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5. Wie gefährlich ist COVID-19 wirklich?

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Das ursprüngliche Virus SARS-CoV-2 war für Gesunde meist nicht gefährlicher als andere Atemwegsviren. Mit über 80 % zeigten die meisten Fälle von COVID-19 eine milde Verlaufsform. Inzwischen hat sich die Situation mit Auftreten der Delta-Variante erheblich geändert. Erste Studien und Erfahrungswerte zeigen, dass die Delta-Variante deutlich gefährlicher als die Alpha-Variante ist. Sie ist nicht nur viel ansteckender, sondern auch die Krankheitsverläufe sind schwerer geworden. Als „milde Infektion“ gilt ein Krankheitsverlauf ohne Lungenentzündung, der dennoch mehrere Wochen andauern und wie eine schwere Grippe verlaufen kann und zudem häufig zu Long Covid führt.

Das Virus SARS-CoV-2 ist zudem besonders infektiös – ganz besonders die Delta-Variante – und kann vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen potenziell tödlich sein. Auch wenn die Impfungen einen wirksamen Schutz bieten, gibt es unter Geimpften zahlreiche Krankheitsfälle und sogar schwere Krankheitsverläufe, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. In Großbritannien waren im Juli 2021 40 % der Corona-Patienten in Krankenhäusern ein- oder zweimal geimpft (Volkery, 2021). Allerdings sind hier vor allem die einmalig Geimpften betroffen, wie eine weitere britische Studie aus dem Frühjahr 2021 ergab (Twohig et al., 2021). In der Studie waren 74 % der Patienten in Krankenhäusern ungeimpft, 24 % unvollständig geimpft und nur 2 % vollständig geimpft. Eine Impfung bietet somit einen guten Schutz vor einer schweren Erkrankung, während vor allem Ungeimpfte häufig im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Zu berücksichtigen ist bei den Zahlen aus England vor allem,

1. dass dort überwiegend AstraZeneca, ein relativ schlechter Impfstoff, verimpft wurde,

2. dass die Maskenpflicht aufgehoben wurde,

3. dass viele Geimpfte sich für unverwundbar hielten und voll ins Partyleben stürzten.

Ähnliches geschah in Israel, allerdings mit dem besseren BioNTech-Impfstoff.

Sehr viele Impfdurchbrüche sind so zu erklären: Wenn die Virusmenge bei der Infektion hoch ist – das ist der Fall, wenn Leute keine Masken mehr tragen und feiern –, hält der durch Impfung oder Genesung induzierte Schutz nicht, denn die Antiköpermenge kann eine Infektion mit einer hohen Viruszahl nicht verhindern.

Aus diesem Grund werden wir ohne Masken auch bei 2G-Regeln regelmäßig Masseninfektion erleben. Von einer Alpha-Infektion Genesene erkranken fast immer erneut mit dem Delta-Virus, nur sind die Krankheitsverläufe abgemildert.

Die Studie von Twohlig und Kollegen (2021) belegt zudem, dass die Delta-Variante deutlich gefährlicher ist als das ursprüngliche Virus. Die Wahrscheinlichkeit für eine Krankenhauseinweisung nach einer Infektion mit der Delta-Variante war mit dem 2,26-Fachen mehr als doppelt so hoch wie bei der Alpha-Variante (Twohig et al., 2021). Die Hospitalisierungsrate war mit 2,2 % bei der Alpha-Variante zwar ähnlich hoch wie bei der Delta-Variante mit 2,3 %, doch nach Bereinigung der Daten u. a. um das Alter und den Impfstatus der Patienten, welche sich erheblich unterschieden, ergab sich die deutliche Risikoerhöhung.

Bereits im Frühling und Sommer 2021 war die Hospitalisierungsrate mit dem Delta-Virus deutlich höher als beim Alpha-Virus, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Gefährlichkeit des Virus normalerweise stark reduziert ist. Betroffen sind nun (aufgrund der Impfungen der Älteren) vor allem Jüngere, die bei der Alpha-Variante im Sommer 2020 so gut wie nie ins Krankenhaus mussten. Aus den vorhandenen Daten kann man schließen, dass das Delta-Virus drei- bis fünfmal gefährlicher ist als die Alpha-Variante. Hierzulande wird dieser Effekt jedoch durch eine hohe Impfquote der Risikogruppen und Kontaktbeschränkungen der Ungeimpften in Bezug auf die Sterblichkeit abgemildert.

Weltweit gibt es mittlerweile etwa fünf Millionen Tote zu beklagen, die mehrheitlich auch tatsächlich an COVID-19 verstarben. In ärmeren Ländern sind die meisten Menschen ohne einen Corona-Test verstorben und tauchen damit in der offiziellen Statistik nicht auf. Nach neuesten Schätzungen könnten global bis zu 13,7 Millionen Menschen zusätzlich dem Virus zum Opfer gefallen sein (The Economist, 2021). Diese Daten beruhen auf der Berechnung der Übersterblichkeit. Unklar bleibt im Vergleich dazu, wie viele Menschen bisher an den indirekten Folgen der Pandemie, insbesondere an Hungersnöten, verstorben sind.

Bei einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz des Bundesverbandes Deutscher Pathologen, der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie berichtete Johannes Friemann am 20. August 2020 (Ärzteblatt, 2020): „In mehr als drei Viertel der Obduktionen konnte die COVID-19-Erkrankung als wesentliche oder alleinige zum Tode führende Erkrankung dokumentiert werden.“ Ohne die Erkrankung hätten die Betroffenen noch einige oder auch viele Jahre gut leben können. Stattdessen mussten viele unter schrecklichen Umständen isoliert auf einer Intensivstation ohne Angehörige versterben.

Der Corona-Selbsthilfe-Ratgeber

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