Читать книгу Dann stirb doch selber - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 11
9. Szene Magdalena
ОглавлениеDurch meinen wirren Traum tanzte ein blondes Haarbüschel, verhöhnte mich und riss mich schließlich aus dem Schlaf. Ich öffnete die Augen und begann wieder nach einer Erklärung zu suchen. Das tat ich schon, seit Julia und Sylvia gegangen waren, und war dabei eingeschlafen. Allein der Gedanke an eine andere Frau schien mir völlig absurd, selbst wenn Harry den beiden davon erzählt hatte.
Mein Nacken schmerzte von der unbequemen Haltung im Sessel. Ich zog die Schultern hoch und ließ sie kreisen, bis die Gelenke knackten. Ein fürchterliches Geräusch, das auch nicht dazu geeignet war, mich auf bessere Gedanken zu bringen. Wie fühlte es sich an, wenn sämtliche Knochen im Körper brachen, wenn man mit voller Wucht gegen einen Betonpfeiler knallte? Nach dem ersten Schock wollte ich Harry noch einmal sehen, mich verabschieden, aber Sylvias Urologe hatte mir davon abgeraten, er meinte, ich solle ihn so in Erinnerung behalten, wie er war. Doch genau deswegen musste ich wissen, was passiert war. Wenn er sie in unserem Bett verführt hatte, würde ich ihm das nie verzeihen.
Julia hatte von einem flachen, schwarzen Aktenköfferchen erzählt, so eines hatte ich hier aber noch nie gesehen. Harry benutzte für seine Unterlagen immer einen silbernen Koffer, mit Zahlenschloss und gepolstertem Tragegriff. War mal ein Superangebot gewesen, bei Abnahme von fünf Stück gab es einen gratis, und Harry hatte sich damit eingedeckt. Einen davon bekam Anna geschenkt, mit dem Versprechen, irgendwann einmal mit ihr zu verreisen, und einen weiteren sein Freund „Jarock“, der Werkstattleiter, der eigentlich Jakob Rockmann hieß und der trotzdem weiterhin seine Sachen in einer alternativen Stofftasche mit sich herumschleppte.
Wenn Harry auf Tour ging, nahm er seinen Koffer immer mit, und wenn die Dame auch einen Koffer bei sich hatte, dann war sie vielleicht eine Kollegin.
Erleichtert tippte ich mir an die Stirn. Das war die Lösung, die blonde Kofferträgerin war nur zu geheimen Vorgesprächen im Haus, es weiß ja jedes Kind, wie schwierig es heutzutage ist, einen neuen Programmierer anzuwerben.
Ich lief durchs Schlafzimmer ins Bad und spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht, danach kämmte ich meine Haare, bis jede Strähne in einem anderen rotbraunen Ton schimmerte. Harry hatte meine Haare immer geliebt, er fand sie so schön griffig; und blond kam in seiner Wunschvorstellung ohnehin nicht vor. Und weil mich in diesem Moment wieder die Traurigkeit umklammerte, ging ich ins Schlafzimmer zurück, holte den braunen Pulli unter der Decke heraus und drückte mein Gesicht in die kratzige Wolle. Was auch immer sie dir anhängen wollen, ich werde es nicht zulassen.
In diesem Moment glaubte ich fest an meinen Schwur. Und je eher ich damit begann, die anderen davon zu überzeugen, desto besser war es für alle!