Читать книгу Dann stirb doch selber - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 21
19. Szene Magdalena
ОглавлениеDieser merkwürdige Zufall beschäftigte meinen Kopf noch immer, als es an der Tür klingelte. Ich öffnete, und vor mir stand die Kommissarin. Höflich bat ich sie herein; die Wohnung war aufgeräumt und der Kaffee noch heiß. Zum Glück hatte ich mich noch nicht umgezogen. In meinem Kostüm fühlte ich mich ihr gleich viel besser gewachsen. Sie wirkte zielstrebig und sicher, aber vor allem ungewöhnlich frisch, wie nach einem Frühstück im Bett mit anschließender Wechseldusche. Mir schien, sie hatte sich auf diesen Besuch gut vorbereitet!
Sofort kam sie zur Sache, wollte ohne Einleitung von mir wissen, ob mir denn nun eingefallen sei, wo Harry an seinem Todestag hin wollte. Ich schaute sie äußerst kritisch an. Hielt sie mich für blöd? Wenn ich nicht wusste, wo er hin wollte, dann wusste ich es nicht! Schließlich war ich nicht sein Kindermädchen und somit auch nicht über jeden seiner Schritte informiert. Endlich zeigte sie sich einsichtig.
„Dann wissen Sie sicher auch nicht, ob er vielleicht eine blonde Frau mitgenommen hat.“ Sie gab mir Zeit zum Nachdenken. „Wir haben blonde Haare in seinem Auto gefunden“, fügte sie schließlich erklärend hinzu und musterte meine mangogesträhnte Frisur.
Mit meinem freundlichsten Lächeln sah ich sie an. Er hatte eine blonde Frau dabei, ja, aber ich würde den Teufel tun und es ihr erzählen. Das ging sie nämlich nichts an! Außerdem fand ich ihre Art, wie sie von Harry sprach, ohnehin unerträglich.
Sie nickte langsam und erhob sich, dabei warf sie einen sehnsüchtigen Blick auf den Tigersessel. „Naja, ich dachte es mir fast! Haben Sie vielen Dank.“
Nachdem die Kommissarin wieder weg war, setzte ich mich in den Sessel und dachte nach. Sie zog sich gut an, schminkte sich, wirkte gepflegt. Bis auf die Fältchen um die Oberlippe und an den Augenwinkeln sah sie jung aus, trotzdem wirkte sie abgebrüht und alt. Sicher war es nicht leicht, jeden Tag mit dem Tod konfrontiert zu sein und sicher war das ständige Fragen und auf Antworten warten auch nicht einfach, deshalb hatte sie aber noch lange kein Recht, mich zu quälen!
Schlimm genug, dass Harry tot war, aber mussten mich alle immer an die blonde Frau auf dem Beifahrersitz erinnern? Als ob Blondsein etwas Besonderes wäre. Harry liebte mich so, wie ich war. Hätte er mich blond gewollt, hätte er es gesagt. Ich holte mir eine weitere Tasse lauwarmen Kaffee. Zum Glück hatte sie nicht auch noch Bilder von blonden Frauen dabei. War es diese oder diese? Wir haben Haare in seinem Auto gefunden, darf ich mal aufs Laken schauen, vielleicht sind da ja auch welche.
„Niemals!“, schrie ich, stand auf und zog das Bett ab. Niemand sollte Gelegenheit zum Schnüffeln haben - sie nicht und ich selbst nicht. Als ich fertig war, suchte ich im Fotoalbum ein Bild, auf dem Harry so unverwechselbar selbstbewusst in die Kamera lächelte. Zusammen mit der letzten erblühten Rose aus dem Bad stellte ich ihn auf den Kamin. Jeder, der zur Tür hereinkam, sollte sofort sehen: Harry gehört mir!