Читать книгу Medizin ohne Schnickschnack - Dr. Mohsen Radjai - Страница 21
Оглавление»INNERE WERTE«
ECHTE LEBENSMITTEL STATT TEURER NAHRUNGSERGÄNZUNG
Markus K. steht beruflich unter hohem Zeitdruck: Der stellvertretende Abteilungsleiter und Vermögensberater bei der Sparkasse hat neben der individuellen Kundenberatung auch regelmäßige Personalgespräche, Meetings mit Vorgesetzten und Schulungsaufträge für Auszubildende auf dem Zettel. Dadurch kommt der 39-Jährige nicht zu einer geregelten, ruhigen Mittagspause. Er isst vorrangig Fast Food und ungesunde Snacks zwischendurch – gern mittags von der Imbissbude im Gehen und als Nachtisch einen Schokoriegel zum Kaffee. Abends gönnt er sich öfter einen Gin, um »runterzukommen«. Trotzdem hat er bisher nur leichtes Übergewicht und einen BMI von 27.
Check-ups außerhalb der Vorsorgeintervalle müssen Patienten normalerweise selbst bezahlen, ebenso wie die Laborwerte von Vitaminen. Anders sieht es aus, wenn der Arzt sie für eine Diagnose benötigt, sie also medizinisch indiziert sind.
Dass das nicht optimal ist, weiß er. Um überhaupt etwas Gesundes aufzunehmen, schluckt er täglich mehrere hochpreisige Vitaminpräparate aus der Apotheke. Mit diesen Nahrungsergänzungsmitteln beruhigt er sich und sein schlechtes Gewissen.
Als Herr K. zu mir kommt und um einen Check-up bittet, ergibt dieser ein altersgerechtes Bild, bis auf das leichte Übergewicht. Der Organbefund im Ultraschall ist unauffällig, allerdings erscheint das Lebergewebe leicht verfettet. Dazu passt, dass die Laboruntersuchung des Bluts eine leichte Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte) ergibt. Zudem sind die Leberwerte etwas zu hoch. Eine virale oder autoimmune Hepatitis können wir ausschließen. Das Ergänzungslabor für die zusätzlich gewünschten Vitamine zeigt erhöhte Werte für die Vitamine B6 und B12. Die restlichen Vitamine liegen im obersten Normalbereich. Sein Blut spiegelt also eins zu eins seinen Ernährungsstil wider: schlechte Leberwerte durch zu viel Junkfood kombiniert mit Alkohol am Abend, hohe Vitaminwerte durch die Ersatzpillen.
In einem ausführlichen Beratungsgespräch erläutere ich Markus K. die Zusammenhänge. Die Ergebnisse bereiten ihm jetzt zwar keine Schmerzen, werden sich aber mittel- und langfristig negativ auf seine weitere Gesundheit auswirken. Deshalb empfehle ich ihm, den Alkoholkonsum ganz entscheidend zu reduzieren und seine Ernährung konsequent umzustellen: Statt auf Döner oder Pizza soll er auf selbst gekochtes Essen nach dem Vorbild der mediterranen Kost (siehe > ) setzen. Wichtig ist allerdings nicht nur, was er isst, sondern wie: nicht im Stehen und Gehen, sondern sitzend in einer ausreichenden, ruhigen Pause.
Außerdem rate ich zu regelmäßiger Bewegung auf moderatem Niveau, denn bisher ging er nur gelegentlich am Wochenende mal eine Runde joggen.
Ein halbes Jahr später kommt Herr K. zur Kontrolle: Er fühlt sich fitter, vitaler, ausgeruhter und vor allem insgesamt wohler – und die Überprüfung bestätigt das. Die Laborwerte haben sich komplett normalisiert. Das Echomuster der Leber hat sich verbessert und der BMI liegt jetzt bei 25. Außerdem kann Markus K. monatlich 150 Euro für Vitamine und andere Nahrungsergänzungen sparen – übers Jahr ein Betrag, der locker für einen zweiwöchigen Urlaub reicht.
POLLENALLERGIE? ODER DOCH ASTHMA?
Christoph F. geht es wie vielen Menschen im Frühling, wenn die Bäume grünen und blühen: Seit vier Jahren reagiert er von Jahr zu Jahr allergischer auf die Pollen. Inzwischen leidet er phasenweise unter Luftnot und nachts unter pfeifenden Atemgeräuschen. Er fühlt sich dadurch abgeschlagen und müde und seine Leistungen als Diplom-Ingenieur sind gesunken.
Gegen Allergien werden im Bereich der Alternativmedizin viele »Behandlungen« angeboten, die zwar teuer sind, aber nichts bewirken.
Bevor er mit diesen Beschwerden zu mir kam, hatte er eine Heilpraktikerin aufgesucht. Sie tippte genau wie er selbst auf eine Pollenallergie und empfahl ihm eine individuelle »Ausleitungstherapie« und ergänzend für mehrere Hundert Euro eine Bioresonanztherapie.
Nach der körperlichen Untersuchung und einem Lungenfunktionstest ergibt sich für mich jedoch der Verdacht auf eine pollenbedingte verengende Atemwegserkrankung, im Medizinerdeutsch: ein extrinsisches pollenassoziiertes Asthma bronchiale. Diese Diagnose haben die Untersuchungen beim Lungenfacharzt und Allergologen bestätigt, zu dem ich ihn überwiesen hatte. Ganz genau handelt es sich um eine Allergie gegen Birkenpollen.
