Читать книгу Dann stirb doch selber - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 29
Donnerstag 22.8. 30. Szene Klara
ОглавлениеUm Frau Morgenroth zu provozieren, hatte ich sie gefragt, wo Harry Kaufmann an seinem letzten Tag hin wollte, das war natürlich falsch. Ich musste wissen, wo er herkam, wie er seinen Tag verbracht hatte. Bis zur Beerdigung hatte ich noch etwas Zeit, darum ging ich zu Obermüller. Ich traf ihn im Gang mit einem Ladendieb am Schlafittchen. Während wir nebeneinander herliefen, fragte ich nach den Gegenständen, die im Auto gefunden wurden.
„Muss das jetzt sein?“ Ich nickte. Der Junge war vielleicht dreizehn, klaute schon morgens vor der Schule. Er trug eine Jacke mit vielen Taschen und eine dieser übergroßen Hosen, bei denen ich immer den Verdacht hatte, es stecke noch eine Windel drin. Aus einer der Taschen führte ein Kabel direkt zu seinen Ohren. Kaum hatte er das Zimmer betreten, begann er im Takt zu wippen, nicht ansprechbar für alles um ihn herum. Bum, bum, bum machte es dumpf und laut, es war scheußlich.
„Hör mal“, sagte Obermüller und nahm mich zur Seite. Der Junge knatschte einen Kaugummi und blätterte völlig ungeniert in einer Akte herum. „Wir waren wirklich froh, dass du uns geholfen hast, aber heute ist die Beerdigung, der Wagen ist noch nicht gefunden, die Zeugin mit den blonden Haaren weiterhin verschwunden, und wir haben andere Sorgen!“ Er riss dem Jungen die Akte weg und drückte ihn auf einen Stuhl.
„Eben, also wo?“
Obermüller deutete auf ein Fach im Rollschrank und seufzte.
„Danke“, sagte ich freundlich. Soll er doch froh sein.
In meinem Zimmer packte ich alles aus, eine Brieftasche, ein Päckchen Kaugummi und einen Straßenatlas. Es half mir nicht weiter. Ich musste noch einmal zu Frau Morgenroth. Leider war die viel schlauer als mir lieb war. Mit dummen Menschen konnte man eine Weile spielen und sie so verwirren, dass sie am Ende alles zugaben. Aber die Morgenroth durchschaute mich. Ich sah auf die Uhr. Verdammt, jetzt musste ich mich aber beeilen.