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ERSTE ICH-ERFAHRUNGEN

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Diese ersten Kindes-Jahre kulminieren in einer Erfahrung, die vermutlich jedes Kind macht – mehr oder weniger bewusst. Es ist die Erfahrung: »Ich bin ein Ich.« Es gibt eine Reihe von Erinnerungsberichten über diese Erfahrung, besonders von Schriftstellern. Die plastische Anschaulichkeit und individuelle Verschiedenheit in der Schilderung dieses gleichen Erlebnisses ist erstaunlich. So erzählt Jacques Lusseyran (1924–1971) von einer Erinnerung an seinen vierten Geburtstag – so klar wie ein Bild, das an der Wand hängt: Er lief auf dem Gehweg auf ein Dreieck aus Licht zu, das sich wie auf eine Meeresküste öffnete. Während er noch mit Armen und Beinen ruderte, sagte er sich: »Ich bin vier Jahre alt, und ich bin Jacques.« Er erlebte diesen Moment als »Geburt der Persönlichkeit«, als einen Moment großer freudiger Erregung: »... der Strahl allumfassender Freude hatte mich getroffen, ein Blitz aus wolkenlosem Himmel.«5

Der Schriftsteller Jean Paul (1763–1825) hat ebenfalls seine erste bewusste Ich-Erfahrung in Form einer kleinen, kostbaren Erzählung geschildert:

»Eines Tages an einem Vormittag stand ich als ein sehr junges Kind unter der Haustür und sah links nach der Holzlage, als auf einmal das innere Gesicht ›Ich bin ein Ich‹ wie ein Blitzstrahl vom Himmel vor mich fuhr und seitdem leuchtend stehen blieb. Da hatte mein Ich zum ersten Mal sich selber gesehen und auf ewig.«6

In diesen beiden stellvertretend genannten Schilderungen ist das Ich-Erleben verbunden mit einem Licht-Erleben von außen im Raume. Das Licht kommt von vorn oder von oben – »wie ein Blitzstrahl« – und trägt das Ich-Erleben. Wie schön, dass das Wort »ich« auch in »L-ich-t« enthalten ist!

Ein Schlüssel zur inneren Biografie

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