Читать книгу Dann stirb doch selber - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 24

22. Szene Klara

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Es war die Zeit der leeren Ablagen; außer ein paar Kleinigkeiten hatte ich nichts zu tun. Vielleicht sollte ich mir Urlaub nehmen und nach München fahren. Meiner Wohnung täte es bestimmt gut, aber andererseits hatte ich keine große Lust, Christina und ihren Freund zu treffen. Auf meinem Bildschirm baute sich ein komplexes Röhrensystem mit gefangenen Ratten auf. Fasziniert schaute ich in der Vergrößerung zu, wie sie, die Nasen am Boden, nach einem Ausweg suchten. Dabei kam mir die Idee, es ihnen gleichzutun und einfach so lange herumzuschnüffeln, bis ich etwas Brauchbares gefunden hatte.

Dazu musste ich mit meinen Kollegen sprechen und alles auch noch so unwichtig Erscheinende zusammentragen. Ich begann meine Liste durchzusehen. Bernhard Kaufmann, der Bruder, will Landrat werden. Das hatten mir Obermüller und Wegerbauer gar nicht erzählt. Also, ich nichts wie hin, um es ihnen unter die Nase zu reiben. Aber die beiden waren beschäftigt. Hatten mal wieder so einen abenteuerdurstigen Halbstarken unter einem Lastwagen rausgekratzt. Auch nicht schön. Aber es war ein klarer Fall von Selbstüberschätzung - der Junge hatte gerade einmal zwei Wochen seinen Führerschein. Schnell machte ich mich aus dem Staub, das sind genau die Dinge, die mich ins Wirtschaftsdezernat getrieben haben.

Der Bruder also ist Jurist, verheiratet, hat zwei Kinder und ist sogar im Wahlkampf grundanständig. Wow! Sein Programm kommt bei den Leuten gut an. Er verspricht die heile Welt, als ob es das irgendwo gäbe. Kurz und gut, er ist ein Langweiler, obwohl das oft die Allerschlimmsten sind. Harrys Leben dagegen schien richtig spannend. Er hatte eine Firma in der Altstadt, einen Waffenschein mit der Lizenz zum Sammeln, und ein Punktekonto in Flensburg, das ich nicht geschenkt haben mochte. Ja, ein verwöhnter Balg aus gutem Hause war er. In Unfälle bisher nicht verwickelt, jedenfalls wurde er nie erwischt; war immer nur zu schnell, Zack - Blitz - und zur Kasse bitte!

Im Geiste sah ich ihn vor mir. Überheblich, selbstgefällig und mit einem Lächeln im Gesicht, immer gut gelaunt. Und so einer wird von der Straße gedrängt und an einen Betonpfeiler gedrückt! Nie im Leben. Den wollte jemand loswerden. Da geh ich jede Wette ein.

Ich stellte Wasser für einen Cappuccino auf. Der Mensch wird ja so genügsam, wenn er keine Küche mehr hat. Und was ist mit solchen Männern, denen die Frauen weglaufen? Wegen irgend so einem Kerl, dem im Leben alles geschenkt wird? Da könnte man doch ausrasten. Vor allem auf dem Land sind die Leute in Glaubenssachen nicht so tolerant. Liebe, Treue, das ist Sache des Glaubens. Wenn er ihr nun aber nicht mehr geglaubt hat, der Ehemann der blonden Beifahrerin? Es war alles hypothetisch, aber so könnte es durchaus gewesen sein. Er hatte eine Mordswut im Bauch, hat die beiden verfolgt und abgedrängt. Er sah rot, wollte sich einfach rächen; und jetzt saß er vielleicht zu Hause und heulte sich die Augen aus dem Kopf, weil er es nicht mehr ungeschehen machen konnte.

„Klara, das ist ausgezeichnet. Mit dieser These findest du den Täter, stellst ihn wegen Totschlag und Fahrerflucht vor Gericht und beweist nebenbei auch noch, dass Harry Kaufmann ein Schwein war, wie alle Männer!“

Eigentlich brauchte ich nur die Beerdigung abzuwarten, und schon konnte ich zuschlagen. Ich schob die Cappuccinotasse zur Seite, nahm mir ein Blatt Papier und begann meine Fallanalyse zu erstellen.

Dann stirb doch selber

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