Читать книгу Dann stirb doch selber - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 18

16. Szene Klara

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Seit dem Mittagessen arbeitete ich an den Richtlinien für die Aufdeckung von Schwarzgeld-Kurieren. Nach der europaweiten Einführung der Zinssteuer versuchten immer mehr heimliche Sparer, ihr Geld aus dem Ausland unauffällig wieder zurückzuholen. Aufgabe meiner Truppe sollte es sein, sie nach dem Grenzübertritt gemeinsam mit dem Zoll herauszupicken und wenn notwendig zu verhören. Das Verschieben solcher Sparguthaben kostete den Steuerzahler Milliarden. Das Geld wäre sinnvoller in unserer neuen Datenbank angelegt. Alle Welt schrie nach Sicherheit, aber kosten durfte sie natürlich nichts. Und die, die am lautesten schrien, wollten am wenigsten dafür ausgeben.

Nachdem ich meine Notizen dazu geheftet hatte, kam mir spontan die Idee, noch einmal Frau Morgenroth aufzusuchen. Sie und ihre kapriziöse Wohnung ließen mir keine Ruhe.

Beim Mittagessen hatte sich Obermüller vorsichtig nach ihrem Befinden erkundigt, und ich hatte ihm vorsichtig Auskunft gegeben. Der Speiseplan unserer Kantine war zweifellos im Winter geschrieben worden, darum aß ich nur einen Salat und ein belegtes Baguette. Obermüller haute rein. Zwischen zwei Bissen Schweinebraten mit Knödel erzählte er vom Fahndungserfolg. Er war gleich Null. Aber der Zeuge, der sich so gut mit Autos auskannte, hatte ihnen immerhin den Tipp gegeben, es bei den ansässigen Automobilclubs zu probieren. Ich vermied es zu sagen, dass sie selber daran hätten denken können.

Die Frau mit dem Kind war wie die meisten Zeugen. Wenn es darauf ankam, konnten sie sich nicht mehr so genau erinnern.

„Tja ein Fall wie viele. Wir werden irgendwann per Zufall den Wagen finden, den Halter feststellen, und wenn wir Glück haben, hat er kein Alibi!“ Obermüller schob sich das letzte Stück Apfelkuchen rein und fragte, ob er mir noch was mitbringen solle. Dankend lehnte ich ab. Ich sah noch eine andere Möglichkeit, der Sache auf den Grund zu gehen. Als Obermüller mit einem weiteren Apfelkuchen zurück kam, fragte ich ihn, ob er mir nicht einen Vorwand liefern könnte, um Frau Morgenroth noch einmal zu besuchen. Er warf einen Blick auf seine Uhr. „Mit ein bisschen Glück schickt die Spurensicherung heute noch die Auswertung vom Unfallfahrzeug.“ Er schob ein Stück Kuchen in den Mund und sprach dann undeutlich weiter: „Was willst du denn eigentlich damit erreichen?“

„Du meinst, sie haben im Auto Spuren gefunden, die uns weiterhelfen könnten?“

„Am Telefon sagten sie etwas von einer Haaranalyse, auf jeden Fall sind sie blond.“

„Du meinst, eine blonde Frau saß mit im Auto? Dann haben wir ja sogar eine Zeugin für den Unfallhergang!“

Aufgeregt beugte ich mich über den Tisch und wartete, bis er endlich geschluckt hatte.

Doch Obermüller schob noch ein weiteres Stück Kuchen in den Mund und zog ein nachdenkliches Gesicht. „Warum bist du so interessiert an dem Fall? Reichen dir deine Schwarzgeldkonten nicht mehr?“

Dann stirb doch selber

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