Читать книгу Dann stirb doch selber - Dagmar Isabell Schmidbauer - Страница 40

41. Szene Klara

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Das war der Moment, an dem es anfing, schief zu laufen. Magdalena reichte mir ein Fotoalbum und ließ mich blättern. Sie sahen unverschämt glücklich aus, für meinen Geschmack zu glücklich. Ein Bild zeigte ihn am Tennisplatz, ein anderes beide gemeinsam am Badesee, Sylvia mit Baby, Harry mit Anna, dann eines in der Wüste in Shorts und Khakihemd, das Gewehr im Anschlag, mit einem Bock als Trophäe unter seinem rechten Fuß.

Ein warmes Kribbeln breitete sich in meinem Bauch aus, während ich Seite für Seite umblätterte und jedes Detail studierte. Der Pathologe hatte Recht: diesem Körper wurde gehuldigt und er war zu schön für eine Frau allein. Nachdem Magdalena nachgeschenkt hatte, trank ich einen Schluck Wein und gleich noch einen. Dann deutete ich auf das Jagdbild: „Wo war das?“ Magdalena beugte sich vor und Stolz zeigte sich auf ihrem Gesicht. „Das war in Namibia bei der Oryxjagd!“

Mein Magen knurrte, ich hatte den ganzen Tag nur wenig gegessen, hastig trank ich noch einen Schluck. Auf der letzten Seite sah ich Harry dann fast nackt in Positur, ein Bild wie aus der Werbung. Ich löste es vorsichtig unter der Klebefolie heraus und fragte möglichst unschuldig: „Darf ich mir das hier mitnehmen?“ Magdalena nippte verträumt an ihrem Weinglas, sicher dachte sie an jenen Urlaub zurück, jetzt schoss sie hoch, riss mir das Bild aus der Hand. „Warum?“, fragte sie und drückte es an sich. Alkohol machte einen manchmal sentimental und hemmungslos und manchmal auch aggressiv, so wie mich jetzt.

„Finden Sie es eigentlich gerecht, so einen Mann ganz für sich allein zu haben? Ihr Freund war bereit, seinen Körper mit anderen zu teilen, das zeigen die Spuren im Auto, warum geben Sie dann nicht wenigstens dieses Bild von ihm her?“

„Harry hatte keine andere Frau, egal, wie oft Sie es behaupten!“ Sie war aufgestanden und schaute mich wütend an.

„Wir haben eindeutig blonde Haare gefunden, kolorierte blonde Haare, von einer gesunden jungen Frau“, fügte ich einfach frech hinzu, „warum wollen Sie es nicht wahrhaben, er hatte eine Andere, und vermutlich hat deren Ehemann Ihren Freund aus dem Weg geräumt. Und jetzt frage ich Sie: Wer war sie, und wo waren Sie am Freitag letzter Woche?“

Sie stand ganz ruhig vor mir. „Und ich sage Ihnen, er hatte keine andere Frau, und die Spuren in seinem Auto bedeuten überhaupt nichts.“ Wie zur Beruhigung atmete sie kurz durch, dann warf sie mich raus. Wenn ich keine vernünftigen Fragen hätte, sollte ich besser gehen und froh sein, wenn sie das, was heute hier passiert war, nicht meinem Chef mitteilte.

Schlagartig war ich wieder nüchtern. Verdammt, ich hatte sie provoziert und war zu weit gegangen. Schnell verließ ich das Haus. Einen weiteren Vermerk in meiner Akte wegen eines Mannes wollte und konnte ich auf keinen Fall riskieren.

Dann stirb doch selber

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