Читать книгу Dann stirb doch selber - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 9
7. Szene Magdalena
ОглавлениеJulia hielt meine Beine in die Höhe und lächelte mich an. Sie hatte ein herrliches Lächeln, und von Berufs wegen konnte sie es auf Knopfdruck herbei zaubern. Ach bitte, Julia, zaubere doch die letzten Tage weg und gib mir meinen Harry zurück. Gesund und munter und ohne eine Schramme, dann kann er euch selber sagen, dass alles nicht stimmt, dass er mich nie betrogen hat und ihr euch das nur einbildet. Dann gäbe es keine Kommissarin mehr und keine dummen Fragen. Dann wäre alles wieder beim Alten. Und den hergerichteten Wagen könnte sie sich sonst wohin schieben.
Sylvia stand auf der anderen Seite des Sessels, ein Glas Wasser in der Rechten und zwei kleine Pillchen auf der ausgestreckten Linken. Energisch schüttelte ich den Kopf: „Ich brauche keine Pillen, erzählt mir lieber, was ihr wisst!“
Julia richtete sich auf. „Okay, du nimmst die Medizin, und ich erzähle dir, was du scheinbar als einzige von uns nicht weißt, obwohl ich das ehrlich gesagt nicht so recht glauben kann!“
Sylvia trat einen Schritt vor, steckte mir die Pillen in den Mund und hielt mir das Glas Wasser hin. Es fehlte nur noch, dass sie sagte: so ist es brav!
„Also“, begann Julia, während sie sich in den zweiten Sessel mir gegenüber setzte, die Hände in den Schoß legte und sich dann vorbeugte, „und ich schwöre dir, nichts anderes habe ich der Dame von der Polizei erzählt. Harry brachte ein paar Mal eine Frau mit, genauer gesagt, immer dieselbe. Sie war mittelgroß, blond, und ich fand sie nicht besonders toll. Aber gut, ich dachte mir, sie muss ja ihm gefallen!“ Julia legte die Stirn in Falten, während ich an ihren Lippen hing, um noch mehr zu erfahren. Mehr, um es endlich glauben zu können. Um mich noch besser zu quälen.
„Komisch fand ich eigentlich nur, dass sie immer so einen flachen, schwarzen Aktenkoffer bei sich hatte. Der passte überhaupt nicht zu ihrer sonstigen Aufmachung!“
„Wie lange ging das?“, fragte ich kraftlos und spürte das Pochen in meinem Kopf wieder stärker werden.
„Na ja, drei, vier Wochen vielleicht!“
Ich nickte. „Und warum habt ihr mir nie davon erzählt? Ich dachte, wir wären Freundinnen!“
Verlegen schauten sie sich an.
„Na ja“, ließ sich nun auch Sylvia zu einer Auskunft hinreißen, „zuerst war ich ja auch richtig sauer auf Harry, dachte, du alter Hurenbock, warum suchst du dir eine andere, wo du doch Magdalena hast, aber als ich ihn darauf ansprach, schien es mir auf einmal ganz plausibel, obwohl ich dir das, ehrlich gesagt, nicht zugetraut hätte. Du machst immer so einen nüchternen, so einen korrekten Eindruck, und da passt so was überhaupt nicht dazu!“
Ich schnappte nach Luft, wie konnte Sylvia sich so ereifern.
Bevor ich mich rechtfertigen konnte, mischte sich Julia wieder ein. „Aber Harry hat uns dann doch davon überzeugt, dass es eine Überraschung wäre und du dich über diesen Besuch sehr freuen würdest und, na ja, ich hab in meinem Job schon soviel erlebt, warum dann nicht auch du? Möglich ist ja schließlich alles!“ Die beiden sahen sich an und nickten.
„Ihr meint, er tat so, als ob sie zu mir gekommen sei? Zum Kaffeeklatsch oder so?“, fragte ich ungläubig.
„Zum Kaffeeklatsch wohl eher nicht!“