die es wollen.« Er wäre deshalb gerne »bei Oma und Opa! Da kann ich im Garten spielen, kann Ameisen beobachten oder mit den Käfern spielen. Keiner sagt was!« Wenn er das zu Hause mache, müsse er sich zuerst die Hände waschen, »wegen der schmutzigen Erde, sagt meine Mama.« Davon werde man krank. Er lacht. Oma sage das nicht, weil Sand den Magen reinigen würde: »Mama sagt, dass die Oma spinnt. Aber von Omas Sand bin ich noch nie krank geworden. Ehrlich nicht!«

Sie habe es dagegen wirklich toll, meint die achtjährige Yvonne, sie treffe sich mit ihren Freundinnen häufig nachmittags bei der Sofie. »Das wäre ihre liebste Freundin! Die ist nachmittags allein!« Deren Eltern würden beide arbeiten und dann »können wir machen, was wir wollen. Da quatscht keiner rein.« Kurze Pause. »Gut, wenn wir zu viel Unordnung gemacht haben, dann schimpft Sofies Vater, der kommt als Erster nach Hause. Der ist voll ordentlich!« Dann würden sie eben aufräumen, damit es keinen Stress gäbe und Sofie keinen Ärger kriege. Aber sie alle würden sich auf diese Nachmittage freuen, da wären sie nur für sich.

Was die neunjährige Mareille am meisten stören würde in ihrem Alltag? »Wenn meine Eltern sagen, vor allem mein Vater: Du bist doch unsere Große!« Sie könne doch mal nachgeben, wenn es Streit mit der kleinen Schwester gäbe. »Das ist gemein!« Ihre kleine Schwester, die Lena, die ärgere sie manchmal: »Und wenn ich mich dann mal wehre, dann brüllt sie, als würde ich sie umbringen. Dann nimmt der Papa immer die Lena in Schutz!« Sie solle immer die Vernünftige sein. »Aber das ist gemein. IMMER VERNÜNFTIG SEIN!«

Die gleichaltrige Nina erzählt von ihrem älteren Bruder: »Der kann alles, der macht alles, der kriegt alles!« Und er wäre auch sehr nett, aber sie wäre halt anders, sie wäre eine Schnecke: »Ich bin eben langsam. In allem!« Ihre Eltern würden sie STÄNDIG VERGLEICHEN mit ihm. »Dein Bruder konnte schon lesen, als der fünf war, der konnte schon rechnen, als er in die Schule kam.« Und sie sagen zu mir: »Unsere kleine Schnecke! Als ob ich dumm bin!«

So große Gefühle!

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