Читать книгу Dann stirb doch selber - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 10
8. Szene Klara
ОглавлениеDie Handtasche flog knapp am Bett vorbei und landete auf dem fleckigen Linoleumboden. O ja, Magdalena Morgenroth hatte mich aus der Fassung gebracht. Als gute Freundin wollte ich zu ihr gehen, sie trösten und ein wenig mit ihr über ihren Freund plaudern. Ich hatte sogar auf meinen Morgenlauf verzichtet, weil ich wirklich neugierig auf sie war. Doch was tat sie? Statt dankbar zu sein, klappte sie ihr Fotoalbum zu und ließ mich auch sonst nicht an sich heran. Einen grünen aufgemotzten Sportwagen kenne sie nicht. Ihr Harry Kaufmann war ein Heiliger und hatte natürlich keine Probleme, behauptete sie treuherzig.
Ich riss das Fenster auf und zündete mir eine Zigarette an. In der Pension war Rauchen verboten! Genussvoll sog ich das Nikotin in meine gefräßig Lunge. Tja. und dann kam mir die Idee mit der Frage, wo er denn eigentlich hin wollte an jenem Abend. Bingo! Sie wusste es nicht. Konnte es sein, dass ihr Harry untreu war? Kleine Rauchringe entströmten meinem Mund und brachten meine Häme zum Ausdruck. Es war schon toll, wenn man die Leute so schnell durchschaute. Wieder sog ich tief am Filter; es beruhigte mich, machte mich frei. Über mir wurde eines der alten Fenster aufgerissen. Mist! Die alte Schachtel kontrollierte mal wieder ihre Gäste. Hastig drückte ich die Zigarette im Fensterrahmen aus und wedelte die Luft weg.
„Frau Eibel, rauchen Sie etwa im Zimmer?“
„Äh, nein nein, ich lüfte nur meine Sachen von gestern Abend. Die Kneipe war so verräuchert!“
„So! Na ja, Sie waren ja auch ganz schön spät dran, heute früh!“
„Es war 2 Uhr!“ Oh, wie hatte ich die alte Schachtel satt.
„Das nächste Mal sind Sie aber etwas leiser auf der Treppe, der Herr Berthold aus dem Parterre hat sich nämlich beschwert!“
„Ja, ja!“ Ich schlug das Fenster zu und schaute auf meine Rumpelkammer. Neben dem wuchtigen Eichenbett standen zwei wuchtige Eichennachtschränkchen, obwohl ich doch sowieso keinen Herrenbesuch mitbringen durfte. Gegenüber nahm eine Kommode mit Spitzendeckchen und Glasplatte die halbe Wand ein, und außer dem Kleiderschrank neben der Tür gab es noch einen Fernseher, drei Wandhaken und ein kleines Tischchen mit zwei Stühlen. In meinem Büro war es wohnlicher. Aber immerhin hatte ich eine eigene Dusche und musste nicht wie Herr Berthold aus dem Parterre das Gemeinschaftsbad benutzen. Ich öffnete die Tür und wusch mir die Hände.
Um Näheres herauszubekommen, hatte ich Frau Morgenroths Nachbarinnen einen Besuch abgestattet. Die eine war superschön, ja geradezu perfekt. Mein erster Eindruck: sie verbringt auf jeden Fall mehr Zeit vor dem Spiegel, als mit reeller Arbeit. Die andere, na ja. Sie würde gut auf einen Ökohof passen. Aber immerhin waren sie nett und sehr loyal. Das mit der blonden Frau gaben sie gleich zu; taten so, als ob das gar nichts Besonderes wäre. Name und Adresse kannten sie natürlich nicht und wiedererkennen würden sie sie auch nicht, es sei ja immer so dunkel im Hausgang. Es war immer die alte Leier!
Ich zog meine Hose aus und hängte sie sorgfältig auf einen Bügel, dann fischte ich im Schrank nach einer Jogginghose. Ich wollte testen, ob meine Lungen noch mitmachten, und außerdem musste ich aus dem Mief der alten Schachtel raus. Mit Inlineskates an den Füßen stieg ich die Treppe hinunter. Sie würden auf den Stufen Gummistriemen hinterlassen, aber das war mir so-was-von-egal! Und am nächsten Samstag wollte ich auf jeden Fall wieder auf Wohnungssuche gehen.