Mein Therapievorschlag setzt im ersten Schritt bei den Symptomen an. Ich rate Herrn F., die Pollendosis mit einfachen Maßnahmen zu verringern. Er soll: sich abends abduschen und vor allem die Haare waschen, um die Pollen im Schlaf nicht ins Kissen zu reiben und zu inhalieren; die Kleidung des Tages nicht im Schlafzimmer aufbewahren (das Gleiche gilt für seine Partnerin, die ja auch Pollen an Kleidung und Haaren ins Schlafzimmer trägt); den Staubsauger mit entsprechendem Pollenfilter ausrüsten; das Fenster mit Pollenschutzflies versehen. In den Hochzeiten seiner Allergie empfehle ich ihm, abends ein antiallergisches Mittel einzunehmen und vorübergehend ein cortisonhaltiges Asthmaspray sowie bei Bedarf ein atemwegserweiterndes Spray zu nutzen. Damit kann er die Akutphasen gut beherrschen.
Im zweiten Schritt wollen wir ab Herbst die Ursache bekämpfen, also die Überempfindlichkeit gegen Birkenpollen: mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT), allgemein besser als Desensibilisierung bekannt. Für diese Behandlung braucht Herr F. ein wenig Geduld, aber schon im ersten Jahr fallen seine Symptome deutlich »sanfter« aus. Später kann die Asthmatherapie beendet werden und nach dreieinhalb Jahren SIT sind die belastenden Allergiebeschwerden verschwunden. Statt einer reinen Symptomtherapie wie bei den teuren Ausleit- und Bioresonanztherapien – beide Methoden sind wissenschaftlich nicht belegt und ohne Nutzennachweis – haben wir erfolgreich die Ursache behandelt.
EIGENTLICH NUR EIN FITNESSCHECK
Einmal im Jahr kommt Sebastian K. zu mir in die Praxis. Der 38-Jährige ist als selbstständiger Einzelhandelskaufmann privatversichert und braucht einen jährlichen Fitnesscheck, damit er die Rabatte seiner Krankenversicherung weiterhin erhält. Bislang ergaben die Untersuchungen keine nennenswerten gesundheitlichen Probleme, aber dieses Mal liegt der Cholesterinwert bei 263 mg/dl und damit deutlich über dem »erlaubten«, derzeit gültigen Grenzwert von 200 mg/dl. Die Diagnose lautet Hypercholesterinämie und die kostet Sebastian K. spürbare mehrere Hundert Euro pro Jahr an Prämie bei seiner Versicherung. Viel wichtiger ist natürlich, dass diese Werte ihn auch seine Gesundheit kosten können.
Wie konnte es dazu kommen und vor allem wie bekommen wir den Wert wieder in den Normbereich? Vor sechs Jahren beim Abschluss der Versicherung waren Herrn K.s Blutwerte noch normal. Seither allerdings hat er sein Geschäft eröffnet und – wie er sagt, »stressbedingt« – acht Kilo zugenommen. Er isst nun seine Hauptmahlzeit abends mit seinem Partner zusammen, bewegt sich weniger und gönnt sich tagsüber eher »Nervennahrung« in Form von Schokolade, Kuchen und Süßigkeiten zwischendurch. Für Sport bleibt ihm nur noch der Sonntag, an dem er sich aber nur selten dazu aufraffen kann.
Zu hohe Cholesterinwerte sind ein Risiko für Ihre Herzgesundheit, das Sie unbedingt ernst nehmen sollten.
Wir besprechen verschiedene Möglichkeiten, um den Cholesterinspiegel zu senken. Dabei steht die Verbesserung von Herrn K.s Ernährung im Zentrum. Ich empfehle ihm, sich mittags ganz bewusst eine Stunde Pause zu gönnen. Er soll Transfettsäuren meiden, die erheblich in Fertiglebensmitteln vorkommen und negativen Einfluss auf unsere Blutfette haben. Statt zu Pizza vom Lieferservice oder dick mit Remoulade bestrichenen Käsebrötchen vom Bäcker an der Ecke rate ich ihm, sich auf die Vorzüge der mediterranen Kost mit viel Gemüse und Fisch (siehe > ) zu konzentrieren. Er kann sich auch am Vortag gekochtes Essen mitbringen und soll auf jeden Fall genügend Ballaststoffe zu sich nehmen. Sie binden die Gallenfarbstoffe im Darm und scheiden sie so vermehrt mit dem Stuhl aus. Ansonsten würden nämlich bis zu 90 Prozent im Darm rückresorbiert, also wieder vom Körper aufgenommen. So aber ist die Leber gezwungen, neue Gallenfarbstoffe zu produzieren, und dafür braucht sie im Körper vorhandenes Cholesterin als geeigneten Baustoff. Mit Ballaststoffen kann Herr K. seinen Cholesterinspiegel effektiv senken. Bei Heißhungerattacken soll er statt ungesunder »Nervennahrung« ein großes Glas Wasser trinken.
Diese Tipps setzt er in den nächsten Wochen erfolgreich um. Außerdem läuft er jetzt mit seinem Partner samstags und sonntags gemeinsam eine Stunde, setzt also auf Stressabbau durch moderates Ausdauertraining. Nach fünf Monaten hat er sechs Kilo abgenommen und sein Cholesterin liegt wieder bei 183 mg/dl: Der Bonus ist ihm im nächsten Jahr also sicher.